Ford Ka: Cinquecento-Zwilling ohne Retrolook

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Der neue Ford Ka ist technisch gesehen ein eineiiger Zwilling des Retroautos Fiat 500 - optisch kommt er aber in einem modernen Outfit daher. Das war auch dringend nötig - denn die betagte, rundlich-putzige Kugelkarosserie fing allmählich an zu nerven.

Beim Timing hatte der Ford-Konzern ausnahmsweise ein glückliches Händchen: Einige Kritiker murrten zwar, die Entwicklung des neuen Ka habe zu lange gedauert. Geschenkt - der Winzling startet zu einem Zeitpunkt, wo kleine, sparsame und trotzdem schicke Autos besonders gefragt sind. Der peppige Kleinwagen tritt ab November in goldfarbenener Lackierung im neuen Bond-Film auf und wird ab Februar bei den deutschen Händlern stehen. Die Preise beginnen bei 9750 Euro und haben damit gegenüber dem Vorgängermodell um rund 1000 Euro zugelegt. Doch gibt es dafür jetzt auch kein rollendes Armutszeugnis mehr, sondern einen ausgewachsenen Kleinwagen. Und rund 1000 Euro billiger als der Fiat-Zwilling ist der Ka obendrein.

Den technisch fast identischen Fiat 500 gibt es bereits seit einem Jahr. Den großen zeitlichen Abstand zum Cinquecento, der im gleichen Werk im polnischen Tychy vom Band läuft, haben die Kölner genutzt, um ihren Kleinwagen vom italienischen Kultwägelchen abzugrenzen. Wo der Fiat 500 den verspielten Charmeur gibt und mit der romantischen Erinnerung an die Vergangenheit punktet, ist der neue Ka ein dynamischer, bisweilen sogar aggressiver Winzling, dem alles Niedliche fremd ist. Optisch zeugen davon eine straffe Karosserieform, scharf geschnittene Scheinwerfer und eine markante Blechfalze.

"Alles, was man anschauen und anfassen kann, ist Ford. Nur unter dem Blech ist der Ka ein Fiat", sagt Ford-Sprecher Hartwig Petersen. Das ist Understatement, denn am Fahrwerk und der elektrischen Servolenkung haben die Ford-Ingenieure gearbeitet und dem Ka einen eigenen Charakter gegeben: Wo der Fiat mitunter etwas nonchalant über die Fahrbahn gondelt, steht der Ka stramm auf der Straße, nimmt Kurven mit der Präzision des hoch gelobten Focus und vermittelt einen sehr direkten Kontakt zum Untergrund. Während Kleinwagen sonst oft nur im Stadtgewühl Spaß machen, lässt der neue Ka selbst bei Überlandfahrten Freude aufkommen.

Unter der Haube gibt es bei Ford nur zwei Alternativen, von denen der 1,2 Liter große Benzinmotor mit 69 PS wohl die meistgewählte werden dürfte. Schließlich muss man bei einem Aufpreis von 2000 Euro für den 75-PS-Diesel schon ordentlich Kilometer machen, damit sich der Selbstzünder lohnt.

Außerdem macht der Benziner im Ka eine ordentliche Figur: Wer den weit nach oben ins Cockpit gerückten Schaltknüppel fleißig bedient, kommt auch mit 102 Nm an der Ampel flott vom Fleck und ist im Feierabendgewusel flotter, als ein Sprintwert von 13,1 Sekunden vermuten lässt. Außerhalb der Stadt sind maximal 159 km/h möglich, und an der Tankstelle fühlt man sich bei einem Normverbrauch von 5,1 Litern in der Entscheidung für einen Kleinwagen bestätigt.

Verzichten muss man dabei kaum - zumindest nicht in der ersten Reihe. Natürlich rückt man dem Nachbarn etwas näher auf die Pelle als in einem Kompaktwagen, doch Kopf und Knie schleifen nirgends an der Karosse. Die für zwei Passagiere zugelassene Rückbank dagegen taugt nur als Notsitz. Schon der Durchstieg nach hinten erinnert an die Kriechtunnel im Ikea-Kinderland, und der Fußraum reicht kaum für Schuhgröße 22. Der Kofferraum dagegen, den man leider nur mit dem Schlüssel öffnen kann, fasst annehmbare 224 Liter.

Unentschlossen ist die Ford-Strategie in Sachen Ausstattung. Das Basismodell Trend wirkt trotz vier Airbags an Bord eher spartanisch; die Variante Titanium kostet 1000 Euro Aufpreis - dafür gibt es vor allem eine Klimaanlage und etwas Zierrat. Ein Aufpreis (360 Euro) für das Sicherheitssystem ESP allerdings passt nicht mehr in die Zeit.

Zudem haben die Kölner ein Individualisierungsprogramm aufgelegt: Für Preise ab 370 Euro gibt es die Ausstattungspakete Digital, Tatoo und Grand Prix, die aus dem Kleinwagen einen kunterbunten Charakterdarsteller machen. Und dann hat Ford ja auch noch ein Goldstück gebaut - doch das bleibt Camille, der aktuellen Gespielin von James Bond vorbehalten. Auch wenn den Film noch keiner gesehen hat, braucht man nicht viel Phantasie zu der Annahme, dass es für dieses Auto wohl kein Happy End geben wird. In der Preisliste sucht man die Variante deshalb vergeblich.

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Fahrzeugschein
Hersteller: Ford
Typ: Ka
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.242 ccm
Leistung: 69 PS (51 kW)
Drehmoment: 101 Nm
Von 0 auf 100: 13,1 s
Höchstgeschw.: 159 km/h
Verbrauch (ECE): 5,1 Liter
CO2-Ausstoß: 119 g/km
Kofferraum: 224 Liter
Preis: 9.750 EUR

Fotostrecke
Ford Ka: Fescher Feger

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