Hyundai Genesis Coupé V6: Die Aldinative

Von Jürgen Pander

Hyundai Genesis Coupé: Der Billig-Bolide Fotos
Hyundai

Was ist ähnlich rar wie ein Ferrari, fast genauso auffällig, aber nur einen Bruchteil so teuer? Antwort: Das Hyundai Genesis Coupé. Der kürzlich überarbeitete Sportwagen ist die aktuell wohl billigste Art, ein neues Auto mit 347 PS zu fahren. Doch das weiß kaum einer.

Würde unser Gehirn funktionieren wie ein Computer, streng digital und kompromisslos logisch, sähe die Autowelt anders aus. Mal angenommen, es gäbe in dieser kompromisslos rationalen Welt einen schneidigen Zweitürer mit Hinterradantrieb, bärenstarkem Sechszylindermotor sowie gut ausbalanciertem Fahrwerk zu einem konkurrenzlos billigen Preis - der Wagen wäre der Renner. Der Witz ist: So ein Auto gibt es, doch die Welt, wie sie wirklich ist, interessiert das nicht. Welches Modell gemeint ist? Das Hyundai Genesis Coupé mit 3,8-Liter-V6-Motor und 347 PS. Der Wagen kostet 39.600 Euro.

Mit diesem Preisschild liegt der Hyundai uneinholbar vor praktisch allen anderen Sportwagen dieser Leistungsklasse; der nagelneue BMW 435i (306 PS) etwa kostet 49.950 Euro. Ähnlich teuer ist der Mercedes A45 AMG, doch unter dessen Haube sitzt ein Vierzylinder mit 360 PS, der Vergleich hinkt also. Überhaupt ist das mit dem Vergleichen schwierig. Ein reinrassiger Sportwagen wie der Porsche Cayman S ist der Hyundai nicht, eher ein knackiges Sportcoupé. Und er ist hierzulande ein extrem seltenes und damit exklusives Fahrzeug. Im vergangenen Jahr wurden lediglich 368 Exemplare in Deutschland neu zugelassen, in den ersten sieben Monaten dieses Jahres waren es erst 72.

Die Zurückhaltung der Kunden kann eigentlich nicht am Auto selbst, nicht an dessen Technik liegen. Erst vor wenigen Monaten wurde die Baureihe komplett überarbeitet. Das Design erhielt mehr Würze, die vormals lieblose Ausstattung wurde verbessert, das ehedem knochige Fahrwerk bekam ebenfalls ein Update verpasst, und die Motoren - neben dem V6-Aggregat gibt es auch noch einen Vierzylinder - sind nach der gründlichen Revision nun stärker und sparsamer.

Mehr Musclecar als Sportskanone

Für das Top-Modell mit dem 3,8-Liter-V6-Direkteinspritzer, der unter der Haube unseres Testautos steckte, ergibt sich daraus ein stimmiges Paket. Im Mittelpunkt steht natürlich der Motor, der bei unvorsichtigem Umgang mit dem Gaspedal laut aufbrüllt und das massige Auto (Leergewicht knapp 1,7 Tonnen) druckvoll in Fahrt bringt. Als Getriebe stehen wahlweise eine Sechsgang-Schaltbox oder eine von Hyundai entwickelte Achtgang-Automatik zur Wahl; letztere kostet 2000 Euro Aufpreis, verfügt über Schaltpaddles am Lenkrad und war auch im hier vorgestellten Modell verbaut.

Motor und Automatik harmonieren gut. Man möchte mit dem Wagen gar nicht in den Grenzbereich vorstoßen, allein das Wissen, im Bedarfsfall auf 347 PS zurückgreifen zu können, sorgt für ein legeres Fahrgefühl. Überhaupt sollte man nicht vergessen, dass das Gros der Käufer dieses Wagens in den USA lebt. Zügig geradeaus fahren, ab und an mal durch eine Kurve jagen und ansonsten gepflegt dahincruisen, das ist das ideale Anforderungsprofil für dieses Auto. Und genau dabei hat es uns am meisten Spaß gemacht.

Ein wesentlicher Grund, das Gaspedal durchzutreten, dürfte die brachiale Soundkulisse sein. Wie inzwischen in zahlreichen Sportwagen üblich, leiten auch beim Hyundai spezielle Röhren das Aufbrausen der Maschine aus dem Motorraum in die Fahrgastzelle. Das kann man toll oder lächerlich finden, doch diese akustische Brücke ist eine der letzten direkten Verbindungen zwischen Fahrer und Antrieb im nahezu perfekt abgepufferten Innenraum. Anders gesagt: Man kriegt außer durch den kurzzeitigen Lärm kaum noch mit, wie viel Kraft man eigentlich befehligt.

Krafttriefend dagegen kommt die Optik des Autos daher. Es gibt schwarze Plastikeinsätze in der Motorhaube, die wie Lufthutzen aussehen, in Wahrheit jedoch keinerlei technische Funktion haben, es gibt einen knalligen Heckspoiler und die Andeutung eines Diffusors. Das wirkt alles eine Spur zu aufdringlich und aufgesetzt. Andererseits: Ist der Wille aufzufallen nicht einer der wahren Gründe, warum Autos dieser Art überhaupt gekauft werden?

Das Problem: Der Wagen ist ein Hyundai

Die schwierige Balance zwischen Seriosität und Show wird auch im Innenraum offenbar. Gute Noten haben sich die Sportsitze, das Cockpit und die Ablagemöglichkeiten in der Mittelkonsole verdient. Dagegen gibt es für die unruhige Gestaltung der Armaturentafel, die billigen Plastikoberflächen oder den klobigen Automatikwählhebel nur ein Ungenügend. Und falls jemand vorhatte, den Wagen tatsächlich als 2+2-Sitzer zu nutzen: Das funktioniert nur mit Kindern, Erwachsene müssen im Fond mit rundem Rücken kauern.

Doch selbst wenn die Rücksitzbank bequem, das Interieur tadellos, die Straßenlage perfekt wäre - das Auto bliebe trotzdem ein Exot in Deutschland. Einfach deshalb, weil es von Hyundai kommt. Die koreanische Marke steht hierzulande für tüchtige Gebrauchsautos, kein Mensch erwartet von Hyundai fetzige Sportwagen. Bei Hyundai scheint dies den Ansporn nur zu vergrößern. Das Auto solle "die Kompetenz und das Know-how des weltweit fünftgrößten Autoherstellers auch im Bereich der reinrassigen Sportwagen demonstrieren" heißt es beim Hersteller. Und wie man weiß, sind die koreanischen Autobauer bei solchen Vorhaben ziemlich hartnäckig.

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insgesamt 122 Beiträge
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1. Das Problem: Der Wagen ist ein Hyundai
DaChris 18.08.2013
Das Problem: Was denkt der Nachbar darüber? Ein Auto, das hierzulande kein Image hat, taugt auch nicht als Statussymbol. Die typische Reaktion von Mitmenschen wäre in diesem Fall "Hat das Geld nicht für ein richtiges Auto (BMW, AUDI, etc.) gereicht?"
2. Auto für wen?
jouvancourt 18.08.2013
Also für den selben Preis gibt es einen BMW 435i...da gibt es doch kein Halten: bessere Strassenlage, wesentlich komfortabler, hoher Wiederverkaufswert und nur 10% weniger Leistung! Solche fernöstlichen Sportwagen sind bei uns nur über hohe Rabatte zu verkaufen!
3. kompromisslos rationale Welt
andramoiennepe 18.08.2013
Mal angenommen, es gäbe die im Artikel eingangs "kompromisslos rationale Welt" tatsächlich, würde sich buchstäblich NIEMAND für "einen schneidigen Zweitürer mit Hinterradantrieb, bärenstarkem Sechszylindermotor sowie gut ausbalanciertem Fahrwerk" interessieren. Tatsächlich ist "die Welt" (die potentiellen Autokäufer) zwar nicht "kompromisslos rational", dass, wie die Zulassungsstatistiken zeigen, die meisten sich für nutzbare, möglichst haltbare, also qualitativ hochwertige Fahrzeuge interessieren, die in verschiedenen Situationen einigermaßen gut eingesetzt werden können (Fahrt zur Arbeit, Ausflug am Wochenende, Urlaub mit der Familie, Transport mittelmäßig großer und sperriger Gegenstände). Und die "weniger rationalen"? Sie wollen halt ihren Spaß haben, und den lassen sie sich etwas kosten. Es entspricht zwar überhaupt nicht meiner persönlichen Haltung zum Thema Autofahren,aber ich kann schon nachvollziehen, dass ein Ferrari sich anders anfühlt als ein Hyundai - eben rein emotional und damit das ganze Gegenteil von "rational". Nun mag der vermeintlich rationale Journalist einwenden, dass es vernünftiger sei, den Hyundai zu kaufen. Damit aber sind wir wieder am Anfang des Problems: Wer "rational" ( d.h. rein nach dem Nutzen und der wirtschaftlichen Rentabilität) kalkuliert, interessiert sich ohnehin nicht für einen "einen schneidigen Zweitürer mit Hinterradantrieb, bärenstarkem Sechszylindermotor sowie gut ausbalanciertem Fahrwerk".
4. Schlechter Titel
qoderrat 18.08.2013
Zitat von DaChrisDie typische Reaktion von Mitmenschen wäre in diesem Fall "Hat das Geld nicht für ein richtiges Auto (BMW, AUDI, etc.) gereicht?"
Zumindest bei meinen jüngeren Kollegen interessiert das keinen mehr. Problem (für die Industrie) ist, die interessiert ein Auto überhaupt nicht mehr, wenn sie überhaupt eins haben ist das eine viereckige Schachtel mit möglichst hohem Nutzwert. Zum Artikel, der Author hat wohl entweder schlecht recherchiert oder keine Ahnung. Besonders günstig ist das Gebotene nämlich nicht, wie er mit grossem Erstauenen festgestellt hätte, hätte er mal in die Preisliste beim Nissan-Händler geschaut. Der Z ist sehr ähnlich motorisiert, gefällt mir persönlich etwas besser und ist gleich ein paar Tausender billiger. Das wäre meine Aldinative, schade nur dass weder Bandscheibe noch mein Geldbeutel mitmacht.
5.
3-plus-1 18.08.2013
Die deutschen Autokäufer (als Masse) haben ohnehin absolut nichts mit meinem Geschmack gemein, sonst hätte der Hyundai-Konzern auch nicht den Kia pro_ceed - als Audi-A3-Prollschleuder-Kopie - für Deutschland entwickelt. Statt dessen würde man auch hier den viel schöneren Kia Forte Koup anbieten. Aber der deutsche Neuwagenkäufer will letztendlich doch die Langeweile des Golf, die Wahl zwischen den "Farben" weiß, schwarz, anthrazit und silber und erkennt die Wertigkeit am Neupreis. Außerdem koketiert er mit seiner Finanzkraft und stellt diese gerne darüber zum Ausdruck, in dem er Reparaturen selbst lieber aus eigener Tasche bezahlt, die bei den "Billiganbietern" zur Kulanz gehören. Allein das erklärt den Zulauf, den VW hierzulande immer noch erfährt.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Hyundai
Typ: Genesis Coupé 3.8 V6
Karosserie: Sportwagen/Coupé
Motor: V6-Benzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 3.778 ccm
Leistung: 347 PS (255 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Von 0 auf 100: 5,9 s
Höchstgeschw.: 260 km/h
Verbrauch (ECE): 10,0 Liter
CO2-Ausstoß: 235 g/km
Kofferraum: 332 Liter
Gewicht: 1.697 kg
Maße: 4630 / 1865 / 1385
Versicherung: 18 (HP) / 23 (TK) / 29 (VK)
Preis: 41.600 EUR


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