Von Tom Grünweg
Hyundai Equus - für Autokäufer ist das erstmal ein Zungenbrecher. Bei Automanagern jedoch könnte das Modell demnächst sogar Kopfzerbrechen auslösen. Denn auch wenn momentan noch niemand bei Mercedes oder BMW um den Ruf der Limousinen S-Klasse oder 7er fürchten muss, zeugt das neue Flaggschiff der Koreaner eindrucksvoll von den Ambitionen, mit denen Hyundai am Aufstieg in die Oberliga arbeitet. Elegant und modern gezeichnet, mit großer Liebe zum Detail entwickelt, mit allem Pipapo ausgestattet und vornehm möbliert, ist der vor wenigen Monaten eingeführte Luxusliner das erste Auto aus Korea, das es tatsächlich mit den Oberklasse-Limousinen aus Deutschland sowie den großen Gleitern der japanischen Marken Lexus und Infiniti aufnehmen kann.
Schon der Blick auf die technischen Daten zeigt, dass das 5,16 Meter lange Auto mit der Konkurrenz auf Augenhöhe fährt. Unter der Haube steckt ein V8-Motor, dessen Kraft von einer sechsstufigen Automatik des deutschen Zulieferers ZF an die Hinterräder geleitet wird. Die Maschine verfügt über 4,6 Liter Hubraum, leistet 385 PS und bringt den Zweitonner mit bis zu 455 Nm in Fahrt. Für den Sprint auf Tempo 100 braucht der Equus lediglich 6,4 Sekunden, und auch wenn Hyundai offiziell keine Höchstgeschwindigkeit angibt und die Winterreifen auf dem Testauto den Selbstversuch verbieten, dürften 250 Sachen wohl eine leichte Übung sein. Solche Werte haben allerdings einen recht hohen Verbrauch zur Folge: 12,4 Liter auf 100 Kilometer fließen im Schnitt durch die Kraftstoffleitungen.
Die ausgiebige Sitzprobe besteht der Wagen mit Bravour. Man reist auf dicken, schweren Sesseln, die Finger streichen über weiches Leder und auf den Konsolen über fein gemasertes Holz. Der Blick fällt auf brillante Cockpit-Instrumente und einen riesigen Monitor in der Mittelkonsole, und die rechte Hand findet fast automatisch den großen Drehknopf, der an die Bediensysteme von Mercedes, Audi oder BMW erinnert. Es sieht zwar alles ein wenig kompliziert aus, zumal sich im Testauto von SPIEGEL ONLINE amerikanische und koreanische Kommandos mischen, doch die Kunden werden die Bedienung rasch begreifen, verspricht Hyundai. Der Grund: Statt einer gedruckten Anleitung gibt es kostenlos zum Auto ein iPad samt elektronischem Trainer.
Wer hinten rechts sitzt, reist fast schon königlich
Aber auch ohne animierte Einführung lässt sich die große Limousine nach wenigen Minuten Eingewöhnung entspannt durch den dichten Autobahnverkehr steuern. Alle wichtigen Funktionen sind selbsterklärend, man ist hinter dicken Scheiben und elektrischen Rollos beinahe der Außenwelt entrückt und hört selbst den Motor nur wie durch Watte.
Der beste Platz im Equus ist hinten rechts. Dank einer Luftfederung im Komfortmodus thront man angenehm weich auf einer ledernen Chaiselonge mit ausfahrbarem Fußteil. Klappt man auf Knopfdruck noch den Beifahrersitz nach vorn, reicht es für ein bequemes Nickerchen zwischen zwei Terminen. Dabei hält die Klimaautomatik die Sitze auf Wohlfühltemperatur und eine Pneumatik krault den Rücken. Für Kurzweil sorgt das Musik- und TV-Programm auf dem großen Monitor zwischen den Sitzen, und eine Bordbar gibt es natürlich auch.
Luxus-Vollausstattung zum Kampfpreis
Das alles wird in den USA zu einem Preis angeboten, der den etablierten Marken den Schweiß auf die Stirn treiben müsste. In der voll ausgestatteten Top-Version kostet der Equus dort lediglich 64.500 Dollar - umgerechnet etwa 45.000 Euro. Damit ist das Auto rund ein Drittel billiger als die vergleichbar motorisierte US-Version der Mercedes S-Klasse - von den Oberklasse-Preisen hierzulande ganz zu schweigen.
Bislang ist der Equus allerdings ein rein asiatisch-amerikanisches Phänomen. Denn bis auf den von SPIEGEL ONLINE zeitweise gefahrenen Dienstwagen des Europa-Chefs von Hyundai und einige Ausstellungsfahrzeuge hat es der Equus noch nicht auf den alten Kontinent gebracht. Das könnte sich schnell ändern. "Das Unternehmen prüft momentan die Markteinführung in Europa", sagt Hyundai-Sprecher Thomas Rauh.
Nach und nach drängt Hyundai in die Oberklasse-Segmente
Die Aussage klingt für Hyundai-Kunden vertraut. Denn genau so antworteten die Verantwortlichen auch vor knapp zwei Jahren, als in den USA das damals neue Sportcoupé der Marke präsentiert worden war. Und auch bei der Limousine Genesis Ende 2009 war der Wortlaut wieder zu hören. Inzwischen ist das Sportcoupé mit Heckantrieb und bis zu 303 PS zu Preisen ab 29.990 Euro bei den deutschen Händlern zu bestellen. Und spätestens im Sommer soll auch die Genesis-Limousine hierzulande erhältlich sein.
Große Stückzahlen werden die Autos Hyundai in Deutschland kaum bescheren. Doch darum geht es Werner Frey, dem Chef von Hyundai Deutschland auch gar nicht. "Ich habe mich für die Einführung eingesetzt, weil Genesis Coupé und Limousine als Technologie- und Imageträger unterstreichen, dass Hyundai nicht nur gute Kleinwagen und SUV bauen kann." Womöglich wird die Imagebildung in diese Richtung demnächst ausgebaut, mit dem Equus.
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