Fahrbericht Ford B-Max: Offene Flanke

Von Jürgen Pander

Ford B-Max: Durchgehend geöffnet Fotos
PANDER

Autos, die echte Neuheiten bieten, sind selten geworden. Umso schöner, wenn man auf so ein Modell trifft, etwa den Ford B-Max. Die Überraschung gibt's gleich beim Einsteigen, denn dem Wagen fehlt die B-Säule. Macht das den Autoalltag leichter, oder ist das nur ein Gag?

Manchmal machen ein paar Zentimeter den Unterschied aus. Ob ein Ball ins Tor fliegt oder an den Pfosten, ob ein Sakko sitzt oder schlackert, ob ein Bierglas ordentlich eingeschenkt ist oder nicht. Beim Ford B-Max sind es auch nur ein paar Zentimeter, die den Wagen von allen anderen Autos unterscheiden: Dem Minivan fehlt nämlich die B-Säule, also der Pfosten zwischen vorderer und hinterer Tür. Wird nun die Vordertür geöffnet und die Schiebetür zum Fond ebenfalls, dann steht die Flanke des Autos komplett offen. Nichts schmälert mehr den Ein- oder Ausstieg. "Panorama-Schiebetür-Konzept" nennt Ford diese Neuheit.

Der Vorteil der Innovation: Sie öffnet den Innenraum auf einer Breite von 1,50 Meter. "Für den Kunden bedeutet dies maximalen Komfort beim Einsteigen auf die Rückbank", sagt Ford-Sprecher Isfried Hennen. Das lässt sich nach eifrigem Rein- und Rausklettern aus dem Wagen, vorn wie hinten, bestätigen. Auch der Einbau eines Kindersitzes oder das Einladen sperriger Kartons klappt ohne Verrenkungen und Hakeleien. Doch es geht nicht allein um ein paar Zentimeter zusätzliche Bequemlichkeit.

Es geht vor allem auch um ein Gefühl. Denn wenn man beide Türen öffnet, dann wirkt dieses Auto so großzügig und geräumig wie kein zweites in der Vier-Meter-Klasse. Und der Eindruck, der ja eigentlich nur während der kurzen Zeit des Ein- und Aussteigens unmittelbar entsteht, bleibt haften. Der B-Max fühlt sich groß an, was auch an der höheren Dachlinie liegt, die den Innenraum insgesamt luftiger macht als beispielsweise den eines Ford Fiesta, auf dessen Plattform der B-Max basiert.

Komfortabler, aber keineswegs sparsamer Antrieb

Für Ford bedeutet das neue Türkonzept einerseits ein Alleinstellungsmerkmal im Segment der Minivans und andererseits einen Imagegewinn. Nicht zuletzt die durchgehende Öffnung der kompletten Seite trug dazu bei, dass der Hersteller im vergangenen Jahr auf Rang drei (nach BMW und Mercedes) der innovationsstärksten Automobilmarken landete, einem Ranking, dass das Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach gemeinsam mit der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers aufstellte.

Den B-Max gibt es mit vier Benzinmotorisierungen von 90 bis 125 PS sowie mit zwei Dieselaggregaten mit 75 oder 95 PS. Unser Testwagen war mit einem der mittleren Benziner bestückt, dem 1,6-Liter-Vierzylinder mit 105 PS in Verbindung mit einem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, das bei Ford Power-Shift-Automatik heißt. Maschine und Getriebe passen gut zueinander, die Kombination ist ideal für ein Familienauto, mit dem man stressfrei und kommod von A nach B kommen möchte und weder besonders sportliche noch sparsame Ambitionen verfolgt. Ford gibt als Durchschnittsverbrauch 6,4 Liter je 100 Kilometer an, auf unseren gemütlichen Testfahrten (meist mit zwei Kleinkindern an Bord) jedoch schluckte der Wagen 8,3 Liter.

Ein Auto mit "virtueller B-Säule"

Worum sich Ford beim B-Max umfassend gekümmert hat, ist das, was man heute als Nutzwert bezeichnet. Es gibt viele brauchbare Ablagen im Auto, der Kofferraumboden lässt sich auf zwei Ebenen einklinken und die Lehne des Beifahrersitzes kann gänzlich nach vorn geklappt werden, so dass in Verbindung mit den umgeklappten Rücksitzlehnen eine Durchladelänge von 2,35 Meter entsteht. Das ist sehr ordentlich für ein Auto dieses Formats, ebenso das Gepäckraumvolumen von 304 bis maximal 1386 Liter.

Während das Außendesign - sobald die Türen geschlossen sind - nicht weiter aufregend ist, sieht man dem Innenraum das Bemühen der Designer um avantgardistische Formen an. Das ist kein Glücksfall, denn die klobige Bedientafel auf dem Armaturenbrett mit einem zentralen Bildschirm und darunter gruppierten Tasten sowie seitlich platzierten Luftausströmern wirkt etwas bemüht gestylt. Vermutlich sieht man sich schnell daran satt. Allerdings findet man sich ganz gut zurecht, und wenn man die entsprechenden Extras ordert, lässt sich die Konsole mit CD-Spieler, Navigationssystem, Klimaanlage und Sprachsteuerung multimedial erheblich auffüttern.

Stets an Bord sind beim B-Max neben ABS, ESP und Reifendruckkontrollsystem auch sieben Airbags (inklusive Fahrer-Knieairbag). Um trotz fehlender B-Säulen den nötigen passiven Schutz bei einem Seitenaufprall zu gewährleisten, mussten die Türen besonders stabil konstruiert werden. Es sind dort nach Ford-Angaben "ultrahochfeste Boron-Stähle" verbaut und zudem speziell konstruierte Türschlösser als sogenannten Crash-Catcher ausgelegt. Dadurch bildeten die Türen "im Zusammenspiel mit dem Türrahmen eine Art virtuelle B-Säule und absorbieren die einwirkende Crash-Energie", erklärt ein Ford-Sprecher.

Das klingt nach einem immensen Entwicklungsaufwand, der sich im fertigen Auto eigentlich nur in ein paar Zentimetern mehr Öffnungsbreite wiederfindet. Doch es ist wie so oft: Die paar Zentimeter bedeuten einen immensen Unterschied.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. noch mal?
erfuhrford 14.04.2013
Es gab doch letztes Jahr schon ein Autogramm zum B-Max? Wie dem auch sei.. ich hab den Wagen auf einer Messe in Hamburg mal Probe gesessen. Das großzügige Raumgefühl (auch im Fond) kann ich bestätigen, und ich bin über 1,90 m groß. Weniger großzügig ist aber der Kofferaum, der Eindruck auf dem Bild in der Fotostrecke täuscht. Da passt nicht viel rein. Auf der Messe stand genau daneben ein Focus Tunier mit gefühlt doppelt so großem Kofferaum. Dafür ist der Wagen aber auch nur 4,07 m lang, und das ist für Hambuger Parkplatzverhältnisse keine schlechte Basis. Leider hat der Wagen neben der Plattform auch die Mittelkonsole vom Fiesta geerbt. Ich finde die hier im Artikel gezeigte Version aber sogar noch etwas angenehmer anzusehen als die Titanium-Version mit Klavierlack und hervorstehenden Knöpfen. Erinnert mich irgendwie an meinen alten Walkman.. Mal schauen, in ein paar Jahren, alg guter Gebrauchter mit starkem Diesel vielleicht..
2. Innovation?
ergebnisoffen 14.04.2013
Wo bitte ist die "Innovation"? Bereits in den 80er Jahren fuhr der Nissan Prairie ohne B-Säule durch Deutschland. http://p4.focus.de/img/gen/N/i/02NissanPrairieAb1982Quelleautodrom_2317418_1_sps_Pxgen_r_1100xA.jpg
3. Verbrauch von gestern
chefrationalist 14.04.2013
Selbst die 6,4 Liter Normverbrauch sind für ein so großes Auto viel zu viel. Der nochmals deutlich höhere Testverbrauch ist für geübte Fahrer aber sicherlich nicht die Regel, sondern einer ruppigen Fahrweise zuzuschreiben. Dennoch: wer dieses Auto trotz der sonstigen Vorzüge mit diesem Motor kauft, möge sich bei der nächsten Benzinpreisrunde bitte nicht über das Loch im Portemonnaie beschweren. Dabei kann man Ford noch nicht einmal den Vorwurf machen, keine sparsamere Motorisierung anzubieten. Die Dreizylinder-Motoren wären für dieses Auto sicherlich die bessere, weil sparsamere Wahl. Schade, dass SPON diese nicht getestet hat.
4. Seitenaufprallschutz
erfuhrford 14.04.2013
Zitat von ergebnisoffenWo bitte ist die "Innovation"? Bereits in den 80er Jahren fuhr der Nissan Prairie ohne B-Säule durch Deutschland. http://p4.focus.de/img/gen/N/i/02NissanPrairieAb1982Quelleautodrom_2317418_1_sps_Pxgen_r_1100xA.jpg
Die Innovation liegt im Sicherheitskonzept.
5.
Andreas-Schindler 14.04.2013
Schiebetüren sind bei PKWs nichts Neues. Auch andere Hersteller bieten Autos ohne B-Säule an, nur scheint das beim Kunden kein so großes Kaufkriterium zu sein. Ein Japanisches Kei-Car (B:1,5m x L:3,40m) ohne B-Säule auf der Beifahrerseite: 徳島ダイハツ ショウルーãƒ* - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=x2ewecSpOTc)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Tests
RSS
alles zum Thema Ford-Modelle
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 32 Kommentare
  • Zur Startseite
Facebook

Schnellcheck
Ford B-Max

Das begeistert: Endlich mal wieder eine neue, brauchbare Auto Idee, die so noch keiner hatte.

Das fehlt: Größeres Bemühen um Effizienz bei diesem Modell.

Das nervt: Die unglücklich gestalteten A-Säulen mit den Mini-Fensterdreieicken, die rein gar nichts bringen.

Was sonst? Es ist schön zu wissen, dass die Kinder die Türen nicht mehr gegen andere Autos knallen können - es sind ja Schiebetüren.
Fahrzeugschein
Hersteller: Ford
Typ: B-Max 1.6 Duratec
Karosserie: Van/Kleinbus/Großraumlimousine
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Sechsgang-Doopelkupplungsgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.596 ccm
Leistung: 105 PS (77 kW)
Drehmoment: 150 Nm
Von 0 auf 100: 12,1 s
Höchstgeschw.: 182 km/h
Verbrauch (ECE): 6,4 Liter
CO2-Ausstoß: 149 g/km
Kofferraum: 304 Liter
umgebaut: 1.386 Liter
Gewicht: 1.308 kg
Maße: 4077 / 1751 / 1604
Versicherung: 17 (HP) / 16 (TK) / 19 (VK)
Preis: 18.850 EUR


Aktuelles zu