Jaguar F-Type: Rrrooooaaaarrrr!

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Autotest: Das ist der Gänsehaut-Jaguar Fotos
Jaguar

Erstmals seit 50 Jahren baut Jaguar wieder einen echten Sportwagen und landet damit sofort auf Porsche-Niveau. Der neue F-Type sieht klasse aus, fährt grandios und klingt sogar besser, als die Polizei erlaubt.

Der erste Eindruck: Endlich mal wieder ein Jaguar, der einen auf den ersten Blick gefangen nimmt. Zwar verkneift sich der F-Type Zitate des legendären E-Type. Aber mit seinen knackigen Proportionen und der cleanen Karosserie kann er ebenso begeistern wie sein Urahn, vor dem sogar Enzo Ferrari den Hut zog. Und so formt sich beim Betrachten in Windeseile nur ein Gedanke: "Den will ich haben!"

Das sagt der Hersteller: "Darauf mussten wir lange warten, viel zu lange sogar", sagt Jaguar-Chef Adrian Hallmark und spricht damit jedem Mitarbeiter aus der Seele. Denn die Briten wissen selbst, dass sie seit dem E-Type zwar viele sportliche Autos, aber keinen echten Sportwagen mehr auf den Weg gebracht haben. "Natürlich lag über die Jahrzehnte immer der Entwurf für einen neuen E-Type in der Schublade", sagt Wayne Darley, der Markendirektor für die Jaguar-Sportmodelle.

Dass diesen Entwurf irgendwann mal jemand herausgeholt hat, verdanken die Briten keinem geringeren als Ratan Tata: Weil dessen Vater selbst einen E-Type fuhr, war der indische Industriegigant so infiziert von dem Klassiker, dass die Neuauflage zu seiner ersten Amtshandlung nach dem Kauf von Jaguar wurde.

Das ist uns aufgefallen: Wie sensationell der F-Type fährt, vor allem wenn man ihn mit dem nicht minder starken, aber deutlich behäbigeren Jaguar XK vergleicht. 30 Zentimeter kürzer und dafür sogar ein wenig breiter als sein großer Bruder, jagt der Roadster mit einer fast traumwandlerischen Sicherheit auch über die verwinkeltsten Landstraßen.

Mit einer perfekten Sitzposition mitten ins Geschehen gerückt und fast auf Asphaltniveau abgesenkt, fühlt man sich am Steuer wie am Schmiernippel der Weltachse, um den sich der Wagen in jeder Kurve willig dreht. Man lenkt fast intuitiv, fährt im perfekten Fluss und wundert sich bei jeder Kehre, wann denn endlich mal das ESP angeht - man muss es schon verdammt doll übertreiben mit dem Hecktriebler, damit die knackige Kehrseite mal ein bisschen zu wackeln beginnt und die Kontrollleuchte für ein paar Sekunden flackert.

Dass der F-Type so messerscharf fährt, liegt an der Konstruktion ohne Kompromisse, sagt Projektleiter Russ Varney und lenkt den Blick zuallererst auf den Leichtbau: Als einziger in seiner Liga komplett aus Aluminium gefertigt und bei vielen Details im Gewicht optimiert (zum Beispiel Frontscheibe - zwei Kilo, Stoffverdeck - zwölf Kilo, Überrollschutzbügel - sieben Kilo), wiegt der F-Type in der Basisversion knapp 1,6 Tonnen. Das ist zwar ein respektables Ergebnis, aber kein Rekord. Hauptkonkurrent Porsche bleibt mit Boxster und 911 Cabrio unter diesem Wert - bietet dafür aber nicht ganz so viel Platz im Innenraum, der beim F-Type auch für wirklich lange Fahrten taugt.

Neben dem Leichtbau hat Varney noch an ein paar anderen Schrauben gedreht: "Wir haben die direkteste Lenkübersetzung in der Jaguar-Geschichte", freut sich der Ingenieur. Die Gewichtsbalance zwischen den Achsen hat den Idealwert 50:50. Man sitzt deutlich besser als im XK. Und vor allem gibt es für die Automatik jetzt statt des Drehknopfs erstmals wieder einen Schaltknüppel: "Den braucht man, damit man das Auto richtig in der Hand hat."

Das muss man wissen: Ab dem 25. Mai steht das Auto bei den Händlern und zielt mit einem Grundpreis von 73.400 Euro exakt in die Lücke, die zwischen Porsche Boxster und dem 911 Cabrio klafft.

Die Modellpalette beginnt mit einem V6-Kompressor, der aus drei Litern Hubraum 340 PS holt, 260 km/h schafft und die Adrenalinproduktion schon ganz ordentlich in Gang bringt. Für mindestens 84.900 Euro gibt es den gleichen Motor auch mit 380 PS und einer Abstimmung, die wohl am besten zu dem puristischen Sportwagen passt. Denn auch mit dieser Leistung wirkt das Auto noch filigran, präzise und jederzeit perfekt beherrschbar - selbst wenn man in 4,9 Sekunden von 0 auf 100 fliegt und später mit bis zu 275 km/h über die Autobahn jagt.

Wer dagegen mit der Gewalt eines Vorschlaghammers durch die Gegend bolzen will, für den gibt es nur eine Wahl: Den V8-Kompressor des 99.900 Euro teuren S-Modells. Fünf Liter Hubraum, 495 PS, 300 km/h und ein brachialer Antritt - damit bügeln die Briten selbst die aktuell stärksten Versionen des Porsche 911 von der Überholspur.

Das werden wir nicht vergessen: Die Gänsehaut, die sich schon beim Anlassen auf dem Trommelfell bildet und nicht mehr weggeht, bis man den F-Type mit feuchten Händen und weichen Knien wieder abstellt. Vor allem mit gedrückter Sporttaste und geöffneten Schallklappen in den Endrohren, rotzt und sprotzt, röhrt und brüllt der Jaguar so vielstimmig, dass man mit dem Gasfuß zum PS-Pianisten wird und dem Orchester der sechs oder acht Zylinder sein ganz eigenes Lied entlockt.

Das hat die Tester bei der Premiere so fasziniert, dass selbst die Entwickler irgendwann Angst vor der eigenen Courage bekommen und zur Mäßigung geraten haben: "Um leidige Nachfragen zu unterbinden, sollte man unter den Augen der Polizei die Schallklappen lieber geschlossen halten."

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insgesamt 155 Beiträge
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1. Perverse
Dr. Mommsen 17.04.2013
Ich fahre selber ein schnelles Auto. Aber kein lautes. Das ist hochgradig pervers und rücksichtslos. MILLIONEN von Menschen werden von Motorenlärm belästigt.Wenn man am Wochenende in die Natur geht, ist es besonders extrem. Lärm ist Stress. Nur damit ein paar Potenzzwerge in ihren Sportwagen und Motorrädern der Welt zeigen können: Hir bin ich, nehmt mich wahr. Dafür gibt es Psychiater. Hören Sie bei Spiegel Online bitte auf, Autolärm zu glorifizieren. Das passt nicht in eine zivilisierte Gesellschaft.
2. Ohhh ja !!
kazookie 17.04.2013
Da muss wohl erst ein reicher Inder kommen,um die Leuten bei Jaguar zurück aufs rechte Gleis zu führen. Ich kann mir das so richtig lustig vorstellen: Herr Tata beim ersten Meeting mit den Ingenieuren und Designern, sie legen ihre Vorschläge vor und dann gibts erstmal für jeden ne Ohrfeige und die Skizzen fliegen in den Papierkorb. Eine kleine Ansprache danach und das Ergebnis sieht man jetzt: Ein Jaguar, von dem man wieder träumen darf!! Saugeil!!!
3.
bramsel 17.04.2013
Zitat von sysopErstmals seit 50 Jahren baut Jaguar wieder einen echten Sportwagen und landet damit sofort auf Porsche-Niveau. Der neue F-Type sieht klasse aus, fährt grandios und klingt sogar besser, als die Polizei erlaubt. Jaguar F-Type: Sportlicher Nachfolger für den legendären E-Type - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/jaguar-f-type-sportlicher-nachfolger-fuer-den-legendaeren-e-type-a-894682.html)
Na, dann wirds jetzt wieder mal Zeit für die Treehugger und möchtegern Weltverbesserer um uns allen erklären zu wollen, wieso ein in relativ moderaten Stückzahlen gebauter Sportwagen, der primär am Wochenende für eine Ausfahrt bewegt wird, der Umwelt schadet - Millionen Leute, die morgens von der Regierung subventioniert mit ihren Opels und Audis zur Arbeit pendeln, aber nicht.
4. Mit Ford als Mutter....
kenterziege 17.04.2013
Zitat von sysopErstmals seit 50 Jahren baut Jaguar wieder einen echten Sportwagen und landet damit sofort auf Porsche-Niveau. Der neue F-Type sieht klasse aus, fährt grandios und klingt sogar besser, als die Polizei erlaubt. Jaguar F-Type: Sportlicher Nachfolger für den legendären E-Type - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/jaguar-f-type-sportlicher-nachfolger-fuer-den-legendaeren-e-type-a-894682.html)
...hätten die das nie geschafft! Hinter so einem Projekt dürfen keine Erbsenzähler stehen ( Bachelor for Controlling) . Ich freue mich für Jaguar! Wer den kauft, hat etwas Exklusives ! Die Qualität von Jaguar/ Land-Rover ist in den letzen Jahren erheblich besser geworden! Leider hat sich das in der Made in Germany-First-Gemeinde noch nicht ganz herumgesprochen! Porsche ist gerade dabei, sein Markenzeichen zu verbrennen! Die folgen damit Mercedes auf der gleichen Spur!
5. Laut ist Out
hessekaja 17.04.2013
Ein echter Jaguar ist leise wie Samt auf einem Federbett und dennoch stark und schnell. Erst ein ruhiges leises Auto erlaubt mit unglaublicher Gelassenheit zu Reisen und dennoch von den Brüllaffen auf der Autobahn unbeeindruckt davon zu ziehen. Ich persönlich halte "Schallklappen" und anderes Soundtuning für eine Fehlentwicklung die dem Jaguar von seinen eigentlichen Stärken beraubt. Weniger ist hier mehr. Wird hier sonst mit einer bonbonbunten Mercedes A-Klasse im Bumbum-Plastiklook für 16-Jährige konkuriert ? Ich hoffe nicht. Der Preis und die Position in der vergleichbaren Klasse ist von Jaguar aber optimal Positioniert worden - Danke dafür...
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Fahrzeugschein
Hersteller: Jaguar
Typ: F-Type V8 S
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: V8-Kompressor
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 5.000 ccm
Leistung: 495 PS (364 kW)
Drehmoment: 625 Nm
Von 0 auf 100: 4,3 s
Höchstgeschw.: 300 km/h
Verbrauch (ECE): 11,1 Liter
CO2-Ausstoß: 259 g/km
Kofferraum: 196 Liter
Gewicht: 1.665 kg
Maße: 4470 / 1923 / 1296
Preis: 99.900 EUR
Fotostrecke
Jaguar-Historie: Im Zeichen der Raubkatze

CO2-Emissionen

Bei Neuzulassungen 2012 in Deutschland (Flotten-Durchschnitt in g/km):

 

 

Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt

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