Ford Focus Ecoboost: Ein Trio unter Druck

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Ford leitet die nächste Runde beim Motoren-Downsizing ein. Zum ersten Mal begnügen sich die Kölner in der Kompaktklasse mit drei Zylindern; das soll 20 Prozent Sprit sparen. Aber wie fährt sich ein ausgewachsenes Auto mit einem derartigen Schrumpfmotor?

Ford Focus Turnier Ecoboost: Sind drei Zylinder genug? Fotos
Ford

Dreizylindermotoren kennt man bislang nur aus Kleinwagen wie dem VW Up oder dem Smart. Doch Ford baut jetzt solch ein Aggregat einem Kompaktwagen in den Motorraum. Ein Liter Hubraum reiche auch aus, um ein stattliches Auto wie den Focus adäquat zu bewegen, behaupten die Kölner. Der Focus Ecoboost 1.0 soll bei einer Leistung von wahlweise 100 oder 125 PS etwa 20 Prozent weniger Sprit verbrauchen als die bisherigen Vierzylindermotoren mit vergleichbarer Leistung und 1,6 Liter Hubraum. 4,8 Liter Durchschnittsverbrauch meldet Ford für das sparsamste Modell; damit fährt der Benziner praktisch im Diesel-Bereich - der bescheidenste Selbstzünder im Focus benötigt 4,2 Liter je 100 Kilometer.

Was bei Kleinwagen schon seit längerem funktioniert - zum Beispiel im alten Audi A2 und der vierten Generation des VW Polo - soll jetzt die Kompaktklasse sparsam machen. Die Skepsis ist groß und nicht ganz unberechtigt. Denn was man bislang so an Dreizylindern kennengelernt hat, war weder besonders kräftig noch kultiviert. Doch auf der ersten Testfahrt macht der 125 PS starke Ecoboost-Motor seine Sache überraschend gut: Er ist flott bei der Sache und hat mit dem Wagen zumindest im Stadtverkehr leichtes Spiel. Weit unter 1500 Touren sollte man die Drehzahl allerdings nicht fallen lassen, und so richtig munter wird der Motor erst jenseits von 2500 Touren. Doch wenn das maximale Drehmoment von 170 Nm erst einmal an den Vorderrädern zupackt, kommt man selbst im großen Kombimodell zügig in Fahrt.

Auch jenseits des Ortsschilds macht der Dreizylinder eine ordentliche Figur. Klar, er taugt nicht als Sportwagen, aber das sollen die Modelle ja auch nicht sein. Fürs Mitschwimmen im Verkehr jedoch ist der Ecoboost-Motor ein völlig ausreichender Antrieb. Das versprochene Sparwunder ist das Triebwerk jedoch nicht. 5,1 Liter lautet der offizielle Durchschnittswert für unseren Kombi mit 125 PS, gut sechs Liter genehmigte sich der Wagen auf unserer Testfahrt mit viel Stadtverkehr, einer kleinen Landpartie und einem Stück Vollgas auf der Autobahn.

Direkteinspritzung und Turboaufladung als Schlüsseltechnologien

Trotzdem sind Dreizylinder-Aggregat wie der Ecoboost-Motor eine clevere Mischung aus Vernunft und Vergnügen. Und das liegt vor allem an zwei Technologien: Direkteinspritzung und Turboladung. Weil Kraftstoff und Luft mit hohem Druck in die Zylinder gepresst werden, hat der kleine Motor Kraft wie ein Großer. Und weil er weniger wiegt als ein Vierzylinder und weniger innere Reibung hat, ist er deutlich sparsamer.

In der Ford-Maschine steckt jede Menge Ingenieurskunst. Die Grundfläche des Motors ist nicht größer als ein DIN-A4-Blatt, der ausgeklügelte Temperaturhaushalt garantiert ein schnelles Warmlaufen, die Direkteinspritzung arbeitet mit Drücken bis zu 150 bar und gezielte Unwuchten am Schwungrad machen eine Ausgleichswelle überflüssig, und der Turbo sorgt mit bis zu 248.000 Umdrehungen pro Minute für mächtig Druck.

Verkleinert hat Ford übrigens nicht nur den Hubraum, sondern auch den Preis. Während für sparsame Dieselmodelle meist mehrere tausend Euro Aufschlag fällig werden, ist der für alle Karosserievarianten lieferbare Ecoboost-Motor nur jeweils 200 Euro teurer als der vergleichbare Vierzylinder. Ford-Sprecher Hartwig Petersen sagt: "Rechnet man die geringere Kfz-Steuer und den Verbrauchsvorteil mit ein, hat man den Mehrpreis nach ein paar Monaten wieder heraus."

Der Trend geht zum Dreizylindermotor

Mit dem Dreizylinder, der am deutschen Ford-Stammsitz in Köln in einer für 134 Millionen Euro modernisierten Anlage mit einer Jahreskapazität von 350.000 Aggregaten produziert wird, treibt das Unternehmen einen Trend voran, der die gesamte Industrie erfasst hat: Schon seit Jahren ersetzen Vierzylinder-Direkteinspritzer mit Turbo oder Kompressor die herkömmlichen V6-Motoren. Die Achtzylinder geraten zunehmend in Bedrängnis und Aggregate mit zehn oder zwölf Zylindern sind längst Auslaufmodelle, die nur noch für Luxuslimousinen und Supersportwagen am Leben gehalten werden.

Jetzt also hat diese Entwicklung, die bislang vor allem sehr große oder sehr kleine Autos betraf, auch das Herz des Pkw-Markts erreicht, die Kompaktklasse. Der Focus mit Dreizylinder-Motor wird nicht lange allein bleiben. Ford will das Aggregat auch in den Modellen C-Max und B-Max anbieten. Und VW hat gerade im Kleinwagen Up einen neuen Dreizylindermotor eingeführt, der bald auch im Polo zu Einsatz kommen soll. BMW entwickelt einen Dreizylinder für den 1er und die Mini-Einstiegsmodelle und Mercedes-Entwicklungschef Thomas Weber orakelte jüngst sogar von einer C-Klasse mit drei Zylindern.

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insgesamt 59 Beiträge
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1. Öhm?
Matzescd 13.02.2012
Mehr als 5 bis max. 6 Liter brauchte unser Focus Kombi mit Diesel 1.6l und 109 PS (BJ 2005) auch nicht. Wo ist der Vorteil? Weniger Steuer. Und sonst?
2. Echt sparsam....
nervmann 13.02.2012
Zitat von sysopFordFord leitet die nächste Runde beim Motoren-Downsizing ein. Zum ersten Mal begnügen sich die Kölner in der Kompaktklasse mit drei Zylindern; das soll 20 Prozent Sprit sparen. Aber wie fährt sich ein ausgewachsenes Auto mit einem derartigen Schrumpfmotor? http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,814301,00.html
...ist das Ding aber auch nicht. Biete mit einem Volvo V60 D3, 2 Liter-5-Zylinder Diesel (163 PS) mit Automatik ebenfalls knapp mehr als 6/l auf gemischte 100 km. Autobahn Bremen - Hamburg sind es sogar nur 5,0l/100 km (Durchschnitt 90km/h).
3.
Scorpio2002 13.02.2012
Hab in einer Autozeitschrift einen netten Bericht dazu gelesen. Das Fazit lautet während des Testzyklus sparen die Motoren tatsächlich Sprit. Im Alltag bewegt der Fahrer sein Fashrezug mit drei Zylindern, wie sein altes mit vier Zylindern, dazu muss der Motor höher drehen und verbraucht mehr Sprit. Im Endeffekt keine Einsparung gegenüber "konventionellen 4-Zylinder-Motoren". Ich fahr lieber standesgemäß mit Fahrer und 6 Zylindern. Ich hoffe dass ich noch lange den Bus nutzen kann; solange muss ich mich auch nicht mit der Frage beschäftigen, ob und was für ein Auto ich mir kaufen möchte.
4. E-Auto
peterkamm-mueller 13.02.2012
Mein nächstes Auto hat gar keinen Benzinmotor mehr. Ich will vielmehr einen Elektromotor, der Strom tankt (zB Renault Twitzy). Langstrecke lege ich eh lieber mit der Bahn zurück. Verbrenner werden in 5 Jahren ein Auslaufmodell sein.
5.
mhebsacker 13.02.2012
Zitat von MatzescdMehr als 5 bis max. 6 Liter brauchte unser Focus Kombi mit Diesel 1.6l und 109 PS (BJ 2005) auch nicht. Wo ist der Vorteil? Weniger Steuer. Und sonst?
- niedriger Anschaffungspreis - einfachere Technik - geringeres Gewicht - weniger Stickoxide - Diesel hat 20% mehr Brennwert als Benzin. Vom CO2 Ausstoss her entsprechen 6l Diesel also fast 8l Benzin. Vom CO2 Ausstoss und der verbrauchten Brennstoffmenge in Kilogramm dürfte der Motor mit einem Diesel also mithalten. - z.B. in der CH wird Diesel entsprechend dem Brennwert besteuert und ist daher teurer als Benzin. Hier rechnet sich ein sparsamer Benziner, wie auch in den USA. - Diesel sind im wesentlichen in Europa beliebt, Ford ist global Für Vielfahrer in der EU ist sicher ein Diesel günstiger; bei geringer Kilometerleistung ist ein sparsamer Benziner aber günstiger. Sobald die ungleiche Besteuerung von Diesel und Benzin entfällt (was auch in der EU diskutiert wird) sowieso. Das ganze macht also durchaus Sinn zu versuchen, mit Benzinern Wirkungsgrade zu erreichen die Nahe eines Diesels sind.
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Schnellcheck
Ford Focus Turnier Ecoboost

Das begeistert: Wie ein so kleiner Motor ein so großes Auto in Fahrt bringt.

Das fehlt: Der gute Ton beim Gasgeben.

Das nervt: Das man so viel schalten muss.

Was sonst? Dieser Motor gehört auch in den Fiesta - dann könnte man die Diesel-Variante abschaffen.
Fahrzeugschein
Hersteller: Ford
Typ: Focus Turnier Ecoboost
Karosserie: Kombi
Motor: Dreizylinder-Direkteinspritzer mit Turbo
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 999 ccm
Leistung: 125 PS (92 kW)
Drehmoment: 170 Nm
Von 0 auf 100: 11,5 s
Höchstgeschw.: 193 km/h
Verbrauch (ECE): 5,1 Liter
CO2-Ausstoß: 117 g/km
Kofferraum: 490 Liter
umgebaut: 1.516 Liter
Preis: 21.500 EUR


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