Honda Insight Hybrid Lasst Blumen sprechen

Honda bringt die zweite Generation des Insight auf die Straße. Das Auto soll die umweltfreundliche, aber bislang komplexe Hybridtechnik erschwinglich machen. Noch pfiffiger als der Benzin-Elektro-Antrieb ist jedoch das serienmäßig im Cockpit installierte Öko-Tamagochi.


Mercedes S-Klasse, BMW 7er, Lexus LS: Hybridantriebe waren bislang vor allem ein Thema für Besserverdiener. Selbst Toyotas Mittelklassemodell Prius, der weltweit meistverkaufte Teilzeitstromer, ist deutlich teurer als ein konventionelles Auto. Das ist aufgrund der aufwändigen Technik nachvollziehbar, doch eben auch ein Grund dafür, warum der Hybridantrieb sich nur sehr langsam durchsetzt.

40 Prozent der potenziellen Käufer fühlten sich von den Preisen verschreckt, hat Honda ermittelt und will jetzt gegensteuern. Wenn Ende April der neue Insight an den Start geht, solle die Zeit des "Volkshybriden" beginnen, sagt Honda-Sprecher Alexander Heintzel. Wie teuer das Auto wird, sagt er noch nicht, angeblich wegen der schwankenden Märkte und der Kapriolen bei den Wechselkursen. Honda werde aber auf jeden Fall "das preisgünstigste Hybridfahrzeug aller Zeiten auf den Markt bringen", verspricht Firmenchef Takeo Fukui. Es ist von einem Grundpreis "deutlich unter 20.000 Euro" die Rede.

Dafür haben die Ingenieure ein deutlich einfacheres Antriebskonzept als beim Hauptkonkurrenten Prius gewählt. Statt eines starken und weitgehend autarken Elektromotors montiert Honda einen so genannten "Integrated Motor Assist", der zwischen Benziner und Automatikgetriebe eingeschoben ist und lediglich 14 PS Leistung hat. Zwar kann auch dieser Motor den Insight in manchen Situationen alleine bewegen, doch zum rein elektrischen Anfahren fehlt die Kraft.

Stattdessen speist der E-Motor die Start-Stopp-Automatik und wirkt beim Fahren wie ein umweltfreundlicher Turbo, der dem weiterentwickelten Vierzylindermotor aus dem Honda Jazz beim Beschleunigen hilft. So werden aus den 88 PS und 121 Nm des 1,3 Liter großen Benziners insgesamt 98 PS und 167 Nm - womit die Systemleistung beziffert wäre. Gerade beim Anfahren und Überholen hat der Insight überraschend viel Dampf. Allerdings wird es dann laut, denn die stufenlose Automatik erlaubt recht hohe Drehzahlen.

Die optimierte Batterie sitzt jetzt im Fahrzeugboden

Die gegenüber dem Hybridmodell Civic verkleinerte und auf 38 Kilogramm abgespeckte Batterie ist so ausgelegt, dass sie schon nach kurzen Sprints wieder nachgeladen werden muss - was der zum Generator umfunktionierte Elektromotor prompt erledigt.

Dass Honda den Insight als Preisbrecher in den Markt drücken kann, liegt auch an den hohen Stückzahlen, mit denen die Japaner kalkulieren: Nachdem die ersten 300.000 Hybridmodelle von Honda erst nach zehn Jahren verkauft waren, soll es künftig erheblich schneller gehen. Allein in Deutschland will Honda im ersten Jahr 5000 Insight-Modelle verkaufen. Weltweit sollen es 200.000 sein. "Wenn im nächsten Jahr die Serienfassung der Studie CR-Z als Hybrid-Sportwagen und kurz darauf der Minivan Jazz als erster Kleinwagen mit Hybridantrieb auf die Straße kommen, sind wir bei 500.000 Hybridautos pro Jahr", stellt Firmensprecher Heintzel in Aussicht.

Billige Details, ordentliche Sicherheitsausstattung

Dem Diktat des günstigen Preises haben die Japaner nicht nur Hybrid-Vorzüge wie das rein elektrische Anfahren geopfert, auch an anderen Stellen wird der Sparzwang spürbar: So gibt es beim Insight Parksensoren nur in der Topausstattung. Dabei hätten die alle Varianten nötig, denn der Blick zurück wird von der geteilten Glasklappe stark getrübt. Und Details wie die Kofferraumabdeckung oder die Ablagefächer im Armaturenbrett wirken unangenehm billig.

In anderen Bereichen knausert der Insight nicht. Ab Werk gibt es sechs Airbags, ESP, Klimaautomatik und zahlreiche elektrische Helfer. Außerdem bietet der Viertürer bei einem Radstand von 2,55 Metern überraschend viel Platz. Weil die Batterie nun unter den Wagenboden passt, fasst der Kofferraum samt Geheimfach im Tiefparterre jetzt 408 Liter, und lässt sich durch die geteilt umklappbare Rücksitzlehne erweitern.

Das Auto hilft dabei, den Fahrstil umzustellen

Obwohl im Datenblatt ein Verbrauch von 4,4 Litern und ein CO2-Ausstoß von 101 g/km versprochen werden, zeigt der Bordcomputer nach der ersten Ausfahrt knapp sieben Liter. "Das liegt nicht am Auto, sondern am Fahrer", klagen die Entwickler. "Wer die Vorteile eines Hybridantriebs ausnutzen will, der muss seinen Fahrstil ändern." Projektleiter Yasunari Seki will die Hybridkunden dabei unterstützen. Dazu gibt es einen grünen Knopf neben dem Lenkrad. Wer ihn drückt, startet nicht nur ein Sparprogramm, das die Antriebsleistung begrenzt und die Start-Stopp-Phasen verlängert. Sondern es wird auch eine Art Öko-Trainer im Cockpit aktiviert.

Das elektronische Gimmick tadelt Verschwender und belohnt Spritsparer: Wie in den Zeiten des Tamagochi wechselt je nach Fahrstil nicht nur die Farbe der Instrumentenbeleuchtung von grün für Sparsamkeit nach blau wie Bleifuß: Außerdem sprießen mit jedem sparsamen Kilometer Blümchen auf dem Bordmonitor, die bei verschwenderischer Fahrt wieder verschwinden. "Wer sich daran orientiert, spart noch einmal zehn Prozent", hat Seki ermittelt. Der Erfolg der Bemühungen lässt sich auch auf Dauer ablesen: Wer vernünftig fährt, dem sieht irgendwann der Siegerpokal des Eco-Champions. Wer Vollgas gibt, kriegt nur eine vertrocknete Blume.

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