Autogramm Ferrari Portofino Diese Rotphase ist schnell vorbei

Der Portofino ist das neue Einstiegsmodell von Ferrari. Für knapp 190.000 Euro gibt es vier Sitze, 600 PS und quasi zwei Autos in einem - dank eines faltbaren Aludaches.

Lorenzo Marcinno

Von Marcus Efler


Der erste Eindruck: Der neue Ferrari Portofino wäre der perfekte Nebendarsteller für eine Fortsetzung von "Miami Vice". Schon im Stand wirkt er dynamisch - mit angriffslustigen LED-Scheinwerfern und einer Linie, die das Heck betont.

Das sagt der Hersteller: Der neue 2+2-Sitzer soll wie der Vorgänger California ein praktischer Sportwagen für den Alltag sein. 30 Prozent der Käufer gaben damals an, "die Rücksitze zu benutzen", erklärt Ferrari-Produktmanager Stefano Virgolin.

Auch das umstrittene, faltbare Aludach des Portofino ist ein Tribut an die potenziellen Kunden. Puristen bevorzugen ein Stoffverdeck, doch in vielen Teilen Europas werden diese als unsicher empfunden. Ein Messerschnitt reicht, um das komplette Dach zu zerstören. Auch für die globalen Wachstumsmärkte kommt ein Auto mit Softtop nicht in Frage, weil in Ländern wie China kaum Cabrios nachgefragt werden - Coupés mittlerweile schon. "Der Portofino soll auch als Coupé aus einem Guss wirken", sagt Virgolin.

Das ist uns aufgefallen: Das wichtigste Teil in einem Ferrari ist natürlich der Motor. Der V8 Turbo sitzt über der Frontachse und besitzt rote Zylinderköpfe (auch wenn Ferrari das Recht am Namen "Testarossa" abgeben musste).

Der Turbo steigert die Effizienz, und verändert die Charakteristik gegenüber den früheren Saugmotoren. Der V8 klingt sonorer - bis zur Maximaldrehzahl. Eindrucksvoller aber als die 600 PS, die dann anliegen, ist das kräftige Drehmoment, das schon im unteren Tourenbereich einsetzt, und den Portofino spurten lässt. Das kleine Turbolöchlein von einer Gedenkzehntelsekunde ist verzeihbar.

Im Innenraum setzt Ferrari hochwertige Materialien ein. Leder dominiert den Innenraum, kombiniert mit Carbon im Cockpit, unter anderem am Lenkradkranz. Zudem hat die ehemalige Fiat-Luxustochter überraschend viele clevere Detaillösungen gefunden, die auch von Herstellern luxuriöser Limousinen wie Mercedes stammen könnten. So steckt unter dem Kasten für das Verdeck eine aufwändig konstruierte Durchlade, die es ermöglicht, lange Gegenstände wie beispielsweise das Ski-Set sicher zu verstauen.

Das muss man wissen: Ferraristi ohne Rennlizenz sollten niemals das Fahrstabilitätsprogramm ESC ausschalten. Wer das beherzigt, kann in jeder Situation ein Auto beherrschen, das 600 PS ungefiltert an seine Heckräder schickt. Die konsequente Trennung von Antrieb (Heck) und Lenkung (Front) trägt dazu bei, dass der Wagen präzise den Befehlen des kompakten Lenkrads folgt und souverän durch Kurven fährt.

Beschleunigt der Fahrer zu unbeschwert, kann es sein, dass das Heck zur Seite wischt - selbst auf gerader Strecke. Profis wie Sebastian Vettel lenken in einer solchen Situation dann gegen, Otto Normalferrarifahrer rudert hilflos am Lenkrad. Erst spät, aber doch noch rechtzeitig, greift das ESC ein, um den Wagen wieder auf den richtigen Kurs zu bringen.

Das werden wir nicht vergessen: Das Lenkrad. Es ist reich mit Knöpfen bestückt - wie in einem echten Rennwagen.

Fahrzeugschein
Hersteller: Ferrari
Typ: Portofino
Karosserie: Coupé/Cabriolet
Motor: V8 Turbo Benziner
Getriebe: Doppelkupplung, 7 Gänge
Antrieb: Heck
Hubraum: 3.855 ccm
Leistung: 600 PS (441 kW)
Drehmoment: 760 Nm
Von 0 auf 100: 3,5 s
Höchstgeschw.: 320 km/h
Verbrauch (ECE): 10,7 Liter
CO2-Ausstoß: 245 g/km
Kofferraum: 292 Liter
Gewicht: 1.664 kg
Maße: 4586 / 1938 / 1318
Preis: 189.704 EUR
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insgesamt 30 Beiträge
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hermanngaul 01.07.2018
1. warum
ist auf dem ersten Bild neben dem Auto ein schlecht gekleideter nicht mehr junge Mann mit hoher Stirn mitfotografiert worden. Das sieht ja mal panne aus.
carran 01.07.2018
2. Ich mag Ferraris ja gar nicht...
...aber DER hier sieht echt gut aus. Das Design, die Farbe, das Interieur, echt schoen! Leider unerschwinglich und in Deutschland nicht gesellschaftstauglich.
andreasm.bn 01.07.2018
3. hat Euer Fotograf 'nen Linksdrall?
Bei dem läuft ständig das Meer aus.....
murksdoc 01.07.2018
4. Rudern
Normale Autofahrer "rudern am Lenkrad hilflos herum", wenn das Heck ein bißchen ausbricht? Schonmal "OPEL Kadett" oder "BMW 1602" im Winter gefahren? Einen "Dodge Charger (450 PS)" als Leihwagen in den USA? Da hätten Sie viel zu Rudern. Stattdessen wäre es interessant, ob das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe eine Automatik oder ein Schaltgetriebe ist und ob das Karbon am "Lenkradkranz" hoffentlich nicht am Zahnkranz ist, wo Edelstahl vielleicht die konservativere, aber meines Erachtens bessere, Lösung wäre.
Speedwing 01.07.2018
5. Schwachsinn
Alltagsauto, klar, haha, Rennfahrer lenken gegen, Otto Normalverbraucher können das nicht, Gelächter, so einen Artikel kann man sich schenken. Over and Out!!!
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