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Autogramm Triumph Tiger 800 XRx: Weiterhin gute Reise

Autogramm Triumph Tiger 800 XRx: Frisch von der Insel Fotos
Triumph

Triumph hat seinen Bestseller aufgefrischt: Der Motor der Reiseenduro Tiger 800 ist verfeinert worden, außerdem gibt es eine Menge zusätzliche elektronische Helfer. Die neuen Möglichkeiten offenbaren allerdings ein altes Problem des englischen Herstellers.

Der erste Eindruck: Die Doppelscheinwerfer, der kunstvoll geschwungene Stahlrohrrahmen und das offen liegende Dreizylinderherz - das ist typisch Triumph und sieht einfach gut aus. Wirkte die Tiger 800 schon zuvor kantig und raubeinig, hat sich dieser Eindruck beim neuen Modell noch verstärkt.

Das sagt der Hersteller: "Wir wollten die Tiger nicht neu erfinden," sagt Uli Bonsels von Triumph Deutschland, "warum auch, sie verkauft sich seit der Markteinführung 2010 blendend."

Aber nach fast fünf Jahren spürt Triumph Konkurrenzdruck. Fast jeder große Hersteller hat inzwischen eine vergleichbare kleine Reiseenduro mit Offroad-Fähigkeiten im Angebot. Die Tiger ist immer noch Triumphs bestverkauftes Motorrad weltweit - aber der Absatz stagniert.

Deshalb sagt Bonsels über den Bestseller auch: "Besser geht immer." Die Entwickler im britischen Hinckley haben sich in dieser Hinsicht vor allem auf die Technik konzentriert. Mit 95 PS ist die Leistung des Motors gleich geblieben, doch das 799-Kubik-Triebwerk hat nach Angaben des Herstellers jetzt einen niedrigeren Verbrauch (im Schnitt unter fünf Liter auf 100 Kilometer).

Das ist uns aufgefallen: Viele kleine Modifikationen am Motor verleihen der Tiger das jetzt noch breitere nutzbare Leistungsband: Der Dreizylinder zieht zwischen 2000 und 10.000 Umdrehungen so robust durch, als ob man bei Starkwind ein Großsegel gesetzt hätte.

Das gilt für alle vier Modellvarianten der Tiger 800, die Triumph 2015 anbietet: sowohl für die mit Speichenrädern ausgestattete, geländeorientierte XC, als auch für die Softenduro XR mit Gussrädern. Beide Modelle sind in einer Standard- und in der weitaus besser ausgestatteten x-Version erhältlich. Wir sind in Spanien die Tiger 800 XRx gefahren.

Die Maschine wurde außerdem elektronisch extrem aufgerüstet. Schon die Basisfahrzeuge können nun mit abschaltbarem ABS und Traktionskontrolle TTC punkten. Richtig in die Vollen geht Triumph bei der besseren Ausstattung in der x-Modellen: Im "Road"-Fahrmodus regeln ABS und Traktionskontrolle für den Straßenbetrieb; im "Offroad"-Status ist das Hinterrad-ABS deaktiviert und am Vorderrad defensiv; die Traktionskontrolle regelt spät und lässt Drifts zu. Im "Rider"-Modus schließlich können ABS- und TTC-Einstellungen mit vier verschiedenen Einstellungen (Straße, Regen, Sport, Offroad) frei kombiniert werden.

Das Problem mit diesem elektronischen Füllhorn: Triumph steht auch 2015 mit Schalterdesign und Menüführung auf Kriegsfuß. Bevor man den ersten Gang einlegt, sollte man einen Grundkurs "Klicken im Dunkeln für Fortgeschrittene" absolviert haben. Doch wenn man einmal rollt, funktionieren Fahrmodi und Fahrzeug bestens.

Es gibt sportlichere, fahrdynamischere Straßenenduros und welche, die sich im Dreck wohler fühlen (wie zum Beispiel die Schwestermaschine XCx). Doch die Tiger XRx ist eines der seltenen Fahrzeug, auf denen man sich sofort heimisch fühlt: absolut gutmütiges Fahrwerk, kein Aufstellmoment beim harten Bremsen, keine spürbare Nervosität bei schnellen Manövern. Federung und Bremsen ohne Fehl und Tadel.

Auch der Platz hinterm Lenker passt. Die Sitzbank ist zweifach verstellbar, die Sitzposition entspannt und auf lange Distanzen ausgelegt. Einen verstellbaren Windschutz gibt es allerdings nur gegen Aufpreis.

Das muss man wissen: Mit der Tiger 800 XRc will Triumph das tourenorientierte Publikum ansprechen, deshalb ist die Ausstattung voluminös: Tempomat, zweite Steckdose, Hauptständer und selbstrückstellende Blinker sind schon an Bord.

Für die Fernreise zukaufen kann man zum Beispiel ein Topcase, ein stabiles Kofferset und eine Griffheizung. Im Zubehörkatalog finden sich über vier Dutzend Artikel; damit verdient sich Triumph ein gutes Zubrot. Es sei den Engländern vergönnt, denn mit 10.890 Euro ist die Tiger 800 XRc vergleichsweise preisgünstig.

Das werden wir nicht vergessen: Was wurde nicht geunkt vor fast fünf Jahren: Die Tiger sei doch nur die peinliche Kopie der kleinen 800er GS-Enduro von BMW, damit käme Triumph nicht weit. Alles falsch. Die erste Tiger war schon gut, die neue ist noch besser.

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Zustimmung!
schensu 07.01.2015
Bin nach einem Vierteljahrhundert wieder eingestiegen mit einer 800XC. Vor der großen Tigerin war doch zu viel Respekt... Habe mich bei der Probefahrt auf dem Hof des Händlers einfach draufgesetzt und bin losgefahren. Na klar - die Ausstattung bedarf einer gewissen Gewöhnung. Doch wo ist das nicht so? Ich habe meine Entscheidung für das Kätzchen nicht bereut.
2. Na denn viel Spaß....
dr.schitzophren 07.01.2015
Ich liebe Motorräder, aber was derzeit mit diesem ganzen Elektronik-Schnick-Schnack-Schnuck passiert......Ganz interessant wird es , wenn man Urlaub in der Wüste macht und die Batterie ist leer .....Da kann man dann versuchen zu starten, bei der Gs BMW muß man dann sehr gut zu Fuß sein, denn selbst überbrücken geht dann wohl nicht...wegen der Diebstahlsicherung...lach.....na ja..so lange alles funzt....ist die Welt scheinbar in Ordnung. Diese Nachteile haften ja leider vielen neuen Mopeds an...
3. Huiii...
fitzefatz 07.01.2015
... am faszinierendsten ist die Tabelle mit den technischen Daten. 799 Nm Drehmoment - nicht schlecht! Was geht da wohl? Von 0 auf 100 km/h in 0,5 s (wenn die Reifen heiß genug sind und man das Vorderrad nicht gleich ins Gesicht bekommt) ;) Für mich stünde eine Tiger auf jeden Fall recht weit oben auf der Liste, wenn's mal darum geht, sich nen Tourer zuzulegen.
4. Drehmomentwunder
BJF 07.01.2015
Sollte das Drehmoment bei 799 ccm tatsächlich auch 799 Nm erreichen, wäre dieses Wunder wohl auch eine Erwähnung im Text wert. Laut Triumph Datenblatt sind es tatsächlich 79 Nm.
5. Nicht vergessen
argonaut-10 07.01.2015
Die erste Tiger hat allen BMW Enduro-Touren-Motorrädern das Fürchten gelehrt und war mit ihren über 80 PS der Gummikuh von BMW haushoch überlegen. Erst danach hat BMW mit seiner GS Reihe nachgelegt
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Fahrzeugschein
Hersteller: Triumph
Typ: Triumph Tiger 800 XRx
Karosserie: Motorrad
Motor: Dreizylinder-Viertaktmotor
Getriebe: Sechsganggetriebe
Hubraum: 799 ccm
Leistung: 95 PS (70 kW)
Drehmoment: 79 Nm
Höchstgeschw.: 210 km/h
Gewicht: 216 kg
Preis: 10.890 EUR
Zum Autor
Jochen Vorfelder ist passionierter Motorradfahrer. Er berichtet seit Jahren über die Bike-Szene und betreibt das Blog Moto1203. In der Rubrik Schräglage berichtet er für SPIEGEL ONLINE regelmäßig über die neuesten Zweirad-Entwicklungen. Alle bisher erschienen Schräglage-Folgen

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