Fahrbericht Triumph Tiger Explorer: Der Herausforderer im Schwergewicht

Aus Loja, Spanien, berichtet

Mit der Tiger Explorer will Triumph den Markt der schweren Reise-Enduros aufmischen. Die Voraussetzungen sind nicht schlecht, denn das britische Motorrad kann trotz kleinerer Macken überzeugen. Doch ob das reicht, ist fraglich - zu mächtig ist die Konkurrenz aus Deutschland.

Im Reigen der Reise-Enduros gibt es ein Motorrad, das immer als gesetzt gilt. Die BMW 1200 GS ist sozusagen die Macht im Schwergewicht, die Enduro, die es für die Herausforderer zu schlagen gilt. Bislang sind alle Versuche der Konkurrenz, die GS-Baureihe vom Thron zu stoßen, gescheitert. Nun unternimmt der britische Hersteller Triumph einen neuen Anlauf.

Seit Anfang März steht das Reise-Enduro-Flaggschiff des britischen Herstellers bei den Händlern: die Triumph Tiger Explorer. Der Blick auf die technischen Daten beeindruckt, der auf die Preisliste auch. Allerdings eher im negativen Sinne - mindestens 13.790 Euro sind für die Tiger fällig. Dafür ist das britische Motorrad umfangreich ausgestattet: ABS, Traktionskontrolle und ein Tempomat sind bereits ab Werk an Bord. Eine ähnlich ausgestattete BMW R 1200 GS kostet rund 1500 Euro mehr - was den Preis dann wieder relativiert.

Zwar verfügen die Bayern in der GS-Baureihe über mehr als 30 Jahre Erfahrung, entsprechend ausgereift ist das Motorrad. Doch speziell der Boxermotor gefällt nicht allen Fahrern. Vor allem beim Drehen am Gashahn schüttelt es die Fuhre mächtig durch. Triumph hingegen setzt traditionell auf einen Reihendreizylinder - und das Aggregat mit 1215 Kubikzentimetern Hubraum ist eine Wucht. In jeder Situation läuft die Maschine sauber und ruhig. Und mit einer Leistung von 137 PS und einem maximalen Drehmoment von 121 Nm verfügt das Triebwerk in fast jeder Situation über ausreichend Kraftreserven.

Das erkennt man vor allem an der Drehmomentkurve. Zwischen 2500 und 9500 Touren stehen mehr als 100 Nm zur Verfügung. Ideale Voraussetzungen also für schaltfaule Fahrer, die auch untertourig aus einer Kurve heraus beschleunigen wollen. In solchen Fällen ist die Maschine auch recht leise. Fährt man jedoch die Gänge etwas sportlicher aus, nehmen auch die Passanten das durchaus aggressive Knurren der Tiger deutlich wahr. Während die sich über den Motorenlärm wohl nicht immer freuen, gefällt diese Akustik dem Tester durchaus.

Keine Schönheit von der Insel

Ob das auch für die Optik gilt? Zwar ist der Gitterrohrrahmen nett anzuschauen, doch Verkleidung, Frontleuchten und der Tank wirken eher nach grobschlächtiger Werkbank als nach elegantem Design. Doch für viele Reise-Enduro-Fans hat genau das seinen Reiz. Schließlich handelt es sich bei solch einem Motorrad nicht um eine Lifestyle-Spielerei für den Boulevard, sondern um ein praxisorientiertes Gefährt.

Die rund 90 Kilometer lange Testfahrt im Süden Spaniens macht Lust auf längere Touren. Die höhenverstellbare Sitzbank - optional gibt es die auch in einer beheizbaren Variante für einen Aufpreis von 319 Euro - wirkt bequem, die verstellbare Scheibe bietet auch bei höheren Geschwindigkeiten ausreichenden Windschutz und die Haltung auf dem Motorrad verspricht Komfort auch für weitaus längere Strecken.

Die 137 PS verführen zur flotten Fahrt. Auf einer wendigen Strecke überrascht dann die Leichtigkeit, mit der sich das 259 Kilogramm schwere Motorrad in die Kurven legen lässt.

Zwar ist die schwere und wuchtige Tiger Explorer nicht für extreme Geländeeinsätze konzipiert, doch auch kleinere Ausflüge über Schotterpisten sind kein Problem. In dieser Situation zeigt sich die Stärke der zweistufige Traktionskontrolle. Droht das Hinterrad auf rutschigem Untergrund durchzudrehen, regelt die Elektronik die Leistung des Motors herunter und verhindert das Ausbrechen des Hecks. Dieser Eingriff klingt bei manchen Krads mit Antischlupfregelung oft, als hätte der Motor Fehlzündungen, doch bei der Triumph funktionieren die Eingriffe sanft und fast unmerklich.

Bescheidener Kampf

Technisch ist das Motorrad gut gerüstet für lange Reisen mit gelegentlich Offroad-Einlagen. Aber wehe, das Gefährt kippt um. Dann dürften die Verkleidungsanbauteile aus Plastik schnell brechen und einen Werkstattbesuch nach sich ziehen.

Trotzdem ist die Triumph Tiger Explorer ein überzeugendes Bike, das den Vergleich mit der GS des Marktführers BMW nicht scheut. Doch ob die Briten überzeugte Boxer-Fans konvertieren können, ist fraglich. Wahrscheinlich werden die Bayern auch weiterhin die Zulassungsstatistik beherrschen. Allein 2011 wurden laut KBA 6079 Maschinen des Typs 1200 GS zugelassen. Im Vergleich dazu sind die Prognosen der Briten bescheiden. Für 2012 plant der Hersteller rund 700 Tiger Explorer für Deutschland

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Triumph Tiger Explorer: Der Herausforderer von der Insel
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insgesamt 35 Beiträge
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1. Sicher ein
theodorheuss 12.03.2012
Zitat von sysopMit der Tiger Explorer will Triumph den Markt der schweren Reiseenduros aufmischen. Die Voraussetzungen sind nicht schlecht, denn das britische Motorrad kann trotz kleinerer Macken überzeugen. Doch ob das reicht ist fraglich - zu mächtig ist die Konkurrenz aus Deutschland. Fahrbericht Triumph Tiger Explorer: Der Herausforderer im Schwergewicht - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,817831,00.html)
gutes Mopped, aber ich bitte mal kurz innezuhalten. 13.500,- Euro ohne Extras! allein n Koffersatz kostet 750,- und ein 12 Volt Anschluß nochmal 180,-. Und wer reist schon ohne Koffer? Dann ist man bummelig bei 15.000,- !!! Euro. Ne ne. Ich fahre weiter meine K 100 Bj. 86, 150.000 Km auf der Uhr, aber sowas von geschmeidig und bequem und zuverlässig. Wenn ich 15 K über hätte würde ich ne einjährige Europamotorradreise machen. Auch die ganzen BMW`s kosten einfach viel zu viel, steht in keinem Verhältnis zum Nutzwert. Meine Kiste habe ich vor 4 Jahren gekauft mit 120.000 Km auf der Uhr für 1.900,- Euro.
2. Achtung!
cor 12.03.2012
Die Endlosdiskussion über die viel zu lauten Motorradfahrer, die die Sonntagsruhe stören und völlig unnötig Sprit rausblasen startet in drei , zwei, eins.... und go! PS Hiermit Grüsse ich alle Motorradfahrerkollegen, die so wie ich bei diesem herrlichen Frühlingswetter mit der Maschine zur Arbeit gefahren sind!
3. Boxer
Misi 12.03.2012
Zu der BMW: Wieso das denn? Ich dachte, dass sich Boxermotoren prinzipbedingt durch hohe Laufruhe auszeichnen!?
4. 250 Kilo und 130 PS
rwachsmu 12.03.2012
Zitat von corDie Endlosdiskussion über die viel zu lauten Motorradfahrer, die die Sonntagsruhe stören und völlig unnötig Sprit rausblasen startet in drei , zwei, eins.... und go! PS Hiermit Grüsse ich alle Motorradfahrerkollegen, die so wie ich bei diesem herrlichen Frühlingswetter mit der Maschine zur Arbeit gefahren sind!
Man sollte eher darüber diskutieren, warum bei uns diese megateuren Luxusschiffe wie die BMW GS die Zulassungstatistik anführen. Meine Theorie. Weil bei uns alles mögliche getan wird, um junge Leute vom Motorradfahren abzuhalten.
5. Boxer
cor 12.03.2012
Zitat von MisiWieso das denn? Ich dachte, dass sich Boxermotoren prinzipbedingt durch hohe Laufruhe auszeichnen!?
Verstehe ich auch nicht. Normalerweise laufen Boxer baubedingt etwas ruhiger, ja.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Triumph
Typ: Tiger Explorer
Karosserie: Zweirad
Motor: Reihendreizylinder
Getriebe: 6-Gang
Hubraum: 1.215 ccm
Leistung: 137 PS (101 kW)
Drehmoment: 121 Nm
Gewicht: 259 kg
Preis: 13.790 EUR
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Triumph Tiger Explorer

Das begeistert: Der laufruhige und starke Motor, das klasse Fahrwerk und die umfangreiche Serienausstattung.

Das fehlt: Ein größerer Tank.

Das nervt: Die etwas schludrige verarbeitete Verkleidung.

Was sonst? Losfahren und genießen.


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