Autogramm Hyundai i10 Da ist man gerne groß

Auf nach Europa! Mit jeder neuen Autogeneration entfernt sich Hyundai weiter vom koreanischen Blechdosenimage. Aktuellstes Beispiel dafür ist der neue i10. Der wurde größer, sparsamer, besser ausgestattet - und trotzdem billiger.

Hyundai

Der erste Eindruck: Der Wagen wirkt zunächst einmal größer als er ist. Erst wenn der neue Hyundai i10 neben einem ausgewachsenen Auto steht, erkennt man, dass er eigentlich ein Winzling ist.

Das sagt der Hersteller: Hyundai ist zwar eine asiatische Firma, doch mit dem neuen i10 macht das Unternehmen einen weiteren Schritt nach Europa. Der Kleinwagen wurde im europäischen Technologiezentrum des Konzerns in Rüsselsheim entwickelt und gestaltet, und gebaut wird das Auto ab sofort in der Türkei. "Der i10 ist ein rundum europäisches Auto", sagt Alan Rushforth, der Europachef der Marke.

Rechnet man das Volumen aus der türkischen Fabrik und jenes aus dem tschechischen Werk in Nosovice zusammen, kommt Hyundai auf eine europäische Produktionskapazität von 500.000 Autos pro Jahr. Das entspricht rund 90 Prozent des Hyundai-Absatzes in Europa.

Das ist uns aufgefallen: Überaus leise und überraschend entspannt rollt man mit dem i10 durch den Autoalltag. Trotz des Formats wirkt das Auto nicht wie ein Kleinwagen, sondern es macht einen rundherum erwachsenen Eindruck. Das gilt für die gelungene Geräuschdämmung genauso wie für das Fahrwerk, das so gar nichts vom nervösen Gehoppel mancher Stadtwägelchen hat. Das liegt unter anderem an dem im Vergleich zum Vorgängermodell gestreckten Radstand und einer relativ gutmütigen Federung. So ausstaffiert, taugt der Kurze auch für lange Strecken. Obwohl er natürlich als Stadtwagen die beste Figur macht: wendig, agil, übersichtlich.

Was noch auffällt bei der ersten Begegnung mit dem i10, das sind die deutlich besseren Platzverhältnisse. Der Wagen wurde um acht Zentimeter länger und sechs Zentimeter breiter als der Vorgänger, und das kann man im Innenraum deutlich spüren. Vorne kann man nun sitzen, ohne dabei gleich auf Tuchfühlung gehen zu müssen; und hinten reicht es jetzt zur Not auch mal für zwei Erwachsene. Wenn man erst einmal durch den kleinen Türausschnitt nach drinnen geklettert ist, wundert man sich über die akzeptable Kniefreiheit im Fond und auch über den Kopfraum, der aufrechtes Sitzen ermöglicht. Und das, obwohl Hyundai für eine schickere Silhouette vier Zentimeter Dachhöhe geopfert hat. Ach ja: Der Kofferraum legt auch zu und fasst nun 252 Liter.

Das muss man wissen: Der neue i10 kommt Mitte November in den Handel und kostet mindestens 9950 Euro. Obwohl das Auto größer wurde und etwas besser ausgestattet ist, zum Beispiel sind beim neuen Modell sechs Airbags serienmäßig an Bord, wird es im Vergleich zum Vorgänger um 440 Euro billiger.

Das Basismodell fährt mit einem neuen Dreizylinder-Benziner vor, der aus einem Liter Hubraum 67 PS und bis zu 95 Nm holt. Eilig darf man es mit diesem Aggregat aber nicht haben: Von 0 auf 100 braucht der so motorisierte i10 nämlich 14,9 Sekunden, als Höchstgeschwindigkeit sind 155 km/h möglich. Dafür liegt der Durchschnittsverbrauch bei annehmbaren 4,6 Liter je 100 Kilometer.

Wer mindestens 12.120 Euro ausgibt, erhält neben dem besseren Ausstattungsniveau den von uns getesteten Vierzylinder-Benziner mit 1,2 Liter Hubraum und 87 PS. Die Maschine entwickelt ein maximales Drehmoment von 120 Nm, leider jedoch fehlt dem Getriebe ein sechster Gang. Dennoch fühlt sich der i10 mit dieser Antriebskombination ganz flott an: Er zieht tapfer von der Ampel weg, und mit ein bisschen Weitblick kann man auf der Landstraße auch stressfrei überholen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt übrigens bei 175 km/h. Der Verbrauch ist dabei kaum schlechter als beim Dreizylinder: 4,9 Liter gibt Hyundai als Durchschnittswert an.

Das werden wir nicht vergessen: Rote Kunststoffe im Cockpit und an den Türen, farblich passende Stoffbahnen in den Sitzbezügen und dezente Chromrähmchen um die Lüftergitter, an den Radiotasten oder auf den Konsolen; und dazu einige Luxusextras wie das beheizte Lederlenkrad oder das schlüssellose Startsystem - der Hyundai i10 zeigt auf intelligente Weise, dass ein Kleinwagen nicht kleinkariert sein muss.

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insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
ditor 19.10.2013
1. Europäische Produktionskapazität
Die Produktionskapazität mag bei 500.000 Autos liegen, das Hyundaiwerk in der Türkei liegt allerdings nicht in Europa, sondern ca 100km östlich von Istanbul.
Ex-Kölner 19.10.2013
2. Kein Sechsganggetriebe?
Kann sich das irgendein Autohersteller im Jahr 2013 noch leisten? Kann die EU, die sich sonst um jeden Fliegendreck kümmert (sofern nicht Wirtschaftsminister Altmeier blockiert), das nicht mal regulieren? Das würde den Schadstoffausstoß sicher ordentlich reduzieren... Für mich ist ein Sechsganggetriebe (oder eine Sieben- oder Achtgangautomatik) beim nächsten Wagen ein absolutes Muß - ohne kommt mir keiner mehr in die Garage... Das senkt bei Überlandfahrten Lärm und Verbrauch ganz erheblich. Ist schon auf der Landstraße toll und erst recht auf der Autobahn...
unterbelichtet 19.10.2013
3. Alles so toll?
Man macht ihn laenger und breiter der Bequemlichkeit zuliebe - wunderbar! Dann aber macht man ihn flacher "wegen einer schickeren Silhouette" - fuer mich reine Wurstelei! Eine schlichte Albernheit. Dann kann man also nur hoffen, dass die "Einsicht" des Herstellers dahin gehen mag, dass im naechsten Modell die 4 cm Hoehe wieder zugebuttert werden - wegen der Bequemlichkeit natuerlich. Billige Autos muessen eben kleingemacht werden, wo kommen wir denn sonst hin?! Und dann der Getriebe: wo ist das Angebot mit Automatik??? Man darf in dem heutigen Wahnsinnsverkehr also mit 5 Gaengen ruehren und treten bis man endlich am Ziel ist? Ein sechster Gang ist wuenschenswert? Na toll! Den hol ich mir (nicht!).
Emil Peisker 19.10.2013
4. man spart damit nur durchgängig in Holland
Zitat von Ex-KölnerKann sich das irgendein Autohersteller im Jahr 2013 noch leisten? Kann die EU, die sich sonst um jeden Fliegendreck kümmert (sofern nicht Wirtschaftsminister Altmeier blockiert), das nicht mal regulieren? Das würde den Schadstoffausstoß sicher ordentlich reduzieren... Für mich ist ein Sechsganggetriebe (oder eine Sieben- oder Achtgangautomatik) beim nächsten Wagen ein absolutes Muß - ohne kommt mir keiner mehr in die Garage... Das senkt bei Überlandfahrten Lärm und Verbrauch ganz erheblich. Ist schon auf der Landstraße toll und erst recht auf der Autobahn...
Von einem Ex-Kölner an einen anderen: Ein Sechsganggetriebe bei dieser Motorisierung bringt keine Ersparnis. Wenn der fünfte Gang ausreihend übersetzt ist, hilft das mehr. Ein Sechsganggetriebe braucht eine Motorisierung, die dem sechsten Gang noch soviel Schub erlaubt, ohne das Gaspedal in den Bereich des Mehrverbrauchs zu drücken. Ich fahre schon seit einiger Zeit solche Getriebe und man spart damit nur durchgängig in Holland.:-))
wuup 19.10.2013
5. Titel
Bestimmt ein gutes Auto. Sieht aber von vorn aus wie ein eingelaufener Ford Focus I und von hinten wie ein Toyota Yaris. Das muss nicht schlecht sein, den Focus fand ich persönlich außen immer schick. Dass der Wagen anständig ausgestattet wird, darf man wohl erwarten, denn günstig sind 10.000 Öken Einstiegspreis für so ein Mikromobil eher nicht.
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