Fiat Doblò Schickimicki - no grazie

Autos, die einfach nur geräumig und praktisch sind, waren vor rund 30 Jahren schon einmal groß in Mode. Nun kehren diese Typen unter der Bezeichnung MPV (Multi Purpose Vehicle) zurück. Einer von ihnen ist der neue Fiat Doblò.

Von Jürgen Pander


Fiat Doblò: Das Platzangebot entspricht dem Charakter eines Vielzweck-Autos

Fiat Doblò: Das Platzangebot entspricht dem Charakter eines Vielzweck-Autos

Die Italiener reagieren damit auf die rasant wachsenden Zuwachszahlen des sogenannten P-Segments in Europa. Unter diese Fahrzeugkategorie fallen kompakte Lieferautos, die jedoch als Pkw ausgebaut sind. Wurden vor fünf Jahren lediglich knapp 60.000 Exemplare dieser Spezies (in Deutschland rund 8500) verkauft, waren es im vergangenen Jahr bereits 230.000 (in Deutschland etwa 42.000). Platzhirsche in dieser Klasse sind die französischen Modelle Renault Kangoo, Citroën Berlingo und Peugeot Partner. In nächster Zeit werden Mercedes Vaneo, Opel Combo und Ford Courier das Angebot ausweiten. Doch zunächst fährt der Fiat Doblò vor, der ab 10. März bei den Händlern stehen soll.

Fahrzeugschein
Hersteller: Fiat
Typ: Doblò 1.9 D ELX
Karosserie: Van/Kleinbus/Großraumlimousine
Motor: Vierzylinder-Diesel
Hubraum: 1.910 ccm
Leistung: 63 PS (46 kW)
Drehmoment: 118 Nm
Von 0 auf 100: 20,9 s
Höchstgeschw.: 141 km/h
Verbrauch (ECE): 7,7 Liter
CO2-Ausstoß: 204 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 750 Liter
umgebaut: 3.000 Liter
Versicherung: 17 (HP) / 13 (TK) / 20 (VK)
Preis: 14.444 EUR
SPIEGEL ONLINE fuhr das Topmodell des Doblò-Pkw-Angebots (es gibt auch zweisitzige Cargo-Versionen für Gewerbetreibende), den 1.9 D ELX. Um sich mit dem Wagen anfreunden zu können, sollte man auf jeden Fall Plastik mögen. Das beginnt schon bei der Karosserie. Dunkelgraue Plastikwülste sind aus jeder Perspektive zu sehen, ganz gleich, ob es sich um Türgriffe, Stoßfänger, Scheinwerfereinfassungen oder den grobschlächtigen Kühlergrill handelt.

Die Kühlermaske in Raubtierkäfig-Optik täuscht übrigens: Dahinter haust keine Bestie, sondern ein recht zahmer 1,9-Liter-Dieselmotor (63 PS/46 kW), der jedoch absolut befriedigende Fahrleistungen hervorbringt. Vor allem im Stadtverkehr sowie auf der Landstraße "schwimmt" der Doblò problemlos mit. Allerdings ist der Selbstzünder deutlich zu hören, wenn er sich anstrengt.

Fiat bietet den Doblò zur Markteinführung außerdem mit einem 1,2-Liter-Benziner (65 PS/48 kW) an; im Oktober sollen dann zwei weitere Motoren die Auswahl erweitern: Ein 1,6-Liter-Vierventil-Benziner (103 PS/76 kW) und ein 1,9-Liter-Common-Rail-Diesel (100 PS/74 kW).

Viel Glas lässt den Innenraum des Doblò hell und freundlich erscheinen

Viel Glas lässt den Innenraum des Doblò hell und freundlich erscheinen

Der Fahrersitz des Doblò ist ein guter Platz. Das 4,16 Meter lange Auto lässt sich prima manövrieren, was vor allem am guten Überblick liegt: Die Sitzposition ist höher als in einem Pkw, die Verglasung wesentlich großzügiger. Das macht den Innenraum hell und freundlich und gibt dem Fahrer das Gefühl, das Geschehen rund ums Fahrzeug zu registrieren. Einen Beitrag dazu leisten auch die großen Außenspiegel; der zentrale Rückspiegel dagegen fällt etwas mickrig aus.

Der Werkstoff Plastik herrscht auch im Innenraum vor. Ablagefächer, Lenkrad, Cockpit, der als Joystick aus der Armaturentafel ragende Schaltknauf, die hübschen, wie Mini-Zitronenpressen designten Lenkstockhebel, Regler und Verkleidungen sind aus Kunststoff geformt und sehen auch danach aus. Das ist keineswegs schlimm. Im Gegenteil: Der Doblò steht voll und ganz zu seiner Bestimmung als Gebrauchsgegenstand. Diese Offenheit bringt kaum noch ein Auto auf. Stets werden besondere Lebensstile, Individualitäten oder - äußerst verdächtig - gleich ganze Philosophien bemüht.

Der Doblò ist, wie es das Kürzel MPV ausdrückt, ein Vielzweck-Auto. Es passt eine Menge rein; bis zu fünf Insassen oder, je nach Stellung der hinteren Sitzreihe, zwischen 750 und 3000 Liter Gepäck. Die Ausstattung mit zwei seitlichen Schiebetüren (ELX-Version) ist praktisch, am Heck gibt es entweder Türen oder eine Klappe. Je zwei Front- und Seitenairbags sowie ABS sind serienmäßig, ab Herbst werden auch Fensterairbags lieferbar sein.

Ab dem türkischen Fiat-Werk Largo ist das Fahrzeug mit Servolenkung, elektrischen Fensterhebern, Wärmeschutzverglasung, Zentralverriegelung Heckscheibenwischer und Wegfahrsperre ausgestattet. In der Basisversion SX muss für nützliche Dinge wie die geteilte und umklappbare Rückbank (250 Mark), die nach oben schwingende Heckklappe (200 Mark), die zweite Schiebetür auf der Fahrerseite (550 Mark), Nebelscheinwerfer (250 Mark) oder das höhenverstellbare Lenkrad (120 Mark) Aufpreis gezahlt werden. Die Preispalette für den Fiat Doblò beginnt bei 24.000 Mark, für die Cargo-Variante bei 18.200 Mark.



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