Ford F-150: Bloß keine Experimente
An die Krise haben sich die Amerikaner offenbar gewöhnt, ebenso an die hohen Benzinpreise - also machen sie in Sachen Auto einfach weiter wie immer. Der Ford F-150 beispielsweise ist nach wie vor das meistverkaufte Modell der USA. Und so merkwürdig es klingt: Wer ihn fährt, versteht warum.
My car is my castle - exakt dieses Gefühl vermittelt der Ford F-150. Man thront über den Dingen, hat mehr Platz als in manch einem Zimmer und will eigentlich gar nicht mehr aussteigen. Warum sollte man auch? Der 160-Liter-Tank reicht fast für die Ewigkeit, die tiefen Ledersitze sind bequem wie Omas Ohrensessel, auf die Pritsche passt das Gepäck für eine Weltreise, in einem Dutzend Getränkehalter steht Flüssiges für die nächsten zwei Wochen, und das armtiefe Fach in der Mittelkonsole fasst mehr Vorräte als ein Kühlschrank.
Kein Auto ist bequemer, keines ist praktischer, keines lässiger. Und kaum eines ist billiger: Der Ford F-150 kostet in der Basisversion 24.000 Dollar und bietet mehr Blech fürs Geld als wohl jedes andere Auto. Kein Wunder also, dass die Pritschenwagen trotz antiquierter Technik noch immer an der Spitze der US-Zulassungsstatistik stehen und der F-150 damit quasi nebenbei zum meistverkauften Auto der Welt avanciert.
Und trotzdem staunt man zunächst: Dem Wagen fehlt beispielsweise eine Start-Stopp-Automatik, und die wenigen elektronischen Assistenten, die an Bord sind, konzentrieren sich auf die Stabilität des Autos beim Ziehen großer Lasten. Auch die Bauweise ist eines Oldtimers würdig: die Basis bietet ein massiver Leiterrahmen von Anno dazumal. Die schweren Achsen werden von Blattfedern im Zaum gehalten. Insgesamt kommt der Stahlkoloss so auf ein Leergewicht von zweieinhalb Tonnen und auch der Luftwiderstand dürfte dem eines Panzers nicht unähnlich sein.
Immerhin verfügt das Automatikgetriebe mittlerweile über einen sechsten Gang, und seit dem neuen Modelljahr steckt sogar ein moderner Motor unter der Haube. Wie in den kleinen Typen Focus und Fiesta setzt Ford nun auch bei den Geländegiganten auf Downsizing und erstmals ein Aggregat mit Direkteinspritzung und Turbolader ein. Es handelt sich um einen 3,5-Liter-V6 Motor, und auch damit liegt Ford im Trend, denn in diesem Jahr werden in den USA erstmals mehr Autos mit Sechs- als mit Achtzylindermotoren verkauft. Einen V8 allerdings können F-150-Käufer nach wie vor bestellen. Das Topmodell der Baureihe wird mit einem 6,2-Liter-Aggregat ausgeliefert, das 411 PS leistet.
Ein moderner V6-Motor als Appetitzügler
Der neue Sechszylinder, der im riesigen Motorraum fast schon verloren wirkt, stammt aus der Eco-Boost-Reihe und macht seinem Namen alle Ehre. "Eco" steht für einen Normverbrauch von umgerechnet 15 Litern in der Stadt und 11 Litern auf dem Highway, der sich in der Praxis auf einer Kalifornien-Runde bei 12 Litern einpendelte. Und "Boost" steht für eine imposante Kraftentfaltung: Mit 365 PS und maximal 570 Nm scharrt der V6 so heftig am Asphalt, dass man bei leerer Pritsche und ausgeschaltetem Allradantrieb sogar die 20-Zoll-Walzen auf der Hinterachse zum Qualmen bringen kann.
Während der V6 aus dem armdicken Endrohr aufbrüllt wie ein wütender Grizzly und der Dreck im hohen Bogen aus den Radkästen fliegt, schafft es der F-150 in gut acht Sekunden von 0 auf Tempo 100. Zum Überholen reicht dem Wagen eine kurze Gerade, und das Spitzentempo ist in den USA ohnehin kein Thema: Die 75 Meilen pro Stunde (121 km/h), die zum Beispiel in Kalifornien maximal erlaubt sind, schafft der bei 160 km/h abgeregelte Laster locker. Die Rolle des Kraftprotzes allerdings wirkt beim F-150 aufgesetzt, denn eigentlich ist der Pickup ein perfekter Cruiser. Sobald der Tempomat programmiert ist, pendelt sich der V6 weit unter 2000 Touren ein und bollert brav und beruhigend wie ein Kanonenofen in der Stube.
Dass das Landvolk den F-150 liebt, ist leicht zu erklären. Riesige Ladefläche, immense Zugkraft und Allradantrieb sind die automobile Entsprechung zum Planwagen, mit dem einst die Besiedlung des Westens begann. Man kommt mit dem Auto praktisch überall hin und kann alles mitnehmen. Sogar das Eigenheim in Form eines Trailers lässt sich an den Haken nehmen angesichts einer zulässigen Anhängelast von mehr als fünf Tonnen.
Seit 29 Jahren das meistverkaufte Auto der USA
Im Stadtverkehr wirkt das Auto etwas deplatziert und erfordert auf jeden Fall große Umsicht. Selbst auf den riesigen US-Parkplätzen muss man hin und wieder zurücksetzen, ehe das 6,36 Meter lange Dickschiff angelegt hat. Gut bei alledem ist die perfekte Übersicht, die man aus Führerhaus genießt. Außerdem gibt es kaum ein anderes Auto, mit dem man die miesen Straßen von Hollywood und Beverly Hills, den schartigen Pacific Coast Highway oder Downtown San Diego entspannter meistern könnte: Wie tief die Schlaglöcher, wie ruppig die Querfugen, wie garstig die Speed-Bumps auch sein mögen - mit butterweichen Blattfedern bügelt der F-150 lässig über alle Hindernisse. Und hey: Wen interessieren Fahrdynamik, Straßenlage und Kurvenstabilität, wenn das Tempo limitiert und die Straße ohnehin meist schnurgerade ist?
Gerade die anachronistische Art macht den F-150 sympathisch. In Europa wäre der Wagen so fehl am Platz wie Klapperschlangen in der Lüneburger Heide. In Nordamerika jedoch passt er geradezu perfekt auf die Straßen. Das sahen allein in diesem Jahr bereits 468.899 Kunden so, denn so viele F-150-Exemplare verkaufte Ford in den ersten zehn Monaten 2011 in den USA. Damit rangiert das Auto einmal mehr an der Spitze der US-Zulassungstabelle - wie übrigens schon seit 29 Jahren.
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- Donnerstag, 01.12.2011 – 09:37 Uhr
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| Hersteller: | Ford |
|---|---|
| Typ: | F-150 |
| Karosserie: | Pickup |
| Motor: | Sechszylinder-Biturbo-Benzin-Direkteinspritzer |
| Getriebe: | Sechsgang-Automatik |
| Antrieb: | Allrad |
| Hubraum: | 3.507 ccm |
| Leistung: | 365 PS (268 kW) |
| Drehmoment: | 570 Nm |
| Von 0 auf 100: | 8,3 s |
| Höchstgeschw.: | 161 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 12,0 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 186 g/km |
| Preis: | 19.025 EUR |
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