Von Tom Grünweg
Ein Ford und ein Porsche in einer Liga? Das hat es selten gegeben. Doch seit die Kölner Autobauer mit dem in Kleinserie produzierten Focus RS die Überholspur unsicher machen, müssen sich die schwäbischen Sportwagenspezialisten dem Wettkampf stellen. Schließlich kommt der Kompaktwagen Focus RS mit einem aufgeladenen Fünfzylindermotor auf in diesem Segment bislang unerreichte 305 PS und positioniert sich in der Nähe des Cayman S (320 PS). SPIEGEL ONLINE unterzog die Sportwagen jetzt einem Vergleich, wobei das Duell durch den Preisunterschied von knapp 30.000 Euro extra pikant wird.
Sieht man von der PS-Zahl ab, könnten die Kontrahenten kaum unterschiedlicher sein: Hier das elegante Sportcoupé, dort der etwas prollig-peinliche Flügelstürmer mit hohem Dach und schrägem Heck.
Differenzen offenbaren sich auch beim Blick unter die Motorhauben: Beim Ford findet sich im Bug ein getuntes 2,5-Liter-Turbo-Aggregat, beim Porsche im Heck ein Sechszylinder-Boxermotor mit Benzindirekteinspritzung. Während der Cayman die Kraft über die breiten Hinterräder auf die Straße bringt, muss der Focus den Vortrieb mit den Vorderrädern übertragen.
Theoretisch hat der Porsche in der Kategorie Kraftübertragung Vorteile - doch in der Praxis ist der Unterschied kaum noch erkennbar. Denn mit einem durch den Rallyesport optimierten Fahrwerk bringt der Focus die maximal 440 Nm sauber auf die Straße. Jedenfalls bei Trockenheit und feinfühligem Gasfuß. Dann schnellt der giftgrüne Kraftmeier in 5,9 Sekunden auf Tempo 100 und bleibt dem Porsche lange auf den Fersen. Obwohl dessen 3,5-Liter-Motor auf lediglich 370 Nm kommt, soll der Wagen den Standardsprint in 5,2 Sekunden schaffen. Man könnte es sich mit einem Doppelkupplungsgetriebe leichter machen - doch um Chancengleichheit zu gewährleisten, fahren in diesem Fall beide Autos mit Schaltgetriebe.
Im Duell auf der Landstraße liegen Ford und Porsche gleichauf
Solange sich die Kurven aneinanderreihen und auch der Porsche stetig bremsen muss, hält sich der Focus im Duell sehr wacker. Geht es auf die Autobahn, hat der Focus RS das Nachsehen. Obwohl der Vortrieb nicht - wie häufig üblich - bei Tempo 250 abgeregelt ist, muss er den Porsche ziehen lassen. In der Kompaktklasse mögen die 263 km/h Höchstgeschwindigkeit des Focus RS die Spitze markieren, doch der Cayman S fährt mit 277 km/h Höchstgeschwindigkeit locker davon. Und selbst an der Tankstelle wird der Ford den Porsche kaum einholen: Liegen die beiden Kraftmeier mit einem recht hohen Normverbrauch mit 9,4 (Focus RS) und 9,6 (Cayman S) Litern noch dicht beieinander, ist der Direkteinspritzer des Cayman in der Praxis das sparsamere Triebwerk und bleibt rund einen Liter unter dem Focus-Wert.
Was dem Cayman an Platz und Praktikabilität fehlt, macht er mit Liebe zum Detail wett. Man zahlt bei Porsche nicht nur PS und Prestige, sondern auch feines Leder, gut gepolsterte Sitze und ein Cockpit zum Wohlfühlen. Eine sportliche Ausfahrt mit dem Cayman ist wie der Besuch in der VIP-Lounge eines Bundesliga-Stadions. Schickeria oder Fanblock - beides hat seinen Reiz. Das gilt auch für Cayman und Focus. Am Ende ist die Wahl weniger eine Frage des Geldes, der Leistung oder der letzten Zehntel im Datenblatt, sondern vor allem des Stils.
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