Ford Focus RS Fahrt im Blauen

Keine Sonderwünsche: Das Auto ist exklusiv genug. Lediglich 1000 Exemplare des neuen Kompakt-Sportwagen Focus RS sind für den deutschen Markt bestimmt. Alle im Farbton "Racing Blue", alle mit der gleichen Ausstattung und alle ausnahmslos für Leute, denen es nicht schnell genug gehen kann.

Von Jürgen Pander


Ford Focus RS: Bereits 500 Exemplare sind verkauft

Ford Focus RS: Bereits 500 Exemplare sind verkauft

Das Projekt ETS (Europäische Transformations-Strategie) ist in vollem Gange. Ford hatte bei seinem Start vor zwei Jahren angekündigt, binnen fünf Jahren insgesamt 45 neue Modelle und Modellvarianten vorzustellen.

Die Kölner liegen im Plan, eben wurde Neuheit Nummer 27 vorgestellt: der Focus RS. Das Kürzel steht schlicht und einfach für "Rallye-Sport" und schmückt seit knapp 33 Jahren besonders forsche Ford-Fahrzeuge. Im November 1969 begann mit dem Escort RS 1600 die Reihe der RS-Mobile, 20 Typen waren es insgesamt bis zum Jahr 1996.

Exklusiv: Nur 1000 Focus RS für den deutschen Markt

Danach war vorläufig Schluss mit RS, bis jetzt. Die Idee lag nahe, einen Focus RS zu konstruieren, denn seit drei Jahren nehmen die Kölner mit dem Focus WRC (World Rallye Car) an der Rallye-WM teil, und die nun aufgelegte Straßenversion soll den Renn- in Verkaufserfolg ummünzen. Es scheint zu klappen, denn von den 1000 für Deutschland bestimmten Autos des RS - die Gesamtauflage liegt bei 4500 Exemplaren - sind schon knapp die Hälfte verkauft.

Innenaustattung: Einige sportliche Akzente

Innenaustattung: Einige sportliche Akzente

30.665 Euro kostet das Auto. Als einziges Extra bietet Ford die Verlängerung der Garantieleistung von zwei auf fünf Jahre an (865 Euro), ansonsten sind sämtliche Fahrzeuge bis auf die in einen Aluknopf auf der Mittelkonsole eingelassene Seriennummer identisch. Gleiche Farbe, gleiche Ausstattung, gleicher Preis. Das macht es einfach, sich auf das Wesentliche dieses Autos zu konzentrieren: die Technik.

Unter der Motorhaube sitzt ein Reihenvierzylinder, der von einem Garrett-Turbolader zu mehr Leistung animiert wird. Erstmals sitzt der Turbolader bei einem Benzinmodell in einem Edelstahlgehäuse, um mehr Hitze aushalten zu können.

Leistungsgewicht: Unter sechs Kilogramm pro PS

Das ist nötig, denn um das so genannte Turboloch zu füllen, verkürzte Ford die Ansaugwege so weit wie möglich, und nun befindet sich der Lader so dicht am Motorblock, dass es eines Hitzeschildes bedurfte. Die Maschine legte ordentlich zu, von 130 PS in der Basisversion auf nun 215 PS. Somit ergibt sich ein Leistungsgewicht von unter sechs Kilogramm pro PS. Und das spürt man.

Fahrzeugschein
Hersteller: Ford
Typ: Focus RS
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Turbobenziner
Hubraum: 1.988 ccm
Leistung: 215 PS (158 kW)
Drehmoment: 310 Nm
Von 0 auf 100: 6,7 s
Höchstgeschw.: 232 km/h
Verbrauch (ECE): 10,1 Liter
CO2-Ausstoß: 239 g/km
Kofferraum: 350 Liter
umgebaut: 1.205 Liter
Versicherung: 20 (HP) / 38 (TK) / 33 (VK)
Preis: 30.665 EUR
Sobald der Motor läuft, der durch den Druck auf einen grünen Starterknopf auf der Mittelkonsole gestartet wird, wird es munter im Focus RS. Druckvoll legt der Wagen los, die Zeiger von Turboanzeige (maximal 1 bar), Drehzahlmesser und Tacho rotieren nahezu synchron über ihre Skalen. Das Fünfgang-Getriebe ist ein gelungener Kompromiss zwischen geschmeidig und knackig, die Lenkung ebenso. Am Steuer des frontgetriebenen RS freut man sich auf jede Kurve.

Vor allem imponiert, dass die Ford-Entwickler darauf verzichtet haben, aus dem RS einen Krawallo zu machen. Das Auto ist sehr schnell und sehr präzise, aber es ist kein drehzahlgieriges Nervenbündel. Es gibt zudem kein übertriebenes Motorgeräusch und zum Glück auch kein peinliches Spoilergetue. Frontschürze, Heckspoiler, breitere Kotflügel und die RS-Logos fügen sich geschickt und ohne Trara ins Gesamtbild eines muskulösen Focus.

Gimmick: Blaue Schläuche im Motorraum

Gimmick: Blaue Schläuche im Motorraum

Selten stand ein Sportwagen so lässig auf 18-Zoll-Alurädern vom Rennsport-Zulieferer OZ. Auch im Innern des Autos wurden nur einige, dafür aber wesentliche Sport-Akzente gesetzt: Die Alupedale sowie die Schalensitze vorne und die Leder-Alcantara-Sitzbank im Heck stammen vom Spezialisten Sparco.

Das einzige Gimmick, das sich der Focus RS gönnt, sind blaue Schläuche im Motorraum und ein blauer Lederring oben in der Mitte des Lenkrads, dort wo bei einer Uhr die Zwölf steht. Der erinnert an Rallye-Autos, in denen Rennfahrer solche Markierungen auf dem Volant anbringen, um bei Sprüngen, Drifts oder auf Schnee einen optischen Anhaltspunkt zu haben, ob die Vorderräder geradeaus stehen.

Beim Betrieb des normalen RS sollte der blaue Strich eigentlich nicht diese Funktion haben. Aber er ist ein Signal dafür, was Ford mit dem Auto will. "Der RS steht für die Emotionalisierung der Marke", sagt Wolfgang Booms, Manager für Markenstrategie bei Ford. Wohl wahr, denn mit Vernunftargumenten lässt sich ein Auto wie der RS schlecht verkaufen.



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