Honda Civic: Das Manga-Mobil

Von Jürgen Pander

In japanischen Manga-Comics wird das Gebiss einfach als weißer Balken dargestellt, etwa wenn die Figuren lachen. Genau so sieht der neue Honda Civic aus. Ein Klarglasband zieht sich von Scheinwerfer zu Scheinwerfer - Hondas neues Manga-Lächeln.

Die durchgehenden Spangen an Front und Heck sind das Erste, was am neuen Civic auffällt. Vorne grinst das Auto silbrig, hinten schließt eine rote Gürtellinie, die ebenfalls von Rücklicht zu Rücklicht reicht, die Karosserie ab. Ein Design im Comic-Stil. Sehr futuristisch, erfreulich unkonventionell und ziemlich mutig. Andererseits bleib Honda kaum etwas anderes übrig, als die achte Generation des Kompaktwagens Civic so zu gestalten, dass sie gleich auf den ersten Blick auffällt. Von den sieben Vorgänger-Generationen der Baureihe wurden seit 1972 weltweit 16 Millionen Autos verkauft. Zuletzt jedoch schwächelte das Modell, insbesondere in Deutschland und vor allem wegen seiner faden Optik.

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Honda Civic: Der Manga auf vier Rädern

Das soll dem neuen Civic nicht mehr nachgesagt werden können. "Meilenstein", "Symbol", "Neuausrichtung", "Premium" - lauten die Vokabeln, die Honda-Sprecher Alexander Heintzel nur so aus dem Mund purzeln, wenn er von dem Auto spricht, mit dem "eine neue Epoche" beginnen soll. "Wir wollen die Wettbewerber im Premiumsegment herausfordern", sagt Heintzel. Honda möchte als sportlich und außergewöhnlich wahrgenommen werden, also muss der Civic, als wichtigstes Modell der Japaner, die neue Richtung vorgeben.

Im Vergleich zum Vorgänger ist der Wagen um dreieinhalb Zentimeter kürzer, aber um gut sechseinhalb Zentimeter breiter. Neben dem erfrischenden Gesamtbild, das die Karosserie abgibt, feilten die Designer auch an Kleinigkeiten wie den hübschen Blinklichtern in den Außenspiegeln oder den ungewöhnlichen Türgriffen. Leider gerieten ihnen dabei einige andere Dinge aus dem Blick: Der Ausschnitt der hinteren Türen zum Beispiel ist extrem klein und erfordert Vorsicht beim Einsteigen, sonst holt man sich an der C-Säule eine Beule. Und die von einem Minispoiler unterteilte Heckscheibe beeinträchtigt - ähnlich wie beim Citroën C4 - die Sicht nach hinten. Kein Wunder, dass Honda eine Rückfahrkamera im Angebot hat.

Der Bordcomputer schimmert in kühlem Blaulicht

Konsequenz beweist Honda, indem der Civic innen ebenso radikal erneuert wurde wie außen. Das Cockpit schwingt sich wie zwei übereinander gestaffelte Tribünen um den Fahrerplatz. Direkt vor dem Lenkrad sitzt der Drehzahlmesser, in dessen Mitte wie in einem Hologramm die Angaben des Bordcomputers zu schweben scheinen. Auf einer zweiten Ebene vor der Frontscheibe leuchtet unter anderem die digitale Geschwindigkeitsanzeige auf. Das Ensemble aus Anzeigen und Bedienelementen wirkt anregend anders und zugleich etwas übersichtlich. Die Frage ist: Mögen es Autofahrer, wenn ihnen derart Ungewohntes vorgesetzt wird?

Günter Schnatz, Geschäftsführer von Honda in Deutschland, ist davon felsenfest überzeugt. Nicht nur von Berufs wegen, wie er versichert, sondern auch weil ausführliche Kundenbefragungen eine sehr positive Resonanz ergaben. So kommt es, dass Schnatz mit dem neuen Civic die Verkaufszahlen des Vorgängermodells glatt verdoppeln will. Im nächsten Jahr - das Auto kommt am 14. Januar für einen Einstiegspreis von 15.950 Euro (Version mit 83-PS-Benziner) zu den Händlern - sollen mindestens 15.000 Exemplare in Deutschland verkauft werden. Der Civic, so Schnatz, sei ein wesentlicher Baustein in dem Vorhaben, die Verkaufszahlen hierzulande von derzeit rund 43.000 Modellen pro Jahr auf 70.000 Einheiten bis 2008 zu erhöhen.

Fahrzeugschein
Hersteller: Honda
Typ: Civic
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Benziner
Hubraum: 1.798 ccm
Leistung: 140 PS (103 kW)
Drehmoment: 174 Nm
Von 0 auf 100: 8,9 s
Höchstgeschw.: 205 km/h
Verbrauch (ECE): 6,4 Liter
CO2-Ausstoß: 152 g/km
Kraftstoff: Superbenzin
Kofferraum: 456 Liter
umgebaut: 1.352 Liter
Preis: 19.300 EUR
Mit Design allein klappt das natürlich nicht. Der Civic verfügt daher mit 456 Liter Fassungsvermögen über den größten Kofferraum dieser Klasse (zum Vergleich: VW Golf 350 Liter), und über eine Rücksitzbank, die teilbar ist und sich mit einem Handgriff so falten lässt, dass eine nahezu ebene Ladefläche entsteht. Dazu soll ein Sicherheitspaket mit serienmäßig sechs Airbags, ABS, ESP, aktiven Kopfstützen an den Vordersitzen und doppelten Gurtstraffern vorne für ein gutes Gefühl der Insassen sorgen.

1,8-Liter-Benziner ist Vater einer neuen Motorengeneration

Schließlich stellt Honda im Civic auch noch einen neuen 1,8-Liter-Benziner vor, dem ersten Vertreter der nächsten Motorengeneration der Japaner. Die Maschine leistet 140 PS und verfügt über ein neues Ventilsteuersystem, bei dem in bestimmten Lastbereichen eines der beiden Einlassventile länger als bislang geöffnet bleibt. So kann überschüssige Luft wieder aus dem Zylinder entweichen. Die komplexe Technik soll innermotorische Strömungsverluste reduzieren und zur Senkung des Verbrauchs beitragen. Der Mittelwert für den Motor liegt bei 6,4 Liter, nach einer ausführlichen Testfahrt über unterschiedliche Straßen zeigte der Bordcomputer unseres Wagens einen Durchschnittsverbrauch von 8,3 Liter an.

"Eine Klasse sportlicher", heißt der Slogan, den sich Hondas neue Werbeagentur Scholz & Friends für die Einführungskampagne des neuen Civic ausgedacht hat. Das ist nicht besonders originell, doch das Auto lässt sich durchaus flott bewegen. Die Lenkung vermittelt ein gutes Gefühl für die Straße, und das Sechsganggetriebe ist prima abgestuft. In engen Linkskurven stört jedoch die A-Säule die Sicht auf die Fahrbahn und wer den Benziner mit dem automatisierten Sechsganggetriebe wählt, muss sich auf eher zähes, dafür aber sparsames Vorwärtskommen einrichten - es sei denn, man nutzt die manuelle Gangwahl.

"Der Civic ist unsere große Chance, Honda als ernstzunehmende Alternative zu den anderen Premiummarken zu etablieren", sagt Firmensprecher Heintzel. Die Japaner haben diese Gelegenheit mutig angepackt. Jetzt brauchen sie ebenso selbstbewusste Kunden.

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