Ferrari 458 Italia: Gewitter im Genick

Von Jürgen Pander

Ja, auch in einem Ferrari 458 Italia fährt man im Grunde nur von A nach B. Doch wie er das tut, dürfte auch den verbissensten Auto-Ignoranten nicht ganz kalt lassen. Aus diesem Wagen heraus wirkt die Welt noch lauter und aufgeregter, als sie ohnehin schon ist.

Ferrari 458 Italia: Brachiale Schönheit Fotos
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Gleich der erste andere Autofahrer, dem wir begegnen, guckt beeindruckt und schenkt uns die Vorfahrt, obwohl er sie hätte. Der Grund ist eine im leuchtenden gelben Farbton "Giallo Modena" lackierte Fahrmaschine, nur 1,21 Meter hoch und trotzdem unübersehbar auf der Straße: der Ferrari 458 Italia. Das Auto ist in jeder Hinsicht grell. Das Design stammt von Pininfarina, ist provozierend und aggressiv, aber zugleich auch überaus stilvoll. Und, was bei Kennern die Ehrfurcht vor der Sportskanone nur noch mehr steigert, und was die Ferrari-Leute entsprechend gern betonen: Michael Schumacher höchstpersönlich habe an der Entwicklung dieses Autos noch mitgewirkt.

Schumi ist inzwischen bei Mercedes engagiert. Darüber hinaus ist eine Ferrari-Ausfahrt über Nebenstraßen in der holsteinischen Schweiz nicht die passende Gelegenheit, um seinen Einfluss auf das Fahrverhalten des gelben Geschosses herauszufinden. Was man aber durchaus registriert ist, dass auch vertraute Strecken am Steuer dieses Autos plötzlich ganz anders erscheinen als sonst.

Vielleicht ist es aber auch so, dass der Wagen in bestimmter Form vom Fahrer Besitz ergreift, sobald der sich im Schalensitz fest gegurtet und auf den roten Motorstartknopf gedrückt hat. Der Ausblick nach vorn hat etwas von Souterrain-Ausguck, von hinten lärmt der Motor, der den Insassen buchstäblich im Genick sitzt. Wird das Gaspedal getreten, bäumt sich die V8-Maschine akustisch auf wie das Pferd im Logo von Ferrari. Schon allein deshalb kann man dieses Auto nicht "ganz normal" fahren. Es wäre ebenso lächerlich, als würde man in einem VW Golf TDI auf Rennfahrer machen.

Es geht also forsch dahin, der erst bei 9000 Umdrehungen beginnende rote Bereich des Drehzahlmessers steht als ständige Versuchung zentral im Cockpit und wenn die Straße frei ist, muss man einfach manchmal zackig hin und her lenken, weil das Auto derart direkt und penibel reagiert, dass man es als Otto Normalfahrer kaum für möglich hält.

Technik, die nicht alle begeistert

Es soll auch Leute geben, die gegen die Faszination solcher Autos immun sind. Der Ferrari macht in jeder Situation einen solchen Krach, dass eben nicht alle davon begeistert sind. Schon bei niedrigen Drehzahlen - in unserem Fall bei 4000 Umrundungen - grollt der Motor kehlig und böse. Reizt man das Potential der Maschine dann aus wird es dermaßen aggressiv und schrill, dass der Fahrer sehr schnell den Unmut der Anwohner auf sich zieht. Das gilt vor allem beim Herunterschalten, denn dann knallen die Gänge brutal laut herein, begleitet von einer satten Portion Zwischengas. Das Geräusch, das dabei ertönt, könnte einer Industrial-Rockband durchaus als Grundlage für einen Song dienen.

Es kommen wohl diese und einige andere Dinge zusammen, die dann das spezifische Ferrari-Fahrgefühl ergeben, das irgendwo zwischen Souveränität, Präzision und Selbstüberschätzung angesiedelt ist. Es ist merkwürdig, aber wenn man diesen Wagen kommandiert, ist es völlig egal, dass er in 3,4 Sekunden auf Tempo 100 schießen kann, mindestens 325 km/h schnell ist und bei Bedarf aus Tempo 100 nach 32.5 Metern zum Stehen kommt. Der Ferrari ist ein Auto des Überflusses, von allem ist mehr als genug da. Die kritischen Grenzen beim Fahren dieses Wagens sind jene der Straße, der Verkehrsordnung, des eigenen fahrerischen Könnens oder der persönlichen Abgebrühtheit.

Ein Auto, das nicht nur optisch Formel-1-Rasanz vermittelt

Vor allem aber ist der Ferrari 458 Italia ein Auto, das auch im Stillstand eine enorme Präsenz ausstrahlt. Kollegen hoffen auf eine Mitfahrgelegenheit, Bekannte sind beeindruckt und wollen Genaueres wissen, wildfremde Menschen stellen Fragen. Da ist es zum Beispiel gut zu wissen, dass dieses Modell der erste Ferrari ist mit einem Mittelmotor mit Benzin-Direkteinspritzung, dass die Maschine 570 PS entwickelt, dass ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe an Bord ist, dass der Wagen laut Ferrari 13,7 Liter Sprit je 100 Kilometer verfeuert (nach eigener Beobachtung eher fünf Liter mehr) und dass er 194.000 Euro kostet - ohne Extras.

Es gibt auch allerlei Formel-1-Technik an Bord, die es zum Beispiel ermöglicht, mit kontrolliert durchdrehenden Hinterrädern einen spektakulären Start hinzulegen, der schwarze Streifen auf dem Asphalt sowie staunenden oder kopfschüttelnde Beobachter hinterlässt. Interessant ist überhaupt die Gestaltung des Cockpits, die sämtliche Bedienelemente so dicht wie möglich an die Finger des Fahrers heranrückt. Alle zum Fahren wesentlichen Befehle lassen sich übermitteln, ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen. Das steigert das eher illusorische Gefühl, man habe dieses Auto tatsächlich im Griff.

Auch Ferrari bietet für den V8-Renner eine Start-Stopp-Automatik an

Jüngst stellte Ferrari für das Modell 458 Italia übrigens das System HELE vor. Die Buchstaben stehen für "High Emotions Low Emissions" und senken den Verbrauch und damit auch den CO2-Ausstoß auf dann 275 Gramm je Kilometer (ohne HELE sind es 320 Gramm je Kilometer). Unter anderem wurde diese Schadstoffsenkung durch den Einbau einer Start-Stopp-Automatik erzielt.

Spritsparen ist also, und sei es nur als grünes Feigenblatt, auch bei den Luxusherstellern angekommen. Dem ohnehin florierenden Geschäft wird diese neue Imagekomponente nur gut tun. Im vergangenen Jahr verkaufte Ferrari 6573 Fahrzeuge, knapp die Hälfte davon dürften nach Schätzungen von Insidern - Ferrari macht dazu keine offiziellen Angaben - Autos vom Typ 458 Italia gewesen sein. Die Umsatzrendite lag bei 15,8 Prozent. Der deutsche Erzrivale Porsche übrigens ist in dieser Kategorie noch ein bisschen forscher unterwegs. Die Zuffenhausener erzielten nämlich zuletzt eine Rendite von 17,8 Prozent.

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insgesamt 26 Beiträge
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1. Ja, ein schönes Auto...
Koltschak 28.03.2011
....aber ein AC Cobra, Baujahr 1964, nimmt ihm beim Beschleunigen einiges ab. Mit einem Cobra kann man das Gleiche erleben, einem Auto, das über 40 Jahre älter ist!
2. .
kathokalypse 28.03.2011
Zitat von Koltschak....aber ein AC Cobra, Baujahr 1964, nimmt ihm beim Beschleunigen einiges ab. Mit einem Cobra kann man das Gleiche erleben, einem Auto, das über 40 Jahre älter ist!
Schön für die Cobra, aber nach der ersten Kurve fährt der 458 dann Kreise um die Cobra. Aktive Aerodynamik und modernste Computertechnik sei Dank. Wobei ich vermuten würde, dass der Fahrspaßfaktor in der Cobra mindestens genauso hoch ist, wenn nicht sogar höher. Die Fahrleistungen, die dieses Gerät auf den Aspahlt zaubert, sind tatsächlich enorm. Im Interieur haben die Herren aus Maranello jedoch tief in die Kloschüssel gegriffen. Die Anordnung nahezu sämtlicher Knöpfe am Lenkrad ist außerordentlich unpraktisch. Hupe in der Daumenablagen? Einmal etwas verkrampfter das Lenkrad festgehalten bei forscher Fahrt, schon gehts mit Dauerfanfare durch die Gegend. Blinker auf den Lenkradstreben? Finden sie mal den Blinker in die richtige Richtung bei eingeschlagenem Lenkrad, da fangen die Probleme an. Und zudem finde ich es eher suboptimal, dass nur die Lenkradschaltung angeboten wird, jedoch keine normale Schaltung mit H-Kulisse. Ein- und Ausparken wird dadurch - da sowieso schon schwierig - nochmals deutlich verkompliziert, zumal man für den Rückwärtsgang die Hände vom Lenkrad nehmen muss...
3. .
Currywurst 28.03.2011
Ist das nicht der Ferrari, der wegen eines nicht hitzebeständigen Klebers im Bereich des Motorraums (selten dämlich...) regelmäßig in Flammen aufgegangen ist?
4. auch ein Grund für den Erfolg der SUV -
manni-two 28.03.2011
auf die Unterklasse in Ferrari etc. sollte man nicht nur intellektuell sondern auch geographisch hinabschauen.
5. -
Mulharste 28.03.2011
Zitat von sysopJa, auch in einem*Ferrari 458 Italia fährt man im Grunde nur von A nach B. Doch wie er das tut, dürfte auch den verbissensten Auto-Ignoraten nicht ganz kalt lassen. Aus diesem Wagen heraus wirkt die Welt noch flacher, lauter, aufgeregter, als sie ohnehin schon ist. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,753088,00.html
Da geht locker ne Kiste Bier rein...aber ganz locker.. ;-)
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Ferrari 458 Italia

Einsteigen: ...weil das Auto ein technisches Meisterwerk und der Begriff Fahrspaß keine Marketingfloskel ist. Allerdings sollte man am Besten auf der Rennstrecke fahren.

Aussteigen: ...weil das Auto praktisch keinen Nutzwert bietet. Als Transportmittel ist es komplett ungeeignet.

Umsteigen: ...aus anderen Sportwagen wie etwa dem Lamborghini Gallardo.

Fahrzeugschein
Hersteller: Ferrari
Typ: 458 Italia
Karosserie: Sportwagen/Coupé
Motor: V8-Benzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Heck
Hubraum: 4.499 ccm
Leistung: 570 PS (419 kW)
Drehmoment: 540 Nm
Von 0 auf 100: 3,4 s
Höchstgeschw.: 325 km/h
Verbrauch (ECE): 13,7 Liter
CO2-Ausstoß: 320 g/km
Preis: 194.000 EUR

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