Toyota Yaris Hybrid: Der Spartrumpf

Von

Toyota Yaris Hybrid: Der billigste Bastard Fotos
Toyota

Zu komplex, zu teuer, kaum Verbrauchsvorteile: So argumentieren deutsche Hersteller gegen den Hybridantrieb. Mit dem Yaris Hybrid entkräftet Toyota all diese Argumente. Er kostet so viel wie ein Polo und verbraucht deutlich weniger. Und das Beste ist: Mit ihm wird aus Spritsparen ein Sport.

In der besten aller Autowelten brettern wir mit hundert Sachen über einen Highway, vor uns liegt nichts als der Horizont und ein Haus am Strand. Aber der Alltag sieht meist so aus: 25 Minuten Fahrzeit zur Arbeit, die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt 17 km/h. Freude am Fahren wird hier nur noch zu einer Frage des Verbrauchs. Der Toyota Yaris Hybrid ist so gesehen ein echtes Spaßmobil.

3,1 Liter Benzin auf 100 Kilometer gibt Toyota innerorts als Durchschnittsverbrauch an. Und dieser Wert lässt sich tatsächlich erreichen. Dazu braucht es am Steuer nur etwas Gelassenheit. Den Rest erledigt die ausgeklügelte Technik des Yaris Hybrid.

Fragt man deutsche Autohersteller, warum die Hybridtechnologie nur so zögerlich in ihre Produktpalette Einzug hält, bekommt man immer die gleichen Antworten: Die Technik sei komplex und teuer, der Verbrauchsvorteil würde den Mehrpreis nicht rechtfertigen. All diese Argumente entkräftet Toyota mit dem Yaris Hybrid. Er kostet so viel wie der sparsamste Polo, aber verbraucht einen Liter weniger auf 100 Kilometer. Gäbe es das Label "Volkshybrid", der Yaris hätte es verdient.

Technisch betrachtet ist er der kleine Bruder des Toyota Prius. In ihm stecken ein 1,5-Liter Benzin-Motor mit vier Zylindern und ein Elektromotor. Ein System entscheidet anhand der Drehzahl oder der Radumdrehungen, welche Antriebsart zum Einsatz kommt: Benzin oder Strom - oder beide Aggregate gleichzeitig. Oberstes Prinzip ist jedoch, den Verbrenner so selten wie möglich zu bemühen.

Die Entdeckung der Langsamkeit

In der Stadt funktioniert das problemlos. Der Yaris Hybrid gleitet die meiste Zeit leise, emissionsfrei und praktisch gratis durch den Verkehr. Voraussetzung dafür ist allerdings eine sachte Behandlung des Gaspedals. Das System ist eben nur so gut wie seine schwächste Komponente - und das sind nun mal wir, die Autofahrer. Der Trick beim Yaris Hybrid liegt darin, dass er uns die Zurückhaltung so einfach macht.

Im Yaris wird Spritsparen zu einem Sport, bei dem derjenige mit dem gelassensten Fahrstil gewinnt. Weil die Batterie des Yaris nicht über eine Steckdose aufgeladen werden kann wie bei einem Plug-in, sondern allein durch die Energierückgewinnung beim Bremsen, der sogenannten Rekuperation, ist man als Fahrer ständig versucht, den kleinen Energiespeicher unter der Rückbank so voll zu hauen wie möglich.

Zum Beispiel beim Heranrollen an eine rote Ampel: Sobald der Wagen rollt, lädt der Elektromotor wie ein Generator die Batterie. Wenn man leicht auf das Bremspedal tritt, kann man zudem den Ladestrom erhöhen, der Elektromotor arbeitet dann als Bremse und pumpt gleichzeitig noch mehr Strom in den Akku. Bei einem hektischen Tritt in die Eisen aber arbeitet das ganz normale Bremssystem - die wertvolle Energie verpufft. Vorausschauendes Fahren wird so zur Lust, nicht Last.

So wie ein Porsche zum hemmungslosen Beschleunigen verführt, weckt der Yaris Hybrid den Ehrgeiz, in den Eco-Modus zu schalten. Der drosselt das Ansprechverhalten des Gaspedals - eigentlich ein Stimmungskiller beim Auto. Beim Yaris nimmt man diese Funktion aber als wirksames Doping zur Entschleunigung wahr. Schließlich wird so die Batterie geschont.

Plötzlich wird's laut

Auf der Landstraße erzieht der Yaris Hybrid ebenfalls zur Zurückhaltung. Allerdings mit Peitsche statt Zuckerbrot. Beim Tritt aufs Gaspedal knurrt er nämlich mürrisch. So, als ob er dem Fahrer sagen möchte: "Freundchen, reiß dich gefälligst zusammen." Dann erst wird er ein bisschen flotter. Dieser klassische Gummiband-Effekt ist dem Atkinson-Motor geschuldet. Und auf der Autobahn ist bei 165 km/h sowieso Feierabend. Mit einer Gesamtleistung von 100 PS sind von dem Kleinwagen eben keine Dynamik-Wunder zu erwarten.

Technik erklärt
Atkinson-Zyklus

Bei Atkinson-Motoren werden alle vier Takte innerhalb einer Umdrehung der Kurbelwelle durchgeführt statt wie sonst zwei. Dadurch ist es möglich, die Einlassventile erst spät zu schließen, wenn der Kolben bereits wieder auf dem Weg nach oben ist und verdichtet. So werden Pumpverluste vermieden und die Verbrennungsenergie effizienter genutzt. Der Verbrauch sinkt.
Die Effizienz geht allerdings auf Kosten der Leistung. Im unteren Drehzahlbereich liefert der Atkinson-Motor ein geringes Drehmoment. Bei der Beschleunigung dreht er höher als konventionelle Motoren. Um die gewünschte Leistung abzugeben, braucht er die Unterstützung des Elektromotors. Der Motor heult auf, aber das Auto beschleunigt mit einer Verzögerung - ein klassischer Gummiband-Effekt.
Was an diesem Auto stattdessen begeistert, ist die konsequente Umsetzung der Idee eines sparsamen und erschwinglichen Stadtmobils.

Alltagstauglich und zeitgemäß

Das Basismodell gibt es zum Preis von 16.950 Euro. Der Yaris ist damit das billigste Hybridauto in Deutschland. Wo ist der Haken? Wieso kann Toyota, was VW, Audi, BMW, Mercedes nicht können?

Fakt ist: Toyota profitiert von seiner jahrelangen Hingabe an das Hybridkonzept. Die Margen beim Verkauf von Hybridautos mögen zur Zeit noch klein sein, doch die Japaner denken langfristig. Sie wollen die Hybrididee mit aller Macht in den Markt drücken - und das rechnet sich irgendwann. Bereits jetzt produzieren sie den Hybridantriebsstrang global in so großen Stückzahlen, dass sie einfach billiger anbieten können als die Konkurrenz. Das Ergebnis sind Autos wie der Yaris Hybrid.

Hinzu kommt, dass das Einstiegsmodell ziemlich abgespeckt dasteht - zum Beispiel ohne Radio. Die Version Yaris Hybrid Life, ausgestattet mit einem Multimedia-Audiosystem, kostet tausend Euro mehr.

Sicher darf man bei diesem Preis keine Luxus-Lounge im Innenraum erwarten. Das Ambiente ist eher rustikal, Stoffe und Kunststoffe etwas hemdsärmelig. Faszinierend ist beim Yaris das, was unter Blech und Interieur steckt: das vollkommen reibungs-, und überganglose Zusammenspiel der verschiedenen Antriebstechnologien.

Kein Fahrzeugkonzept ist so zeitgemäß wie ein Kleinwagen mit Hybridantrieb. Elektroautos? Immer noch zu teuer, die Infrastruktur zu löchrig. Außerdem ist der Klimavorteil so lange total theoretisch, bis der gesamte Strom aus regenerativen Energiequellen stammt. Konventionelle Antriebe? In diesem Jahr wurden fast täglich neue Rekordpreise für Sprit vermeldet.

Moderner als im Yaris Hybrid kann man sich zu einem vernünftigen Preis derzeit nicht fortbewegen. Vielleicht fährt man in diesem Toyota nicht in der besten aller Autowelten - aber auf jeden Fall in der alltagstauglichsten.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 223 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Auch auf Dauer nicht günstiger
ortilius 02.11.2012
Das Basismodell des Yaris kostet als normaler Benziner mit 99PS € 14.380.- laut Liste, abgezogen wid noch der Rabatt der bei der Hybridvariante aufgrund der geringeren Marge deutlich geringer ausfallen dürfte. ECE Verbrauch 3,5 vs. 5,4 Liter je 100 km, also eine Ersparnis von 1,9 Litern. Man kann also für die € 2.500.- Differenz in der Anschaffung sehr sehr lange tanken und das ist auch der Grund warum VW und andere solche Modelle noch nicht anbieten.
2. Galt auch schon für Auris Hybrid
gewappnetTS 02.11.2012
Zwar galt all das auch schon für den Auris Hybrid, aber schön, dass SPON endlich aus der Phalanx der deutschen Autopresse ausbricht. Was ist passiert? Nicht mehr zum gemeinsamen Essen mit den Vertretern der deutschen Autoindustrie eingeladen worden?
3. also doch 3,5l/100km
hyho 02.11.2012
nichts gegen den fortschritt, aber der neue corsa diesel schafft einen normverbrauch von 3,3l/100km. allerdings ist opel angeblich sooo unelegant und bieder, mit einem hybrid kann man natürlich viel mehr angeben. meinen alten corsa fahre ich übrigens bei einem normverbrauch von 4,9l/100km bei geschickter, nicht langsamer fahrweise mit ca. 4,null l/100km, ist ja schließlich nur ein 5-türer, 5-sitzer mit vollautomatik und deutlich billiger als der hybrid.
4. Die Faszination eines Hybridantriebs...
Cartman1984 02.11.2012
... ist eigentlich unabhängig von der Fahrzeuggröße. In einem Cayenne oder Panamera Hybrid packt einen als Fahrer genauso die Sucht nach dem elektrischen Fahren. Jedem zu empfehlen :)
5. und später?
spontanmeinung 02.11.2012
Im Prinzip könnte ich mir ja den Erwerb eines Hybrid vorstellen. Aber was ist mit den Servicekosten in einigen Jahren? Schliesslich sind hier zwei Antriebssysteme drin, die dem Verschleiss unterliegen. Solange mir das keiner vorrechnen kann, bleib ich bei konventioneller Technik.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Tests
RSS
alles zum Thema Toyota-Modelle
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 223 Kommentare
Facebook

Fotostrecke
Toyota-Historie: Ein Autohersteller mit IQ

Fahrzeugschein
Hersteller: Toyota
Typ: Yaris Hybrid
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: stufenlose Automatik
Antrieb: Front
Hubraum: 1.497 ccm
Leistung: 100 PS
Drehmoment: 111 Nm
Drehmoment (E-Motor): 169 Nm
Von 0 auf 100: 11,8 s
Höchstgeschw.: 165 km/h
Verbrauch (ECE): 3,5 Liter
CO2-Ausstoß: 79 g/km
Kofferraum: 286 Liter
Gewicht: 1.160 kg
Maße: 3905 / 1695 / 1510
Preis: 16.950 EUR

Aktuelles zu