Fiat Croma Seine Exzellenz, der Botschafter

Elf Jahre Abwesenheit in der Mittelklasse sind eine schwere Bürde, wenn man dort wieder Fuß fassen möchte. Um die Zeit zurückzudrehen, trägt der neue Fiat den alten Namen: Croma. Und um die Neugier zu wecken, lautet der Slogan: "Das italienische Auto, das Sie nicht erwartet hätten."

Von Jürgen Pander


Fiat Croma: Hoch aufragender Kombi mit exzellentem Platzangebot

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Für viele Hersteller, die früher mal mit tollen Schlitten unterwegs waren, ist heute in der Mittelklasse Schluss. Das gilt für Opel, das gilt für Ford, und es gilt für Fiat. Die Italiener hatten in den vergangenen elf Jahren noch nicht einmal ein aktuelles Mittelklassemodell (die Großraumlimousine Ulysse spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle) im Angebot, denn 1994 liefen die letzten Exemplare des Croma vom Band. Jetzt aber kehrt die Marke zurück in ein Marktsegment, in dem in Deutschland im vergangenen Jahr mehr als 610.000 Fahrzeuge neu zugelassen wurden.

Um die lange Pause zu kaschieren, heißt das neue Auto wie der Vorgänger - Croma. Ansonsten aber hat der weich geformte, hoch aufragende Kombi nichts mit den kantigen Limousinen der Vorgängergeneration gemein. Giorgetto Giugiaro entwarf die Form des neuen "Komfort-Wagons", wobei die Wortschöpfung darauf hinweisen soll, dass Fiat den neue Croma als eine "Evolution des klassischen Kombi" versteht, wie Marketing-Mann Basilio Scelza es ausdrückt. Was sich im Gegensatz zu einem herkömmlichen Kombi verändert hat, ist die Höhe. Der Fiat Croma ragt 1,60 Meter auf, der Opel Vectra Caravan ist zehn Zentimeter niedriger, der Renault Laguna Grandtour 13 Zentimeter und der Ford Mondeo Turnier gar 17 Zentimeter.

Fiat Croma: Tarnkappen-Design von Giugiaro

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Äußerlich tut das dem Auto nicht unbedingt gut, denn die Karosserie wirkt zwar geschmeidig und gefällig, doch die Proportionen scheinen etwas aus den Ruder gelaufen. Im Auto interessiert das natürlich nicht mehr, dann genießen die Insassen die große Kopffreiheit, das angenehme Raumgefühl und die gegenüber normalen Kombis höhere, sehr aufrechte Sitzposition. Wer mit dem Zollstock nachmisst, wird den Croma eher in die Klasse der Vans einordnen, doch dazu fehlt dem Auto die Variabilität. Es gibt sie nämlich nicht. Die hintere Sitzreihe ist starr montiert, lediglich die Rücksitzlehnen lassen sich umklappen, so dass das Kofferraumvolumen von 500 auf bis zu 1610 Liter vergrößert werden kann.

Wenn schon nicht variabel, so ist die Einrichtung zumindest sehr gediegen. Manfred Kantner, Chef der Marke Fiat, sieht den Croma als "Botschafter einer neuen Qualität", und da ist was dran. Die Materialien, die Verarbeitung und das Design von Cockpit, Armaturentafel, Ablageflächen und der schlau erhöhten Mittelkonsole mit dem bequem erreichbaren Schaltknüppel strahlen den Willen aus, diesmal auf Kompromisse zu verzichten. Alles andere wäre auch absurd für eine Marke wie Fiat, die nach einigen Irrfahrten erst wieder zurückfinden muss auf ihren angestammten Platz in der Automobilwelt.

Fiat Croma: Einen Gepäckraum mit doppeltem Boden gibt es erst in der Topausstattung ab 23.950 Euro

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Der Croma ist ein passender Wagen für diesen Zweck, denn auch während der Fahrt vermittelt er ein Gefühl von Solidität und Souveränität. Zunächst fällt auf, wie leise das Auto läuft und wie dezent das Fahrwerk ruppigen Straßenbelag ignoriert. Der Croma qualifiziert sich damit zu einem idealen Begleiter auf Langstrecken. Das Auto strahlt - vermutlich auch durch sein völlig unspektakuläres Äußeres - eine wohltuende Ruhe aus.

Fiat bietet für den Croma derzeit vier Motorvarianten an, einen Benziner und drei Diesel. Der Benziner ist ein 2,2-Liter-Vierzylinder mit 147 PS, die Dieselfraktion setzt sich zusammen aus zwei 1,9-Liter-Direkteinspritzern mit 120 oder 150 PS sowie einem 2,4-Liter-Fünfzylinder mit 200 PS. Anfang nächsten Jahres soll ein 1,8-Liter-Benziner mit 140 PS das Angebot ergänzen. Die Selbstzünder werden allesamt mit Rußpartikelfilter ausgeliefert, und mit dem Fünfzylinder hat Fiat nach eigener Einschätzung "den stärksten Diesel im Wettbewerbsumfeld" im Programm.

Fahrzeugschein
Hersteller: Fiat
Typ: Croma
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder-Benziner
Hubraum: 2.198 ccm
Leistung: 147 PS (108 kW)
Drehmoment: 203 Nm
Von 0 auf 100: 10,1 s
Höchstgeschw.: 210 km/h
Verbrauch (ECE): 8,6 Liter
CO2-Ausstoß: 204 g/km
Kraftstoff: Superbenzin
Kofferraum: 500 Liter
umgebaut: 1.610 Liter
Versicherung: 17 (HP) / 22 (TK) / 19 (VK)
Preis: 21.900 EUR
Fiat-Vorstand Kantner sagt: "Es tut sich was bei Fiat." Er meint damit aber nicht nur den neuen Croma, sondern auch die Geschäftspolitik. Das Unternehmen wolle nun endgültig die Finger lassen von "Zulassungskosmetik" und "unprofitablen Geschäften mit gewerblichen Kunden". Deshalb sei 2005 ein "Übergangsjahr" in dem die letztjährigen Zahlen (knapp 64.000 Neuzulassungen laut KBA) deutlich unterschritten würden. Kantner: "Ich rechne mit etwa 50.000 verkauften Autos und einem Marktanteil von 1,5 Prozent."

Ab dem nächsten Jahr sollen allein vom Croma in Deutschland mindestens 5000 Exemplare pro Jahr verkauft werden. Dabei helfen soll, neben dem entspannten Fahrgefühl, die gute Ausstattung des Wagens. Serienmäßig wird der Croma mit sieben Airbags ausgeliefert, wobei Luftsack sieben unter der Lenksäule sitzt und im Falle einer Kollision die Knie des Fahrers schützen soll. Das Zündschloss musste daher weichen und befindet sich nun nach Saab-Manier in der Mittelkonsole neben dem Schaltknüppel. Zur Grundausstattung zählen weiterhin ABS, ESP, Klimaanlage, umklappbare Rücksitzlehne, Kühlbox in der Mittelkonsole und höhenverstellbare Vordersitze.

Extra bestellt und bezahlt werden müssen dagegen Dinge wie hintere Seitenairbags (280 Euro Aufpreis), Dachreling (190 Euro), Reifendrucksensor (150 Euro), Panorama-Glas-Schiebedach (1100 Euro) oder Metalliclack 470 Euro. Der günstigste Croma ist derzeit das Modell mit Benzinmotor in der Basisausstattung "Active" zum Preis von 21.900 Euro. Mit dem stärksten Diesel und allerlei Extras lässt sich der Preis aber auch deutlich über 30.000 Euro treiben. Das ist viel Geld für ein Auto, das man allerdings so wirklich nicht erwartet hätte.



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