Honda Accord Crosstour: Das unerwartete Ende

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Der BMW 5er GT ist kaum auf der Straße, da gibt es schon einen Nachahmer - zumindest in den USA. Dort hat Honda ebenfalls einen Zwitter aus Limousine, Coupé und Kombi auf den Markt gebracht; Accord Crosstour heißt der Wagen - und SPIEGEL ONLINE hat ihn schon gefahren.

Honda Accord Crosstour: Der schräge Vogel Fotos

Crossover-Autos mit sogenanntem "raumfunktionalen Konzept" wie etwa der BMW 5er GT, ernten reichlich Spott. Buckliger Bieber oder Rucksacklimousine waren noch die freundlichsten Formulierungen für das eigenwillige Design des Gran Turismo, der nach dem Befinden des BMW-Marketings die Vorzüge von Limousine, Kombi, Coupé und Geländewagen vereinen soll. Die Idee zu einem solchen Auto hatten offenbar auch andere. Honda beispielsweise legte beinahe zeitgleich ein ganz ähnliches Konzept auf, und seit ein paar Wochen wird das Modell Accord Crosstour nun verkauft. Zunächst allerdings ausschließlich in den USA, wo SPIEGEL ONLINE ein paar Stunden lang erste Eindrücke mit dem Wagen sammelte.

Bei diesem Einsatz in Manhattan fiel natürlich auch erst einmal die unorthodoxe Form der Karosserie auf. Einen Designpreis wird Honda für das schräge, leicht pummelige Heck wohl nicht gewinnen. Doch im dichten Getümmel der Limousinen und Geländewagen auf der Fifth Avenue oder am Times Square fällt das Auto wenigstens auf Anhieb auf.

Außerdem schafft die Linienführung Platz im Innenraum. Fünf Meter Gesamtlänge und 2,80 Meter Radstand sorgen vorn wie hinten für reichlich Beinfreiheit. Lediglich der Platz für den Kopf in Reihe zwei ist nicht allzu üppig. Das Gepäckabteil wiederum ist groß genug für fast jede Transportaufgabe, die an Autos dieses Kalibers gestellt werden. Schon bei aufrecht positionierter Rückbank passen 727 Liter durch die riesige Luke, und wer die Sitzlehne flach egt, kann bis zu 1452 Liter einladen. Zudem haben die Honda-Ingenieure im Souterrain des Fonds noch ein variables Staufach für allerlei Kleinkram untergebracht.

Konventionelle Einrichtung - aber immer Allradantrieb an Bord

Der Honda ist im Vergleich zum BMW 5er GT eher konventionell eingerichtet. Während es den BMW auch mit zwei bequemen Einzelsitzen im Fond gibt, setzt der Honda stets auf eine herkömmliche Dreier-Sitzbank - die immerhin eine breite Mittelarmlehne mit riesigen Becherhaltern bietet. Und während der BMW mit einer variablen Trennwand zum Kofferraum aufwartet, verfügt der Honda über eine ganz normale Hutablage. Und dann ist da noch die Heckklappe des BMW, die sich in zwei Stufen öffnen lässt, auf Wunsch auch per Knopfdruck; auch das bietet der Honda nicht. Der Verzicht schlägt sich jedoch im Preis nieder. Den Accord Crosstour gibt es in der Basisversion für 29.670 Dollar (umgerechnet knapp 23.000 Euro), der mit einem 400 PS starken V8-Motor bestückte 5er GT kostet mindestens 63.900 Dollar.

Unter dem Blech nutzt das japanische Modell die bekannte Antriebstechnik des amerikanischen Accord-Modells. Hinter dem mächtigen Kühlergrill steckt ein 3,5 Liter großer, sehr ruhiger V6-Motor, der mit einer Leistung von 271 PS und 320 Nm Drehmoment leichtes Spiel mit dem Crosstour hat. Das Automatikgetriebe verfügt zwar über nur fünf Gänge, dosiert die Kraft aber sanft und sauber, so dass der 1,9 Tonnen schwere Accord in weniger als zehn Sekunden auf Tempo 100 kommt und eine für amerikanische Verhältnisse ordentliche Höchstgeschwindigkeit von mehr als 210 km/h erreicht. Der nach US-Norm berechnete Verbrauch ist allerdings, trotz Spartechniken wie einer variablen Ventilsteuerung, üppig: Umgerechnet 11,4 Liter auf 100 Kilometer weist das Datenblatt für den Allradler aus.

Auch den BMW X6 kontert Honda mit einem ähnlich gestylten Modell

Der Crosstour ist übrigens nicht der einzige BMW-Adept von Honda. Auch den nicht minder unkonventionellen, aber mittlerweile durch einen beachtlichen Absatzerfolg bestätigten BMW X6 hat sich Honda zum Vorbild genommen und nach dessen Muster das Modell ZDX gestrickt. 4,89 Meter lang und angetrieben von einem 3,7 Liter großen V6-Motor mit 300 PS läuft der Wagen in den USA unter dem Label der Honda-Luxusmarke Acura und kostet gerade einmal 45.495 Dollar - rund 7000 Dollar weniger als das Original aus Bayern.

Auf den europäischen Markt dürften es beide Honda-Modelle allenfalls über freie Importeure schaffen. Denn anders als Toyota mit dem Ableger Lexus und Nissan mit der Schwestermarke Infiniti hat Honda keinerlei Ambitionen, die Marke Acura über den Atlantik zu bringen, was dem ZDX den Zutritt hierzulande verwehrt. Und auch beim Honda Accord Crosstour ist der offizielle Weg versperrt. Die Accord-Baureihe gibt es hier zwar, doch steht das US-Modell auf einer eigenständigen Plattform und hat mit der europäischen Limousine nur den Namen gemein. Wer in Deutschland ein Auto dieser Größe möchte, muss zum Honda Accord Kombi greifen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
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1. Design
A-Schindler 25.04.2010
> Dasselbe könnte man von Ferrari usw. sagen deren Stückzahlen pro Model kaum höher liegen dürfte als bei den BMW GT. Diese Autos sehen zwar gewöhnungsbedürftig aus, aber nur weil wir uns in Deutschland an die Golf-Form gewöhnt haben und alle Autos die anders Aussehen als schlecht bezeichnen heißt nicht das der Wagen schlecht Design ist. Nicht jeder will mit ein Kombi rum fahren, wo nur die Werbung an der Seite fehlt als unterschied zu ein X-beliebigen Firmenwagen.
2. Ein echt gelungener Hingucker!
haltetdendieb 25.04.2010
Schöner als der BMW und auch funktioneller....
3. bildunterschriften
the.anthony 25.04.2010
ein bisschen mehr mühe könnte sich spiegel online wirklich geben bei den bildunterschriften. man muss nicht immer was schreiben, nur damit irgendein text drunter steht. >> "Das soll ein Honda sein? Das Heck des Autos hat nichts markentypisches vorzuweisen." tatsächlich? das geteilte heckglas gab es schon beim ersten crx in ganz ähnlicher form. von der zweiten generation und dem aktuell präsentierten modell ganz zu schweigen.
4. Einfach unprofessionell
peterb 25.04.2010
Wenn der Honda fast zeitgleich mit dem GT heraus kam, kann man angesicht der Entwicklungszeit kaum von einem Nachahmer sprechen, sondern von einer eigenständigen Entwicklung. Bemerkungen wie "einen Designpreis wird er wohl nicht gewinnen" oder "der Rest der Einrichtung ist stimmig, reißt aber nicht zu größerem Wohlwollen hin" ist typisch subjektiver, unproffessioneller deutscher Journalismusstil. Eine Bewertung sollte hier jedem selbst überlassen bleiben (Fakten, Fakten und an die Leser denken). Wie man die 2 Einzelsitze im Fond oder eine variable Trennwand (wozu auch immer)zum Gepäckabteil des BMW zu den eher unkonventionellen Stilelemente zählen kann, ist mir ebenfalls ein Rätsel. Aber für unseren Tom rechtfertigt das sicher den doppelten! Preis des BMW. Schade auch, dass ausgerechnet beim Bezinverbauch für den der Honda kritisiert wird (was ist bei 11 Liter Verbauch auf 3,5 Liter Hubraum nicht zeitgemäß?) auf ein Vergleich mit dem GT verzichtet wird ;-).
5. Warum eigentlich "unerwartetes Ende"?
cfweber 07.08.2010
Wer hat hier welches Ende unerwartet - oder soll ein solches suggeriert werden? Ich stimme mit den anderen Autoren überein: Der Stil des Artikels ist lasch und Wischi-waschi. Ein Schelm, der Böses dabei denkt... Ergebnis des Artikels bei mir: Ich möchte mehr über beide Honda-Fahrzeuge wissen! Vermute, dieses Ende ist für den Autor des Artikels sicher auch "unerwartet"...
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Fahrzeugschein
Hersteller: Honda
Typ: Accord Crosstour
Karosserie: Limousine
Motor: V6-Benziner
Getriebe: Fünfgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 3.471 ccm
Leistung: 271 PS (199 kW)
Drehmoment: 320 Nm
Höchstgeschw.: 210 km/h
Verbrauch (ECE): 11,4 Liter
CO2-Ausstoß: 264 g/km
Kofferraum: 727 Liter
umgebaut: 1.452 Liter

Schnellcheck

Honda Accord Crosstour

Einsteigen: ...weil der CrossTour mal was anderes ist und viel Platz bietet.

Aussteigen: ...weil das außen so unkonventionelle Auto innen so gewöhnlich geraten ist.

Umsteigen: ...aus allen Limousinen und Kombis der Mittelkalsse und aus den meisten SUV-Modellen.


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