Von Tom Grünweg
Sieben völlig neue Modelle binnen 28 Monaten - was Fiat vor hat, brächte selbst die größte Entwicklungsabteilung ins Schwitzen. Es sei denn, man hat gerade einen Autohersteller wie Chrysler übernommen und kann sich aus dessen Modellpalette bedienen. "Bis wir die Synergien vollends nutzen können und neue, gemeinsame Fahrzeuge entwickelt haben, werden wir unser Produktprogramm auf diese Weise erweitern", sagt der deutsche Fiat-Statthalter Manfred Kantner. So geschehen mit dem Modell Fiat Freemont.
Die Großraumlimousine kommt dem interessierten Betrachter verdächtig bekannt vor, und das ist kein Wunder. Schließlich wurde der Wagen noch bis vor kurzem unter dem Namen Dodge Journey hierzulande verkauft. Ein "alter Bekannter" sei das Auto dennoch nicht, insistiert Kantner. Denn es wurden nicht nur die Markenembleme ausgetauscht, sondern der Wagen insgesamt gründlich auf Vordermann gebracht. "Alle wesentlichen Teile wurden neu konfiguriert, überarbeitet und optimiert", sagt Kantner. Sichtbar wird die Generalüberholung beispielsweise an der frisch gestylten Frontpartie sowie im Cockpit, das jetzt ein wenig mehr Liebe zum Detail beweist und mit einer ordentlichen Materialanmutung aufwartet.
Neu ist auch der zwei Liter große Diesel-Motor. Später kommt zwar der für US-Fabrikate noch immer typische V6-Benziner mit 3,6 Litern Hubraum und 276 PS ins Angebot, den es auch in Kombination mit Allradantrieb und Automatikgetriebe geben wird. Doch weil in Europa das Gros der Kunden ohnehin auf den Selbstzünder schwört, startet der Freemont mit einem italienischen Multijet-Aggregat. Den Vierzylinder-Diesel gibt es wahlweise mit 140 oder 170 PS und zunächst ausschließlich mit Frontantrieb und einer manuellen Sechsgang-Schaltung.
Der stärkere der beiden Dieselmotoren gefällt besser
Bei der ersten Ausfahrt mit dem 4,89 Meter langen Großraummodell erweist sich die stärkere Motorversion als die bessere Wahl. Weil der Freemont bereits unbeladen knapp zwei Tonnen auf die Waage bringt und mit Besatzung ruckzuck das Gewicht eines Kleintransporters erreicht, sollte man sich die 350 Nm der kräftigeren Maschine schon gönnen. Denn selbst mit diesem Motor braucht der Freemont noch elf Sekunden für die Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 100 und will dabei mit so hohen Drehzahlen bei Laune gehalten werden, dass er nicht mehr zu überhören ist. Wer den Selbstzünder derart fordert, wird den Normverbrauch von 6,4 Litern nur im Datenblatt lesen - der Bordcomputer hingegen wird in aller Regel zwei oder gar drei Liter mehr anzeigen. Aber selbst das ist für ein Familienauto, das mal eine US-Kutsche war, kein schlechtes Ergebnis.
Mit dem Logotransfer zu Fiat haben die Verantwortlichen das Auto auch neu abgestimmt. Es ist jetzt strammer gefedert und lässt sich präziser lenken. Doch für flotte Fahrten über enge Landstraßen taugt der rollende Italo-Western damit noch nicht. Sein Revier ist eher die Autobahn, wo er zum unempfindlichen Gleiter wird, den Schwung schier ewig zu halten scheint und mit bis zu 197 km/h auch auf der linken Spur eine gute Figur macht.
Während Antrieb und Ambiente neu sind und durchaus ein wenig europäisiert daher kommen, wahrt der Freemont ansonsten einen rundweg amerikanischen Charakter. Ähnlich wie zum Beispiel der Chevrolet Orlando ist er so grob und kräftig designt, dass er auch Kunden mit einem Hang zum Geländewagen anspricht. Er ist, wie alle amerikanischen Autos, überdurchschnittlich gut ausgestattet und bietet bereits zum Basispreis von 25.990 Euro Extras wie eine Klimaautomatik mit drei Zonen, ein schlüsselloses Zugangssystem oder Alufelgen.
Ein praktisches Autos mit reichlich Stauraum
Vor allem aber ist der Fiat Freemont ungeheuer praktisch. Eine dritte Sitzreihe, die man im Wagenboden versenken kann, um den Kofferraum von mickrigen 136 auf ordentliche 472 Liter zu erweitern, bieten zwar andere Großraumlimousinen auch. Und auch die integrierten Kindersitze sind nichts Neues, wenngleich zumindest der Name Child Booster schon eine gewisse Beachtung verdient. Doch dass es gleich zehn Getränkehalter für sieben Sitzplätze gibt und obendrein 25 Ablagen mit insgesamt fast so viel Stauraum wie im Kofferraum eines Fiat 500 - das findet man in europäischen Autos nicht.
Selbst für die Erklärung des Namens haben die Italiener eine schöne Geschichte: Erinnerte der Vorgänger namens Ulysse phonetisch noch an die Irrfahrten des Odysseus, heißt der neue Reisekreuzer nach einem hübschen kalifornischen Städtchen, das seinen Namen wiederum von einem amerikanischen Helden aus dem 19. Jahrhundert erhielt, berichtet Fiat-Sprecher Claus Witzeck. Der Mann hieß John Charles Frémont und wurde aufgrund seiner Vermessungsexpeditionen im Westen der Vereinigten Staaten nur "The Pathfinder" genannt. Einen schöneren Namenszusammenhang, so Witzeck, könne es für ein Fahrzeug wie dieses doch kaum geben.
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