Hartge X5 Hunter BMW-SUV als Jägermeister

Im Hauptberuf ist Herbert Hartge Inhaber einer Tuning-Firma für BMW-Fahrzeuge. Und außerdem ist er Jäger. Weil er schlecht in einem Fremdfabrikat auf die Pirsch gehen kann, ließ er einen BMW X5 zum Waidwagen aufrüsten - und einen BMW X6 fürs Halali auf der linken Spur.


Angefangen hat alles in der Boxengasse. Um das Letzte aus dem Rennwagen herauszukitzeln, lag BMW-Händler und Formel-Fahrer Herbert Hartge oft tagelang unter dem Auto, das von BMW stammte. Irgendwann baten ihn auch andere um technischen Feinschliff an ihren Autos, und schließlich wurde aus dem BMW-Händler 1981 der BMW-Tuner. Seither macht Hartge fast jedem neuen Modell der weiß-blauen Marke Beine.

Der mit Abstand stärkste Hartge-Typ ist der BMW 3er mit einem auf 550 PS getunten V10-Motor aus dem M5. Außerdem stehen auch einige 1er, 5er und der neue Metalldach-Roadster Z4 auf dem Firmenhof. "Das meiste Geschäft aber machen wir heute mit den X-Modellen", sagt Hartge-Sprecher Gilles Petit. Vor allem mehr Motorleistung für die Diesel-Varianten stehe hoch im Kurs. Danach folgen auf der Beliebtheitsskala andere Räder, strammere Fahrwerke und erst dann übliche Tuning-Details wie Schweller und Spoiler.

Aber tiefer, breiter, schneller ist bei Hartge nicht die einzige Stoßrichtung. Weil der Firmenchef leidenschaftlicher Jäger ist, werkelt der Tuner auch in die Gegenrichtung und rüstet Autos wie den BMW X5 zu einem echten Geländewagen zurück. "Als Spezialist für BMW konnte er fürs Gelände ja schlecht einen Land Rover oder Toyota nehmen", sagt Petit. So entstand der X5 Hunter - der inzwischen auch im Verkaufsprogramm von Hartge steht.

Tuning für den groben Geländeeinsatz

Während der X5 ursprünglich eher für den Boulevard gebaut wurde, taugt er in der Variante Hunter auch für härteres Geläuf. Damit das funktioniert, wurde das Dickschiff um vier Zentimeter höher gelegt und so die Bodenfreiheit auf 27 Zentimeter angehoben. Dazu erhielt das Auto eine Differentialsperre sowie Geländereifen. Jetzt ist er auf der Straße nicht mehr ganz so flott und präzise, doch dafür sind Wald und Feld nun sein Revier. Und damit zumindest das Auto auf der Fahrt zum Hochsitz ohne Schaden bleibt, sitzt unter dem Sechszylinder-Dieselmotor eine massive Aluplatte. Auch an ein Edelstahlgitter in der BMW-Niere dachte der Tuner. "Das Original ist aus Plastik. Ein paar stabile Äste reichen, um den Grill zu zerstören und den Kühler dahinter zu beschädigen. Das wollten wir vermeiden."

Mehr Leistung bekommt der Dieselmotor natürlich auch. Zwar sind solche Werte auf Waldwegen überflüssig, doch ein neues Steuergerät für die Dreiliter-Maschine lässt die Leistung um 40 auf 275 PS klettern und ermöglicht ein maximales Drehmoment von 598 Nm. So schafft der X5 Hunter den Sprint auf Tempo 100 in 7,4 Sekunden, wird aber mit Rücksicht auf die Reifen bei einer Geschwindigkeit von 210 km/h abgeregelt.

Wer die Farbe grün mag, wird kaum wieder aussteigen

Die Kundschaft hat offenbar Gefallen an dem geländegängigen X5, denn einige ließen ihr Auto für rund 9000 Euro bereits derart aufrüsten. Doch Tuner Hartge wollte in seinem Modell mehr. Um die Bandbreite des Angebots seines Unternehmens zu demonstrieren, ließ Hartge den X5 auch innen neu eingerichten. Nun ist das Auto dank grünem Leder sowie einem grün eingefärbten Lenkrad aus poliertem Ahorn ein Unikat.

Die Spezialisierung aufs Waidmännische hört aber nicht bei der Farbgebung auf. Es gibt darüber hinaus ein Gewehrfutteral in Wagenfarbe, einen Patronengurt vor dem Fahrersessel, eine Messerscheide im Sitzkissen sowie eine Batterie Hochprozentiges in der Beifahrertür. In dieser rustikalen Minibar findet sich dann auch der einzig wahre Lapsus: Neben Grappa, Cognac und Marillenschnaps sollte dort eigentlich auch ein Fläschchen Jägermeister deponiert sein. Der aber fehlt - bei einem Gesamtpreis von 91.000 Euro kaum zu verzeihen.

Neben dem Jägermeister gibt es noch den Renner

Zwar ist der X5 Hunter das ungewöhnlichste Auto von Hartge, doch greift der Tuner manchmal deutlich tiefer in die Technik ein. Zum Beispiel beim neuen Umbau für den BMW X6, der erst vor wenigen Wochen fertig geworden ist. "Bei keinem Auto sind wir bislang weiter gegangen als hier", sagt Petit mit Blick auf das neue Kunststoffkleid mit der wuchtigen Frontschürze, den dicken Trittleisten, dem riesigen Diffusor und den breiten Backen über den Reifen (vorn 295er, hinten 335er).

Als wollten die Kraftmeier den Einzelfall für den Chef wieder wettmachen, blasen sie mit dem getunten X6 zum gewohnten Halali auf der Autobahn. Für Preise ab 64.152 Euro gibt es das Auto mit einem strammen Sportfahrwerk und drei Zentimetern weniger Bodenfreiheit sowie mit einem neuen Chip im Steuergerät des 35d. Statt 286 leistet der Sechszylindermotor dann 325 PS und statt bei 580 Nm erreicht die Drehmomentkurve ihren Gipfel bei 675 Nm. So nimmt der getunte X6 dem Original beim Sprint eine glatte Sekunde ab und ist mit 246 Sachen auch noch 10 km/h schneller - bei angeblich unverändertem Normverbrauch.



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