Hyundai Genesis Coupé V6: Die Aldinative
Was ist ähnlich rar wie ein Ferrari, fast genauso auffällig, aber nur einen Bruchteil so teuer? Antwort: Das Hyundai Genesis Coupé. Der kürzlich überarbeitete Sportwagen ist die aktuell wohl billigste Art, ein neues Auto mit 347 PS zu fahren. Doch das weiß kaum einer.
Würde unser Gehirn funktionieren wie ein Computer, streng digital und kompromisslos logisch, sähe die Autowelt anders aus. Mal angenommen, es gäbe in dieser kompromisslos rationalen Welt einen schneidigen Zweitürer mit Hinterradantrieb, bärenstarkem Sechszylindermotor sowie gut ausbalanciertem Fahrwerk zu einem konkurrenzlos billigen Preis - der Wagen wäre der Renner. Der Witz ist: So ein Auto gibt es, doch die Welt, wie sie wirklich ist, interessiert das nicht. Welches Modell gemeint ist? Das Hyundai Genesis Coupé mit 3,8-Liter-V6-Motor und 347 PS. Der Wagen kostet 39.600 Euro.
Mit diesem Preisschild liegt der Hyundai uneinholbar vor praktisch allen anderen Sportwagen dieser Leistungsklasse; der nagelneue BMW 435i (306 PS) etwa kostet 49.950 Euro. Ähnlich teuer ist der Mercedes A45 AMG, doch unter dessen Haube sitzt ein Vierzylinder mit 360 PS, der Vergleich hinkt also. Überhaupt ist das mit dem Vergleichen schwierig. Ein reinrassiger Sportwagen wie der Porsche Cayman S ist der Hyundai nicht, eher ein knackiges Sportcoupé. Und er ist hierzulande ein extrem seltenes und damit exklusives Fahrzeug. Im vergangenen Jahr wurden lediglich 368 Exemplare in Deutschland neu zugelassen, in den ersten sieben Monaten dieses Jahres waren es erst 72.
Die Zurückhaltung der Kunden kann eigentlich nicht am Auto selbst, nicht an dessen Technik liegen. Erst vor wenigen Monaten wurde die Baureihe komplett überarbeitet. Das Design erhielt mehr Würze, die vormals lieblose Ausstattung wurde verbessert, das ehedem knochige Fahrwerk bekam ebenfalls ein Update verpasst, und die Motoren - neben dem V6-Aggregat gibt es auch noch einen Vierzylinder - sind nach der gründlichen Revision nun stärker und sparsamer.
Mehr Musclecar als Sportskanone
Für das Top-Modell mit dem 3,8-Liter-V6-Direkteinspritzer, der unter der Haube unseres Testautos steckte, ergibt sich daraus ein stimmiges Paket. Im Mittelpunkt steht natürlich der Motor, der bei unvorsichtigem Umgang mit dem Gaspedal laut aufbrüllt und das massige Auto (Leergewicht knapp 1,7 Tonnen) druckvoll in Fahrt bringt. Als Getriebe stehen wahlweise eine Sechsgang-Schaltbox oder eine von Hyundai entwickelte Achtgang-Automatik zur Wahl; letztere kostet 2000 Euro Aufpreis, verfügt über Schaltpaddles am Lenkrad und war auch im hier vorgestellten Modell verbaut.
Motor und Automatik harmonieren gut. Man möchte mit dem Wagen gar nicht in den Grenzbereich vorstoßen, allein das Wissen, im Bedarfsfall auf 347 PS zurückgreifen zu können, sorgt für ein legeres Fahrgefühl. Überhaupt sollte man nicht vergessen, dass das Gros der Käufer dieses Wagens in den USA lebt. Zügig geradeaus fahren, ab und an mal durch eine Kurve jagen und ansonsten gepflegt dahincruisen, das ist das ideale Anforderungsprofil für dieses Auto. Und genau dabei hat es uns am meisten Spaß gemacht.
Ein wesentlicher Grund, das Gaspedal durchzutreten, dürfte die brachiale Soundkulisse sein. Wie inzwischen in zahlreichen Sportwagen üblich, leiten auch beim Hyundai spezielle Röhren das Aufbrausen der Maschine aus dem Motorraum in die Fahrgastzelle. Das kann man toll oder lächerlich finden, doch diese akustische Brücke ist eine der letzten direkten Verbindungen zwischen Fahrer und Antrieb im nahezu perfekt abgepufferten Innenraum. Anders gesagt: Man kriegt außer durch den kurzzeitigen Lärm kaum noch mit, wie viel Kraft man eigentlich befehligt.
Krafttriefend dagegen kommt die Optik des Autos daher. Es gibt schwarze Plastikeinsätze in der Motorhaube, die wie Lufthutzen aussehen, in Wahrheit jedoch keinerlei technische Funktion haben, es gibt einen knalligen Heckspoiler und die Andeutung eines Diffusors. Das wirkt alles eine Spur zu aufdringlich und aufgesetzt. Andererseits: Ist der Wille aufzufallen nicht einer der wahren Gründe, warum Autos dieser Art überhaupt gekauft werden?
Das Problem: Der Wagen ist ein Hyundai
Die schwierige Balance zwischen Seriosität und Show wird auch im Innenraum offenbar. Gute Noten haben sich die Sportsitze, das Cockpit und die Ablagemöglichkeiten in der Mittelkonsole verdient. Dagegen gibt es für die unruhige Gestaltung der Armaturentafel, die billigen Plastikoberflächen oder den klobigen Automatikwählhebel nur ein Ungenügend. Und falls jemand vorhatte, den Wagen tatsächlich als 2+2-Sitzer zu nutzen: Das funktioniert nur mit Kindern, Erwachsene müssen im Fond mit rundem Rücken kauern.
Doch selbst wenn die Rücksitzbank bequem, das Interieur tadellos, die Straßenlage perfekt wäre - das Auto bliebe trotzdem ein Exot in Deutschland. Einfach deshalb, weil es von Hyundai kommt. Die koreanische Marke steht hierzulande für tüchtige Gebrauchsautos, kein Mensch erwartet von Hyundai fetzige Sportwagen. Bei Hyundai scheint dies den Ansporn nur zu vergrößern. Das Auto solle "die Kompetenz und das Know-how des weltweit fünftgrößten Autoherstellers auch im Bereich der reinrassigen Sportwagen demonstrieren" heißt es beim Hersteller. Und wie man weiß, sind die koreanischen Autobauer bei solchen Vorhaben ziemlich hartnäckig.
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| Hersteller: | Hyundai |
|---|---|
| Typ: | Genesis Coupé 3.8 V6 |
| Karosserie: | Sportwagen/Coupé |
| Motor: | V6-Benzin-Direkteinspritzer |
| Getriebe: | Achtgang-Automatik |
| Antrieb: | Heck |
| Hubraum: | 3.778 ccm |
| Leistung: | 347 PS (255 kW) |
| Drehmoment: | 400 Nm |
| Von 0 auf 100: | 5,9 s |
| Höchstgeschw.: | 260 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 10,0 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 235 g/km |
| Kofferraum: | 332 Liter |
| Gewicht: | 1.697 kg |
| Maße: | 4630 / 1865 / 1385 |
| Versicherung: | 18 (HP) / 23 (TK) / 29 (VK) |
| Preis: | 41.600 EUR |
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