Von Tom Grünweg
Was der Golf für VW oder der 911 für Porsche, das ist der Panda für Fiat. "Er ist das Gesicht unserer Marke", sagt Fiat-Markenchef Olivier François. Hinter dem Kleinwagen steht eine italienische Erfolgsgeschichte sondergleichen: Seit 1980 definiert das von der damaligen Werbung als "tolle Kiste" angepriesene Auto die Idee vom ebenso schlichten wie schnörkellosen Kleinwagen und hat damit anhaltenden Erfolg: 6,4 Millionen Exemplare hat der Hersteller bereits verkauft, und als 2003 - nach 23 Jahren - die zweite Generation auf den Markt kam, wurde sie auf Anhieb Marktführer unter Europas Kleinwagen. Bis heute besetzt der Panda diese Position.
Damit das auch in Zeiten neuer Konkurrenten wie VW Up oder Skoda Citigo so bleibt, bringt Fiat jetzt die dritte Auflage an den Start. In Italien kommt der Neue noch vor Weihnachten in den Handel, in Deutschland dauert es bis März. Die Preise jedoch gibt Fiat noch nicht bekannt. "In allen wichtigen Märkten werden wir unter 10.000 Euro starten", sagt François zu diesem Thema nur. Und dass vier Airbags, Servolenkung und Zentralverriegelung stets zur Ausstattung gehören.
Die Ingenieure hatten mit dem Panda-Generationswechsel ein leichtes Spiel. Für mehr Platz und mehr Sicherheit wurde das Auto in der Länge um elf (auf insgesamt 3,65 Meter) und in der Breite um sieben Zentimeter vergrößert. Aufgewertet wurde auch die Ausstattung, verfügbar sind nun etwa eine Start-Stopp-Automatik und ein automatisches Notbremssystem für den Stadtverkehr.
Was die Antriebe betrifft, gibt es nun neben dem bekannten 1,2-Liter-Benziner mit 69 PS und dem 1,3 Liter großen Diesel mit 75 PS auch das neue Twinpower-Turbo-Aggregat im Panda. Der Motor mit 0,9-Liter-Hubraum kommt auf 85 PS und macht den Knirps zu einem munteren Kerlchen. Der Wagen wuselt flink durch den Stadtverkehr, ist an der Ampel stets vorn dabei und auch auf der Landstraße durchaus agil. Der Twinpower-Panda wirkt jedenfalls viel quirliger als die offiziellen Werte - 11,9 Sekunden von null auf 100 und 177 km/h Höchstgeschwindigkeit - suggerieren. Auch das Fahrwerk präsentiert sich ausgereift. Willig schluckt es auch die größten Scharten im löchrigen Pflaster von Neapel und wirkt über Land oder auf der Autostrada überraschend ruhig und gelassen.
Designer Roberto Giolito übersäte den Panda mit gerundeten Quadraten
Den wohl schwersten Job bei der Panda-Neuauflage hatte Roberto Giolito. Der Chefdesigner von Fiat sollte alles neu machen, ohne tatsächlich etwas am Auto zu verändern. Gelöst hat er das buchstäblich mit der Quadratur des Kreises: Squircle nennt Giolito die Kombination aus Quadrat und Kreis, die einem Würfel mit abgerundeten Ecken gleichkommt. Der ganze, poppig-bunte Innenraum mit den vielen Ablagen und der verschiebbaren Rückbank ist voll von Squircles: Instrumente, Sitzpolster, Bedienelemente und auch das Muster des Dachhimmels.
Was den neuen Panda auch kennzeichnet, ist ein sympathischer Schlendrian - der etwa bei der Materialauswahl im Innenraum zum Ausdruck kommt, die etwas lässiger wirkt als jene des VW Up. Aber anders als das Konzernmodell Lancia Ypsilon erhebt der Panda ja auch gar keinen Premiumanspruch. Er ist ein durch und durch ehrlicher Kleinwagen, ein simples Auto, praktisch und funktional. Da tut es auch eine Schlaufe als Zuziehhilfe des Heckdeckels, da braucht es keine zusätzliche Verkleidung für die Reserveradmulde, da ist man mit einer einfachen Lenkradhöhenverstellung zufrieden. Und auch das Plastik darf etwas härter sein.
Ein bisschen zu einfach machen es sich die Italiener beim Verbrauch. Gut sieben Liter schluckt der als Spartriebwerk gehypte Zweizylindermotor auf einer flotten Runde durch und um Neapel. Für ein Auto dieser Größe und Machart ist das zu viel.
Ein kleines Auto auf großer national-ökonomischer Mission
Che diamine - was soll's, sagt der Italiener entspannt. Fiat verweist viel lieber auf die enorme wirtschaftliche und sogar politische Bedeutung des Autos. Um das zu unterstreichen, wurde der Wagen nicht in irgendeinem Konferenzzentrum, sondern mitten zwischen den 600 Robotern in den nagelneuen Hallen der Fiat-Fabrik Pomigliano vorgestellt. Pomigliano war jahrelang das Problemwerk des Konzerns, das durch katastrophale Qualität und miserable Auslastung auffiel. Als Gegenleistung für ein paar entscheidende Zugeständnisse der italienischen Gewerkschaften hat Fiat-Boss Sergio Marchionne Pomigliano zur Chefsache gemacht. Mit 800 Millionen Euro hat er den Standort zur modernsten Fabrik des Konzerns aufgerüstet, die Produktionskapazität auf 1050 Fahrzeuge am Tag aufgestockt und die Panda-Fertigung von Polen hierher transferiert.
4800 Arbeiter sollen demnächst die neuen Panda-Modelle produzieren. Im polnischen Werk Tichy läuft die Fertigung Ende 2012 aus; weiter dort gebaut werden allerdings die Typen Lancia Ypsilon, Fiat 500 und dessen Plattformbruder Ford Ka.
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