Golf-Konkurrent von Ford Ein Focus mit Niveau

Für Ford ist der Focus das wichtigste Modell in Europa. Die Neuauflage des ewigen Golf-Gegners glänzt durch einen modernen Innenraum. Schade, dass es bei den Motoren keinen alternativen Antrieb gibt.

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Der erste Eindruck: Großmaul. Aus dem Design des Focus spricht eine gehörige Portion Selbstbewusstsein, denn kein anderes Kompaktauto reißt die Klappe so weit auf.

Das sagt der Hersteller: "Das beste Auto in der Kompaktklasse" - Ford-Marketing-Chef Wolfgang Kopplin spart beim Focus nicht mit Superlativen, der Wagen habe in jeder Disziplin Fortschritte erzielt. "Zum ersten Mal haben wir den Kunden in den Mittelpunkt gestellt und die Interessenten gefragt, was für sie wirklich zählt", erläutert er die Vorgehensweise bei der Entwicklung. Auch ohne diese neue Methode war der Focus in der Vergangenheit erfolgreich. Von den ersten drei Generationen wurden seit 1998 bereits 16 Millionen Autos verkauft; aktuell bestellt weltweit alle 48 Sekunden jemand einen Focus. Über viele Jahre sei der Ford auch das meistverkaufte Auto der Welt gewesen, sagt Kopplin.

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Das ist uns aufgefallen: Der Focus macht beinahe den größeren Mondeo überflüssig. Zwar ist das Auto außen nur um ein paar Millimeter gewachsen, bietet es innen spürbar mehr Platz. Vor allem in der zweiten Reihe profitiert man von den fünf Zentimetern mehr Radstand, die Passagiere sitzen deutlich besser als etwa im VW Golf. Und der Kofferraum wächst um 25 auf jetzt 341 Liter.

Deutliche Verbesserungen erzielte Ford auch bei den verschiedenen Assistenzsystemen, die der Hersteller unter dem Begriff "Co-Pilot 360" zusammenfasst. Diese Assistenzsysteme helfen nicht nur beim Ausweichen vor Hindernissen oder beim Rangieren auf dem Parkplatz, sondern sie übernehmen nun auch im Stau erstmals komplett die Kontrolle. Das ist eindrucksvoll - und ein wenig schade. Denn es gibt kaum ein anderes Kompaktauto, bei dem man sich das Steuer so ungern aus der Hand nehmen lässt, denn der Focus ist deutlich agiler als die meisten Konkurrenten. Diesmal hat Ford sogar zum ersten Mal - passend zur jeweiligen Leistungsstufe - zwei unterschiedliche Hinterachsen entwickelt und den Focus serienmäßig mit einer elektronischen Fahrwerksregelung ausgestattet, die sowohl komfortables Gleiten als auch extreme Sportlichkeit erlaubt.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Ford Focus - mit unserem 360-Grad-Foto:

Im Innenraum wertete Ford die einstige Plastikwüste mit hochwertigeren Kunststoffen auf, auch die Teile passen deutlich besser zusammen. Das Armaturenbrett wurde aufgeräumt und jede Menge Knöpfe ausgemustert. Stattdessen gibt es einen großen, freistehenden Touchscreen und eine erweiterte Sprachsteuerung. Dass im Cockpit noch analoge Instrumente platziert sind, habe laut Ford mit dem erstmals optional angebotenen Head-up-Display zu tun, denn das mache den Blick aufs Kombiinstrument weitgehend überflüssig. Ebenfalls neu im Focus, und passend zur Zeit, sind eine induktive Ladeschale fürs Smartphone und der WLAN-Hotspot.

Das muss man wissen: Der in Deutschland als Weltauto entwickelte Focus läuft in dem für 600 Millionen Euro modernisierten Werk in Saarlouis vom Band und kommt hierzulande ab September in den Handel. Anders als üblich wird das Auto nach dem Generationswechsel nicht teurer, sondern um 200 Euro billiger. Der Basispreis liegt dann bei 18.700 Euro für den Fünftürer. Zeitgleich geht für exakt 1000 Euro Mehrpreis der Kombi ins Rennen. Im Gegensatz zum Schrägheckmodell wächst der kräftig, wird elf Zentimeter länger und bietet entsprechend mehr Platz. Als dritte Modellvariante plant Ford, ähnlich wie beim Fiesta, einen Focus Active mit etwas mehr Bodenfreiheit und Plastikplanken ringsum, also eine Art Soft-SUV, der zum Jahreswechsel antreten soll. Und eine Edel-Variante Focus Vignale ist ebenfalls avisiert.

Reichlich Auswahl gibt es auch unter der Haube - selbst wenn Ford zunächst weder alternative Antriebe noch Allrad anbietet. Bei den Benzinern setzen die Kölner ausschließlich auf Dreizylinder mit 1,0 oder 1,5 Liter Hubraum, die es mit 85 bis 182 PS Leistung gibt. Weil Ford mit Dreizylindermotoren schon etwas mehr Erfahrung hat als die Konkurrenz, klingen die Aggregate etwas ruhiger als oft üblich. Wer, der aktuellen Stimmungslage zum Trotz, einen Dieselantrieb möchte, für den gibt es einen 1,5-Liter-Selbstzünder mit 95 oder 120 PS Leistung sowie einen 2,0-Liter, der auf 150 PS kommt. Die sportlichen Motorisierungen für die ST- und RS-Versionen werden später folgen.

Das werden wir nicht vergessen: Den großen Focus-Schriftzug am Heck. Dabei ist der völlig überflüssig: Denn wenn es einen Ford gibt, den man auch ohne Schriftzug erkennt, dann ist es der Focus.

Fahrzeugschein
Hersteller: Ford
Typ: Focus (2018)
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Dreizylinder-Bezindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 998 ccm
Leistung: 125 PS (92 kW)
Drehmoment: 170 Nm
Von 0 auf 100: 10,0 s
Höchstgeschw.: 200 km/h
Verbrauch (ECE): 4,8 Liter
CO2-Ausstoß: 108 g/km
Kofferraum: 341 Liter
umgebaut: 1.354 Liter
Gewicht: 1.322 kg
Maße: 4378 / 1825 / 1452
Preis: 21.700 EUR

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes hieß es, dass die Kombiversion des Ford Focus zwei Zentimeter länger sei als das Schrägheckmodell - tatsächlich sind es elf Zentimeter.

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insgesamt 65 Beiträge
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keerborstel 28.06.2018
1. Focus
ich fahre einen 15 Jahre alten Focus Turnier TDCi DNW, dieser hat jetzt über 300t ohne größere Probleme angenehm geschafft. Dieser ist sehr bequem durch die guten Sitze, und praktisch, dabei sparsam mit knapp über 5l Verbrauch. Wenn ich die Fotos von dem neuen Kombi sehe, so kann ich nur sagen, da sind ja Welten dazwischen, das ist ein völlig anderes Auto. Diese neuen Assistenzsysteme sind interressant, und bestimmt nicht schlecht, wenn man sich daran gewöhnt hat. Mein alter Focus hat nur Parksensoren hinten, und die möchte ich nicht mehr missen. Der alte Focus hat mich auch überzeugt, das Ford sehr gute Autos in Deutschland bauen kann.
dummzeuch 28.06.2018
2. Und schon wieder ein Touchscreen
... bedienen ohne hinsehen unmöglich. Da kann man auch gleich sein Smartphone rausholen. Wieso ist das überhaupt erlaubt?
tomymind 28.06.2018
3.
Warum Allrad? Warum Hybrid? Hatte den aktuellen Focus Turnier im Winter als Mietwagen. Österreich und Slowenien. Keine Probleme. Der 125 Drei-Zylinder ist ein wunderbarer Motor, hat 6,5 L/100km verbraucht. Da braucht man keinen Diesel und keinen Hybrid
Überfünfzig, 28.06.2018
4. Und schon wieder ein…….
……einfallsloser New-Edge-irgendetwas-Klon, bis hin zu den heutigen Scheußlichkeit eines aufgesetzten Tablet am Armaturenbrett, wofür sich wohl nur irgendwelche iPad-Nerds begeistern können. Jetzt auch von Ford die nächste automobile Langeweile, die mich jeden Tag darin bestärken meinen gut abgehangenen Endneunziger Gebrauchtwagen weiter zu fahren, bis er auseinander fällt, aber da beweist er ein zähes Durchhaltevermögen. Wahrscheinlich, getrieben von unseren Ökostalinisten, wird der Gesetzgeber diesem Treiben irgendwann ein Ende bereiten. Konsumverweigerung zu Lasten von Ökofünfjahresplänen ist nicht!
fnikolaus 28.06.2018
5. Russfilter
Sind denn die Motoren mit Russfilter? Oder bekommt das Auto deswegen keine blaue Plakette und ist damit in Kürze vom Fahrverbot betroffen, damit mit einem kurzfristigen Verfallsdatum!
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