Hyundai i10 blue 1.0 Reicht doch

Bei Kleinwagen gibt es eine Art Minimalanspruch: Schlicht dürfen sie sein, aber auf keinen Fall billig wirken. Der Hyundai i10 kriegt diesen Spagat zwischen lässig und läppisch ganz gut hin.

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


Verzicht kann glücklich machen. Wer zum Beispiel fastet, erhält oft die Einsicht, dass weniger schon genug sein kann. Nach diesem Prinzip funktioniert auch der Reiz des Hyundai i10: Man erfährt darin, wie wenig es eigentlich braucht, um mit einem Auto zufrieden zu sein.

Das kleinste Modell von Hyundai bringt sogar das Kunststück fertig, für zwei unterschiedliche Trends beispielhaft zu sein: Einerseits ist der i10 tatsächlich ein im besten Sinne einfaches Auto, bei dem man nicht das Gefühl hat, für überflüssigen Schnickschnack zahlen zu müssen. Andererseits wird bei der zweiten Generation des Wagens das Bemühen von Hyundai deutlich, das ehemalige Billigimage abzustreifen. Die Plastikoberflächen schimmern schick und müffeln nicht mehr nach Lösungsmitteln, wie das in früheren Modellen durchaus üblich war.

Kurz gesagt: Der neue i10 trifft ziemlich gut die goldene Mitte zwischen lässig und läppisch.

Käufer des Autos erhalten sozusagen serienmäßig das Gefühl, ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Zumal, wenn sie die Vorgängermodelle kannten. Denn mit dem einstigen Minimalmobil Hyundai Atos und der ab 2008 gebauten, ultra-schlichten ersten Generation des i10 hat der aktuelle Wagen praktisch nichts mehr gemein. Die Optik des Neuen ist ansprechend, die Einrichtung passabel und die Technik so grundsolide, wie man das von einem Auto dieser Kategorie erhofft.

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Hyundai i10 blue 1.0: Nie wieder bieder

Der Zündschlüssel wird noch eingesteckt und gedreht. Es erklingt dann ein kernig plärrender Motor - jedenfalls wenn unter der Haube, wie in unserem Testauto, der 1-Liter-Einstiegsmotor mit einem Liter Hubraum, drei Zylindern und einer Leistung von 67 PS steckt. Die Maschine ist okay, wenn man das Auto als das nimmt, was es ist: Nämlich vor allem als Kurzstrecken- und Stadtfahrzeug. Bei einem Ausflug über die Autobahn schwammen wir zwar problemlos im Verkehrsstrom mit, aber ein Vergnügen war es nicht. Und das lag nicht an der maximalen Höchstgeschwindigkeit von 155 km/h, sondern am Lärm und am Fehlen eines sechsten Gangs.

Ansonsten jedoch ist das Fahrgefühl mit dem Wagen vollkommen in Ordnung. Mit dem i10 bewegt man sich flott und agil, enge Landstraßenkurven machen sogar Spaß und wer dem Schalten nicht abgeneigt ist, dürfte sich auch kaum über mangelnde Leistung beklagen. Zumal das hier ein ganz normales Auto ist, ohne einen Namenszusatz wie RS, GT oder sonst einer Aggro-Verheißung.

Jürgen Pander

Ganz neu sind für den i10 ein Spurhaltewarnsystem und ein Frontkollisionswarner erhältlich. Beide beziehen ihre Informationen von einer Kamera, die am oberen Rand der Windschutzscheibe mittig hinter einer schwarzen Plastikabdeckung platziert ist. Der Spurhaltewarner meldet sich per Signalton und Warnanzeige, wenn das Auto mit mehr als 60 km/h unterwegs ist und ohne Blinksignal über eine Fahrbahnbegrenzung fährt. Der Frontkollisionswarner arbeitet in einem Bereich ab 15 km/h bis zur Höchstgeschwindigkeit und warnt akustisch sowie per Warnleuchte vor einem drohenden Auffahrunfall. Bremsen muss man aber noch selbst. Die beiden Warnsysteme sind, zusammen mit der Einparkhilfe, Bestandteil des "Sicherheitspakets", das 720 Euro Aufpreis kostet.

Im Vergleich zum Grundpreis des Wagens (10.290 Euro) ist das hoch - was ebenso auf den Preis des 950 Euro teuren Radio-Navigationssystems mit 7-Zoll-Tochscreen zutrifft. Es unterstützt unter anderem die Einbindung von Smartphone-Funktionen über Android Auto oder Apple Car-Play. Die Grafik ist modern, die Bedienlogik nachvollziehbar. Und im Preis sind immerhin kostenlose Karten-Updates für die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs enthalten. Gerade für ein Stadtauto ist das eine gute Sache, denn öfter als einem lieb ist gibt es neue Einbahnstraßen, Fußgängerzonen oder ein Neubaugebiet, und es ist hilfreich, wenn das Auto davon weiß.

Der Hyundai-Trumpf

Darüber hinaus bietet der i10 vernünftige Platzverhältnisse für vier Erwachsene auf passablen Sitzen sowie ein Kofferraumvolumen, das für Alltagserledigungen ausreicht. Außerdem läuft er einigermaßen effizient. Wir bewegten den Wagen, meist mit vier Insassen, im Schnitt mit 5,7 Liter je 100 Kilometer. Offiziell gibt Hyundai für das Modell blue 1.0 einen Durchschnittsverbrauch von 4,6 Liter je 100 Kilometer an. Wobei der Namenszusatz "blue" für die Start-Stopp-Automatik steht, die 300 Euro Aufpreis kostet und laut Normwerten 0,1 Liter Sprit pro 100 Kilometer spart.

Spricht etwas ausgerechnet für den Hyundai i10, wenn man einen Neuwagen in dieser Klasse kaufen möchte? Das dürfte stark vom persönlichen Geschmack des Interessenten abhängen, denn laut Hyundai treffen rund ein Drittel aller Käufer der Marke ihre Entscheidung aufgrund des Designs. Und wer könnte besser beurteilen als die oder der Kaufwillige, ob nun ein VW Up, ein Fiat Panda oder ein Opel Karl schicker aussehen als ein Hyundai i10 oder eben nicht?

Die koreanische Marke hat mit dem neuen, kleinen Auto vieles richtig gemacht. Und sie bietet nach wie vor für jeden Neuwagen eine Fünf-Jahres-Garantie ohne Kilometerbegrenzung. Die passt gut zum i10: Einerseits wirkt sie großzügig, aber eigentlich sollte so viel Vertrauen in das eigene Produkt bei einem Autohersteller selbstverständlich sein.

Fahrzeugschein
Hersteller: Hyundai
Typ: i10 blue 1.0
Karosserie: Kleintwagen
Motor: Dreizylinder-Benziner
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 998 ccm
Leistung: 67 PS (49 kW)
Drehmoment: 95 Nm
Von 0 auf 100: 14,9 s
Höchstgeschw.: 155 km/h
Verbrauch (ECE): 4,6 Liter
CO2-Ausstoß: 106 g/km
Kofferraum: 252 Liter
umgebaut: 1.046 Liter
Gewicht: 1.008 kg
Maße: 3665 / 1660 / 1500
Versicherung: 14 (HP) / 17 (TK) / 15 (VK)
Preis: 10.290 EUR
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insgesamt 39 Beiträge
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mercel 10.05.2017
1. Ideal für die Stadt
Fahre seit 5 Jahren einen i10. Noch nie ein besseres Fahrzeug besessen. Sitzkomfort für einen Kleinwagen hervorragend und genug Platz um auch mal zu viert zu fahren. Mit Klimaanlage gibts den Neu für unter 10000 Euro, was will man mehr ?
aspro86 10.05.2017
2.
Wenn man den Artikel so liest, könnte man annehmen, dass hier über ein wirklich neues Fahrzeug geschrieben. Man hätte ruhig mal subtil erwähnen können, dass das hier "nur" ein Facelift darstellt. Den Motor gibts bspw. mit exakt den gleichen Kenndaten schon im i10 seit 2013. Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Facelifts, in diesem Fall scheint das äußerlich sogar relativ gelungen zu sein, aber der Artikel suggeriert irgendwie etwas anderes.
lorn order 10.05.2017
3. In Indien sind das Taxis
Diese flotten Kleinwagen (natürlich die letzte Version) werden in indischen Metropolen als Taxis verwendet. Bin sowohl in Mumbai als auch in Chennai mit einem I10 kutschiert worden. Da der Kofferraum doch recht klein ist, wenn die Rückbank nicht umgeklappt ist, fahren die Taxis dort mit Dachgepäckträger herum. Unsere großen Koffer wurden recht abenteuerlich mit ein paar Schnüren aufs Dach gebunden und ab gings in das indische Verkehrschaos. Eine Mercedes E-Klasse als gewöhnliches Taxi einzusetzen, käme in Indien niemandem in den Sinn.
quilmes 10.05.2017
4. Ich fahre u.a. einen Abarth 595 competizione...
...mit 179 PS, also einen extrem "unvernünftigen" Klein(st)wagen - aber ich finde den i10 trotzdem genial. Mehr Auto braucht - finde ich- keine Mensch und mit 87 PS - und selbst 67 PS - macht das Auto Spaß. Klar, der Abarth ist eine andere Welt, aber müsste ich jetzt aus irgendwelchen Gründen tauschen, wäre das auch kein Weltuntergang. Echt ein tolles Auto zu einem super Preis.
tomwessel85 10.05.2017
5. @Jobuch
Was machen Sie wenn Ihnen eine ältere, leicht orientierungslose Dame mit ihrer E-Klasse W210 die Vorfahrt nimmt und mit 50km/h ungebremst in die Beifahrerseite ballert? (Mir so 2012 passiert.) Dann sieht es für ihre Familie schon sehr traurig aus im Peugeot und alle werden Sie fragen, warum sie mit der Blechbüchse von 70er Jahre Sicherheitstechnik sich selbst und ihre Nächsten gefährden.
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