Autogramm Hyundai Ioniq Electric Kupfer-Tupfer

Mit dem komplett neuen Ioniq Electric bietet Hyundai erstmals ein reines Elektroauto an. 280 Kilometer Reichweite sollen E-Mobilitäts-Skeptiker beruhigen - ebenso wie eine Langzeit-Akku-Garantie.

Hyundai

Von Jürgen Pander


Der erste Eindruck: Das Auto sieht aus, als sei es noch nicht ganz ausgepackt, denn anstelle eines Kühlergrills gibt es eine komplett geschlossene, metallisch schimmernde Frontpartie. Luftzufuhr in den Motorraum ist nämlich überflüssig. Außerdem fallen etliche kupferfarbene Zierelemente ins Auge.

Das sagt der Hersteller: "Mit dem Ioniq beginnt eine neue Ära bei Hyundai", sagt Markus Schrick, der Geschäftsführer der koreanischen Marke in Deutschland. Das Modell sei das erste Auto überhaupt, das mit drei elektrischen Antriebsvarianten angeboten werde, nämlich mit einem Hybrid-, einem Plug-in-Hybrid- und einem reinen Elektroantrieb.

So sollen einerseits neue Kundengruppen für die Marke gewonnen werden, andererseits will sich Hyundai insgesamt als führender Hersteller zukunftsweisender Antriebstechnologie positionieren, zumal die Marke bereits das Brennstoffzellen-Fahrzeug ix35 Fuel Cell verkauft. "Bis zum Jahr 2020", sagt Schrick, "werden wir 22 Modelle mit alternativen Antrieben im Angebot haben."

Das ist uns aufgefallen: Vor allem die Kupfer-Tupfer am und im Auto, denn die sind das Kennzeichen des Ioniq Electric. Logisch, denn in einem Elektroauto steckt eine Menge des Halbedelmetalls, insofern passt der goldige Braunton auch als Zierfarbe: an der Frontpartie, an den Seitenschwellern, an der Mittelkonsole, auf der Armaturentafel. Und auch sämtliche Nähte an Sitzen und Lenkrad sind kupferfarben. Der Wagen wirkt ausgereift; er ist durchdacht eingerichtet, gefällig instrumentiert und macht, wenn man hier und da zupft, drückt, klopft oder zieht einen grundsoliden Eindruck.

Der Hyundai Ioniq Electric im Video

Jürgen Pander

Das Fahren ist - auch bei diesem Elektroauto - eine Wohltat. Die Gründe sind - auch bei diesem Elektroauto - die hinlänglich bekannten: Der Ioniq Electric fährt leise, beschleunigt kraftvoll und bietet ein völlig unkompliziertes Vorankommen. Das Eingang-Getriebe wird mit drei Knöpfen auf der Mittelkonsole gesteuert (vorwärts, rückwärts, neutral). Die Vehemenz des Rekuperierens, also der Rückgewinnung von elektrischer Energie beim Ausrollen vor einer roten Ampel oder beim Bergabfahren, lässt sich per Lenkradpaddeln in vier Stufen einstellen. Und man kann vom "Eco"- oder "Normal"- in einen "Sport"-Mode wechseln. Dann wird das maximale Drehmoment der E-Maschine von 265 auf 295 Nm angehoben. Spürbar ist das kaum, sichtbar jedoch sehr wohl, denn dann wechselt die Hintergrundfarbe des 7-Zoll-Digitalcockpits von Blau auf Rot.

Kompaktautos mit Elektroantrieb

Modell Akku-Kapazität Reichweite Preis
VW E-Golf 24,2 kWh 190 km 34.900 Euro
Nissan Leaf 24/30 kWh 199/250 km 23.365/28.485 Euro
BMW i3 18,8/33 kWh 190/300 km 34.950/36.150 Euro
Mercedes B Electrik 28 kWh 200 km 39.181 Euro
Ford Focus Electric 23 kWh 190 km 34.900 Euro
Kia Soul Electric 27 kWh 212 km 30.790 Euro
Hyundai Ioniq Electric 28 kWh 280 km 33.300 Euro

So fährt man fröhlich und geräuscharm dahin, diverse Grafiken im zentralen 8-Zoll-Touchscreen auf der Armaturentafel informieren ausführlich über den Ladezustand des Akkus, die Effizienz des Fahrstils und natürlich - im Navigationsmodus - über die nächstgelegenen Ladesäulen. Wer sich den Ioniq Electric kauft, erwirbt zugleich das Recht, über die gesamte Lebenszeit des Autos einmal pro Jahr ein Karten-Update zu beziehen, in dem vor allem auch alle neu hinzu gekommenen Ladepunkte verzeichnet sind.

Das muss man wissen: Der Ioniq Electric ist das erste Serien-Elektroauto, das mit einem Lithium-Ionen-Polymer-Akku ausgestattet ist. Dieser Akkutyp sei leichter und weniger temperaturempfindlich als die herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien, sagen die Hyundai-Techniker. Der Akku wird von LG Chem geliefert, alle anderen Elektro-Komponenten sind Hyundai-Eigenentwicklungen. Die Speicherkapazität des Akkus liegt bei 28 kWh, die Reichweite gibt Hyundai mit 280 Kilometer an, den durchschnittlichen Energieverbrauch mit 11,5 kWh je 100 Kilometer. Nach unserer Testfahrt durch die tischebene Landschaft rund um Amsterdam meldete der Bordcomputer einen Schnitt von 13,1 kWh.

Als Schnittstellen fürs Laden bietet der Wagen den üblichen Typ-2-Anschluss sowie zusätzlich eine CCS-Schnelllade-Buchse. Wer die nutzt, kann binnen 23 Minuten den Akku auf 80 Prozent der Kapazität laden, an der normalen Steckdose dauert es hingegen mehrere Stunden, bis der Stromspeicher wieder gefüllt ist. Praktisch ist, dass sich am Bordcomputer die gewünschte Ladezeit (etwa mit Nachtstrom) voreinstellen lässt, ebenso die Temperierung des Innenraums zur einprogrammierten Abfahrtszeit, damit die dazu nötige Energie aus dem Netz gezogen werden kann, und nicht aus dem Akku entnommen werden muss, was die Reichweite reduzieren würde.

Der Verkauf des Hyundai Ioniq Electric beginnt im November (Hybridauto im Oktober, Plug-in-Hybrid erst 2017), der Preis beträgt 33.300 Euro. Abzüglich der neuen E-Auto-Prämie werden daraus 29.300 Euro. Gebaut wird der Wagen im koreanischen Hyundai-Werk in Ulsan, der größten Autofabrik der Welt mit einem jährlichen Ausstoß von 1,5 Millionen Fahrzeugen.

Das werden wir nicht vergessen: "VESS" steht auf einer der Tasten links unterhalb des Lenkrads, und man bekommt erst nach einigem Herumfragen unter den Hyundai-Leuten heraus, dass das Kürzel "Vehicle Engine Sound Simulator" bedeutet. Drückt man die Taste, leuchtet ein blaues Lämpchen und das Auto macht bis etwa Tempo 30 ein dumpfes Brummgeräusch. Das ist nur draußen zu hören und soll sicherstellen, dass zum Beispiel Passanten auf einem Parkplatz den sonst bei Schleichfahrt nahezu lautlosen Wagen überhaupt bemerken.

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insgesamt 122 Beiträge
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Seite 1
mhpr262 13.07.2016
1.
280km Reichweite mit einem 28kwh Akku? Das ist sogar nach der NEFZ-Messmethode sehr optimistisch. Bestenfalls 180km dürften wohl damit drin sein - bei sehr verhaltener Fahrweise, und bei Idealtemperaturen.
Oberfranzl 13.07.2016
2. Tolles Auto, da kann VW nicht mit
Es wird immer deutlicher dass die deutsche Autoindustrie und allen voran der VW Konzern längst keinen "Vorsprung durch Technik" mehr haben. Alles was die Premiumhersteller und VW können ist extrem schwergewichtige PS Monster bauen die eigentlich längst keine Zulassung mehr bekommen dürften.
mazzmazz 13.07.2016
3. Das 2.
Das 2. alltagstaugliche E-Auto auf dem Weltmarkt nach dem Tesla S. Und wieder kommt es nicht von der gehypten deutschen Autoindustrie, sondern von den hierzulande von einigen immer noch belächelten Koreanern. Hat eigentlich irgendwer in den vielen Autoredaktionen der Republik bemerkt, dass es in Deutschland nicht im Ansatz das Know-How für die Entwicklung und Produktion der für die E-Mobilität nötigen Akkus gibt? Wenn heute noch irgendwer ernsthaft glaubt, man könne in 15 Jahren noch eine nennenswerte Anzahl an Diesel-PKW an Privatleute verkaufen, ist er auf dem Holzweg. Die Einfahrverbote in Innenstädte für Diesel-PKW werden schon in 5-10 Jahren ganz normaler Alltag sein, zumindest außerhalb Deutschlands. Weshalb setzt VW nicht anstatt die 30 Milliarden Strafzahlung an die USA zu leisten eine schöne Batteriefabrik in die Lüneburger Heide? Den Amerikanern kann man ja als Ausgleich den Schlüssel für die Werkshallen und die Arbeitsverträge der dort arbeitenden US-Amerikaner in die Hand drücken. Weshalb handelt unsere Politik so dermassen dämlich? Dobrindt setzt auf den Diesel. Mann, mann.
bronck 13.07.2016
4. Reichweite aus dem Traumland
Also, die Batterie hat 28kwh Kapazität. Der Verbrauch laut Hersteller ist 11,5kwh pro 100km. 11,5kwh x 2,8 = 32,2. Die Batterie müsste also 32,2kwh Kapazität haben, um beim Normverbrauch die angegebene Reichweite zu erreichen. Der Testverbrauch lag aber bei 13,1kwh. 28/13,1 = 2,1. Das Auto kommt also real maximal 210km weit. Das ist eine Abweichung von 25% des angegebenen Wertes. Und der Akku wird nie ganz leer gemacht, denn dann ginge er kaputt. Die E-Auto Reichweite ist scheinbar die neue Verbrauchsangabe. Komplett gelogen.
kojak2010 13.07.2016
5.
Optik geht, Preis ist ok, Ladetechnik ist aktuell, der Akku zu klein. unter 60kWh bleibt das einzig fürs tägliche Fahren. bin selbst mal 800 KM am stück elektrisch gefahren. war nur ein Test, mache ich nie wieder. wie die petrol brains immer anmerken, 400 KM am stück sollte man schon fahren können. dann ist ne pause von 30 bis 50 min. auch okay. aber nicht alle 160 KM. wie es aktuell mit 22 oder 28er akkus die Regel ist.
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