Infiniti M-Serie: Limousine mit Elektro-Schutzschild

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In der gehobenen Mittelklasse sind die Rollen hierzulande klar verteilt. Audi, BMW und Mercedes dominieren - andere Marken fahren hinterher. Nun will auch der Nissan-Ableger Infiniti in diesem Markt reüssieren. Ein Fahrbericht der neuen M-Serie der japanischen Marke.

Infiniti M-Serie: Attacke aufs Establishment Fotos

Nissans Nobelmarke Infiniti, seit gut einem Jahr auch in Deutschland aktiv, probt mit einem neuen Modell jetzt eine Attacke auf das Auto-Establishment: Nachdem die Marke bislang die Geländewagen-Typen EX und FX sowie der Mittelklasse-Baureihe G37 anbot, wagt sich das Newcomer-Label mit der M-Serie mitten hinein ins Herz der Businessklasse. Die Konkurrenten der 4,95 Meter langen Limousine aus Japan sind Modelle wie die Mercedes E-Klasse, der BMW 5er oder der Audi A6, die seit Jahrzehnten Konkurrenzmodelle von Jaguar, Saab, Volvo, Cadillac oder Lexus zumindest in Deutschland klein halten.

Beim erneuten Versuch, den Platzhirschen wenigstens ein paar Marktanteile streitig zu machen, setzt Infiniti auf alle fünf Sinne. Den Augen schmeichelt das markante, und in dieser Klasse fast schon mutige Design. Der Tastsinn wird durch feine, sehr ordentlich verarbeitete Materialien im Innenraum herausgefordert. Für den guten Geschmack ist der komplette Restaurantführer "Guide Michelin" im Navigationssystem abgespeichert, und für die Ohren wurde gar ein ganzes Akustik-Paket geschnürt: Das Soundsystem verfügt sogar über Lautsprecher in den Sitzen, dickes Dämmglas sorgt während der Fahrt für himmlische Ruhe, und der Bordcomputer kann ein Dutzend verschiedener Melodien abspielen, wenn das Ziel erreicht ist.

Und schließlich haben die Entwickler auch an den Geruchssinn gedacht - mit der Klimafunktion Forest Air. Durch das neuartige System wird die ins Auto strömende Luft nicht nur gefiltert, getrocknet und von üblen Gerüchen gereinigt, sondern die Luftzufuhr variiert, und in die wechselnden Brisen werden zwei spezielle Aromen gemischt. Angeblich erinnert das dann an einen Spaziergang durch einen Frühlingswald.

Für ein Auto wichtiger aber ist das Fahrgefühl, das maßgeblich davon beeinflusst wird, was man über die Sitzfläche so alles erspürt. Menschen mit feinfühligem Hinterteil dürften im Inifiniti M reichlich neue Eindrücke gewinnen, denn das Auto ist als Sportwagen im Businessdress konzipiert. Das Fahrwerk ist also deutlich strammer abgestimmt als bei vielen anderen Modellen dieser Klasse, die Lenkung ist direkter ausgelegt, und die Bremsen wirken bissiger. Besonders spürbar wird der sportliche Anspruch mit der Allradlenkung: Weil dann die Hinterräder ein paar Millimeter mit einschlagen, benimmt sich der Wagen ungeheuer agil, schaukelt sich nicht so schnell auf und fährt durch enge Kurven, als wäre er einen halben Meter kürzer und 500 Kilo leichter.

Neuer Drei-Liter-Dieselmotor - auch für die anderen Infiniti-Modelle

Unter der Haube setzt Infiniti vor allem auf einen neuen Dieselmotor. Der Drei-Liter-Selbstzünder leistet 238 PS und wuchtet über eine siebenstufige Automatik 550 Nm an die Hinterachse. Leise und laufruhig treibt er den geräumigen Wagen in 6,9 Sekunden auf Tempo 100, schafft ohne Geduldsprobe 250 km/h und liegt mit einem Verbrauch von 7,5 Litern noch halbwegs im Rahmen. Außerdem gibt es für den Infiniti M einen V6-Benziner mit 3,7 Litern Hubraum und 320 PS und ab Frühjahr 2011 auch einen Hybridantrieb. Dann arbeitet der E-Motor im Team mit einem Sechszylinder-Benziner und drückt den Verbrauch auf 7,5 Liter.

Spritsparmaßnahmen wie eine Start-Stopp-Automatik gibt es nicht. Stattdessen sollen notorische Bleifüße mit einem sogenannten Eco-Pedal zur Sparsamkeit erzogen werden. Das Gaspedal baut immer dann einen sanften Gegendruck auf, sobald der Fahrer heftiger zutritt als eigentlich nötig. Das fühlt sich an, als klemme ein Schwamm unterm Pedal, zeigt aber angeblich die gewünschte Wirkung. "Praxistests haben zehn Prozent Einsparung ergeben", berichtet Infiniti-Sprecher Wayne Bruce. Das Eco-Pedal gibt es vorerst nur für die Variante mit Benzinmotor.

Wer zu dicht auffährt, bekommt Druck vom Gaspedal

Das aktive Pedal ist auch Bestandteil des Sicherheitspakets, mit dem Infiniti eine Art elektronischen Schutzschild um das neue Flaggschiff legt. Ignoriert der Fahrer beispielsweise die Signaltöne des Abstandsreglers, drückt die Technik automatisch das Gaspedal nach oben, um den Fahrer zur Wachsamkeit zu mahnen; im Notfall bremst das Auto sogar gleich von selbst. Dazu gibt es Assistenzsysteme für die Spurführung und zur Überwachung des toten Winkels. Allerdings reagieren die Systeme so nervös und piepen so laut, dass sie eher nerven als nützen und vermutlich schnell abgeschaltet werden.

Dennoch: Das Auto ist gut, die Ausstattung üppig und der Preis mit 49.650 Euro für den Benziner und 1500 Euro mehr für den Diesel wettbewerbsfähig. Doch kann sich Infiniti schon freuen, wenn bei BMW, Mercedes oder Audi überhaupt jemand Notiz nimmt. Denn die Verkaufszahlen sind in Europa noch so klein, dass die Marke weit unterhalb der Wahrnehmungsschwelle fährt. Weltweit werden in diesem Geschäftsjahr wohl 160.000 Infiniti-Exemplare verkauft - immerhin mehr als Jaguar oder Porsche. In Europa jedoch waren es in den vergangenen zwei Jahren lediglich 3000 Modelle. Das liegt auch am Händlernetz, denn europaweit gibt es erst 40, in Deutschland lediglich drei Standorte. In einigen Wochen sollen in Frankfurt und München weitere Infiniti-Händler eröffnen - das wären dann fünf.

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insgesamt 49 Beiträge
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1. Abruf
Sabi 07.11.2010
Zitat von sysopIn der gehobenen Mittelklasse sind die Rollen hierzulande klar verteilt. Audi, BMW und Mercedes dominieren - andere Marken fahren hinterher. Nun will auch der Nissan-Ableger Infiniti in diesem Markt reüssieren. Ein Fahrbericht der neuen M-Serie der japanischen Marke. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,726677,00.html
Bevor die Karre hier ankommt, muß sie noch einige Abruf- Aktionen über sich ergehen lassen . Dann soll sie gleich da bleiben, wo der Pfeffer wäschst !
2. Barock
Wolfgang Jung 07.11.2010
Mit dieser barocken Kiste können die zuküftig 5 Infinit-Händler in Deutschland gleich noch ein gemeinsames Halden-Terrain anmieten.
3. Hölle, Hölle,...
solarfighter, 07.11.2010
Zitat von sysopIn der gehobenen Mittelklasse sind die Rollen hierzulande klar verteilt. Audi, BMW und Mercedes dominieren - andere Marken fahren hinterher. Nun will auch der Nissan-Ableger Infiniti in diesem Markt reüssieren. Ein Fahrbericht der neuen M-Serie der japanischen Marke. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,726677,00.html
Ein Auto aus der Steinzeit. Damals mußte ja immer ein Bodybuilder mitfahren, weil nur der genug Kraft hatte diese Bremse zu betätigen. Und ohne Allradantrieb. Hui, wir haben wir damals nur die Fahrt zum Supermarkt geschafft, ohne im Großstadtdschungel nicht gleich gegen den Baum zu fahren. Es wäre mal schön, wenn die Herren Journalisten sich auch mal ernsthaft dem Thema Verbrauch zuwenden würden. Hierfür reicht es nicht aus, lediglich die Marketing-Verbrauchswerte aus den Werbeflyern zu übernehmen. Bei diesem Typ wäre es auch mal schick gewesen, dessen Langstreckentauglichkeit zu überprüfen. Was nützt die beste Audioanlage, wenn man hinterher das Gefühl hat, die Strecke in einem Gokart gefahren zu haben.
4. Kopie einer Kopie einer Kopie
mic123 07.11.2010
Immer wieder interessant bei den verschiedensten überwiegend japanischen Herstellern Linienführungen populärer meist deutscher Baureihen erkennen zu können. Bei diesem Modell stand BMW (5er) für die Silhouette, Mercedes (CLS) für das Heck und Porsche (Cayenne) für die Frontpartie Pate. Toll kopiert, Krieger.
5. „Nein ich bin KEIN Polo“
solarfighter, 07.11.2010
Zitat von mic123Immer wieder interessant bei den verschiedensten überwiegend japanischen Herstellern Linienführungen populärer meist deutscher Baureihen erkennen zu können. Bei diesem Modell stand BMW (5er) für die Silhouette, Mercedes (CLS) für das Heck und Porsche (Cayenne) für die Frontpartie Pate. Toll kopiert, Krieger.
Immerhin eigenständiger, als das was uns die heimischen Design-Köche zur Zeit vorsetzen. Beim neuen Passat können die die gleichen einen Aufkleber „Nein ich bin KEIN Polo“ mit verkaufen. BMW und Audi lassen sich auch kaum noch auseinanderhalten.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Infiniti
Typ: M30d
Karosserie: Limousine
Motor: V6-Diesel
Getriebe: Siebengang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 2.993 ccm
Leistung: 238 PS (175 kW)
Drehmoment: 550 Nm
Von 0 auf 100: 6,9 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 7,5 Liter
CO2-Ausstoß: 199 g/km
Kofferraum: 450 Liter
Preis: 51.250 EUR

Schnellcheck

Infiniti M30d

Einsteigen: ...weil das Auto sportlich und agil ist und man es auf dem Vorstandsparkplatz nicht so lange suchen muss.

Aussteigen: ...weil die mechanische Feststellbremse antiquiert ist, der in den USA lieferbare Allradantrieb fehlt und die Assistenzsysteme nerven mehr statt nützen.

Umsteigen: ...aus Lexus GS oder Jaguar XF und aus den Platzhirschen Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse.



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