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Autogramm Infiniti Q30: Auf die sanfte Tour

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Autogramm Infiniti Q30: Neuer Dress für alten Bekannten Fotos
Infiniti

Auch so können Herstellerkooperationen ausgehen: Nissan nimmt sich für seine Edelmarke Infiniti die A-Klasse von Mercedes und baut daraus das bessere Auto. Weil es die Japaner entspannt angehen.

Der erste Eindruck: Mercedes A-Klasse im Manga-Look.

Das sagt der Hersteller: "Wir sind die am schnellsten wachsende Premiummarke der Welt", sagt Infiniti-Chef Roland Krüger. Warum er sich nicht entspannt zurücklehnt? Weil sich das gepriesene Wachstum auf mickrigem Niveau abspielt, vor allem hierzulande. Weltweit verkaufte die noble Nissan-Tochtermarke in den ersten drei Quartalen rund 150.000 Autos, in Deutschland waren es lediglich 841.

Das soll mit dem neuen Kompaktwagen Q30 besser werden. "Mit dem Auto tragen wir unseren Drive in ein neues Segment und sprechen viele neue Kunden an", sagt Krüger. Die Hoffnung ruht auf den Voraussagen zahlreicher Analysten, die der Kompaktklasse die größten Wachstumsraten für hochpreisige Modelle prophezeien.

Das ist uns aufgefallen: Wer die A-Klasse von Mercedes kennt, findet sich auch im Q30 auf Anhieb zurecht. Auf den ersten Blick haben die Japaner am Basisauto nämlich kaum etwas verändert. Man sitzt zwar ein bisschen höher und sieht ein bisschen mehr, weil der Q30 zwischen A-Klasse und dem Kompakt-SUV GLA positioniert ist. Aber von den Schaltern am Lenkrad bis zur Grafik auf dem Cockpit-Bildschirm ist alles absolut identisch.

Wenn man genauer hinschaut, erkennt man allerdings, dass bei Infiniti buchstäblich ein bisschen dicker aufgetragen wurde. Das Leder ist weicher und wird großzügiger zum Einsatz gebracht, die Sitze sind bequemer und man bleibt dank einer speziellen Keilkonstruktion in der Rückenlehne länger fit. Und während Mercedes standardmäßig den Automatik-Wählhebel am Lenkrad versteckt, thront im Q30 auf dem Mitteltunnel der kurze Schaltstummel aus dem A 45 AMG.

Den eigentlichen Unterschied zwischen Mercedes und Infiniti kann man aber nicht sehen, sondern nur spüren: Die Japaner haben ihr Auto viel entspannter und weniger aufgeregt abgestimmt. Nicht nur das Doppelkupplungsgetriebe wechselt die Gänge deutlich schneller und zugleich sanfter, vor allem das Fahrwerk macht einen ganz anderen Eindruck.

Während die A-Klasse im Jugendwahn der Entwickler so stramm geworden ist, dass Mercedes jetzt zum Facelift dringend adaptive Dämpfer nachrüsten musste, gibt der Infiniti von Anfang an eher den Softie und fühlt sich an, als hätte jemand Druck aus den überprallen Reifen gelassen. Mit identischem Antrieb fährt der Infiniti so viel gelassener, gemütlicher, komfortabler.

Das muss man wissen: Der Q30 ist eines von mittlerweile mehr als einem Dutzend Gemeinschaftsprojekten, die Daimler-Chef Dieter Zetsche und Carlos Ghosn an der Spitze von Renault und Nissan vereinbart haben - genau wie die Kleinwagen-Zwillinge Smart Forfour und Renault Twingo oder demnächst der erste Pick-up von Mercedes, der auf dem nagelneuen Nissan Navara basieren wird.

Allerdings gibt Daimler nur die Plattform des GLA weiter. Gebaut wird der Q30 bei Nissan in Sunderland und wird so zum ersten Infiniti aus Europa. Die Produktion dort ist bereits angelaufen, und zu den aktuell gerade einmal sieben Infiniti-Stützpunkten in Deutschland werden die Autos noch vor dem Ende des Jahres kommen.

Die Preise beginnen bei 24.200 Euro und liegen damit rund 700 Euro unter denen einer vergleichbaren A-Klasse. Im Vergleich zur A-Klasse bietet Infiniti beim Q30 weniger Motorisierungen an, die allesamt günstiger sind als beim Schwestermodell. Und je höher die Leistung, desto größer der Preisvorteil der Japaner. Zum Start gibt es drei Benziner mit 1,6-Liter Hubraum und 122 oder 156 PS oder 2,0 Liter Hubraum und 211 PS sowie zwei Diesel, die aus 1,5 Liter Hubraum 109 PS oder aus 2,2 Liter Hubraum 170 PS schöpfen.

Vor allem in Kombination mit Allradantrieb und Doppelkupplungsgetriebe macht der große Diesel bei der ersten Ausfahrt eine sehr ordentliche Figur. Der Motor steht gut im Futter und überrascht mit einem kernigen Klang: Während die Elektronik Störgeräusche mit Gegenschall egalisiert, wird das Antriebsgeräusch in einer angenehmen Tonlage noch verstärkt. Das klingt zwar ein bisschen synthetisch, ist aber lange nicht so aufdringlich wie etwa ein Klappenauspuff.

Das werden wir nicht vergessen: Selbst wenn Infiniti kein sichtbares Blechteil übernommen und bei der Abstimmung eindeutig einen eigenen Stil gefunden hat - die A-Klasse bliebt auch als Infiniti eine A-Klasse. Beim Infotainment jedoch setzt die japanische Marke tatsächlich eigene Akzente.

In diesem Bereich warf Infiniti die gesamte Daimler-Technik über Bord und installierte ein eigenes System - samt vier Außenbord-Kameras für die Rundumüberwachung aus der Vogelperspektive sowie eines Touchscreens (den es bei Mercedes gar nicht gibt). In diesem Fall haben die japanischen Ingenieure buchstäblich Fingerspitzengefühl bewiesen.

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insgesamt 44 Beiträge
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1. So, so!
denkdochmal 05.11.2015
das ist es also, "das bessere Auto". Ein guter cw-Wert ist sicher wichtig. Daraus aber eine derart verschwurbelte KotKiste zu "designen", zeugt von "besonderem Geschmack". Na, ja, wenigstens paßt die Farbe einigermaßen zum Entwurf... ;-)
2.
rantamplan 05.11.2015
Ist Herr Grünweg schon mal in einer A-Klasse gesessen? Ich glaube nicht, ich kann jedenfalls keine Ähnlichkeit mit dem A-Klasse Innenraum feststellen.
3.
busytraveller 05.11.2015
Auf den ersten Blick: overdesigned. Auf den zweiten Blick: Das Heck ist schöner als beim Daimler. Der Rest ist Gewöhnung. Und innen haben sie statt des aufgeschraubten I-Pads das Navi schön integriert. Auch sonst ist er innen recht adrett. Beim Motor hat man das Geräusch elektronisch verstärkt. Im Ernst? Oder ist es das typische Daimler Dieselgeräusch, an dem man uns in jedem Auto dieser Marke teilhaben lässt? Insgesamt ist das Auto aber eine echte Alternative zur A-Klasse. Ein Gesicht in der Menge.
4. Mag ja alles gut sein
werner-xyz 05.11.2015
Aber optisch spricht mich die Kiste überhaupt nicht an (ist aber natürlich Geschmackssache) und was mich an solchen Exoten massiv stört, ist eine Anfahrtszeit von ca. 1,5h zum nächsten Händler. Toll, jedesmal einen Tag Urlaub nehmen für eine Inspektion? Ne Danke.
5.
jasper366 05.11.2015
Ich finde den Armaturenträger insgesamt deutlich schöner als bei der A-Klasse. Dort stören mich neben dem komischen Navi vor allem die runden Lüftungsdüsen. Allerdings glaube ich nicht so recht das der etwas höher ist und somit 'zwischen A- Klasse und GLA angesiedelt'. Denn im Frühjahr folgt ja noch der QX30 der auf dem GLA basiert. Namensgebung Infiniti: 'Q' + zweistelliuge Ziffer -> PKW 'QX' + zweistellige Ziffer -> SUV Infiniti hatte sich übrigens deutlich vor Audi das 'Q' als Modellbezeichnung gesichert, bereits 1989 gab es bei Infiniti ein Model Namens Q45.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Infiniti
Typ: Q30
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.143 ccm
Leistung: 170 PS (125 kW)
Drehmoment: 350 Nm
Von 0 auf 100: 8,5 s
Höchstgeschw.: 215 km/h
Verbrauch (ECE): 5,1 Liter
CO2-Ausstoß: 133 g/km
Kofferraum: 368 Liter
Gewicht: 1.598 kg
Maße: 4425 / 2083 / 1495
Preis: 35.390 EUR


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