Fiat Panda: Neuauflage einer Ikone

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Das Auto gibt's seit 30 Jahren, 6,4 Millionen Exemplare wurden bereits gebaut: Für Fiat ist der Kleinwagen Panda das wichtigste Modell. Der dritten Generation, die jetzt an den Start geht, gelingt die Quadratur des Kreises - sie ist rundum neu, doch man erkennt sie sofort wieder.

Fiat Panda: Jetzt mit gerundeten Ecken Fotos

Was der Golf für VW oder der 911 für Porsche, das ist der Panda für Fiat. "Er ist das Gesicht unserer Marke", sagt Fiat-Markenchef Olivier François. Hinter dem Kleinwagen steht eine italienische Erfolgsgeschichte sondergleichen: Seit 1980 definiert das von der damaligen Werbung als "tolle Kiste" angepriesene Auto die Idee vom ebenso schlichten wie schnörkellosen Kleinwagen und hat damit anhaltenden Erfolg: 6,4 Millionen Exemplare hat der Hersteller bereits verkauft, und als 2003 - nach 23 Jahren - die zweite Generation auf den Markt kam, wurde sie auf Anhieb Marktführer unter Europas Kleinwagen. Bis heute besetzt der Panda diese Position.

Damit das auch in Zeiten neuer Konkurrenten wie VW Up oder Skoda Citigo so bleibt, bringt Fiat jetzt die dritte Auflage an den Start. In Italien kommt der Neue noch vor Weihnachten in den Handel, in Deutschland dauert es bis März. Die Preise jedoch gibt Fiat noch nicht bekannt. "In allen wichtigen Märkten werden wir unter 10.000 Euro starten", sagt François zu diesem Thema nur. Und dass vier Airbags, Servolenkung und Zentralverriegelung stets zur Ausstattung gehören.

Die Ingenieure hatten mit dem Panda-Generationswechsel ein leichtes Spiel. Für mehr Platz und mehr Sicherheit wurde das Auto in der Länge um elf (auf insgesamt 3,65 Meter) und in der Breite um sieben Zentimeter vergrößert. Aufgewertet wurde auch die Ausstattung, verfügbar sind nun etwa eine Start-Stopp-Automatik und ein automatisches Notbremssystem für den Stadtverkehr.

Was die Antriebe betrifft, gibt es nun neben dem bekannten 1,2-Liter-Benziner mit 69 PS und dem 1,3 Liter großen Diesel mit 75 PS auch das neue Twinpower-Turbo-Aggregat im Panda. Der Motor mit 0,9-Liter-Hubraum kommt auf 85 PS und macht den Knirps zu einem munteren Kerlchen. Der Wagen wuselt flink durch den Stadtverkehr, ist an der Ampel stets vorn dabei und auch auf der Landstraße durchaus agil. Der Twinpower-Panda wirkt jedenfalls viel quirliger als die offiziellen Werte - 11,9 Sekunden von null auf 100 und 177 km/h Höchstgeschwindigkeit - suggerieren. Auch das Fahrwerk präsentiert sich ausgereift. Willig schluckt es auch die größten Scharten im löchrigen Pflaster von Neapel und wirkt über Land oder auf der Autostrada überraschend ruhig und gelassen.

Designer Roberto Giolito übersäte den Panda mit gerundeten Quadraten

Den wohl schwersten Job bei der Panda-Neuauflage hatte Roberto Giolito. Der Chefdesigner von Fiat sollte alles neu machen, ohne tatsächlich etwas am Auto zu verändern. Gelöst hat er das buchstäblich mit der Quadratur des Kreises: Squircle nennt Giolito die Kombination aus Quadrat und Kreis, die einem Würfel mit abgerundeten Ecken gleichkommt. Der ganze, poppig-bunte Innenraum mit den vielen Ablagen und der verschiebbaren Rückbank ist voll von Squircles: Instrumente, Sitzpolster, Bedienelemente und auch das Muster des Dachhimmels.

Was den neuen Panda auch kennzeichnet, ist ein sympathischer Schlendrian - der etwa bei der Materialauswahl im Innenraum zum Ausdruck kommt, die etwas lässiger wirkt als jene des VW Up. Aber anders als das Konzernmodell Lancia Ypsilon erhebt der Panda ja auch gar keinen Premiumanspruch. Er ist ein durch und durch ehrlicher Kleinwagen, ein simples Auto, praktisch und funktional. Da tut es auch eine Schlaufe als Zuziehhilfe des Heckdeckels, da braucht es keine zusätzliche Verkleidung für die Reserveradmulde, da ist man mit einer einfachen Lenkradhöhenverstellung zufrieden. Und auch das Plastik darf etwas härter sein.

Ein bisschen zu einfach machen es sich die Italiener beim Verbrauch. Gut sieben Liter schluckt der als Spartriebwerk gehypte Zweizylindermotor auf einer flotten Runde durch und um Neapel. Für ein Auto dieser Größe und Machart ist das zu viel.

Ein kleines Auto auf großer national-ökonomischer Mission

Che diamine - was soll's, sagt der Italiener entspannt. Fiat verweist viel lieber auf die enorme wirtschaftliche und sogar politische Bedeutung des Autos. Um das zu unterstreichen, wurde der Wagen nicht in irgendeinem Konferenzzentrum, sondern mitten zwischen den 600 Robotern in den nagelneuen Hallen der Fiat-Fabrik Pomigliano vorgestellt. Pomigliano war jahrelang das Problemwerk des Konzerns, das durch katastrophale Qualität und miserable Auslastung auffiel. Als Gegenleistung für ein paar entscheidende Zugeständnisse der italienischen Gewerkschaften hat Fiat-Boss Sergio Marchionne Pomigliano zur Chefsache gemacht. Mit 800 Millionen Euro hat er den Standort zur modernsten Fabrik des Konzerns aufgerüstet, die Produktionskapazität auf 1050 Fahrzeuge am Tag aufgestockt und die Panda-Fertigung von Polen hierher transferiert.

4800 Arbeiter sollen demnächst die neuen Panda-Modelle produzieren. Im polnischen Werk Tichy läuft die Fertigung Ende 2012 aus; weiter dort gebaut werden allerdings die Typen Lancia Ypsilon, Fiat 500 und dessen Plattformbruder Ford Ka.

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insgesamt 66 Beiträge
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1.
stberger 19.12.2011
Zitat von sysopFiat Panda: Neuauflage einer Ikone - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,804146,00.html)
Also ich habe den Panda nicht wiedererkannt, obwohl ich früher mit dem Auto viel zu tun hatte. Die Wiederauflage des 500 ist gelungen. Aber der neue Panda könnte ebensogut ein beliebiger KIA, Subaru oder sonst ein japanischer Wagen sein.
2. Wie bitte
RaMaDa 19.12.2011
Zitat von sysopDas Auto gibt's seit 30 Jahren, 6,4 Millionen Exemplare wurden bereits gebaut: Für Fiat ist der Kleinwagen Panda das wichtigste Modell.*Der*dritten Generation, die jetzt an den Start geht, gelingt die Quadratur des Kreises - sie ist rundum neu, doch man erkennt sie sofort wieder. Fiat Panda: Neuauflage einer Ikone - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,804146,00.html)
--------------------------------------------------------------------- Ikone? O.K......
3.
mawegda 19.12.2011
KIA ist koreanisch
4. Quadratur des Kreises
Bernd R. 19.12.2011
Zitat von sysopDer dritten Generation, die jetzt an den Start geht, gelingt die Quadratur des Kreises [...]
Eher die "Kreisur des Quadrats" :-)
5.
artbond 19.12.2011
Zitat von sysopEin bisschen zu einfach machen es sich die Italiener beim Verbrauch. Gut sieben Liter schluckt der als Spartriebwerk gehypte Zweizylindermotor auf einer flotten Runde durch und um Neapel. Für ein Auto dieser Größe und Machart ist das zu viel. Fiat Panda: Neuauflage einer Ikone - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,804146,00.html)
der letzte UP! wurde mit 8 Litern Realverbrauch getestet. Jetzt weis man ja das Autoredakteure nicht sparsam fahren können, tortzdem haben sich im Vergleich zu den Großen die Verbräuche der kleinen kaum bewegt in den letzten Jahren, wenn man sich überlegt, dass man einen 3er BMW mit 6 Litern Benzin oder 5 Litern Diesel fahren kann.... selbst bei wirkliche sparsamer Fahrweise ist man mit einem Kleinwagen kaum drunter. Eigentlich lohnt sich der Kauf eines Kleinwagens heute kaum noch. Lieber einen guten Kompakten gebraucht kaufen, da hat man mehr fürs Geld.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Fiat
Typ: Panda Twinpower-Turbo
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Zweizylinder-Turbobenziner
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 875 ccm
Leistung: 85 PS (63 kW)
Drehmoment: 145 Nm
Von 0 auf 100: 11,9 s
Höchstgeschw.: 177 km/h
Verbrauch (ECE): 4,2 Liter
CO2-Ausstoß: 99 g/km
Kofferraum: 260 Liter
umgebaut: 870 Liter

Schnellcheck
Fiat Panda

Einsteigen: ...weil der Panda sich den alten Charme bewahrt hat und trotzdem ein modernes Auto geworden ist.

Aussteigen: ...weil man bei genauem Hinsehen den Sparkurs erkennen kann, es aber dennoch billigere Autos gibt.

Umsteigen: ...aus den kommenden VW Up, Skoda Citigo, Seat Mii sowie Renault Twingo oder Toyota Aygo.


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