Von Tom Grünweg
Diesmal ist Honda vor Toyota am Ziel. Während der Hybrid-Pionier noch vom teilelektrischen Kleinwagen redet und bislang nur entsprechende Studien zeigte, hat der bei der Hybridtechnik ewige Zweite Honda in Kürze einen Hybrid-Kleinwagen am Start. Ab April verkaufen die Japaner das Modell Jazz Hybrid. Gegenüber dem vergleichbaren Benziner sinkt der Verbrauch des neuen Modells um rund 20 Prozent auf 4,5 Liter. Angesichts der hohen Statur und des Gewichts von gut 1,2 Tonnen ist das kein schlechter Wert - solange man nur die Benziner vergleicht. Nimmt man jedoch Diesel-Kleinwagen wie dem VW Polo (3,4 Liter) oder Vans vom Schlage eines Hyundai ix20 (4,3 Liter) als Maßstab, dann verliert die Hybridtechnik einiges von ihrem Glanz.
Dafür üben die Japaner beim Preis Zurückhaltung. Zumindest auf den ersten Blick. Denn mit 18.900 Euro ist der Jazz Hybrid lediglich 2000 Euro teurer als der vergleichbare Benziner, dem obendrein Automatikgetriebe fehlt, das 1300 Euro extra kostet. Allerdings beginnt die Jazz-Preisliste insgesamt schon bei 12.900 Euro. Und vor allem: Für fast 20.000 Euro gibt es deutlich größerer Autos. Immerhin: Der Honda Jazz ist momentan das billigste Hybridmodell in Deutschland.
Die Ingenieure hatten mit dem neuen Modell vermutlich wenig Mühe. Denn unter dem Blech steckt genau die gleiche Technik wie im Insight. Auch hier kommt ein 1,3-Liter-Benziner mit 88 PS und 121 Nm zum Einsatz, dem eine 14 PS starke E-Maschine zur Seite steht. Im Gegensatz zu Toyotas Prius & Co. ist der Elektromotor bei Honda in den allermeisten Fällen nur Unterstützer oder Generator, aber selten nur treibende Kraft. Während andere Hybridtypen elektrisch anfahren oder auf Knopfdruck zumindest kurze Strecken rein elektrisch zurücklegen, laufen im Jazz immer beide Motoren im Duett. Die elektrisierende Stille, für viele der Höhepunkt elektrischen Fahrens, entsteht hier nur an der roten Ampel, wenn die Start-Stopp-Automatik den Antrieb stilllegt.
Kleinerer Kofferraum, doch die Variabilität blieb voll erhalten
Es gibt noch eine Ausnahme: Wenn man auf ebener Strecke langsam dahinrollt und den Gasfuß ganz leicht macht, fährt der Wagen tatsächlich mal ein Stückchen elektrisch. Geht es dann wieder bergab oder tritt man auf die Bremse, arbeitet der Verbrennungsmotor als Dynamo und schaufelt den Strom für den nächsten Sprint in den Akku. Die Batterie setzt, wie bei allen Hybridautos großer Stückzahl, noch auf Nickel-Metallhydrid-Technik, wiegt knapp 40 Kilogramm und füllt das Staufach unter dem Kofferraumboden komplett aus. Das Ladevolumen schmilzt damit um knapp ein Viertel, liegt aber mit 332 Litern noch immer über dem Kleinwagen-Durchschnitt. Die Flexibilität des Jazz bleibt erhalten. Die Rückbank lässt sich also auch weiterhin umlegen, so dass bis zu 1323 Liter Transportraum entstehen. Und für hoch aufragende Gepäckstücke lassen sich die hinteren Sitzkissen nach Art eines Kinosessels hochklappen.
Nach bislang fast 700.000 Hybrid-Fahrzeugen von Honda klappt das Zusammenspiel der beiden Motoren absolut reibungslos. Mit einer Systemleistung von 98 PS wirkt der Jazz in der Praxis flotter, als die Papierform vermuten lässt. Bis Tempo 100 vergehen 12,1 Sekunden, und auf der Autobahn schwimmt man bei maximal 175 km/h locker mit. Spritzig in der Stadt und ausdauernd über Land, taugt der Jazz prima als Familienkutsche für Großraumpendler. Er ist handlich und wendig, lässt sich gut parken, und das Fahrwerk ist betont komfortabel abgestimmt. Das Getriebe jedoch ist eine Zumutung. Wie die meisten Hybridmodelle verfügt der Jazz mit eine stufenlose Automatik. Obwohl Honda dieses CVT-Getriebe bei der Übernahme aus dem Insight noch einmal überarbeitete, nervt es mit viel zu hohen Drehzahlen und der entsprechenden Geräuschkulisse. Harmonischer Jazz klingt anders.
Bei spritsparender Fahrweise sprießen die Blumen auf dem Display
Dass man in einem Öko-Auto sitzt, merkt man nur beim Blick auf die Instrumente. Sie zeigen nicht nur den aktuellen Kraftfluss, den Ladestand der Batterie oder die Funktion der E-Maschine als Motor oder Generator. Sondern zu sehen ist auch ein kleiner Spritspartrainer, der eine ökonomische Fahrweise mit digital sprießenden Blümchen belohnt, das ein wenig an das berühmte Tamagotchi erinnert und tatsächlich eine motivierende Wirkung hat. Ach ja, und dann ist da auch noch die schillernd grüne Eco-Taste, mit der sich das ganze Auto in einen verschärften Spritsparmodus zwingen lässt. Wird sie gedrückt, ändert sich die Getriebesteuerung, wird die Gasannahme gezügelt und die Intensität der Klimaanlage. Das soll den Verbrauch um weitere Prozentpunkte senken.
Für Außenstehende ist der Jazz als Hybridfahrzeug ebenfalls nur schwer zu erkennen. Er surrt nicht lautlos durch die Stadt und hat - vom Typenschild und einer Chromspange auf der Kühlermaske abgesehen - auch sonst keine besonderen Merkmale. Wer sich als Kenner darstellen will, sollte auf die Farbe achte: Zur Premiere des grünen Jazz haben die Designer einen neuen Lackton angerührt, den es nur für dieses Modell gibt: "Lime Green Metallic".
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