Fahrbericht Toyota Prius Plug-in: Graue Maus unter Strom

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Der Toyota Prius Plug-in ist für die Japaner der nächste Schritt in die Zukunft der Mobilität. An der Steckdose aufgeladen, kann der Wagen bis zu 20 Kilometer rein elektrisch fahren, danach sorgt ein Benziner für Vortrieb. Roman Büttner hat ausprobiert, ob Toyota sein Versprechen hält.

Toyota Prius Plug-in: Unauffälliger Avantgardist Fotos

Das hört sich interessant an: 2,6 Liter. Gemeint ist der Durchschnittsverbrauch des Toyota Prius Plug-in auf 100 Kilometer. Wie üblich sind die vom Hersteller genannten Werte in der Praxis kaum zu erreichen, aber selbst wenn man noch einen oder zwei zusätzliche Liter kalkuliert, wäre das ein guter Wert.

Ist man mit einem herkömmlichen Wagen in der Stadt unterwegs, muss man mit einem weitaus höheren Spritbedarf rechnen, als den angegebenen Normverbrauch. Genau hier soll der Prius Plug-in, der ab Spätsommer 2012 beim Händler stehen wird, sein Stärken ausspielen. Im Idealfall verbraucht er nämlich überhaupt kein Benzin. Nach Angaben der Toyota-Leute reichen die Batterien für 20 Kilometer Stromfahrt und das bei einer Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h. Im SPIEGEL-ONLINE-Test erwies sich das jedoch als deutliche Übertreibung - unter anderem wegen eines hohen Stopp-and-Go-Anteils musste nach knapp elf Kilometern der Verbrennungsmotor den Vortrieb übernehmen.

Größerer Akku für mehr Reichweite

Vom herkömmlichen Toyota Prius unterscheidet sich die Plug-in-Variante vor allem durch die höhere elektrische Reichweite. Die haben die Ingenieure durch den Einsatz eines leistungsfähigeren Lithium-Ionen-Akkus erreicht, während im seit 2009 erhältlichen Modell eine Nickel-Metalhydrid-Batterie die Energie speichert.

In der Stadt kann man mit dem Prius Plug-in also extrem sparsam fahren. Auf der Autobahn verhält sich der Steckdosen-Prius fast wie alle anderen Autos. Weil aber der Verbrenner die hauptsächliche Leistung liefert und der E-Motor nur unterstützt, steigt der Verbrauch deutlich an. Während der Testfahrten mit hohem Autobahn- und Vollgasanteil haben wir sechs Prozent der Strecke im Elektromodus zurückgelegt, die restlich Distanz arbeitete entweder der Benziner allein oder zusammen mit der E-Maschine im Hybridmodus. Laut Bordcomputer lag der Durchschnittsverbrauch bei sechs Litern.

Das ist nicht wenig - vor allem, wenn man die Fahrleistungen in Rechnung stellt. Prius-Besitzer, die hauptsächlich in der Stadt unterwegs sind, dürften allerdings deutlich günstiger wegkommen. Trotzdem überzeugt das Konzept. Es ist uneingeschränkt alltagstauglich und dank eines Tankinhalts von 45 Litern sind auch Fahrten in den Urlaub kein Problem.

Flott und schwer

Dabei geht das Auto recht flott zur Sache. Von 0 auf 100 km/h in 11,4 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h sind möglich; der Bordcomputer zeigte sogar 194 km/h an. Dafür sorgt die Kombination eines 1,8-Liter-Verbrenners mit 99 PS und einer Elektromaschine, die noch mal 82 PS leistet. Zusammen kommt das Gespann auf eine Systemleistung von 136 PS und ein maximales Drehmoment von 207 Nm.

Grundsätzlich ist der stärkere Akku und die damit gestiegene Distanz im Elektromodus zu begrüßen, doch dafür muss der Fahrer einige Abstriche in Kauf nehmen. Der Energiespeicher wiegt etwas mehr als im herkömmlichen Prius. Dadurch steigt das Gesamtgewicht des Plug-ins je nach Ausstattung um bis zu 55 auf mindestens 1500 Kilogramm. Im Normalfall spürt der Fahrer davon eher nichts. In Extremsituationen macht sich die Masse des Wagens jedoch unangenehm bemerkbar. Schon bei etwas stärkeren Lenkbewegungen auf der Autobahn spürt man die Belastung des Fahrwerks recht deutlich.

Optisch bleibt das alte Problem: Die Karosserieform ist speziell und der Innenraum wirkt trist wie in vielen Modellen des Herstellers. Allein die praktische Einrichtung kann überzeugen. Die Insassen finden zahlreiche Ablagemöglichkeiten für Getränke, Telefon und Kleinkram.

Neue Batterie zum Start

Auch wenn das Plug-in-Prinzip eine sinnvolle Ergänzung zum bereits bekannten Hybridantrieb ist, bleibt das Problem mit der unzureichenden Infrastruktur. Wer keinen Stromanschluss am Arbeitsplatz oder zu Hause hat, ist auf die wenigen verfügbaren öffentlichen Ladesäulen angewiesen. Wer viel in der Stadt unterwegs ist, profitiert dann allerdings vom deutlich reduzierten Verbrauch. Vorteile für die Umwelt ergeben sich - wie bei allen elektrisch angetriebenen Fahrzeugen - erst, wenn der Strom aus regenerativen Quellen stammt.

Ob sich das Konzept überhaupt durchsetzt, wird man sehen. Der Prius Plug-in wird im Spätsommer 2012 bei den Händlern stehen. Dann allerdings mit einer überarbeiteten Batterie. Wie viel das Auto kosten wird, wollte man bei Toyota noch nicht sagen. Nur so viel: Der Preis soll unter 37.000 Euro liegen.

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1. Immer diese Seitenhiebe
Leser161 14.11.2011
Ein überraschend neutraler Artikel über das Hybridkonzept. Weiter so! Wenn jetzt noch die letzten Seitenhiebe verschwinden ist alles in Ordnung "Der Inneraum ist trist, wie bei vielen Modellen des Herstellers" - Setzen Sie sich mal in einen VW, überall pseudogenarbter schwarzer Schaum, das ist trist - Gucken Sie mal in Autobörsen Priusinnenräume, die sind evt schräg/gewöhnungsbedürftig, aber nicht trist
2. Keine Reichweite
r-le 14.11.2011
Zitat von sysopNach Angaben der Toyota-Leute reichen die Batterien für 20 Kilometer Stromfahrt und das bei einer Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h. Im SPIEGEL-ONLINE-Test erwies sich das jedoch als deutliche Übertreibung - unter anderem wegen eines hohen Stopp-and-Go-Anteils musste nach knapp elf Kilometern der Verbrennungsmotor den Vortrieb übernehmen. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,795385,00.html
Reichweite 20 Km Soll und dann wiederum nur 11? Beides ein Witz. Schade, dass geht schon besser. Siehe Opel Ampera.
3. ...
acitapple 14.11.2011
Zitat von Leser161Ein überraschend neutraler Artikel über das Hybridkonzept. Weiter so! Wenn jetzt noch die letzten Seitenhiebe verschwinden ist alles in Ordnung "Der Inneraum ist trist, wie bei vielen Modellen des Herstellers" - Setzen Sie sich mal in einen VW, überall pseudogenarbter schwarzer Schaum, das ist trist - Gucken Sie mal in Autobörsen Priusinnenräume, die sind evt schräg/gewöhnungsbedürftig, aber nicht trist
genau, denn wenn etwas so grün, so umweltverträglich, so gut ist, dann darf es natürlich keine nachteile geben und niemand darf auch nur die kleinste ausrede parat haben so ein ding NICHT zu kaufen. hybrid ist (noch) keine lösung für alles. im stadtverkehr ist sowas sicher sehr sinnvoll, jedoch auf langstrecken ist ein sauberer diesel immer noch besser.
4. 6 l "nicht wenig"?
snark 14.11.2011
6 l/100km Durchschnittsverbrauch bei hohem "Vollgasanteil", also irgendwas zwischen 180-190 km/h (damit wird der Hybridantrieb natürlich zum grünen Deckmäntelchen) für ein 1500kg-Auto sollen "nicht wenig" sein? Welches konventionelle Auto dieser Gewichtsklasse würde das denn schaffen? Oder sollte das eigentlich "nicht viel" heißen?
5. 20km sind nicht so unrealistisch.
andischatz 14.11.2011
Ich fahre den Prius Plug-In schon seit einer Weile öfter mal als Car-Sharing-Auto über Flinkster in Berlin. Und dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass die 20km elektrische Reichweite durchaus erreicht werden können, bei entsprechender Fahrweise. Das schöne am Prius ist, dass man sich mit der Zeit tatsächlich auch eine andere Fahrweise angewöhnt, da man über das Display ständig darüber informiert wird, wie energiesparend man gerade fährt. Man entwickelt da einen regelrechten Ehrgeiz, möglichst sparsam zu fahren. Und der wird dann auch mit einem niedrigen Verbrauch belohnt. Dabei kann er durchaus auch fast sportlich, der Prius, aber dabei bekommt man dann tatsächlich ein bisschen schlechtes Gewissen. ;-) Der Innenraum und die Instrumentierung sind sicher gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, durchaus praktisch und innovativ. Und nicht zu vergessen sehr sehr bequem. Der Prius fühlt sich sehr wertig an, das Fahrgefühl ist durchaus angenehm. Ganz besonders natürlich , wenn er im Elektromodus dahin surrt. Unterhaltungselektronik & Co sind übrigens auch nicht von schlechten Eltern und es gibt sogar ein automatisches Einparksystem als Extra. (Nein, ich werde nicht von Toyota bezahlt) ;-)
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Fahrzeugschein
Hersteller: Toyota
Typ: Prius Plug-in
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Benzin-Hybrid
Getriebe: stufenlose Automatik
Antrieb: Front
Hubraum: 1.798 ccm
Leistung: 99 PS (73 kW)
Leistung (E-Motor): 82 PS (60 kW)
Drehmoment: 142 Nm
Drehmoment (E-Motor): 207 Nm
Von 0 auf 100: 11,4 s
Höchstgeschw.: 180 km/h
Verbrauch (ECE): 2,6 Liter
CO2-Ausstoß: 59 g/km
Kofferraum: 403 Liter
umgebaut: 1.503 Liter

Schnellcheck
Toyota Prius Plug-in

Einsteigen: ...weil auch längere Fahrten kein Problem sind und sich der Preisaufschlag in Grenzen hält.

Aussteigen: ...weil die Spritersparnis für Langestreckenfahrer nicht überzeugt.

Umsteigen: ...ist im Prinzip nicht möglich. Der Opel Ampera ist technisch kaum zu vergleichen. Am ehesten noch aus dem herkömmlichen Prius.

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