Fiat Punto Twinair: Der hat Töne

Von Christoph M. Schwarzer

Fiat Punto Twinair: Prinzip Piccolo Fotos
Christoph Schwarzer

Der Fiat Punto Twinair will anders sein als andere Kleinwagen. Als Spritspar-Rebell scheitert er dabei an den eigenen Ansprüchen. Dafür sammelt das Zweizylindermobil Sympathien mit seinem eigenwilligen Motoren-Sound.

Er gurgelt und schnattert, knurrt bei Bedarf zornig und beherrscht zugleich die leise, kultivierte Gangart. Das Klangspektrum des Zweizylindermotors im Fiat Punto Twinair ist breit und ändert sich je nach Drehzahl und Gaspedalstellung. Hier arbeitet ein Charakterkopf im Motorraum, bei dem sich die italienischen Konstrukteure gar nicht erst die Mühe gemacht haben, den Auspuff zum Stillschweigen zu bringen. Es ist, als wollte der Motor mit jedem seiner 875 Kubikzentimeter Hubraum ein Statement abgeben: Hört her, ich bin eine Kolbenmaschine, und ich habe mehr Kraft, als alle denken!

Dabei geht es eigentlich ums Sparen. Wenig Hubraum plus Turbolader, dazu ein vollvariabler Ventiltrieb anstelle einer Nockenwelle - das Ziel bei der Entwicklung des sogenannten Twinair-Triebwerks war es, mit dem Sprit zu geizen. Downsizing in Reinkultur. Die Ergebnisse sind eine Leistung von 85 PS sowie ein Normverbrauch von 4,2 Litern Benzin je 100 Kilometer, was 98 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer entspricht.

Dieser Motor kommt bereits im kleinen Fiat 500 zum Einsatz. Dort gilt er als die beste Wahl, weil er ordentlich nach vorne zergelt und das Laufgeräusch an den alten Cinquecento ("Nuova 500") erinnert. Seinen Ruf hat er allerdings auch schon weg: Turbo läuft, Turbo säuft. Wer den Fiat 500 tritt, kann sich Knauserrekorde beim Verbrauch abschminken.

Im erheblich größeren Fiat Punto verhält sich der Twinair-Motor zurückhaltender. Zum einen kann er mit seinen Fahrleistungen sowieso keine Bäume ausreißen. Dafür ist dieses Auto, das so groß ist wie ein VW Golf III, einfach zu schwer. Handgestoppt dauert die Beschleunigung von null auf hundert gut 13 Sekunden. Subjektiv wirkt er wegen des Sounds allerdings bissiger. Enttäuschend ist nur, dass bei ungefähr 6000 Touren die Elektronik das Maschinchen abriegelt, obwohl spürbar ist, wie der Zweizylinder dann - wie bei einem Motorrad - richtig loslegen will. Er könnte also mehr.

Und der Verbrauch? Der zeigt, was Downsizing kann und was nicht. Spritsparwunder sind vom Fiat Punto nicht zu erwarten. Der Normwert von 4,2 Litern scheint dabei selbst bei einem sehr zurückhaltenden Fahrstil unerreichbar. Weniger als 5,1 Liter waren nicht drin. Bei zügigem Mitschwimmen im Verkehr nahm er im Testmittel allerdings genau sechs Liter aus dem Tank. Mehr ist zwar auch möglich - aber ein hemmungsloser Trinker ist er nicht.

Auf den Spuren des Greenpeace-Mobils

Der Kleinwagen mit Zweizylinderaggregat widerlegt damit das Klischee, Downsizing würde allein auf dem Laborprüfstand etwas nützen. Es hilft auch im Alltag, nur eben nicht so viel wie der Normverbrauch hoffen lässt. Vorgedacht hat das Prinzip Greenpeace mit dem 1996 vorgestellten Prototypen Smile. Das Kürzel stand für Small, Intelligent, Light, Efficient. Das Auto basierte auf einem Renault Twingo. Unter der Haube saß ein 355 Kubikzentimeter kleiner Boxermotor mit Hochaufladung, den die Schweizer Firma Wenko entwickelt hatte. Jetzt, mehr als 15 Jahre später, schrumpfen die Hubräume bei vielen Großserienherstellern.

Renault etwa baut in den jüngst vorgestellten Clio einen Dreizylindermotor mit 899 Kubikzentimetern ein, der 4,3 Liter verbrauchen soll. Bei Volkswagen dagegen spricht man nicht von Down-, sondern von Rightsizing. Nicht jeder Motor, so die Wolfsburger These, passe zu jedem Auto. Im Passat zum Beispiel können sich die Verantwortlichen einen Dreizylindermotor nicht vorstellen. Und im Polo weisen die aktuellen TSI-Motoren noch keine radikale Schrumpfung auf: 1,2- und 1,4-Liter-Maschinen hat es in den etwa gleich großen Golf II und III ebenfalls gegeben. Allein der Turbolader und die Direkteinspritzung sind neu.

Es gibt immer noch einen, der sparsamer ist

Was in Norddeutschland passiert, kümmert die Italiener in Turin aber ohnehin wenig. Sie setzen mit dem Punto Twinair ein Statement: Durch dem Zweizylinder fällt der Wagen mit einer ungehobelten Motorsprache auf. Wo andere surren, gibt er noch mal kräftig Laut. Der giftgrüne Lack des Testwagens war da ganz passend. Der kleine Rebell könnte damit vor allem für Nachwuchsfahrer attraktiv sein: Er ist sparsam genug, um den Geldbeutel einigermaßen zu schonen. Vor allem aber hat er einen eigenwilligen Charakter und hebt sich von Konkurrenzmodellen ab.

Eine Hürde könnte dabei allerdings der Preis sein. 15.200 Euro kostet der Punto Twinair in der Basisversion. Ordert man vier Türen, eine Klimaautomatik und Seitenairbags dazu, kommen 16.600 Euro zusammen. Zum Vergleich: Für 350 Euro mehr gibt es bereits einen ähnlich ausgestatteten Toyota Yaris Hybrid. Und der schlägt zurzeit auch im Realverbrauch alle Downsizing-Konzepte deutlich.

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1. optional
derflieger 25.07.2012
Auch im Alfa Romeo Mito gibt es übrigens jetzt diesen Motor. Was den Verbrauch angeht, Normverbräuche sind Schall und Rauch. Keine Ahnung, wie die darauf kommen, aber deutsche Autobahnen und Grossstadt-Rushhour waren den Werkstestern dabei wohl ein Fremdwort. Der neue BMW X3 meines Schwagers z.B. genehmigt sich im Schnitt ganze 3 Liter mehr als die Bajuwaren im Prospekt angeben. Netter Werbeartikel für Toyota übrigens. Deren komplexer Hybrid-Technik möchte ich auf lange Sicht aber nicht ausgesetzt sein. Und Sie vergessen, bei Fiat kann man sicher mehr Rabatt raushandeln.
2.
irrsinn 25.07.2012
[mein polo cool familie hat 1200 ccm und 55 ps und noch dazu nur drei zylinder man möchte meinen ein echtes sparauto verbrauchen tut er in der stadt gute 7 liter nur über land kann der verbrauch auf unter 5 liter sinken mal sehen wie viel raparaturen er im laufe der zeit braucht die autos wiegen alle einfach viel zu viel ich hatte einmal einen polo mit nur 760 kg gesamtgewicht eine echte "rakete" mit 55 ps
3.
Oliver Gnutz 25.07.2012
Zitat von irrsinn[mein polo cool familie hat 1200 ccm und 55 ps und noch dazu nur drei zylinder man möchte meinen ein echtes sparauto verbrauchen tut er in der stadt gute 7 liter nur über land kann der verbrauch auf unter 5 liter sinken mal sehen wie viel raparaturen er im laufe der zeit braucht die autos wiegen alle einfach viel zu viel ich hatte einmal einen polo mit nur 760 kg gesamtgewicht eine echte "rakete" mit 55 ps
Corsa A hatte 60 PS aus 1,4 Liter bei auch ca. 760 kg Gewicht - selbst mit den 165er-Breitreifen war die Kraft kaum auf die (trockene) Strasse zu bringen. Spritsparwunder sind vom Fiat Punto nicht zu erwarten. Der Normwert von 4,2 Litern scheint dabei selbst bei einem sehr zurückhaltenden Fahrstil unerreichbar. Weniger als 5,1 Liter waren nicht drin. Bei zügigem Mitschwimmen im Verkehr nahm er im Testmittel allerdings genau sechs Liter aus dem Tank. Fortschritt - ick hör Dir trapsen.... Meine 20 Jahre alte Mittelklasselimousine von Opel verbraucht 6,8 Liter auf 100 km - bei 90 PS aus 1,8 Litern. Und das ist eine eine vollwertige, nahezu wartungsfreie, raumbietende Limousine - warum sollte man da ein werkstatthungriges kleines Italomobil erwerben ?
4. nixx wiss
ejbeork 25.07.2012
Zitat von derfliegerAuch im Alfa Romeo Mito gibt es übrigens jetzt diesen Motor. Was den Verbrauch angeht, Normverbräuche sind Schall und Rauch. Keine Ahnung, wie die darauf kommen, aber deutsche Autobahnen und Grossstadt-Rushhour waren den Werkstestern dabei wohl ein Fremdwort. Der neue BMW X3 meines Schwagers z.B. genehmigt sich im Schnitt ganze 3 Liter mehr als die Bajuwaren im Prospekt angeben. Netter Werbeartikel für Toyota übrigens. Deren komplexer Hybrid-Technik möchte ich auf lange Sicht aber nicht ausgesetzt sein. Und Sie vergessen, bei Fiat kann man sicher mehr Rabatt raushandeln.
Ah ja, ein Auskenner! Komplex? Ganz im Gegenteil. Die Toy-Hybriden zählen zu den langzeit-zuverlässigsten Autos überhaupt (siehe z. B. GTÜ-Report). Ein Toy-Hybrid hat keinen Anlasser, keine Lichtmaschine, hat kein herkommliches Getriebe, demzufolge keine Kupplung - all das kann schonmal nicht kaputtgehen. Und vor allem hat er keinen Turbolader! Wie lange diese daungeseisten Nähmaschinchen halten, das ist doch die Frage. Melden Sie sich in acht Jahren nochmal!
5.
mcaulfield 25.07.2012
Zitat von ejbeorkAh ja, ein Auskenner! Komplex? Ganz im Gegenteil. Die Toy-Hybriden zählen zu den langzeit-zuverlässigsten Autos überhaupt (siehe z. B. GTÜ-Report). Ein Toy-Hybrid hat keinen Anlasser, keine Lichtmaschine, hat kein herkommliches Getriebe, demzufolge keine Kupplung - all das kann schonmal nicht kaputtgehen. Und vor allem hat er keinen Turbolader! Wie lange diese daungeseisten Nähmaschinchen halten, das ist doch die Frage. Melden Sie sich in acht Jahren nochmal!
Oh nein, die boesen Turbolader! Also mein 1993er Turbolader funktioniert nach 250.000km immer noch praechtig. Die letzten 100.000 hat er mit leicht erhoehtem, die letzten 10.000 mit sehr erhoehtem Ladedruck gemacht.. Und das Wellenspiel ist immer noch im Normbereich. Ein Turbolader aus dem Jahre 2011 wird sicherlich sofort kaputtgehen..
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Fahrzeugschein
Hersteller: Fiat
Typ: Punto Twinair
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Zweizylinder-Benziner mit Turbo
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 875 ccm
Leistung: 85 PS (63 kW)
Drehmoment: 145 Nm
Von 0 auf 100: 12,7 s
Höchstgeschw.: 172 km/h
Verbrauch (ECE): 4,2 Liter
CO2-Ausstoß: 98 g/km
Kofferraum: 275 Liter
umgebaut: 1.030 Liter
Gewicht: 1.150 kg
Maße: 4065 / 1687 /1490
Versicherung: 18 (HP) / 18 (TK) / 18 (VK)
Preis: 15.200 EUR



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