Ford GT Power rot-weiß

Man kommt sofort ins Schwitzen. Nicht allein wegen der Hitze, die über der Magdeburger Börde brütet, auch wegen des Anblicks. Ein Rennwagen in einem rot-weißen Dress, der zum Atemberaubendsten gehört, was je ein Auto trug. Und jetzt: Einsteigen, anschnallen - der Ford GT fährt auch so, wie er aussieht.

Von Jürgen Pander


Ford G: Nur 14 der Rennwagen des ersten Jahrgangs werden nach Deutschland ausgeliefert
Jürgen Pander

Ford G: Nur 14 der Rennwagen des ersten Jahrgangs werden nach Deutschland ausgeliefert

Auf Verkehr brauchen wir bei dieser Testfahrt nicht zu achten. Ford hat den Flugplatz Cochstedt angemietet - ein ideales Terrain, um ein Auto spazieren zu fahren, das klingt wie ein Düsenjet und das unbedingt eine ganz lange Gerade und breite Auslaufzonen braucht, um dem Novizen zumindest eine Ahnung davon zu geben, was es bedeutet, wenn im Datenblatt geschrieben steht: Von 0 auf 100 km/h in 3,3 Sekunden.

Die Piste in Cochstedt ist drei Kilometer lang, die Hitze flirrt über dem Betonband. Kein Mensch ist zu sehen, ein paar Heuballen am Rand helfen bei der Orientierung. Früher starteten und landeten hier russische Kampfflugzeuge, später war das Areal Projektionsfläche für absurde Aufbau-Ost-Träume. 40 Millionen Euro wurden hier investiert, vor zwei Jahren meldete der Flughafen Insolvenz an. Inzwischen hat die Autoindustrie die 40 Kilometer südwestlich von Magdeburg gelegene Anlage als Testgelände entdeckt.

Zumindest akustisch ist Cochstedt heute wieder ein Großflughafen, was am spektakulären Sound des Ford GT liegt. Damit ist nicht die Lautstärke gemeint, sondern der Klang. Im Auto drinnen, bei knapp 250 km/h, kann man sich problemlos mit Chris Jackson verständigen, einem der Ingenieure dieses Prachtexemplare von einem Sportwagen. Er habe, berichtet Chris, den Wagen bei Hochgeschwindigkeitstests schon auf 350 km/h getrieben. Das lassen wir heute besser, wir glauben es einfach.

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Ford GT: Power rot-weiß

Der Reiz dieses Sportwagens ist vielfältig. Zunächst ist da das umwerfende Design, an dem einfach alle Proportionen stimmen. Das Auto wirkt austrainiert wie kein zweites, vermeidet aber jegliche Aufdringlichkeit oder Aggressivität. Dann ist da die puristische Auslegung: Außer ABS hat der Fahrer keine weiteren elektronischen Helfer - von den elektrischen Fensterhebern mal abgesehen. Er ist alleine mit der Alupedalerie, dem kaum DIN-A4-großen Lederlenkrad und dem kugelrunden Kopf des Schaltknüppels für das Sechsganggetriebe. Und natürlich mit dem 5,4-Liter-V8-Motor, der ihm direkt im Nacken sitzt.

"Ein hungriges, geiles, gieriges Viech", überschlug sich eine Fachmagazin beim Beschreiben des Ford GT. So könnte man sagen. Hinzufügen würden wir aber unbedingt noch das Adjektiv stilvoll. Das liegt auch an der Geschichte des Wagens, denn in den sechziger Jahren wurde der GT 40 als Rennwagen gebaut "to kick Ferrari's ass", wie sich Firmenpatriarch Henry Ford II ausdrückte. Die Amis wollten es den Italienern auf der Rennstrecke mal so richtig zeigen. 1966 schoss in Le Mans die Ford-GT-40-Armada auf den Plätzen eins, zwei und drei über den Zielstrich. In den Jahren 1967, 1968 und 1969 gewann den Langstreckenklassiker ebenfalls ein Ford GT 40. Danach hatte keiner mehr Fragen.

Fahrzeugschein
Hersteller: Ford
Typ: GT
Karosserie: Sportwagen/Coupé
Motor: V8-Benziner
Hubraum: 5.400 ccm
Leistung: 550 PS (404 kW)
Drehmoment: 678 Nm
Von 0 auf 100: 3,3 s
Höchstgeschw.: 330 km/h
Verbrauch (ECE): 25,0 Liter
CO2-Ausstoß: 593 g/km
Kraftstoff: Normalbenzin
Kofferraum: 0 Liter
umgebaut: 0 Liter
Preis: 170.000 EUR
Vor seinem 100. Geburtstag im vergangenen Jahr präsentierte Ford auf diversen Messen Remakes seiner großen Autos, dazu gehörte natürlich auch der GT, der vor zwei Jahren auf der Detroit Motor Show erstmals gezeigt wurde. Das neue Auto hat im Vergleich zum historischen Vorbild in fast allen Dimensionen um rund zehn Prozent zugelegt. Auch in der Höhe, die nun 1,10 Meter beträgt, weshalb er nicht mehr den Originalnamen GT 40 trägt, denn die "40" bezog sich auf die Höhe des damaligen Racers, 40 Inch.

In diesen Tagen beginnt die Serienproduktion des Ford GT im Werk Wixom im US-Staat Michigan. 1500 Exemplare pro Jahr sollen gebaut werden, nach drei Jahren ist Schluss. Vom ersten Jahrgang kommen lediglich 101 Autos nach Europa, davon 14 nach Deutschland. Die sind längst vergriffen, im März 2005 beginnt die Auslieferung.



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