Infiniti M35h: Luxusliner im Gleitflug

Von Tom Grünweg

Erst Lexus, jetzt Infiniti. Während Mercedes E-Klasse & Co. auf Diesel oder Benzin setzen, kommt aus Japan schon die zweite Business-Limousine mit Hybridantrieb: der M35h. Er lässt sich ebenso sparsam wie sportlich bewegen, nur der Elektromodus ist etwas enttäuschend.

Infiniti M35h: Hybrid-Limousine für Trendsetter Fotos

In den USA hat die Marke Infiniti gerade Audi überholt, doch in Europa ist der Nissan-Ableger auch drei Jahre nach dem Start noch immer der große Unbekannte. Mit bislang fünf deutschen Händlern und etwa 500 Zulassungen im vergangenen Jahr wird sich das so schnell auch kaum ändern. Aber technologisch macht die noble Nissan-Schwestermarke jetzt von sich reden: Ausgerechnet im Kernsegment der deutschen Konkurrenten, nämlich den gehobenen Geschäftslimousinen vom Schlage einer Mercedes E-Klasse, eines Audi A6 oder eines BMW 5er, fährt Infiniti ein Hybrid-Modell auf. Angekündigt haben das die Platzhirsche aus Stuttgart, Ingolstadt und München zwar längst, doch während deren Kunden bis 2012 warten müssen, kann man den Infiniti M35h zu Preisen ab 56.600 Euro schon jetzt bestellen und ab September fahren.

Der erste im Nissan-Konzern selbst entwickelte Hybridwagen liegt jedoch nicht nur kalendarisch vorn. "Kein anderes Hybridauto ist schneller als unseres", sagt Infiniti-Sprecher Wayne Bruce. Zwar musste er mittlerweile lernen, dass Porsche den gerade vorgestellten Panamera S Hybrid bis 270 km/h rennen lässt, wohingegen Infiniti das Auto bei 250 km/h abregelt. Doch zumindest beim prestigeträchtigen Sprintwert liegt das japanische Auto tatsächlich vorn: Nur 5,5 Sekunden vergehen, bis die Tachonadel über die 100-km/h-Markierung wischt. Man wird es in Zuffenhausen nicht gerne lesen, aber der Porsche braucht eine halbe Sekunde länger.

Um das zu erreichen, hat Infiniti kräftig aufgerüstet. Zum 3,5 Liter großen V6-Motor mit 306 PS gibt es eine E-Maschine mit noch einmal 68 PS. "Das ist der stärkste Elektromotor, der bei einem Hybridmodell zum Einsatz kommt", sagt Bruce und erklärt damit zugleich, weshalb man beim Kickdown so tief in die Ledersitze gedrückt wird. Immerhin wirken hier eine Systemleistung von 364 PS und ein kumuliertes Drehmoment von fast durchgehend mehr als 500 Nm.

Theoretisch ist der Stromer stark genug, um den Wagen alleine zu bewegen. Rund zwei Kilometer und bis zu 100 km/h soll er schaffen, die Energie dafür liefert eine 1,4 kWh große Batterie im Kofferraum. Sie nutzt - übrigens ebenfalls eine Premiere für ein Fullhybrid-Modell - Lithium-Ionen-Zellen und ist deshalb besonders kompakt.

In der Praxis fällt dem Infiniti der reine E-Betrieb jedoch schwerer, als man bei diesen Daten erwartet. Der Fahrer darf das Gaspedal allenfalls streicheln, wenn er an der Ampel elektrisch anfahren möchte; ansonsten springt sofort der Benziner an. Schafft man es doch, nur elektrisch loszufahren, beschleunigt der 4,95 Meter lange und gut 1,8 Tonnen schwere Wagen überaus behäbig.

Ein Soundgenerator kündigt das Auto bis Tempo 30 akustisch an

Dabei hat Infiniti offensichtlich mit viel größeren Elektro-Etappen gerechnet. Denn der M35h ist der erste Hybird-Wagen in Europa, der zum Schutz der Fußgänger einen Soundgenerator bekommt. Bis Tempo 30 surrt aus dem Lautsprecher hinter dem Stoßfänger ein Raketen-imitierender Synthesizer-Klang, der unachtsame Passanten aufschrecken soll. Legt man den Rückwärtsgang ein, entfleucht der gleichen Box ein Fiepen, das entfernt an einen rangierenden Mülllaster erinnert.

Was dem Infiniti im Stadtverkehr fehlt, macht er über Land wieder weg. Dort funktioniert das Zusammenspiel der beiden Motoren so reibungslos, dass man schon auf die typischen Monitorgrafiken für den Kraft- und Energiefluss schauen muss, um den aktuellen Betriebszustand zu erkennen. Der Benziner hat dabei relativ oft Pause: Sobald man den Gasfuß lupft, geht er in den Ruhezustand und wird vom Antriebsstrang abgekoppelt: Die Entwickler nennen das Segeln und die Limousine wird dann zu einem kommoden Gleiter.

Weil das wahrscheinlich noch mehr Sprit spart als die elektrischen Kurzstrecken, ist der M35h am Ende überraschend genügsam. "Mit 7,0 Liter Durchschnittsverbrauch ist er das sparsamste Modell in unserer Palette", sagt Bruce. Ein zweiter Blick auf den ähnlich starken Porsche Panamera zeigt, dass dieser Normverbrauch eher theoretischer Natur sein dürfte: Der verbraucht offiziell 7,1 Liter und kommt nur dann auf 6,8 Liter, wenn man spezielle Sparreifen aufzieht und ein Limit von 240 km/h akzeptiert.

Neu im Hybridmodell ist auch eine Hybrid-Lenkung

Neben den schnellen Sprints und dem geringen Normverbrauch imponiert auch die Lenkung des Infiniti. Weil hydraulische Systeme im reinen E-Betrieb nicht funktionieren und elektrische Lenkungen oft als unpräzise empfunden werden, hat sich Infiniti einen Kunstgriff geleistet. "Wir haben eine Art Hybrid-System entwickelt", sagt Bruce: Jetzt erzeugt eine Elektropumpe den Druck für die Hydraulik und man hat den Wagen buchstäblich bestens im Griff.

All das könnte den Preis gewaltig in die Höhe treiben. Doch wo die deutschen Hersteller Hybridmodelle so teuer verkaufen, als wollten sie ihre Kunden abschrecken und so die Stückzahlen künstlich gering halten, geht Infiniti in die Offensive. Der Aufschlag zum Diesel ist mit 1500 beziehungsweise 3100 Euro(Benziner) überraschend gering. Kein Wunder, dass Infiniti mit einem Hybridanteil von 40 Prozent rechnet. Zum Vergleich: Für das SUV-Modell Cayenne zum Beispiel nennt Porsche nur fünf Prozent.

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Aha, soso
Gani 16.05.2011
Zitat von sysopErst Lexus, jetzt Infiniti. Während Mercedes E-Klasse & Co. auf Diesel oder Benzin setzen, kommt aus Japan schon die zweite Business-Limousine mit Hybridantrieb: der M35h. Er lässt sich ebenso sparsam wie sportlich bewegen, nur der Elektromodus ist etwas enttäuschend.
Das Kernstück des Themas Hybrid is also enttäuschend. Warum wird denn lamentiert das es keine Hybrid Benze gibt?
2. :)
alocasia 16.05.2011
Hauptsache bisschen Hybrid (muß nicht wirklich funktionieren), das macht uns alle bisschen Alternativ und PC ist es auch.
3. Dr.-Titel
Durchblicker 16.05.2011
"Das ist der stärkste Elektromotor, der bei einem Hybridmodell zum Einsatz kommt", sagt Bruce" Hier irrt Herr Bruce. Der E-Motor des Toyota Prius hat 82 PS.
4. Eines Tages
Rockaxe 16.05.2011
vielleicht, wird auch Herr T. G. erkennen, dass die deutschen Befindlichkeiten, welche man meint haben zu müssen, nicht von jedem Importeur befriedigt werden. Infinity ist nun mal in den USA und Übersee allgemein recht gut vertreten, und da dort die entsprechende Klientel keinen Wert auf "Ampelrennen" legt, braucht es auch keinen brachialen Anzug beim Ampelstart. Es reicht eben das Gaspedal zu streicheln und dann in der Rush-Hour mit 30 km/h (~ 18 mph) mitzuschwimmen. Auch ist in den Hauptverkaufsländern das Kofferraumvolumen nicht so wichtig wie in Deutschland, wobei es bei einem solchen Wagen, der wohl eher in die Kategorie Flotten,- oder Geschäftsfahrzeuge fallen wird, eh zweitrangig ist wie groß der Kofferraum ist. Für die üblichen Aussendienstler etc. - wenn überhaupt - reicht der Stauraum allemal aus. Zudem dürfte wohl klar sein, dass der Nissan-Konzern nicht mit gewaltigen Stückzahlen operieren will, da wohl sonst das Händlernetz für Infinity (ist ja die Luxusmarke ähnlich wie früher Lincoln bei Ford USA) ausbauen würde.
5. --
avon00 16.05.2011
Bei Heck haben sie aber ordentlich vom Mercedes-Benz CLS kopiert...
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Fahrzeugschein
Hersteller: Infiniti
Typ: M35h
Karosserie: Limousine
Motor: V6-Benziner
Getriebe: Siebengang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 3.498 ccm
Leistung: 306 PS (225 kW)
Leistung (E-Motor): 68 PS (50 kW)
Drehmoment: 350 Nm
Drehmoment (E-Motor): 270 Nm
Von 0 auf 100: 5,5 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 7,0 Liter
CO2-Ausstoß: 162 g/km
Kofferraum: 350 Liter
Preis: 56.600 EUR

Schnellcheck

Infiniti M35h

Einsteigen: ...weil der hybrid sportlich und sparsam zugleich ist und man mit einem Infiniti überall auffällt.

Aussteigen: ...weil der Stromer zu selten allein antreibt und man bei Stopps neugierige Fragen zur Marke beantworten muss.

Umsteigen: ...aus dem einzigen Hybrid-Konkurrenten Lexus GS und aus Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse.



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