Hyundai Equus: Kingsize-Koreaner zum Kampfpreis

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Hyundai probt den Aufstieg. Nicht nur bei den Zulassungszahlen will sich die koreanische Marke mit den Besten messen, sondern auch im Luxussegment - zumindest in Korea und den USA. Dort bietet Hyundai eine Limousine an, die der Mercedes S-Klasse überzeugend nacheifert.

Hyundai Equus: Attacke auf die Etablierten Fotos

Hyundai Equus - für Autokäufer ist das erstmal ein Zungenbrecher. Bei Automanagern jedoch könnte das Modell demnächst sogar Kopfzerbrechen auslösen. Denn auch wenn momentan noch niemand bei Mercedes oder BMW um den Ruf der Limousinen S-Klasse oder 7er fürchten muss, zeugt das neue Flaggschiff der Koreaner eindrucksvoll von den Ambitionen, mit denen Hyundai am Aufstieg in die Oberliga arbeitet. Elegant und modern gezeichnet, mit großer Liebe zum Detail entwickelt, mit allem Pipapo ausgestattet und vornehm möbliert, ist der vor wenigen Monaten eingeführte Luxusliner das erste Auto aus Korea, das es tatsächlich mit den Oberklasse-Limousinen aus Deutschland sowie den großen Gleitern der japanischen Marken Lexus und Infiniti aufnehmen kann.

Schon der Blick auf die technischen Daten zeigt, dass das 5,16 Meter lange Auto mit der Konkurrenz auf Augenhöhe fährt. Unter der Haube steckt ein V8-Motor, dessen Kraft von einer sechsstufigen Automatik des deutschen Zulieferers ZF an die Hinterräder geleitet wird. Die Maschine verfügt über 4,6 Liter Hubraum, leistet 385 PS und bringt den Zweitonner mit bis zu 455 Nm in Fahrt. Für den Sprint auf Tempo 100 braucht der Equus lediglich 6,4 Sekunden, und auch wenn Hyundai offiziell keine Höchstgeschwindigkeit angibt und die Winterreifen auf dem Testauto den Selbstversuch verbieten, dürften 250 Sachen wohl eine leichte Übung sein. Solche Werte haben allerdings einen recht hohen Verbrauch zur Folge: 12,4 Liter auf 100 Kilometer fließen im Schnitt durch die Kraftstoffleitungen.

Die ausgiebige Sitzprobe besteht der Wagen mit Bravour. Man reist auf dicken, schweren Sesseln, die Finger streichen über weiches Leder und auf den Konsolen über fein gemasertes Holz. Der Blick fällt auf brillante Cockpit-Instrumente und einen riesigen Monitor in der Mittelkonsole, und die rechte Hand findet fast automatisch den großen Drehknopf, der an die Bediensysteme von Mercedes, Audi oder BMW erinnert. Es sieht zwar alles ein wenig kompliziert aus, zumal sich im Testauto von SPIEGEL ONLINE amerikanische und koreanische Kommandos mischen, doch die Kunden werden die Bedienung rasch begreifen, verspricht Hyundai. Der Grund: Statt einer gedruckten Anleitung gibt es kostenlos zum Auto ein iPad samt elektronischem Trainer.

Wer hinten rechts sitzt, reist fast schon königlich

Aber auch ohne animierte Einführung lässt sich die große Limousine nach wenigen Minuten Eingewöhnung entspannt durch den dichten Autobahnverkehr steuern. Alle wichtigen Funktionen sind selbsterklärend, man ist hinter dicken Scheiben und elektrischen Rollos beinahe der Außenwelt entrückt und hört selbst den Motor nur wie durch Watte.

Der beste Platz im Equus ist hinten rechts. Dank einer Luftfederung im Komfortmodus thront man angenehm weich auf einer ledernen Chaiselonge mit ausfahrbarem Fußteil. Klappt man auf Knopfdruck noch den Beifahrersitz nach vorn, reicht es für ein bequemes Nickerchen zwischen zwei Terminen. Dabei hält die Klimaautomatik die Sitze auf Wohlfühltemperatur und eine Pneumatik krault den Rücken. Für Kurzweil sorgt das Musik- und TV-Programm auf dem großen Monitor zwischen den Sitzen, und eine Bordbar gibt es natürlich auch.

Luxus-Vollausstattung zum Kampfpreis

Das alles wird in den USA zu einem Preis angeboten, der den etablierten Marken den Schweiß auf die Stirn treiben müsste. In der voll ausgestatteten Top-Version kostet der Equus dort lediglich 64.500 Dollar - umgerechnet etwa 45.000 Euro. Damit ist das Auto rund ein Drittel billiger als die vergleichbar motorisierte US-Version der Mercedes S-Klasse - von den Oberklasse-Preisen hierzulande ganz zu schweigen.

Bislang ist der Equus allerdings ein rein asiatisch-amerikanisches Phänomen. Denn bis auf den von SPIEGEL ONLINE zeitweise gefahrenen Dienstwagen des Europa-Chefs von Hyundai und einige Ausstellungsfahrzeuge hat es der Equus noch nicht auf den alten Kontinent gebracht. Das könnte sich schnell ändern. "Das Unternehmen prüft momentan die Markteinführung in Europa", sagt Hyundai-Sprecher Thomas Rauh.

Nach und nach drängt Hyundai in die Oberklasse-Segmente

Die Aussage klingt für Hyundai-Kunden vertraut. Denn genau so antworteten die Verantwortlichen auch vor knapp zwei Jahren, als in den USA das damals neue Sportcoupé der Marke präsentiert worden war. Und auch bei der Limousine Genesis Ende 2009 war der Wortlaut wieder zu hören. Inzwischen ist das Sportcoupé mit Heckantrieb und bis zu 303 PS zu Preisen ab 29.990 Euro bei den deutschen Händlern zu bestellen. Und spätestens im Sommer soll auch die Genesis-Limousine hierzulande erhältlich sein.

Große Stückzahlen werden die Autos Hyundai in Deutschland kaum bescheren. Doch darum geht es Werner Frey, dem Chef von Hyundai Deutschland auch gar nicht. "Ich habe mich für die Einführung eingesetzt, weil Genesis Coupé und Limousine als Technologie- und Imageträger unterstreichen, dass Hyundai nicht nur gute Kleinwagen und SUV bauen kann." Womöglich wird die Imagebildung in diese Richtung demnächst ausgebaut, mit dem Equus.

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insgesamt 38 Beiträge
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1. Die Kiste hat.....
juergw. 30.12.2010
natürlich einen kräftigen Wertverlust-nach zwei Jahren als gebrauchter ein echtes Schnäppchen.Auch die untere Klasse 20 ix 30 íx sind echte Alternativen zu VW und Co.Garantie Zeit auch länger als die Mitbewerber !
2. Konkurrenz belebt das Geschäft
Umbriel 30.12.2010
Die Frage ist, wie gut dieses Produkt von Hyundai wirklich ist. Angenommen, das Auto besteht technisch neben der deutschen Oberklasse. Ziel ist dann weniger, hier in Deutschland nennenswert Marktanteile zu erobern, als vielmehr international. Obwohl ich der Meinung bin, daß genau so ein Auto durchaus auch hierzulande als Sparmaßnahme für manche Niete in Nadelstreifen absolut sinnvoll einzusetzen ist. Ich mag solche Autos, manchmal fahre ich gern damit, ich fühl mich einfach wohl darin. Natürlich sind sie wegen der Ressourcenverschwendung als Privatwagen ungeeignet. Die deutschen Oberklassehersteller gehen da eher den richtigen Weg, indem sie den Kraftstoffverbrauch auf Werte senken konnten, der teilweise inzwischen unter den Werten der Alltagsautos der 80er Jahre liegt.
3. Tolles Auto und cleverer Schachzug der Chinesen
mitbestimmender wähler 30.12.2010
Sind da die Koreaner mit dem Chinesischen Premiumhersteller HONGQI einen oder mehree Deals eingegangen? Kommt der schöne kommende HONGQI SUV auch unter Hyundai Flagge? Der bewährte und gut verkaufte HONGQI hq430 gleicht ihm vielfach bis ins Detail. Da ja Chinesiche Marken bei uns noch nicht bekannt sind, wäre so ein Schulterschluss bei der oberen Mittelklasse, Oberklasse Korea/China absolut nachvollziehbar. Die Koreaner bieten Marke, Absatz und Vertrieb und die Chinesen bewährte Modelle im höheren Niveau.
4. Darauf hat die Welt gewartet
Quadrat10 30.12.2010
Noch ein 8-Zylinder Auto mit hohem Benzinverbrauch. Haben die Verantwortlichen bei Hyundai eigentlich schon einmal etwas von der immer noch andauernden Weltwirtschaftskrise (zumindest in den USA/Europa) gehört? Da wäre ja noch die Euro-Krise, und "Peak-Oil" kennt man in Korea wohl auch nicht? Die chinesische Autoindustrie baut derweil konsequent Kleinwagen (Benzin) und gibt die Entwicklungsgelder nicht für 8-Zylinder oder SUV Dickschiffe aus sondern forscht intensiv am Elektroantrieb. E-Testwagen kurven bereits durch Schanghai als Taxi.
5. Hm
NeZ 30.12.2010
Ein schönes Auto. Ich hoffe, dass dieses Auto hierzulande auch eingeführt wird - auch und besonders, um den Wettbewerb wieder etwas zu verschärfen und vielleicht die Preisstaffelung bei BMW und Mercedes ein wenig zu verändern. Einzig der Name taugt mir nicht. Aber man wird sich schon daran gewöhnen, nicht wahr? Bei Nissan Quatschcar, ääh Qashqai und Nissan Joke, ähh Juke hat es doch auch NICHT funktioniert.
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Aktuelles zu

Fahrzeugschein
Hersteller: Hyundai
Typ: Equus
Karosserie: Limousine
Motor: V8-Benziner
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 4.627 ccm
Leistung: 385 PS (283 kW)
Drehmoment: 455 Nm
Von 0 auf 100: 6,4 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 12,4 Liter
CO2-Ausstoß: 295 g/km
Kofferraum: 480 Liter
Preis: 45.000 EUR

Schnellcheck

Hyundai Equus

Einsteigen: ...weil es nirgends so viel Luxus für so wenig Geld gibt und man sich in kaum einem Auto besser chauffieren lassen kann.

Aussteigen: ...weil das Auto vorerst in Deutschland nicht angeboten wird.

Umsteigen: ...vielleicht aus Mercedes S-Klasse, Audi A8 und BMW 7er, oder aus Jaguar XJ, Infiniti M, Lexus GS und VW Phaeton.



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