Honda Accord Zurück in die Spur

Der Kombi hatte den Charme einer Doppelgarage und die Limousine traf auch nicht ganz den Geschmack der Kunden – logisch, dass Hondas Mittelklasse-Baureihe Accord in Deutschland kein großer Erfolg war. Das soll sich mit der achten Modellgeneration ändern.

Von Jürgen Pander


Das Kürzel LKAS klingt nicht besonders sexy, doch für den neuen Honda Accord sind diese vier Buchstaben ein wichtiges Verkaufsargument. LKAS bedeutet Lane Keeping Assist System – ein Spurhalteassistent also. Per Kameraauge überwacht der elektronische Linienrichter, ob der Wagen mittig auf einer Fahrspur unterwegs ist oder sich den Markierungen nähert.

Ist letzteres der Fall (und hat der Fahrer nicht den Blinker gesetzt), erklingt ein Warnton, eine Lampe leuchtet und das Lenkrad drängt aus eigener Kraft zur Richtungskorrektur. Die wünscht sich Honda auch für die glücklose Accord-Baureihe. Zurück auf die Erfolgsspur lautet der Auftrag für die jetzt vorgestellte achte Generation.

In der Mittelklasse, in der der Honda Accord antritt, herrschen ziemlich klare Verhältnisse: 70 Prozent aller Autos dieses Segments in Deutschland werden mit Dieselmotoren verkauft, 60 Prozent aller Modelle sind Kombis. Der Diesel- sowie der Kombi-Anteil beim Accord lag zuletzt jedoch bei deutlich unter 40 Prozent. Es gibt also reichlich Potential nach oben für die japanische Marke.

Die neue Modellgeneration jener Baureihe, von der seit dem Start 1976 weltweit rund 16 Million Exemplare verkauft wurden, soll dieses Potential besser ausschöpfen. Zum einen mit einem überarbeiteten Dieselmotor. Der Selbstzünder mit 2,2 Liter Hubraum leistet nun 150 PS, ein Plus von 10 PS, und mobilisiert ein maximales Drehmoment von 350 Nm.

Übersetzt in die Praxis bedeuten die Zahlen ein munteres, kraftvolles und dabei laufruhiges Triebwerk, das nach Herstellerangaben mit 5,6 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer klarkommt. Nach den ersten beiden Testrunden von SPIEGEL ONLINE meldete der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 6,2 Liter (Landstraße) und 6,7 Liter (Autobahn). Das erscheint für ein Auto dieser Dimension akzeptabel.

Der neue Accord ist länger und vor allem breiter geworden als das Vorgängermodell - und schwerer. Er ist also nach dem eigentlich überkommenen Prinzip des ewigen Mehr-mehr-mehr entwickelt. Das stimmt ein wenig traurig angesichts der Tatsache, dass Honda die Ingenieurskunst eigentlich in höchsten Ehren hält. Eine ausgefuchste Spritspartechnik, eine effektive Gewichtsreduzierung oder ein wirklich neuer, bescheidener Motor hätten dem Auto gut gestanden.

So aber bleibt Vieles nach alter Väter Sitte: Die Benziner treten mit 156 oder 201 PS an, der Diesel wie bereits erwähnt mit 150 PS. Dazu gibt ein Sechsgang-Schaltgetriebe sowie für die Ottomotoren eine Fünfgang-Automatik (Aufpreis 1900 Euro). Ab kommendem Jahr wird dann auch für die Dieselversion ein Automatikgetriebe verfügbar sein. Immerhin, betonen die Verantwortlichen, werde jedes Aggregat die kommende Euro-5-Abgasnorm erfüllen und selbstverständlich sei ein Rußpartikelfilter für den Diesel ab Werk an Bord.

Kombi mit weniger Laderaum, aber viel schönerer Form

Woran Honda mit Erfolg gearbeitet hat, ist das Design. Die Frontpartie des Accord sieht eigenständig, kraftvoll und gerade so aggressiv aus, dass es auch für den Familienausflug nicht übertrieben wirkt. Die klare Seitenansicht mit den schmissigen Türgriffen ist ebenfalls gelungen, und auch das Heck gefällt durch seine fein austarierten Formen. Zwei Dinge sind weniger ideal: Die Fondtürausschnitte sind ziemlich klein geraten und auch die Kofferraumöffnung ist eher unterdimensioniert.

Design und Kofferraum sind auch die großen Themen der Kombivariante Accord Tourer. Wo das bisherige Modell einen wuchtigen Kasten Huckepack trug, endet das neue Modell mit einem geradezu dynamisch-erfrischenden Heck. Das Auto sieht richtig gut aus – und wurde auch prompt mit dem "red dot"-Designpreis des Landes Nordrhein-Westfalen prämiert. Die flotte Form bedingt allerdings eine Einbuße von 400 Liter Ladevolumen im Vergleich zum Vorgänger. Die Kapazität des neuen Modells reicht, je nach Stellung der Rücksitzlehnen, von 475 bis 1252 Liter – was jedoch für die meisten Transportaufgaben im Alltag vollends ausreicht.

Üppigstes Sicherheitspaket in der Mittelklasse

Die Limousine tritt ab 7. Juni zu Preisen ab 24.800 Euro an und der Kombi wird ab dem 6. September zu Tarifen ab 26.100 Euro bei den Händlern stehen. Mit anderen Worten: Das Auto, das sich übrigens sehr ausgewogen, ruhig und entspannt fahren lässt, ist im Vergleich zum Vorgänger kaum teurer geworden. Und weil wir gerade bei den angenehmen Seiten des neuen Accords sind: Die Sitze des Autos sind ausgesprochen kommod geformt und der Schalthebel des Sechsganggetriebes gehört zu den besten Details des Wagens.

Eine Sonderstellung nimmt der Accord in der Mittelklasse dann doch noch ein. Und zwar aufgrund des eingangs schon erwähnten Spurhalteassistenten, der gemeinsam mit den Sicherheitssystemen AAC (ein Tempomat mit automatischer Abstandskontrolle) und CMBS (eine radargestützte Abstands- und Bremsautomatik, die Auffahrunfälle verhindert oder zumindest abschwächt) angeboten wird.

Die im "Advanced Safety Paket" zusammengefasste Sicherheitstechnik kostet 2450 Euro Aufpreis und wird vorerst nur für die Modelle der höchsten Ausstattungsstufe Executive angeboten. Das macht die Sache zwar nicht billig, doch kein anderer Hersteller hat solch ein Paket überhaupt im Angebot.



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