Hyundai Kona EV Im SUV der Zeit

Wenn schon SUV, dann wenigstens mit E-Antrieb - Hyundai macht die umstrittene Autogattung ein wenig sozialverträglicher. Reichweite und Ausstattung des Kona EV sind üppig, Entschleunigung bringt der Wagen nicht.

Hyundai

Der erste Eindruck: SUV oder Seife? Der Kona hat die üblichen Geländewagen-Proportionen, doch die Karosserie wurde im Windkanal optimiert und sieht fast ein bisschen glitschig aus.

Das sagt der Hersteller: " Hyundai ist mittlerweile eine Elektroauto-Marke", sagt Hyundai-Sprecher Bernhard Voss. Immerhin bietet der koreanische Hersteller mit den Typen Ioniq, dem Brennstoffzellen-Modell Nexo und nun dem Kona EV bereits drei Baureihen mit Stromantrieb an - mehr als jeder deutsche Hersteller. Bei den Kunden hat sich das offenbar auch herumgesprochen. Für den Kona jedenfalls gibt es bereits mehr als tausend Bestellungen, womit das Kontingent für dieses Jahr erschöpft ist. Gleiches gilt für den rein elektrischen Ioniq, der ebenfalls bis weit ins nächste Jahr ausverkauft ist, wie Voss einräumen muss.

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Das ist uns aufgefallen: Fährt man zum erstem Mal mit dem Kona EV an, bleibt einem fast die Spucke weg. Wer gewohnheitsgemäß aufs Fahrpedal tritt, der startet mit quietschenden Reifen, so viel Schmackes entwickelt der Stromer. Das Gefühl der spontanen Beschleunigung reißt so schnell nicht ab. Deshalb ist man froh, dass der Wagen mit einem Head-up-Display ausgerüstet ist und man so die Geschwindigkeit immer im Blick hat. Von Entschleunigung jedenfalls kann keine Rede sein bei diesem Stromer. Erst auf der Autobahn wird es etwas zäh und für Überholvorgänge bei Tempo 130 braucht man einen langen Atem. Bei 167 km/h bremst die Elektronik den Wagen ohnehin ein.

Das Bremspedal kann der Fahrer eigentlich die meiste Zeit unbeachtet lassen. Wie alle Elektroautos fährt man den Kona EV am besten mit einem Pedal und lupft einfach den Gasfuß, wenn man verzögern möchte. Dann wird der Elektromotor zum Generator, speist die überschüssige Bewegungs- als elektrische Energie zurück in den Akku und stoppt so den Wagen. Wie stark verzögert wird, lässt sich mit zwei Hebelchen am Lenkrad in vier Stufen einstellen. Zieht man links, wird der Bremswiderstand größer, rechts wird er kleiner, sodass das Auto länger rollt. Falls man sich verschätzt hat, hält man den linken Hebel einfach gedrückt, wechselt so in die maximale Verzögerungsstufe und stoppt den Wagen quasi von Hand.

Das ist zunächst ungewohnt, aber trotzdem so eingängig, dass man es nach fünf Minuten verinnerlicht hat. Und weil man sich bei 69 kWh Akkukapazität und einem Verbrauch von deutlich unter 15 kW pro 100 Kilometer Fahrstrecke auch keine Sorgen um die Reichweite machen muss, fährt man den Kona EV so wie alle anderen kleinen SUV, die gerade unsere Städte füllen.

Deshalb muss man den Kona EV nicht nur mit Elektroautos wie dem Opel Ampera-E, dem Renault Zoe oder dem Nissan Leaf vergleichen, denen er beim Design überlegen und in der Reichweite zumindest ebenbürtig ist. Im Vergleich zu konventionellen Konkurrenten wie dem Renault Capture oder dem kommenden VW T-Cross punktet der Hyundai vor allem mit einer üppigen Ausstattung. Weil die Batterien Platz beanspruchen, ist er nicht ganz so geräumig im Fond und im Kofferraum und vor allem nicht so variabel wie die konventionell angetriebenen Wettbewerber. Eine verschiebbare Rückbank beispielsweise bietet der Kona EV nicht.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des 360°-Foto Hyundai Kona EV - mit unserem 360-Grad-Foto:

Um den Preis auf ein attraktives Niveau zu drücken, hat Hyundai offenbar heftig bei manchen Materialien gespart. So ist der Innenraum zwar gut verarbeitet und es gibt jede Menge Extras bis hin zur Sitzbelüftung, doch das viele Plastik rund um die Insassen ist hart und wirkt vergleichsweise billig.

Das muss man wissen: Hyundai hat gleich zwei Varianten des Kona EV im Angebot. Ab 34.600 Euro bietet der Hersteller eine Version mit 100-kW-Motor und 39-kWh-Akku an, und ab 39.000 Euro gibt es eine E-Maschine mit 150 kW Leistung und Akkus mit 69 kWh Speicherkapazität. Allerdings ist selbst der billigere der beiden Stromer rund doppelt so teuer wir der Kona mit 120-PS-Benziner.

Die Einstiegsversion des Kona EV kommt auf dem Prüfstand gut 300 Kilometer weit. Die stärkere Variante wird mit einer Reichweite von 540 Kilometern beworben. Lädt man an einer 100-kW-Säule, sind beide Akkus nach 54 Minuten bei 80 Prozent; an einer Wallbox mit 230 Volt Spannung dauert eine Ladephase bis zu 9:40 Stunden.

Zum Akku und dem aufwendigen Antrieb packt Hyundai noch jede Menge Ausstattung. Schon das Grundmodell ist serienmäßig mit LED-Scheinwerfern, einem adaptiven Tempomat und einem Navigationssystem samt Rückfahrkamera ausgestattet. Zudem gibt es im Kona EV digitale Cockpitinstrumente, wie man sie aus dem Brennstoffzellen-Auto Nexo kennt.

Das werden wir nicht vergessen: Die Reichweitengrafik auf dem Bordcomputer, die bei vollem Akku um Frankfurt herum einen Kreis bis weit hinter Luxemburg, Hamburg, Berlin und München zieht. Der Aktionsradius ist also beachtlich, das Design gefällig und das Auto insgesamt massentauglich: So kommt die Elektromobilität im Alltag an.

Fahrzeugschein
Hersteller: Hyundai
Typ: Kona EV
Karosserie: SUV
Motor: Elektromotor
Getriebe: Eingang-Automatik
Antrieb: Front
Leistung (E-Motor): 204 PS (150 kW)
Drehmoment (E-Motor): 395 Nm
Von 0 auf 100: 7,6 s
Höchstgeschw.: 167 km/h
Kofferraum: 373 Liter
Gewicht: 1.800 kg
Maße: 4180 / 1800 / 1570
Preis: 39.000 EUR
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insgesamt 187 Beiträge
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Seite 1
derspiegeldesspiegel 08.09.2018
1. Bewertet doch bitte den Innenraum anders
Jedes mal wird bei Import Fahrzeugen über das Material im Innenraum hergezogen. In der Preis-und Fahrzeugklasse fühlt sich das Material bei VAG auch nicht besser an, Mercedes und BMW dürfte für das Geld mit der Ausstattung gar kein Auto haben. Ich habe einen Dodge. Billigstes Plastik! Ich habe Hunde und Kinder. Ich bin froh über die Plaste. Lässt sich super reinigen und ist nicht anfällig. Bitte auch mal pragmatisch denken. Ich weiss, mit Tieren und vor allem Kindern vertrete ich eine Nische am sozialen Rand, aber auch wir brauchen Fahrzeuge. Und wer es mag alle vier Wochen mit Cockpit Spray sein Fahrzeug zu reinigen und extra eine Garage mietet, damit das Leder im Innenraum nicht kaputt geht kauft eh einen deutschen Premium Hersteller! Also für ein paar unbedeutende Cent mehr...
Bell412 08.09.2018
2. Auf die Plätze..Fertig..
Auf ihr Schnappatmer und Berufsempörte, Grünweg hat SUV gesagt! Nun aber fix losgebrüllt!
leander.1991 08.09.2018
3. Schönes Auto...
… nur die dick in Plaste eingepackten Rücklichter gehen gar nicht. Leider nur bestell- aber nicht mal mittelfristig lieferbar, wie ja im Artikel erwähnt. Ein perfektes Auto für Pendler und für die Kurzstrecke mit sehr niedrigen Betriebskosten. Es reicht auch völlig aus den Wagen an einer normalen Haushaltssteckdose über Nacht zu laden, nur diese muss natürlich vorhanden sein. Aber auch für Straßenparker in der Stadt sollte so etwas machbar sein, man muss es nur wollen, es muss ja nicht immer gleich mit 100kw geladen werden. Muss man halt nur leider sehr lange drauf warten, darum ist es doch wieder ein konventioneller Antrieb eines anderen Herstellers geworden. Wenn die Preise noch mal 25% runter gehen wird es für Benziner aber wirklich eng, denn die Betriebskosten sind wirklich unschlagbar.
markus.pfeiffer@gmx.com 08.09.2018
4. Reichweite und Preis
Wenn die "Reichweitenrafik" einen Kreis zieht, dann ist das nur die Luftlinie der Reichweite,oder? D.h., dass man (die tatsächlichen Strecken sind i.d.R. 1,3 bis 1,5 mal so viele Kilometer) in der Realität (auch ohne Verkehr, der weitere Energie "frisst") niemals dorthin kommt, wo einem suggeriert wird, dass man hinkommen könnte. im übrigen kann man bei den Preisen nicht von "sozialverträglicher" reden, wenn man die Listenpreise der vergleichbaren Benziner (wie im Artikel erwähnt Renault Capture oder VW T-Cross) betrachtet. Der Capture kostst je nach Grundaustattung zwischen 16 und 20; da sind knapp 35 bzw. 39 Lichtjahre von weg.
suplesse 08.09.2018
5. Brauche ich nicht!
Ich kaufe mir demnächst gebraucht einen Diesel 5 und lasse ihn Hardware umrüsten. Das ist allemal ökologischer und preiswerter. Ich weis noch nicht welche Marke, aber es wird bestimmt kein SUV. Das mit den E-Autos ist eine ökologische Sackgasse.
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