Autogramm Hyundai Grand Santa Fe Mach mal lang

Reisen statt Rasen: 23 Zentimeter mehr Länge bietet der neue Hyundai Santa Fe, außerdem zwei weitere Sitze. Doch bemerkenswert ist nicht nur das Raum-, sondern vor allem das Fahrgefühl.

Von

Hyundai

Der erste Eindruck: Er sieht etwas grobschlächtig aus, auf jeden Fall aber ist das Auto ziemlich groß.

Das sagt der Hersteller: Mit der Langversion des Santa Fe baut Hyundai das SUV-Angebot nach oben aus und ersetzt zugleich das bisherige Top-Modell ix55. Allradantrieb ist zwar serienmäßig an Bord, doch ein echter Geländewagen ist der verlängerte Santa Fe nicht. Eher ein Großraum-SUV, ein kommoder Kilometerfresser. Hyundai nennt den Wagen "Langstreckengleiter", den Innenraum eine "Wohlfühl-Oase" und die Ausstattung "Wellness-Ambiente".

Das ist uns aufgefallen: Das Auto bietet weder On-Board-Sauna noch Massageliegen, doch wohlfühlen kann man sich in dem koreanischen Groß-SUV tatsächlich: Man sitzt nicht nur vorn so entspannt und gemütlich wie daheim im Fernsehsessel, auch im Fond gibt es reichlich Platz. Anstelle der üblichen Sitzbank sind dort zwei Einzelsitze platziert, und es gibt jede Menge Freiraum für Knie, Kopf und Schultern und sogar eine separate Klimasteuerung. Wer auf dem Rücksitz gern kuschelt, der ist in diesem Auto schlecht aufgehoben; aber vier Erwachsene können es kaum besser treffen als in diesem Wohnzimmer auf Rädern.

Für weitere Passagiere allerdings wird es ungemütlich. Die Sitze fünf und sechs können aus dem Kofferraumboden ausgeklappt, aber nur durch eine mühsame Kletterei erreicht werden. Dort angekommen, ist es eng und hart. Die dritte Reihe ist sozusagen die Econony-Class dieses Autos.

Hinterm Steuer aber merkt man davon nichts. Auf langen Reisen entspannt die Sitzhaltung, die so gar nichts gemein hat mit dem aggressiven Hinter-dem-Lenkrad-Kauern, das man aus deutschen Vielfahrer-Limousinen kennt. Auch das Fahrverhalten des Grand Santa Fe ist darauf abgestimmt, den Blutdruck niedrig zu halten. Der Santa Fe federt butterweich, der große Dieselmotor säuselt ein sanftes Schlaflied, die sechsstufige Automatik lässt sich nicht hetzen, und die Lenkung ist so leichtgängig wie bei einem Kleinwagen. Zumindest bis man die Taste für den Sportmodus entdeckt. Wird sie gedrückt, spürt man vor allem ein härteres Lenkgefühl - was kein Mensch braucht.

Obwohl der Santa Fe auf die Besatzung fast schon einschläfernde Wirkung hat, ist der Motor eine durchaus muntere Maschine: Er wuchtet den großen Wagen auf ein Spitzentempo von 200 km/h, und vor allem Zwischenspurts auf der Autobahn meistert er problemlos und schwimmt mit gehobenem Reisetempo ganz locker auf der linken Spur mit. Selbst der Alltagsverbrauch von zehn Litern ist für so ein Trumm auf Langstrecken mit reichlich Vollgasanteil überraschend niedrig.

Das muss man wissen: Der Grand Sante Fe ist seit dem Jahreswechsel im Handel und kostet mindestens 45.600 Euro. Für einen Aufpreis von 4300 Euro gegenüber der normalen, bereits seit zwei Jahren angebotenen Version bietet er knapp 23 Zentimeter mehr Auto. Weil der Radstand um zehn Zentimeter wächst, gibt es auch in den ersten beiden Reihen mehr Beinfreiheit, und aufgrund der größeren Türen wird auch der Einstieg bequemer. Und hinter die elektrisch aufschwingende Heckklappe passt natürlich auch mehr Gepäck: Bis zu 1842 Liter lassen sich hier verstauen, wenn alle hinteren Sitze umgelegt sind.

Angeboten wird Grand Sante Fe nur in einer Variante: Als 2,2-Liter-Diesel mit Sechsgang-Automatik und Allradantrieb. Der Vierzylindermotor entwickelt 197 PS, mobilisiert 436 Nm Drehmoment und beschleunigt in 10,3 Sekunden auf Tempo 100. Der Verbrauch liegt auf dem Prüfstand bei 7,6 Liter.

Das werden wir nicht vergessen: Groß, geräumig, flott - eigentlich ist der Grand Santa Fe der perfekte Wohnwagen. Doch spätestens wenn man mit dem Grand Santa Fe durch eine enge Tiefgarage kriecht, fragt man sich trotz Parkpiepsern und Rückfahrkamera, ob 20 Zentimeter mehr Länge nicht doch etwas zu viel sind. Die letzten paar hundert Meter bis zu einem Parkplatz können in dem Auto dann doch ganz schön stressig sein.

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insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
Mierscheid 28.02.2014
1. optional
Verstehe ich nicht. Hyundai und Kia hatten mal bezahlbare Minivans im Angebot (Trajet und Carnival). Jetzt gibt es nur noch einen winzigen Nanovan (Venga/ix20), einen Microvan (Carens) und einen umgebauten Transporter (H1 Travel)... und... ja, dieses... "Ding". Ist ja schön und nett, aber 45 Kiloeuro sind für eine Familie mit Kindern schon ziemlich abgehoben. "Lustig" ist dabei, dass Hyundai/Kia mit dem Entourage/Sedan (ist ein langer Carnival) in den USA durchaus einen bezahlbaren, bequemen und großen Minivan anbieten. Sogar der Nachfolger kommt dieses Jahr raus. Aber eben nicht in Europa. Hier muss ich so Dinger wie Galaxy, Sharan oder C8 fahren, bei denen man mit voller Bestuhlung gerade mal zwei drei Getränkekisten in die Karre bekomme. Auf den Klappstühlen in Reihe drei mag man auch nicht mehr als 50 Kilometer weit fahren. Da bleiben aktuell nur noch der (recht teure) Voyager und der Rodius, der nach dem Facelift sogar einigermassen ansehnlich geworden ist und in Vollausstattung mit Automatik und Allrad real keine 30 Kiloeuro kostet. Dumm nur, dass man den auch bei den meisten Vertragshändlern nicht Probe fahren kann.
raber 28.02.2014
2. Kommentare sum Hyundai nicht ausgewogen
Den Teil "fast schon einschläfernde Wirkung" finde ich lustig. Warum hat SPON dies nie über Mercedes oder Audi/ BMW-Limousinen geschrieben? Sind sie nicht so bequem oder durch Luxus ein positiveres Gefühl? Ist egal ob es in diesem Fall ein SUV oder Nicht_SUV ist. Die Frage ob 4.915 m Lánge zu viel ist, müsste man sich allerdings bei den S, 7er und 8er Modelle der deutschen Limousinen wohl eher stellen. Irgendwie musste SPON wohl negative Aspekte miteinfliessen lassen die ausgeprägter bei anderen Autos wären, dann aber nicht so kommentiert werden. Die grössere Länge kommt in diesem Fall der Bequemlichkeit und dem Platzangebot zugute.
gerhard38 28.02.2014
3. optional
Dem neuen Santa Fe fehlt es an gefälligem Aussehen. Der Wagen sieht von vorne irgendwie "zerknautscht" aus. Man könnte meinen als ob der Wagen einen Unfall hatte und von einem "Flickschuster" repariert wurde.
gerchla63 28.02.2014
4. Das kann doch jeder normale Kombi besser!
Bei über 4,90 m Länge nur 1842 Liter Laderaum? Das ist schwach. Bei 197 PS nur 200 km/h Spitzengeschwindigkeit: das zeigt, welch unsinnig hohen Luftwiderstand diese hochgebockte Kiste hat. Ein Verbrauch von 10 Liter Diesel ist von vorvorgestern. Für hüftsteife Rentner, die schön hoch einsteigen wollen, ist die Karre ideal. Ansonsten gibt es kein rationales Argument für diese Spritfresser-Kiste.
malocher77 28.02.2014
5. zum Kommentar Nr4
Wenn Sie gerne sparen und gerne niedrig sitzen,dann ist es kein Auto für Sie.Ich fahre solche Autos gerne, man hat gute Sicht, kaputte Straßen spürt man nicht, einfaches ein und aussteigen, einfaches beladen und entladen.Bei langen Strecken geht man als fahrer nicht kaputt, da die Vibrationen nicht so auf die Knochen übertragen werden.Und wenn im Winter die meisten Autos die Berge nicht hoch kommen, dann fährt man schmunzelnd dran vorbei, oder wenn auf der Autobahn im Winter eine Spur frei von Schnee ist und dort sich ein Stau bildet, kann man mit so einem Wagen die anderen Spuren nutzen.Wenn ich so was lese von 10 Liter ist ja so viel...Wenn ihr Auto 8 Liter frisst, dann sparen Sie mit ihrer "Gurke" ganze 26Euro auf 1000 Km.Ich lebe nur einmal und fahre halt Autos die mir gefallen und nicht damit ich damit spare, deswegen muss ein Auto über 200 Ps haben.
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