Jaguar XKR: Earl in Eile

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Wäre da nicht die Ford-Krise, Jaguar könnte wieder optimistisch sein. Denn die zweite Generation des XK ist gut gestartet. Auch für die neue Sportversion XKR liegen schon 1300 Bestellungen vor. Während die Kunden noch warten müssen, waren wir schon im neuen Muskel-Kater unterwegs.

Ein Jaguar ist keine Schmusekatze. Das haben die Briten selten so klar signalisiert wie mit dem neuen XK. Denn kein Jaguar der Neuzeit ist so nah am unvergessenen E-Type wie dieser "komfortable Sportwagen für den Alltag". Wer daran noch immer Zweifel hegt und in Coupé oder Cabrio den soften Cruiser für ergraute Besserverdiener sieht, den belehrt die Ford-Tochter nun eines Besseren: Sie schärft die Krallen und bringt Ende Oktober den neuen XKR an den Start.

Die Sportversion des Sportwagens will Fahrzeugen wie den Mercedes SL 55 AMG oder den Porsche Turbo Konkurrenz machen und folgt der Zielvorgabe "XK plus 30 Prozent", sagt Entwicklungsleiter Martyn Hollingsworth. Ein Drittel mehr Leistung, ein Drittel mehr Drehmoment, ein Drittel mehr Agilität und ein Drittel mehr Dynamik. Nur beim Preis geht die Formel nicht auf: Dort begnügt sich Jaguar mit einem Aufschlag von etwa 15 Prozent und verlangt 94.990 Euro für das Coupé und 102.990 Euro für das Cabrio.

Jaguar hat mit dem XKR große Ambitionen. Er soll er "Komfort, hohe Leistung und Sportlichkeit gleichzeitig bieten und überall eine gute Figur machen", sagt Hollingsworth. Doch ganz so weit wie die Wettbewerber gehen die Briten nicht: "Andere Autos sind auch schnell und dynamisch, dafür aber häufig etwas unkultiviert", kritisiert der Entwickler. "Die Leistung dieser Autos ist oft nur für versierte Fahrer abrufbar." Das sei ein Kompromiss, der für ihn nicht in Frage komme. Darum ist der XKR eben kein brettharter Spitzensportler geworden, sondern "ein ultimativer Gran-Tourismo". Das Fahrwerk ist straffer, aber nicht härter, die Sitze bieten mehr Seitenhalt, ohne dass sie in den Hüften kneifen, und die Bremsen haben mehr Biss, ersparen einem aber allzu heftiges Nicken an jeder roten Ampel.

Im Mittelpunkt der Kraftkur steht natürlich der 4,2 Liter große V8-Motor, der mit einem Kompressor zur eiligen Drucksache wird. So steigt die Leistung um 120 auf 416 PS. Gleichzeitig schwillt die Kurve des Drehmomentverlaufs weiter an und gipfelt nun bei 560 Nm. Das sind 36 Prozent mehr Anzugskraft als beim konventionellen XK, die man nicht nur beim Anfahren, sondern vor allem bei Zwischenspurts spürt. Kaum liegt der Fuß etwas schwerer auf dem Gaspedal, schaltet die Automatik ein oder zwei Gänge zurück und lässt den Zweitürer vehement nach vorne schießen. In nur etwas mehr als fünf Sekunden steht die Tachonadel bei Tempo 100, und den Zwischenspurt von 100 auf 180 km/h schafft der eilige Earl in 8,6 Sekunden.

Die immense Kraft des aufgeladenen V8 kann man mit jeder Faser seines Körpers fühlen – nur hören kann man sie leider nicht. Während der XKR den nachfolgenden Verkehr bei Vollgas anknurrt wie ein wütender Kater vor dem Sprung, nehmen die Passagiere den Achtzylinder als Leisetreter wahr. Da muss man schon das Dach oder zumindest die Fenster öffnen und sich einen Tunnel suchen, damit auch die Ohren auf ihre Kosten kommen.

Chromglänzender Maschendraht im Kühlergrill

Dafür verwöhnt Designchef Ian Callum mit dem XKR die Augen. Weil schon der XK ein bildschönes Auto ist und Jaguar-Käufer es gerne dezent mögen, haben die Kreativen den Zweitürer nur behutsam überarbeitet und mit wenigen Insignien der Kraft geschmückt. So wurde der Kühler mit chromglänzendem Maschendraht hinterlegt, die Motorhaube hat nun zwei große Nüstern, die Kiemen an der Flanke strahlen jetzt in Aluminium, und seine Abgase bläst der Motor durch vier Auspuff-Endrohre.

Während dem XKR die äußerliche Zurückhaltung gut zu Gesicht steht, hätte man den Designern innen etwas mehr Fortune gewünscht. Zwar sehen die glänzenden Konsolen im Stil gewebter Alufäden hübsch aus, und auch das R im Schaltknüppel, auf dem Lenkrad, in den Instrumenten und in den Kopfstützen macht sich gut. Doch bei mehr als 13.000 Euro Aufpreis darf man ein bisschen mehr als Kosmetik erwarten.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Denn mit dem XKR ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Die Briten denken schon weiter und arbeiten an einer noch sportlicheren Version im Stil alter der alten "Lightweight-Modelle", die 2008 oder 2009 fertig sein könnte. "Dafür müssten wir das Auto aber mindestens 300 Kilo leichter machen", sagt der deutsche Jaguar-Statthalter Jeffrey Scott. Deshalb seien tief greifende Modifikationen nötig. "Nur durch den Ausbau der elektrischen Fensterheber und den Einbau dünner Karbonsitze ist so eine Fastenkur nicht zu bewerkstelligen."

Außerdem braucht der Motor in seinen Augen noch mehr Leistung und freien Auslauf. Noch ist diese Spielart nicht beschlossen. Aber wenn Jaguar eine sportliche Zukunft haben sollte, dann sind die Weichen schon mal gestellt: Kürzlich haben die Briten beim Automobilherstellerverband klar gemacht, dass sie sich an die freiwillige Selbstbegrenzung bei 250 km/h nicht mehr gebunden fühlen.

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Fahrzeugschein
Hersteller: Jaguar
Typ: XKR
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: V8-Benziner
Hubraum: 4.196 ccm
Leistung: 416 PS (306 kW)
Drehmoment: 560 Nm
Von 0 auf 100: 5,3 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 12,3 Liter
CO2-Ausstoß: 182 g/km
Kraftstoff: Superbenzin
Kofferraum: 313 Liter
umgebaut: 230 Liter
Versicherung: 18 (HP) / 26 (TK) / 30 (VK)
Preis: 102.990 EUR
Fotostrecke
Jaguar XKR: Das Fauchen des V8


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