Fiat Grande Punto Abarth Zahmer Skorpion

Mit einem aufgemotzten Grande Punto und viel Tamtam feiert Fiat die Wiederbelebung der legendären Tuner-Marke Abarth. Das Auto mit dem Skorpion als Markenzeichen macht Spaß, doch besonders giftig ist sein Stachel nicht.


Fiat wendet den Blick einmal mehr zurück, um besser voran zu kommen. Nachdem die Italiener bereits den Fiat 500 aus der Mottenkiste holten und dafür mehr Lob einheimsten als alle anderen Herbstneuheiten, starten sie nun ein Revival der Tuning-Marke Abarth. Die ist in Italien auch Jahrzehnte nach ihrem Ende bekannter als hierzulande Brabus, Abt oder AMG. "90 Prozent aller 25jährigen können damit noch etwas anfangen", behauptet Marketing-Chef Luca de Meo.

Den Startschuss gibt Fiat dort, wo vor mehr als 50 Jahren alles anfing: In den Officine Abarth im Corso Marche in Turin, dem alten Stammsitz, der frisch renoviert und als Vorzeige-Store heraus geputzt wurde. Er ist Vorbild für alle Showrooms, die Fiat für die neue Marke bei wenigen ausgewählten Händlern einrichten will. In Italien werden es lediglich 40 Betriebe sein, und im übrigen Europa dürfen etwa 60 Partner mit 120 Stationen, das Skorpion-Logo an ihre Wände dübeln.

Noch ist es in dem Mustergeschäft allerdings ziemlich leer. Zwar füllen Fotos alter Siege die Wände, auf dem roten Lackboden stehen Lounge-Möbel und Rennsitze auf Rädern, in den Vitrinen liegen die üblichen Devotionalien, und in den Regalen warten Alufelgen, Auspuff-Endrohre und andere Dauerbrenner des Tuning-Geschäfts auf Käufer. Autos sind noch Mangelware, bisher gibt es nur eines: Den Grande Punto Abarth. Mit ihm soll in Italien für 17.800 Euro schon im Oktober und hierzulande für einen ähnlichen Preis erst im zweiten Halbjahr 2008 die Wiedergeburt der Marke Abarth beginnen. Danach sollen ein 135 PS starker Fiat 500 Abarth und später ein Bravo Abarth folgen.

Auf dem Papier allerdings wirkt der Grande Punto Abarth längst nicht so spektakulär, wie man das angesichts des legendären Namens erwartet hätte. Schließlich hatte der Österreicher Carlo Abarth im Jahre 1958 bei seinem Tuning-Projekt die Leistung des Fiat 500 glatt verdoppelt. Die Kunden der wiedererstandenen Marke müssen sich in einer Liga, in der die Konkurrenzmodelle nahe an 200 PS herankommen, jedoch mit 155 PS begnügen. Und während die Konkurrenz gelegentlich auftritt wie Halbstarke, steht der Punto Abarth dezent gestylt da. Gäbe es nicht die üblichen Rallyestreifen, die roten Spiegelkappen und die schmucken 17-Zoll-Räder, würde man den neuen Abarth unter den Fiat-Modellen kaum erkennen.

Bei gedrückter Sport-Boost-Taste gibt's Extra-Schub

Die Nüstern am Bug sind ein wenig weiter geöffnet, die Gehäuse von Front- und Rückleuchten etwas dunkler eingefärbt, die Karosserie rückt einen Zentimeter tiefer auf die Straße und über der Heckscheibe sitzt ein kleiner Spoiler – das ist alles, was der Tuner äußerlich am Auto ändert. Und auch innen trägt der Grande Punto dezente Sportmode: Etwas stärker konturierte aber immer noch sehr weiche Sitze, ein griffigeres Lenkrad und ein neues Design für die Instrumente müssen als Leistungsbeweis genügen. Dazu gibt es, quasi als Sportabzeichen, innen wie außen den Skorpion, der übrigens auch sämtliche Fiat-Logos ersetzt.

Unter der Haube steckt ein aufgeladener 1,4-Liter-Motor, der im Serienmodell 120 PS leistet. Mit neuem Turbo und geänderter Elektronik kitzeln die Italiener 30 PS mehr heraus und heben das maximale Drehmoment auf 210 Nm an. Außerdem gibt es eine Taste im Cockpit, die den Sport-Boost aktiviert. Dann stehen weitere 20 Nm zur Verfügung, und der Gipfel der Anzugskraft wird 2000 Touren früher erreicht. "So hat man zwei Autos mit völlig unterschiedlichen Charakteren auf einen Knopfdruck", sagt Technik-Chef Paolo Ollino, der bei allen Antriebsthemen auf einen erfahrenen Entwickler bauen kann: Paolo Martinelli, der zuvor schon die Rennmotoren von Ferrari konstruiert hat.

Weitere Aufrüstung mit speziellem Tuning-Paket

Auch beim Grande Punto hat Signore Martinelli keinen schlechten Job gemacht. Der Motor klingt sonor und reagiert spontan auf jeden Gasstoß, das Getriebe sortiert die sechs Gänge sauber ein, und mit dem strammeren Fahrwerk macht der Wagen bei der ersten Testfahrt eine gute Figur. Nur die Lenkung dürfte direkter sein. Doch reichen 8,2 Sekunden von 0 auf Tempo 100 sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 208 km/h bei den Bundesjugendspielen nicht für die Spitzenplätze. Dafür allerdings ist der Verbrauch mit 6,9 Litern moderat.

Dass sie es auch anders können, zeigen die Italiener mit dem Tuning-Paket Esseesse. Für einen Preis zwischen 4800 und 5600 Euro gibt es nicht nur ein paar bunte Aufkleber, ein nochmals um einen Zentimeter tiefer gelegtes Fahrwerk und respektable 18-Zoll-Räder, sondern auch einen weiterentwickelten Turbo, mit dem die Leistung um 25 PS und das Drehmoment auf 272 Nm steigt. So schafft der Punto den Spurt in 7,7 Sekunden und erreicht immerhin 215 km/h. Und auch damit ist das Ende der Tuningskala noch nicht erreicht. Das zeigt der Punto Abarth S 2000. Das aktuelle Rallye-Auto klingt nicht nur besser, es hat mit einem 270 PS starken Zweiliter-Aggregat auch einen Motor, der dem Namen Abarth vollends gerecht wird – ganz ohne Gift ist der Stachel also doch nicht.



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