Chevrolet Aveo Diesel: Mut zur Mücke

Von Jürgen Pander

Chevrolet Aveo Diesel: Der geschrumpfte Ami Fotos
Jürgen Pander

Kleinwagen aus der US-asiatischen Ehe Chevrolet-Daewoo zeichneten sich bisher vor allem durch schlichte Bauart und niedrige Preise aus. Der Aveo ist anders. Sein Dieselmotor macht Fahrspaß, die Ausstattung ist üppig - und das Cockpitdesign gewagt.

Erst mal ist man überrascht. Denn der Chevrolet Aveo sieht rundum schmuck aus. Von einem Auto aus Korea, das in Europa unter dem GM-Markennamen Chevrolet feilgeboten wird, erwartet man das nicht unbedingt. Bislang nämlich fielen in dieser Konstellation entstandene Autos nicht durch formale Originalität auf, sondern eher durch eine schlichte Bauart und niedrige Preise.

Beim Aveo, der seit gut einem halben Jahr im frischen Dress auf dem hiesigen Markt ist, kam zunächst noch eine weitere Auffälligkeit dazu: Die Benzinmotorisierungen erwiesen sich als erstaunlich schlapp. "Wir fahren ins Tal, weil wir auf den Berg nur schwerlich raufkommen", urteilte beispielsweise die österreichische Fachzeitschrift "Auto-Revue" über das Modell mit dem 86-PS-Benziner. Jetzt allerdings taugt der kleine Chevy auch zum Gipfelsturm, denn seit kurzem ist das Auto mit einem Dieselmotor verfügbar.

Der 1,3-Liter-Diesel stammt, wie die Ottomotoren auch, von der Konzern-Schwestermarke Opel und macht aus dem Aveo endgültig die Karikatur eines klassischen Chevy: Kleinwagen mit Dieselmotor statt Straßenkreuzer mit V8-Motor.

Was gefühlsmäßig nicht so recht zusammen passt, ist in der Realität allerdings durchaus überzeugend. Technisch ist der Aveo mit Ölbrenner ein ordentliches Fahrzeug. Die Maschine leistet 95 PS und sorgt für jene Lebhaftigkeit, die man von einem solchen Knirps erwartet und bei den Benzin-Varianten bislang vermisste. Das flotte Vorwärtskommen lässt sich durch fleißiges Hantieren mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe unterstützten, doch muss man dann die Gangempfehlungen der Bordelektronik ignorieren. Die nämlich ist auf Sparsamkeit programmiert und empfiehlt frühes Hochschalten, wodurch die Fahrerei ausgeglichener und ruhiger wird. Eine Start-Stopp-Automatik ist ebenfalls an Bord, um den Verbrauch im Stadtverkehr zu drosseln.

Gut zwei Liter mehr Verbrauch als angegeben

Wobei das mit der Verbrauchssenkung nicht so richtig klappt. Im technischen Datenblatt zum Aveo 1.3 LTZ stehen 4,1 Liter als Durchschnittsverbrauch, doch im alltäglichen Umgang mit dem Auto ist dieser Wert wohl nicht zu erreichen. Wir jedenfalls kamen auf einen Verbrauch von 6,1 Liter. Und ehe jetzt die Zeigefinger nach oben gehen: Nein, wir haben keine Tempoeskapaden veranstaltet, und nein, wir gehören nicht zu jenen, die das Anfahren an einer grünen Ampel für Motorsport halten. Außerdem: Schon der Normverbrauch der sparsamsten Benziner-Variante liegt bei 5,5 Liter, doch weil der Motor so flau ist, dürften im normalen Gebrauch der Durchschnittsverbrauch eher auf sieben Liter anschwellen. So gesehen ist die neue Dieselvariante noch akzeptabel.

Abseits der Verbrauchsfrage ist der Aveo auf jeden Fall ein gelungener Kleinwagen. Zum ansehnlichen Äußeren und dem guten Fahrgefühl der Dieselvariante kommen eine Reihe ansprechender Details, die das Leben mit dem Auto angenehm machen. Serienmäßig sind das beispielsweise ein CD-Radio mit Aux-, USB- und Bluetooth-Schnittstelle, ein Tempomat, elektrische Fensterheber vorn und hinten, eine geteilte Rücksitzlehne, ein Lederlenkrad und dahinter ein ungewöhnliches, gut zur Art des Auto passendes Cockpit, das Anleihen beim Motorrad nimmt.

Auch die Sicherheitsausstattung, früher mal ein Manko bei Modellen des koreanischen Autobauers Daewoo, ist längst auf dem üblichen Niveau. ABS, ESP, sechs Airbags und dazu Traktionskontrolle, Berganfahrhilfe und eine Einparkhilfe sind Standard.

Mit dem Dieselmotor hat der kleine Chevy an Attraktivität gewonnen. Ein Billigauto ist der Typ aber längst nicht mehr bei einem Grundpreis von 18.690 Euro. Der Opel Corsa mit identischem Motor kostet 16.315 Euro, der VW Polo mit 90-PS-Diesel ist ab 16.450 Euro zu haben. Wer trotzdem zum Chevrolet greift, legt vermutlich nicht nur Wert auf die (im Vergleich zu den Modellen von Opel oder VW) üppigere Ausstattung, sondern auch auf den Klang des Namens Chevrolet. Ein bisschen V8-Blubbern schwingt da nämlich immer noch mit.

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insgesamt 46 Beiträge
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1. Traurig für die Opel-Mitarbeiter...
axelkli 19.03.2012
...aber die Opel-Modelle werden immer überflüssiger. Warum sollte ich mir einen teuren Opel mit schlechtem Image und biederem Design kaufen, wenn es einen billigen Chevy mit zumindest neutralem Image und flotter Linie gibt?
2. Wo soll denn da der Fortschritt sein ?
meinungsbeharrer 19.03.2012
Zitat von sysopKleinwagen aus der US-asiatischen Ehe Chevrolet-Daewoo zeichneten sich bisher vor allem durch schlichte Bauart und niedrige Preise aus. Der Aveo ist anders. Sein Dieselmotor macht Fahrspaß, die Ausstattung ist üppig - und das Cockpitdesign gewagt. Chevrolet Aveo Diesel: Mut zur Mücke - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,822179,00.html)
Eine spritfressende Hutschachtel mit Dieselantrieb für 38.000 DM - das ist doch wohl ein Witz. 1994 hat mich ein Audi 80 TDI mit Doppelairbag, Klima, 4x eFH, ABS, ZV, Wärmeschutzverglasung, NSW, Tempomat, Lederlenkrad, geteilte Rückbank, Metalliclack und einem CD-Radio 40.000 DM gekostet. Für das Geld bot der Wagen ausserdem völlige Rostfreiheit, eine sehr gute Verarbeitung und keinerlei Elektronik-Macken. Dazu noch ein mit 5,5 l/100 geringerer Verbrauch als beim Chevrolet bei gleichen Fahrleistungen und Platz für 5 Personen plus reichlich Gepäck. Als der Wagen 2005 jäh aus unserem Leben gerissen wurde, hatte er 400.000 km zurückgelegt, alles funktionierte noch einwandfrei und war bis auf die einmal nachlackierten Steinschläge im Frontbereich rostfrei. Lieber Herr Pander, machen sie das erst mal mit dem Aveo nach, bevor so einen Schmarrn V8blubbern
3. Das nennt man einfach:
herr_kowalski 19.03.2012
Zitat von meinungsbeharrerEine spritfressende Hutschachtel mit Dieselantrieb für 38.000 DM - das ist doch wohl ein Witz. 1994 hat mich ein Audi 80 TDI mit Doppelairbag, Klima, 4x eFH, ABS, ZV, Wärmeschutzverglasung, NSW, Tempomat, Lederlenkrad, geteilte Rückbank, Metalliclack und einem CD-Radio 40.000 DM gekostet. Für das Geld bot der Wagen ausserdem völlige Rostfreiheit, eine sehr gute Verarbeitung....
Nein, der Teuro ist pure Einbildung. Alles nur Geschwätz, nichts ist teurer geworden............
4.
dorpf 19.03.2012
Zitat von sysopKleinwagen aus der US-asiatischen Ehe Chevrolet-Daewoo zeichneten sich bisher vor allem durch schlichte Bauart und niedrige Preise aus. Der Aveo ist anders. Sein Dieselmotor macht Fahrspaß, die Ausstattung ist üppig - und das Cockpitdesign gewagt. Chevrolet Aveo Diesel: Mut zur Mücke - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,822179,00.html)
18000 € ? Ticken die noch richtig ?
5. UVP ist nicht gleich Verkaufspreis
Rudi Rakete 19.03.2012
Zitat von dorpf18000 € ? Ticken die noch richtig ?
Naja, mehr als 18.000 Euro klingt erst mal nach einer Menge Geld. Bemüht man aber eines der zahlreichen Preisvergleichsportale im Internet, die deutsche(!) Autohändler miteinander vergleichen, dann merkt man, dass die Kutsche wohl eher selten für 18.000+ Euro über den Ladentisch geschoben wird. Preisabschläge zwischen 4000-5500 Euro scheinen normal zu sein. Das klingt dann schon wieder angemessen und der stolze Käufer kann mit einem UVP von 18 Tausend und prahlen.
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Schnellcheck
Chevrolet Aveo Diesel

Das begeistert: Wie flott und quirlig der Aveo mit dem 95-PS-Dieselmotor fährtt.

Das fehlt: Eine aufpreisfreie Außenlackierung außer weiß (alle anderen Farben kosten 390 Euro extra).

Das nervt: Das der tatsächliche Verbrauch derart weit von der Normangabe entfernt ist.

Was sonst? Komisch, dass so wenig andere Hersteller mal eine etwas originellere Cockpitgestaltung wagen.
Fahrzeugschein
Hersteller: Chevrolet
Typ: Aveo LTZ 1.3
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Vierzylinder-Commonrail-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.248 ccm
Leistung: 95 PS (70 kW)
Drehmoment: 210 Nm
Von 0 auf 100: 12,6 s
Höchstgeschw.: 174 km/h
Verbrauch (ECE): 4,1 Liter
CO2-Ausstoß: 108 g/km
Kofferraum: 290 Liter
umgebaut: 653 Liter
Gewicht: 1.185 kg
Maße: 4039 / 1735 / 1517
Preis: 18.690 EUR


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