Jeep Compass Für Softies

Das Kantig-Militärische ist verschwunden, der Jeep Compass ist zum Mode-SUV geworden. Mit Chromleisten, zweifarbiger Lackierung und beigen Ledersitzen, auf die man lieber ein Handtuch legen würde.

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


"Ski Grey" nennt Jeep die hellen Bezüge, die in unserem Testwagen so makellos aussehen wie frischer Schnee. Das wird nicht so bleiben, und im Used-Look ist ein weißgrauer Autositz nur halb so schick. Immerhin sorgt Jeep im Rest des Autos für pflegeleichtere Oberflächen: Extra grobstollige Gummimatten nehmen pfundweise Schottersteinchen auf, und die Rückseiten der Sitzlehnen, an denen Kinder so gern ihre Schuhe abstreifen, sind schwarz bespannt. Sowieso kann man die Innenausstattung des Jeep Compass auch in Schwarz bestellen, aber dann ist der Showeffekt dahin.

Und eine gute Show soll der neue Compass auf jeden Fall bieten, schließlich will die Offroad-Traditionsmarke Jeep mit dem Auto dort punkten, wo viel Geld verdient wird: in der Klasse der Kompakt-SUVs. Mehrmals werden wir bei den Testfahrten von Passantinnen angesprochen, die sich für das Auto interessieren. "Ein Jeep?" sagt eine Dame, während ihr Hund an der Leine zerrt. "Das waren doch früher mal so eckige Dinger, aber der hier sieht ja richtig gut aus."

Jürgen Pander

Mit 4,40 Meter Länge reiht sich der Jeep Compass ein in die Reihe von Volvo XC40, Skoda Karoq, VW Tiguan, Audi Q3 oder Range Rover Evoque. Von Letzterem haben sich die Jeep-Designer offensichtlich den bulligen Unterbau und die schmalen Glasflächen abgeguckt: Auch der Compass sieht aus, als habe man Glas einsparen müssen. Die Sicht nach hinten ist entsprechend eingeschränkt, eine Rückfahrkamera soll dieses Manko wenigstens beim Rangieren überbrücken.

Jeep bietet für den Compass drei Diesel- und zwei Benzinmotorisierungen an, das Leistungsspektrum reicht von 120 bis 170 PS. Im Testauto war der mittlere Diesel, ein 2-Liter-Vierzylinder-Aggregat mit 140 PS Leistung verbaut; dazu eine Neunstufenautomatik und Allradantrieb, für den sich über einen Drehregler in der Mittelkonsole vier Fahrprogramme - Auto, Snow, Sand, Mud - einstellen lassen. Eine elektronische Steuerung koppelt auf normaler Straße Kardanwelle und Hinterachsdifferenzial ab, um Kraftstoff zu sparen. Der Compass ist dann als Fronttriebler unterwegs, und die Elektronik kann bei Bedarf binnen Sekundenbruchteilen die Hinterräder wieder einklinken.

Ruhige Fahrt - wenn die Automatik nicht ruckelt

Drei Dinge fallen auf, wenn man mit dem Compass 2.0 Multi-Jet AWD unterwegs ist. Erstens: Die Fahrgeräusche sind erfreulich niedrig. Das hat auch mit einer neuen, extra-steifen Fahrwerksarchitektur zu tun. Vor allem ein neuer, vorderer Querträger sowie sogenannte Split-Stoßdämpfer, die Vibrationen auf zwei verschiedenen Wegen ableiten, tragen zu mehr Ruhe bei.

Zweitens: Die Neungangautomatik hinkt manchmal dem Gasfuß hinterher, was beim Anfahren oder im Stop-and-go-Verkehr zu lästigen Ruckeleien führt. Drittens ist die elektrische Servolenkung so weich abgestimmt, dass man automatisch eine zurückhaltende Fahrweise annimmt. Das führt zu akzeptablen Verbrauchswerten. 5,7 Liter gibt Jeep als Durchschnittsverbrauch an, wir waren mit gut einem Liter mehr unterwegs, also knapp unter sieben Liter. Der Zweiliter-Diesel des Compass ist mit einem Rußpartikelfilter, einem NOx-Speicherkatalysator sowie einer gekühlten Abgasrückführung ausgestattet und erfüllt die Abgasnorm Euro 6b.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Jeep Compass - mit unserem 360-Grad-Foto:

Was die Alltagstauglichkeit betrifft, rangiert der Compass im Klassendurchschnitt. Das Kofferraumvolumen liegt bei 438 Liter, die Ladekante jedoch ist ziemlich hoch. Dafür funktioniert das Umklappen der Rücksitzlehnen im Handumdrehen. Es entsteht dann zwar - je nach Positionierung des Laderaumbodens - eine Stufe im Gepäckraum, aber das Volumen wächst auf immerhin 1251 Liter.

In der Kategorie Fahrassistenzsysteme (Frontkollisionswarner, Spurhalteassistent, Toter-Winkel-Warner) ist der Compass ebenso gut bestückt wie bei der Konnektivität. Über den zentralen Touchscreen, der in drei Größen angeboten wird, lassen sich das Smartphone einbinden, die Telefonie steuern und diverse Apps nutzen, darunter die Offroad-App "Jeep Skills", in der man es vom "Jeeper" bis zum "Explorer" bringen kann.

Auch an analoge Kurzweil haben die Jeep-Designer beim Compass gedacht, und zwar in Form der inzwischen schon typischen "easter-eggs", kleiner Grafikspielereien, die im Auto versteckt sind; in diesem Fall sind eine Eidechse, das Ungeheuer von Loch Ness, ein Morsecode und mehrere stilisierte Jeep-Wrangler-Kühlergrills. Man kann ziemlich lange damit zubringen, diese Miniaturen zu suchen und zu finden. So hat auch der Jeep Compass aus dem Allerweltssegment Kompakt-SUV - weiße Ledersitze hin oder her - ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

Fahrzeugschein
Hersteller: Jeep
Typ: Compass 2.0 Multi-Jet
Karosserie: SUV
Motor: Vierzlinder-Diesel
Getriebe: Neungang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.956 ccm
Leistung: 140 PS (103 kW)
Drehmoment: 350 Nm
Von 0 auf 100: 9,9 s
Höchstgeschw.: 190 km/h
Verbrauch (ECE): 5,7 Liter
CO2-Ausstoß: 148 g/km
Kofferraum: 438 Liter
umgebaut: 1.251 Liter
Gewicht: 1.615 kg
Maße: 4393 / 1819 / 1644
Preis: 35.900 EUR
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insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
pamhalpert 13.03.2018
1. 2-Liter-Diesel
Warum werden neue Modelle eigentlich immernoch fast ausschließlich als 2-Liter-Diesel getestet? Wer kauft das noch? Wäre es nicht sinnvoller, endlich mal die Benziner als Testwagen einzufordern? Und vielleicht nicht immer nur die großen 2-Liter-Allrader, sondern die kleineren Ausgaben, die oft mit weniger PS und selten als Allrader gekauft werden? Könnte man nicht einfach mal das testen, was man als Kunde am Ende auch kauft?
kangootom 13.03.2018
2. American Schrott
Die Kopfstützen sind so niedrig, dass sie Passagieren über 1.90m in den Rücken drücken. Die Bedienung über den Touchscreen hat zu viele Unterpunkte. Nach des Wahl des Ziels am Navi muss man noch 3mal bestätigen bis die Routenführung beginnt. Der Innenraum und Kofferraum sind winzig und ich kann bestätigen, dass man ohne Rückfahrkamera das Feeling eines Sprinters hat. Null Sicht nach hinten. Der Compass ist der lebende Beweis dafür warum sich amerkanische Autos in Europa nicht verkaufen. Da kann Trumpelstilzchen noch so oft Unfair sagen wie er will.
jpphdec 13.03.2018
3. Der Dame mit dem Hund könnte man der Einfachheit halber sagen,
daß es sich eigentlich um einen Fiat 500X handelt, dann ist das ganze besser zu verstehen.
taste-of-ink 13.03.2018
4.
Nein, 6,7 Liter Diesel (genausowenig wie der Normverbrauch von 5,7 Litern) ist nicht im Ansatz akzeptabel für ein modernes Auto mit diesen Fahrleistungen und schlicht der aufgequollenen Bauart geschuldet, die keinerlei Mehrwert bietet, außer die verkümmerte Persönlichkeit der Insassen aufzupolieren. Und da das Fahrzeug nur auf Euro 6b (anstatt d) kommt, dürfte das Fahrzeug in der Realität eine absolute Dreckschleuder sein, wie so ziemlich alles aus dem Fiat-Chrysler-Konzern.
DerBlicker 13.03.2018
5. keine Chance
Der Wagen hat deutlich weniger Platz als ein VW Tiguan, ist aber nicht günstiger als ein Tiguan TDI Trend mit 150 PS Diesel, Allrad und Automatik. So wird das nichts in Europa.
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