Hyundai ix20: Pack' einfach alles ein

Von Tom Grünweg

Hyundai baut billige Kleinwagen und praktische Kombis, hat diverse SUV-Modelle im Angebot und will mit Sportwagen und Limousinen ins Oberhaus. Nur einen vernünftigen Minivan gab es bei der koreanischen Marke bislang noch nicht. Nun schließt das Modell ix20 diese Lücke.

Hyundai ix20: Kleiner Familienfreund Fotos

Hyundai entwickelt Familiensinn: Nachdem es bei der koreanischen Marke für Kind und Kegel bislang, vom verstaubten Modell Matrix und der Kombiversion des Kompaktwagens i30 einmal abgesehen, nichts im Angebot gab, mischt der Aufsteiger aus Seoul seit kurzem erstmals auch in im Segment der modischen Minivans mit. ix20 heißt der handliche Wagen, mit dem Hyundai Autos wie dem Opel Meriva, dem Renault Modus oder dem Honda Jazz und nicht zuletzt auch dem technischen Zwillingsbruder Kia Venga Konkurrenz machen will.

Während der Kia vergleichsweise brav und bieder wirkt, will die ansonsten eher zurückhaltende Marke Hyundai mit dem neuen Modell Familienväter und -mütter mit einem feschen Design locken. So trägt der 4,10 Meter lange ix20 einen frechen Schmiss in der Flanke, zeigt dezente Muskelpaketchen in den Kotflügeln und macht mit riesigen Scheinwerfern der Autowelt schöne Augen. Beim Kühlergrill jedoch sind die Designer ein wenig übers Ziel hinaus geschossen - eine Art Spinnennetz unterm Stoßfänger braucht nämlich kein Mensch!

Das Design kann allerdings nur das Interesse und die Aufmerksamkeit wecken. Wahre Liebe dagegen kommt gerade bei einem als Minivan angepriesenen Auto erst auf, wenn die inneren Werte stimmen. Deshalb haben sich die Hyundai-Entwickler dort besonders viel Mühe gegeben. 2,62 Meter Radstand garantieren ordentlich Platz vorne und hinten. Die großen Fenster und das Glasdach (1100 Euro Aufpreis) lassen den Wagen noch luftiger wirken, und die Sitzlandschaft ist hübsch variabel.

Der Innenraum ist clever eingerichtet, sieht aber total langweilig aus

Die geteilte Rückbank zum Beispiel kann um bis zu 13 Zentimeter verschoben werden und schafft dadurch wahlweise mehr Raum für Koffer oder Knie. Im besten Fall schluckt der Kofferraum dann 440 Liter Gepäck, und wenn das nicht reicht, legt man mit zwei Handgriffen die Rücklehne flach: Dann wächst das Stauvolumen auf fast 1,5 Kubikmeter. Aber es wurde nicht nur an große Kartons und Reisetaschen gedacht - für jeden Passagier gibt es auch genügend Ablagen für Kleinkram. Schade nur, dass die Designer auf dem Weg von außen nach innen offenbar der Mut verlassen hat: Zwar sehen Instrumente, Armaturenbrett und die Konsolen ringsum überraschend fein aus und fassen sich auch ganz gut an - nur mangelt es an Farbe und Form. Statt wenigstens etwas Lebensfreude gibt es nur mausgraue Langeweile.

In Fahrt bringen den Hyundai wahlweise zwei Benziner mit 90 und 125 PS oder ein Diesel, der es auf ebenfalls 90 PS bringt. Der Testwagen von SPIEGEL ONLINE war mit dem stärksten Motor bestückt und hatte entsprechend wenig Mühe mit dem Familienfreund aus Fernost. Die Maschine ist ein quirliger Vierzylinder mit 1,6 Liter Hubraum, die mit bis zu 156 Nm Drehmoment behände zu Werke geht. In der Praxis wirkt das Auto schneller, als ein Sprintwert von 10,9 Sekunden vermuten lässt; beim Ampelstart jedenfalls ist man durchaus vorn dabei. Und auf der Landstraße erfordern Überholmanöver keine Mutprobe. Ebenso schwimmt der ix20 auf der Autobahn lässig mit - wenn's sein muss, sogar mit 184 km/h.

Abgestimmt allerdings ist der kleine Koreaner vor allem für den Stadtverkehr. Im dichten Gewühl und im Ringen um die raren Parkplätze freut man sich über die leichtgängige Lenkung. Und auf Kopfsteinpflaster und Kanaldeckeln macht auch das komfortable Fahrwerk eine gute Figur. Bei schneller die Fahrt wünscht man sich jedoch mehr Präszision und Bestimmtheit - vor allem in den Kurven.

Für Spritsparer gibt es die teurere Modellvariante "blue"

Das Standardmodell ist mit einem Durchschnittsverbrauch von 6,4 Litern zufrieden. Daneben bieten die Koreaner den ix20 für 400 Euro Aufpreis auch unter dem Öko-Label "blue" an. Dann gibt es eine Start-Stopp-Automatik, die den Motor an der Roten Ampel selbständig abwürgt und ihn beim Kupplungtreten flott wieder anwirft. Das klappt im Test reibungslos und fast unmerklich. Denn der Benziner ist so gut gedämmt, dass man oft gar nicht hört, ob er nun läuft oder nicht. Der Bordcomputer jedoch räumt alle Zweifel aus: das Modell "blue" stoppt Maschine und Verbrauch immer wieder und spart so exakt einen halben Liter Sprit je 100 Kilometer.

Überraschend ist die Ausstattung des iX20, der übrigens in Tschechien gebaut wird. Sechs Airbags, ESP, Zentralverriegelung und CD-Radio bereits im Basismodell, das haben andere Autos auch. Aber dass es in den gehobenen Varianten oder als Extra neben einem Keyless-Entry-System, Lederpolstern und Sitzheizung auch ein fest eingebautes Navigationssystem und eine Rückfahrkamera gibt, ist in dieser Klasse nicht üblich. Jedoch kostet der ix20 dann schon mehr als 25.000 Euro und liegt so auf einem Niveau mit deutlich größeren Kompaktvans wie dem VW Touran oder dem Opel Zafira. Allerdings lohnt sich der Blick ins Kleingedruckte: Weil Hyundai nicht nur für fünf Jahre die Garantie, sondern auch die Wartungskosten übernimmt, macht man bis dahin wieder bis zu 1600 Euro gut.

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Fahrzeugschein
Hersteller: Hyundai
Typ: ix20
Karosserie: Van/Kleinbus/Großraumlimousine
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.591 ccm
Leistung: 125 PS (92 kW)
Drehmoment: 156 Nm
Von 0 auf 100: 10,9 s
Höchstgeschw.: 184 km/h
Verbrauch (ECE): 5,9 Liter
CO2-Ausstoß: 139 g/km
Kofferraum: 440 Liter
umgebaut: 1.486 Liter
Versicherung: 17 (HP) / 20 (TK) / 17 (VK)
Preis: 19.000 EUR

Schnellcheck

Hyundai ix20

Einsteigen: ...weil der ix20 außen pfiffig aussieht und innen pfiffig aufgeteilt ist.

Aussteigen: ...wegen des tristen Interieurs und des für die Landstraße zu weichen Fahrwerks.

Umsteigen: ...aus hübschen Hutschachteln wie Opel Meriva, Nissan Note, Toyota Yaris Verso und vielleicht VW Golf Plus.



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