Honda Jazz Hybrid: Grün bis unter die Haube

Von

Honda baut das Hybridangebot aus Nach den Modellen Insight und CR-Z gibt es ab April auch den Minivan Jazz mit der Kraft der zwei Motoren. Damit ist das japanische Auto der erste Kleinwagen unter den Teilzeitstromern - er kostet allerdings so viel wie ein Großer.

Honda Jazz Hybrid: Sparsam und variabel Fotos

Diesmal ist Honda vor Toyota am Ziel. Während der Hybrid-Pionier noch vom teilelektrischen Kleinwagen redet und bislang nur entsprechende Studien zeigte, hat der bei der Hybridtechnik ewige Zweite Honda in Kürze einen Hybrid-Kleinwagen am Start. Ab April verkaufen die Japaner das Modell Jazz Hybrid. Gegenüber dem vergleichbaren Benziner sinkt der Verbrauch des neuen Modells um rund 20 Prozent auf 4,5 Liter. Angesichts der hohen Statur und des Gewichts von gut 1,2 Tonnen ist das kein schlechter Wert - solange man nur die Benziner vergleicht. Nimmt man jedoch Diesel-Kleinwagen wie dem VW Polo (3,4 Liter) oder Vans vom Schlage eines Hyundai ix20 (4,3 Liter) als Maßstab, dann verliert die Hybridtechnik einiges von ihrem Glanz.

Dafür üben die Japaner beim Preis Zurückhaltung. Zumindest auf den ersten Blick. Denn mit 18.900 Euro ist der Jazz Hybrid lediglich 2000 Euro teurer als der vergleichbare Benziner, dem obendrein Automatikgetriebe fehlt, das 1300 Euro extra kostet. Allerdings beginnt die Jazz-Preisliste insgesamt schon bei 12.900 Euro. Und vor allem: Für fast 20.000 Euro gibt es deutlich größerer Autos. Immerhin: Der Honda Jazz ist momentan das billigste Hybridmodell in Deutschland.

Die Ingenieure hatten mit dem neuen Modell vermutlich wenig Mühe. Denn unter dem Blech steckt genau die gleiche Technik wie im Insight. Auch hier kommt ein 1,3-Liter-Benziner mit 88 PS und 121 Nm zum Einsatz, dem eine 14 PS starke E-Maschine zur Seite steht. Im Gegensatz zu Toyotas Prius & Co. ist der Elektromotor bei Honda in den allermeisten Fällen nur Unterstützer oder Generator, aber selten nur treibende Kraft. Während andere Hybridtypen elektrisch anfahren oder auf Knopfdruck zumindest kurze Strecken rein elektrisch zurücklegen, laufen im Jazz immer beide Motoren im Duett. Die elektrisierende Stille, für viele der Höhepunkt elektrischen Fahrens, entsteht hier nur an der roten Ampel, wenn die Start-Stopp-Automatik den Antrieb stilllegt.

Kleinerer Kofferraum, doch die Variabilität blieb voll erhalten

Es gibt noch eine Ausnahme: Wenn man auf ebener Strecke langsam dahinrollt und den Gasfuß ganz leicht macht, fährt der Wagen tatsächlich mal ein Stückchen elektrisch. Geht es dann wieder bergab oder tritt man auf die Bremse, arbeitet der Verbrennungsmotor als Dynamo und schaufelt den Strom für den nächsten Sprint in den Akku. Die Batterie setzt, wie bei allen Hybridautos großer Stückzahl, noch auf Nickel-Metallhydrid-Technik, wiegt knapp 40 Kilogramm und füllt das Staufach unter dem Kofferraumboden komplett aus. Das Ladevolumen schmilzt damit um knapp ein Viertel, liegt aber mit 332 Litern noch immer über dem Kleinwagen-Durchschnitt. Die Flexibilität des Jazz bleibt erhalten. Die Rückbank lässt sich also auch weiterhin umlegen, so dass bis zu 1323 Liter Transportraum entstehen. Und für hoch aufragende Gepäckstücke lassen sich die hinteren Sitzkissen nach Art eines Kinosessels hochklappen.

Nach bislang fast 700.000 Hybrid-Fahrzeugen von Honda klappt das Zusammenspiel der beiden Motoren absolut reibungslos. Mit einer Systemleistung von 98 PS wirkt der Jazz in der Praxis flotter, als die Papierform vermuten lässt. Bis Tempo 100 vergehen 12,1 Sekunden, und auf der Autobahn schwimmt man bei maximal 175 km/h locker mit. Spritzig in der Stadt und ausdauernd über Land, taugt der Jazz prima als Familienkutsche für Großraumpendler. Er ist handlich und wendig, lässt sich gut parken, und das Fahrwerk ist betont komfortabel abgestimmt. Das Getriebe jedoch ist eine Zumutung. Wie die meisten Hybridmodelle verfügt der Jazz mit eine stufenlose Automatik. Obwohl Honda dieses CVT-Getriebe bei der Übernahme aus dem Insight noch einmal überarbeitete, nervt es mit viel zu hohen Drehzahlen und der entsprechenden Geräuschkulisse. Harmonischer Jazz klingt anders.

Bei spritsparender Fahrweise sprießen die Blumen auf dem Display

Dass man in einem Öko-Auto sitzt, merkt man nur beim Blick auf die Instrumente. Sie zeigen nicht nur den aktuellen Kraftfluss, den Ladestand der Batterie oder die Funktion der E-Maschine als Motor oder Generator. Sondern zu sehen ist auch ein kleiner Spritspartrainer, der eine ökonomische Fahrweise mit digital sprießenden Blümchen belohnt, das ein wenig an das berühmte Tamagotchi erinnert und tatsächlich eine motivierende Wirkung hat. Ach ja, und dann ist da auch noch die schillernd grüne Eco-Taste, mit der sich das ganze Auto in einen verschärften Spritsparmodus zwingen lässt. Wird sie gedrückt, ändert sich die Getriebesteuerung, wird die Gasannahme gezügelt und die Intensität der Klimaanlage. Das soll den Verbrauch um weitere Prozentpunkte senken.

Für Außenstehende ist der Jazz als Hybridfahrzeug ebenfalls nur schwer zu erkennen. Er surrt nicht lautlos durch die Stadt und hat - vom Typenschild und einer Chromspange auf der Kühlermaske abgesehen - auch sonst keine besonderen Merkmale. Wer sich als Kenner darstellen will, sollte auf die Farbe achte: Zur Premiere des grünen Jazz haben die Designer einen neuen Lackton angerührt, den es nur für dieses Modell gibt: "Lime Green Metallic".

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Langsamlerner
brux 21.02.2011
Nachdem die Auto-Journaille viele Jahre nur über PS und nicht über den Verbrauch berichtet hat, klemmt es nun bei der Bewertung des letzteren. Der Verbrauch ist wirtschaftlich interessant, klima-politisch zählen aber die Emissionen. Und in dieser Hinsicht ist ein Vergleich zwischen Benziner und Diesel nicht sinnvoll. Diesel enthält mehr CO2 und da sehen dann Polo und Co. gegenüber den Benzinhybriden gar nicht mehr so gut aus.
2. Titel fällt aus
topas 21.02.2011
Schade, das Modell hätte Potential gehabt richtig genial zu werden. Sicher, es wäre schwer gewesen (nahezu unmöglich) alles umzusetzen, schön wäre es gewesen :) Kurzstrecken auf Strom pur (für die Innenstadt), und für Langstrecken die Mulde unterm Kofferraum erhalten, damit man eine Autogasanlage reinbauen kann. Dann wäre sogar die 100g-CO2-Grenze gefallen :) Vielleicht schaffen sie es mit dem Nachfolgemodell
3. Titel werden überbewertet!
Lennard Green 21.02.2011
Toyota war nie Hybrid-Pionier! Der erste Hybrid kam von Honda, hieß damals schon Insight und war so lausig teuer im Vergleich zum Rest der automobilen Welt, dass man es nicht mal als netten Versuch durchgehen lassen konnte (45TDM). Nach der Euro-Konvertierung sieht das Ganze natürlich nicht mehr so dramatisch aus. Dennoch: Hybrid=elitär=teuer. Was den Jazz angeht: keine schlechte Idee, aber den Verbrauch von 4,5 Litern bekomme ich mit meinem Jazz 1,4l im Schleichmodus beinahe auch hin. Also nichts Berauschendes. Dass man kaum oder gar nicht rein elektrisch fahren kann, liegt am Prinzip der Anordnung der Motorisierung bei Honda; solange der Verbrauch stimmt, spricht nichts dagegen. Die Preise... nun, haben Sie mal versucht, bei Ihrem Honda-Händler eines der supergünstigen Einsteigermodelle zu kaufen? Nein? Ich schon. Auskunft: Lieferfristen unbekannt, ob überhaupt noch welche kommen unbekannt - nehmen Sie doch einen 1,4l, der steht schon auf dem Hof, hat auch Klimaautomatik, mehr PS und kostet kaum was mehr (solange man die Finger von der Ausstattungsliste lässt). Fazit: auch Honda - von denen ich viel halte - ist ein Autobauer, der auch verkaufen und vor allem verdienen will, und wenn nächstes Jahr der Bedarf an Autos mit vierhundert PS explodieren sollte, werden die sich auch nicht lange bitten lassen. Dass man Diesel nicht mit Benzinern vergleichen sollte, müsste sich eigentlich längst herumgesprochen haben.
4. Die schillernd grüne ECO Taste
Nebhrid 21.02.2011
Welchen Sinn haben solche Artikel, die auch aus der Werbebroschüre des Herstellers stammen könnten?
5. Hybrid und Umwelt
einszweidrei, 21.02.2011
Bei der Gelegenheit ein paar Fakten über den Toyota Prius, die man an Deutschlands Stammtischen oft nicht weiß. Die japanische Tsutsumi Fabrik, in der Prius hergestellt werden, ist nach ISO14001 zertifiziert und eine von 5 sogenannten "Öko-Fabriken" von Toyota. Tsutsumis Elektrizitätsbedarf wird zur Hälfte aus Solarenergie gespeist. Es gibt spezielle Wachen auf dem Werksgelände, die sicherstellen, dass nirgendwo Energie verschwendet wird. Zudem ist die Prius-Fabrik mit einer photokatalytischen Farbe gestrichen, die Sauerstoff in die Umgebung entlässt. Rund um die Ökofabrik sind Bäume gepflanzt worden, und es gibt ein spezielles Wasser-Wiederaufbereitungssystem, das 50% des Wassers wieder an die Wasserwege zurückleitet - und zwar sauberer, als es in der Fabrik angekommen ist. 95% der Metalle einer Prius-Batterie werden wiederverwertet. Und der Prius selbst rußt nicht, was der größte Vorteil am Hybrid-Benziner ist.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Tests
RSS
alles zum Thema Fahrberichte
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 12 Kommentare
Aktuelles zu

Fahrzeugschein
Hersteller: Honda
Typ: Jazz Hybrid
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Stufenlose Automatik
Antrieb: Front
Hubraum: 1.339 ccm
Leistung: 88 PS (65 kW)
Leistung (E-Motor): 14 PS (10 kW)
Drehmoment: 121 Nm
Drehmoment (E-Motor): 78 Nm
Von 0 auf 100: 12,1 s
Höchstgeschw.: 175 km/h
Verbrauch (ECE): 4,5 Liter
CO2-Ausstoß: 104 g/km
Kofferraum: 332 Liter
umgebaut: 1.323 Liter
Preis: 18.900 EUR

Schnellcheck

Honda Jazz Hybrid

Einsteigen: ...weil das Auto einen Liter weniger verbraucht als der 100 PS-Benziner.

Aussteigen: ......weil das CVT-Getriebe nervt, man fast nie elektrisch fährt und der absolute Preis hoch ist.

Umsteigen: ...aus Honda Insight und Toyota Auris Hybrid oder Kleinwagen mit Spar-Benziner.


Aktuelles zu