Autogramm Fiat 500X Dicke Lippe, dünne Luft

Fiat hat seinen kleinen 500X überarbeitet. Kuscheldesign und Schmollmund lenken etwas davon ab, dass der Wagen ein richtiger kleiner SUV ist - mit deutlich verbesserten Motoren.

Fiat

Der erste Eindruck: Hab' mich lieb! Während andere SUV protzig oder provozierend auftreten, setzt Fiat beim 500X auf den Kuschelfaktor.

Das sagt der Hersteller: Der Harmlos-Look scheint ganz gut anzukommen. Laut Fiat-Sprecherin Anne Wollek macht das X-Modell immerhin ein knappes Viertel an den Verkäufen der 500er-Baureihe aus - und die ist für die italienische Marke mit Abstand die wichtigste. Aber der 500X ist für die Fiat-Verantwortlichen noch aus einem anderen Grund bedeutend - er ist ein Markenmagnet. "60 Prozent der Käufer haben vorher noch keinen Fiat gefahren", sagt Wollek und freut sich über die ungewöhnlich hohe Eroberungsrate des Modells.

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Das ist uns aufgefallen: Das Wesen des 500X ist ansteckend freundlich, und irgendwie bekommt man beim Einsteigen gute Laune. Zwar wirkt das Ambiente trotz des Touchscreens und des Displays zwischen den Instrumenten vier Jahre nach dem Debüt des Autos etwas altbacken, zumal Fiat nicht die edelsten Materialien verarbeitet. Doch ein bisschen Hartplastik sollte einem den Spaß an einem günstigen Kompaktwagen nicht verderben.

Antrieb und Fahrwerk tragen zum Erhalt der guten Laune bei - zumindest im Stadtverkehr, wo kleine SUV wie der 500X am häufigsten zu Hause sind. Dank der sehr leichtgängigen Lenkung lässt sich der Wagen agil dirigieren, die Abstimmung ist schön stramm. Der neue Dreizylinder-Turbo-Benziner schnattert zwar bauartbedingt ein bisschen, doch insgesamt ist die Maschine drehfreudig und munter. So surft man mit dem 500X durch die Metropolen und behält dabei sogar ein halbwegs gutes Gewissen. Denn der 500X ist nicht nur weniger aggressiv als die meisten anderen SUV, sondern als kleinerer Vertreter der Gattung auch weniger durstig. Und sauberer, dank der aktuellen Überarbeitung, die ihm einen Partikelfilter auch für die Otto-Motoren verschafft hat. Optisch riskiert der 500X wegen des Schmollmund-Looks zwar eine dicke Lippe, doch hinten raus kommt - auch aufgrund des Normverbrauchs von 6,0 Liter - weitgehend nur noch dünne Luft.

Während der äußere Auftritt für ein SUV soft ist, ist der 500X in allen anderen Disziplinen auf Linie mit der Konkurrenz. Man sitzt ein bisschen höher, steigt deshalb bequemer ein und aus, genießt den besseren Überblick und fühlt sich sicherer als in einem klassischen Kompaktwagen. Und es gibt etwas mehr Platz für Kind und Kegel - immerhin fasst der Kofferraum zwischen 350 und 1000 Liter.

Das muss man wissen: Mit dem Update ist der Fiat 500X nominell um 1000 Euro teurer geworden und startet jetzt bei 17.490 Euro. Die Fiat-Leute rechnen den Aufschlag schön und verweisen auf mehr Ausstattung: Verlangten die Italiener bisher sogar fürs Radio Aufpreis, ist das jetzt genauso selbstverständlich an Bord wie eine Verkehrszeichenerkennung, eine automatische Geschwindigkeitsregelung und eine Spurführungshilfe.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Fiat 500X - mit unserem 360-Grad-Foto:

Zur Wahl stehen künftig sechs Motoren: Drei dezent aktualisierte Diesel von 95 bis 150 PS Leistung sowie drei Benziner, von denen nur der 1,6 Liter große und 110 PS starke Saugmotor aus dem Basismodell unverändert übernommen wurde. Darüber rangiert der auch im Testwagen aktive Dreizylinder mit 1,0-Liter-Hubraum und 120 PS Leistung. Er ist mit 190 Nm Drehmoment flott bei der Sache, erreicht einen Sprintwert von 10,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und schafft bei Vollgas immerhin 188 km/h. An der Spitze steht ein 1,3 Liter großer Vierzylinder-Turbobenziner mit 150 PS.

Die Macher des 500X haben zwar einen soften SUV entworfen. Dennoch vertritt er das Segment würdig: Als einer von wenigen Wagen seiner Klasse wird er mit Allradantrieb angeboten - allerdings nur in Kombination mit dem stärksten Dieselaggregat.

Das werden wir nicht vergessen: Den Kontrast zwischen außen und innen und zwischen vorne und hinten. Denn während der 500X draußen bunt und liebevoll gestaltet ist, geht es drinnen - bis auf die wenigen Zierteile in Wagenfarbe - eher trist und grau zu. Und während man vorn die Sitze so weit zurückschieben kann, dass man kaum mehr ans Lenkrad kommt, muss man sich im Fond generell ziemlich klein machen. Aber man kann das natürlich auch positiv sehen - und einfach drauflos kuscheln.

Fahrzeugschein
Hersteller: Fiat
Typ: 500X (2018)
Karosserie: SUV
Motor: Dreizylinder-Bezindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 999 ccm
Leistung: 120 PS (88 kW)
Drehmoment: 190 Nm
Von 0 auf 100: 10,9 s
Höchstgeschw.: 188 km/h
Verbrauch (ECE): 6,0 Liter
CO2-Ausstoß: 138 g/km
Kofferraum: 350 Liter
umgebaut: 1.000 Liter
Gewicht: 1.395 kg
Maße: 4265 / 1796 / 1595
Preis: 19.100 EUR
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insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
observerlbg 06.11.2018
1. Na, es geht doch....
Es muss nicht immer ein Luxus-SUV oder -Sportwagen sein. Auch ein "Kleinwagen" kann begeistern. Und bei diesen unterschiedlichen Motorisierungen findet fast Jeder seine Priorisierung. Leider nur fast. Denn eigentlich reichen 70PS völlig, um diesen Stadt- und Umlandflitzer ausreichend zu bedienen. Vielleicht nicht in Marburg, Oberstorf oder Stuttgart. Sicher aber in Berlin, Hamburg, Köln..... Und die Preise werden sich auf realistische Höhe einpendeln. Nur 'ne Frage der Zeit.
dirkcoe 06.11.2018
2. Mir erscheinen
6 Liter Verbrauch für einen Kleinwagen einfach zu viel. Und das bei nur 3 Zylindern und einem Hubraum von einem Liter. Wo genau ist denn der Vorteil dieser Winzmotoren?
Pelao 06.11.2018
3. Ich fahr den Fiat Palio Adventure (Strada) ...
... ein wunderbares Auto ... mein erster Fiat ... aber nicht mein letzter ...
DerBlicker 06.11.2018
4. Kleinwagen?
Zitat von dirkcoe6 Liter Verbrauch für einen Kleinwagen einfach zu viel. Und das bei nur 3 Zylindern und einem Hubraum von einem Liter. Wo genau ist denn der Vorteil dieser Winzmotoren?
Das ist ein kleiner SUV mit 350 Liter Kofferraum, also Golf Klasse, das Ding hat 120 PS, fährt 188 Spitze und wiegt 1,4 Tonnen. Den Kleinwagen möchte ich zudem sehen, der mit 120 PS weniger als 6 Liter braucht.
flytogether 06.11.2018
5. Sitzposition miserabel
Ich hatte zweimal den 500 gemietet. Eine entspannte Sitzposition konnte ich nicht finden. Das Lenkrad ist links von der Sitzmitte positioniert, somit ist die Wirbelsäule seltsam verdreht.
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