Manchmal machen ein paar Zentimeter den Unterschied aus. Ob ein Ball ins Tor fliegt oder an den Pfosten, ob ein Sakko sitzt oder schlackert, ob ein Bierglas ordentlich eingeschenkt ist oder nicht. Beim Ford B-Max sind es auch nur ein paar Zentimeter, die den Wagen von allen anderen Autos unterscheiden: Dem Minivan fehlt nämlich die B-Säule, also der Pfosten zwischen vorderer und hinterer Tür. Wird nun die Vordertür geöffnet und die Schiebetür zum Fond ebenfalls, dann steht die Flanke des Autos komplett offen. Nichts schmälert mehr den Ein- oder Ausstieg. "Panorama-Schiebetür-Konzept" nennt Ford diese Neuheit.
Der Vorteil der Innovation: Sie öffnet den Innenraum auf einer Breite von 1,50 Meter. "Für den Kunden bedeutet dies maximalen Komfort beim Einsteigen auf die Rückbank", sagt Ford-Sprecher Isfried Hennen. Das lässt sich nach eifrigem Rein- und Rausklettern aus dem Wagen, vorn wie hinten, bestätigen. Auch der Einbau eines Kindersitzes oder das Einladen sperriger Kartons klappt ohne Verrenkungen und Hakeleien. Doch es geht nicht allein um ein paar Zentimeter zusätzliche Bequemlichkeit.
Es geht vor allem auch um ein Gefühl. Denn wenn man beide Türen öffnet, dann wirkt dieses Auto so großzügig und geräumig wie kein zweites in der Vier-Meter-Klasse. Und der Eindruck, der ja eigentlich nur während der kurzen Zeit des Ein- und Aussteigens unmittelbar entsteht, bleibt haften. Der B-Max fühlt sich groß an, was auch an der höheren Dachlinie liegt, die den Innenraum insgesamt luftiger macht als beispielsweise den eines Ford Fiesta, auf dessen Plattform der B-Max basiert.
Komfortabler, aber keineswegs sparsamer Antrieb
Für Ford bedeutet das neue Türkonzept einerseits ein Alleinstellungsmerkmal im Segment der Minivans und andererseits einen Imagegewinn. Nicht zuletzt die durchgehende Öffnung der kompletten Seite trug dazu bei, dass der Hersteller im vergangenen Jahr auf Rang drei (nach BMW und Mercedes) der innovationsstärksten Automobilmarken landete, einem Ranking, dass das Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach gemeinsam mit der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers aufstellte.
Den B-Max gibt es mit vier Benzinmotorisierungen von 90 bis 125 PS sowie mit zwei Dieselaggregaten mit 75 oder 95 PS. Unser Testwagen war mit einem der mittleren Benziner bestückt, dem 1,6-Liter-Vierzylinder mit 105 PS in Verbindung mit einem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, das bei Ford Power-Shift-Automatik heißt. Maschine und Getriebe passen gut zueinander, die Kombination ist ideal für ein Familienauto, mit dem man stressfrei und kommod von A nach B kommen möchte und weder besonders sportliche noch sparsame Ambitionen verfolgt. Ford gibt als Durchschnittsverbrauch 6,4 Liter je 100 Kilometer an, auf unseren gemütlichen Testfahrten (meist mit zwei Kleinkindern an Bord) jedoch schluckte der Wagen 8,3 Liter.
Ein Auto mit "virtueller B-Säule"
Worum sich Ford beim B-Max umfassend gekümmert hat, ist das, was man heute als Nutzwert bezeichnet. Es gibt viele brauchbare Ablagen im Auto, der Kofferraumboden lässt sich auf zwei Ebenen einklinken und die Lehne des Beifahrersitzes kann gänzlich nach vorn geklappt werden, so dass in Verbindung mit den umgeklappten Rücksitzlehnen eine Durchladelänge von 2,35 Meter entsteht. Das ist sehr ordentlich für ein Auto dieses Formats, ebenso das Gepäckraumvolumen von 304 bis maximal 1386 Liter.
Während das Außendesign - sobald die Türen geschlossen sind - nicht weiter aufregend ist, sieht man dem Innenraum das Bemühen der Designer um avantgardistische Formen an. Das ist kein Glücksfall, denn die klobige Bedientafel auf dem Armaturenbrett mit einem zentralen Bildschirm und darunter gruppierten Tasten sowie seitlich platzierten Luftausströmern wirkt etwas bemüht gestylt. Vermutlich sieht man sich schnell daran satt. Allerdings findet man sich ganz gut zurecht, und wenn man die entsprechenden Extras ordert, lässt sich die Konsole mit CD-Spieler, Navigationssystem, Klimaanlage und Sprachsteuerung multimedial erheblich auffüttern.
Stets an Bord sind beim B-Max neben ABS, ESP und Reifendruckkontrollsystem auch sieben Airbags (inklusive Fahrer-Knieairbag). Um trotz fehlender B-Säulen den nötigen passiven Schutz bei einem Seitenaufprall zu gewährleisten, mussten die Türen besonders stabil konstruiert werden. Es sind dort nach Ford-Angaben "ultrahochfeste Boron-Stähle" verbaut und zudem speziell konstruierte Türschlösser als sogenannten Crash-Catcher ausgelegt. Dadurch bildeten die Türen "im Zusammenspiel mit dem Türrahmen eine Art virtuelle B-Säule und absorbieren die einwirkende Crash-Energie", erklärt ein Ford-Sprecher.
Das klingt nach einem immensen Entwicklungsaufwand, der sich im fertigen Auto eigentlich nur in ein paar Zentimetern mehr Öffnungsbreite wiederfindet. Doch es ist wie so oft: Die paar Zentimeter bedeuten einen immensen Unterschied.
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