Hyundai i40: Die Schonzeit für die Platzhirsche ist vorbei

Von Tom Grünweg

Über das Mittelklassemodell Hyundai Sonata lächelte die Konkurrenz noch. Doch wenn im Sommer der Nachfolger i40 an den Start geht, wird es ernst für Mazda 6 & Co. Denn der Kombi aus Korea kann es auch mit der etablierten Konkurrenz aus Europa aufnehmen.

Hyundai i40: Familienkombi aus Fernost Fotos

Die Rolle des belächelten Underdogs spielt Hyundai schon lange nicht mehr. Selbst der mächtige Volkswagen-Boss Martin Winterkorn begegnet den Koreanern mit höchstem Respekt. Er bezeichnete sie schon vor einigen Monaten als den gefährlichsten Konkurrenten aus Asien überhaupt.

Wer seine Worte damals als Übertreibung abgetan hat, die nur dazu dienen sollte, den eigenen Ingenieuren Beine zu machen, dürfte inzwischen eines Besseren belehrt sein. Für seine Kleinwagen, Vans und Allradmodelle erntete Hyundai bereits gute Noten bei den Kritikern. Dem neuen Mittelklassemodell i40 soll jetzt ähnliches gelingen. Das neue Aushängeschild, das im Spätsommer zunächst als Kombi startet und einige Monate später auch als Limousine, soll die bisherigen Platzhirsche des Segments mit den eigenen Waffen schlagen. Nicht der Preis werde das beste Argument für den 4,77 Meter langen i40, heißt es bei Hyundai. "Dieses Auto steht für die vier Werte, die inzwischen den Kern unserer Marke ausmachen", sagt Europachef Allan Rushforth, "Praktikabilität, Fahrspaß, Effizienz und Design."

Praktisch ist der i40, weil er beachtliche 553 Liter Ladevolumen bietet. Das ist zwar nicht ganz so viel wie beim Klassenprimus VW Passat Variant (603 Liter). Doch lässt der Hyundai damit Kombitypen wie den Opel Insignia Sportstourer oder den Ford Mondeo schon hinter sich, und gegenüber dem VW punktet er zumindest mit der niedrigeren Ladekante. Um vier Zentimeter ist jene des i40 tiefer angeordnet - wer viel und schwer einladen muss, wird sich darüber freuen.

Wer mehr Stauraum benötigt, der lässt die Rücksitzlehnen einfach per Fernentrieglung nach vorn fallen und bekommt damit eine ziemlich ebene Fläche geboten, auf der man 1719 Gepäck Liter stapeln kann. In dieser Disziplin kommt der Hyundai dem VW Passat (maximales Ladevolumen 1731 Liter) noch näher. Dazu gibt es eine Reihe von Extras, die das Verstauen leichter machen: Im Souterrain haben die Entwickler ein Geheimfach für allerlei Kleinkram eingebaut, die Heckklappe schwingt auf Wunsch elektrisch auf, und in zwei Schienen im Ladeboden lässt sich ein variables System von Haltern und Raumteilern fixieren.

Obwohl der i40 vor allem praktisch sein will, ist er ein durchaus ansehnliches Auto geworden. Es ist also nicht aus der Luft gegriffen, wenn Hyundai-Europa-Lenker Rushforth das Styling als weiteren Markenwert nennt. Die Frontpartie ist markant, die Scheinwerfer sind riesig und zeigen ein verschmitzes LED-Lächeln, über die Flanken zieht sich eine schmissige Sicke und das Heck wirkt durchaus sportlich. Von der ehedem lustlosen Langeweile koreanische Mittelklasseautos ist nichts mehr übrig.

Das gilt auch für den Innenraum. Der i40 ist geräumig und bequem und die Rückbank mit der verstellbaren Lehne bietet auch im Fond einen gewissen Reisekomfort. Dazu kommt ein freundlich gestaltetes, farbenfrohes Interieur. Die früher typischen mausgrauen Plastikwüsten wichen einer schmucken Landschaft aus Lack und Leder, in der sich neben einigen Chromrahmen vor allem die Bildschirme des Navigationssystems und des Bordcomputers elegant in Szene setzen. Die Animation zwischen Tacho und Drehzahlmesser zum Beispiel ist spitze.

Wer es braucht, kann auch eine temperierte Rückbank bestellen

Mindestens ebenso überraschend wie das Ambiente ist die Ausstattung: Sieben Airbags, elektrische Parkbremse und Klimaanlage sind immer an Bord. Gegen Aufpreis gibt es Extras wie Xenonleuchten, aktive Spurführungshilfe, klimatisierte Sitze, Kurvenlicht oder einen Einparkroboter. Und gern weist Produktmanager Franklin Guidier auf zwei spezielle Details hin: "Als einziger in dieser Klasse bieten der Wagen ein beheiztes Lenkrad und eine temperierte Rückbank."

Fürs erste gibt es den i40 nur mit zwei Benzinmotoren und einem Diesel, die ein Leistungsspektrum von 115 bis 177 PS abdecken. Für den Alltag allemal genug, fürs Prestige-Duell in der Mittelklasse ein bisschen zu wenig. Deshalb soll ein weiterer Diesel mit 160 PS nachgereicht werden. Bis dahin muss der 1,7-Liter mit 136 PS genügen, der hierzulande wohl auf den größten Verkaufsanteil kommen dürfte. Im Vorserienauto knurrte der Vierzylinder noch etwas, aber er macht mächtig Dampf: Jederzeit spurtbereit, beschleunigt das Auto beinahe lässig. Es fühlt sich viel schneller an, als der Messwert von 0 bis Tempo 100 (10,6 Sekunden) vermuten lässt.

Mit einem sauber abgestimmten Fahrwerk, einem ordentlichen Sechsganggetriebe und einem Spitzentempo von 190 km/h lässt sich der Wagen entspannt und komfortabel über die Autobahn treiben. So müssen Dauerläufer gestrickt sein. Dank der 325 Nm Drehmoment und einer präzisen Lenkung macht mit dem Hyundai auch eine Landpartie Laune.

Ein großer Kombi mit dem Schadstoffausstoß eines Kleinwagens

Damit wären wir beim vierten Hyundai-Kernwert: der Effizienz. Selbst der große Benziner braucht im i40 lediglich 6,6 Liter. Der Diesel steht mit 4,5 Litern in der Liste. Wer den Selbstzünder samt Start-Stopp-Automatik bestellt, sticht mit einem CO2-Ausstoß von 113 g/km sogar den VW Passat aus - auch wenn der Unterschied nur bei einem Gramm liegt.

Jetzt fehlt dem Auto nur noch der richtige Preis. Doch den will Hyundai erst im Sommer verraten. Als einzige Bezugsgröße nennen die Verantwortlichen den vergleichbar positionierten Geländewagen ix35 mit gehobener Ausstattung. Ein Einstandspreis um die 23.000 Euro dürfte also eine gute Schätzgröße sein.

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Fahrzeugschein
Hersteller: Hyundai
Typ: i40
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.685 ccm
Leistung: 136 PS (100 kW)
Drehmoment: 325 Nm
Von 0 auf 100: 10,6 s
Höchstgeschw.: 190 km/h
Verbrauch (ECE): 4,5 Liter
CO2-Ausstoß: 124 g/km
Kofferraum: 553 Liter
umgebaut: 1.719 Liter
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Hyundai i40

Einsteigen: ...weil der i40 gut aussieht, viel Platz und reichlich Ausstattung bietet.

Aussteigen: ...weil der Wagen im Prestige-Duell derzeit noch den Kürzeren zieht.

Umsteigen: ...aus den Kombivarianten von Mazda 6 oder Toyota Avensis, Renault Laguna, Opel Insignia oder Ford Mondeo.



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