Autogramm Kia Cee'd Passt nicht

Mit dem Cee'd ist Kia ausgesprochen erfolgreich. Einziges Manko: Der Wagen wirkt dynamisch, fährt sich aber nicht sonderlich sportlich. Jetzt ist das Modell überarbeitet worden und hat einen neuen Motor. Das Problem hat sich damit eher verschärft.

Kia

Der erste Eindruck: Da staunt man Klötzchen. Kia-Designer Peter Schreyer hat dem aufgefrischten Cee'd Tagscheinwerfer in die Front modelliert, die wie glitzernde Lego-Steine aussehen. In seiner Gesamtheit wirkt der Wagen aber wie ein spannendes Spielzeug für Erwachsene: knackig und kraftstrotzend.

Das sagt der Hersteller: "Bislang erfüllt das Fahrerlebnis nicht immer die Erwartungen, die wir mit dem Design wecken." Diese wahren Worte stammen von Alfred Biermann. Er ist seit etwa einem halben Jahr bei den Schwestermarken Kia und Hyundai dafür zuständig, dass sich das ändert. Abgeworben haben ihn die Koreaner von der BMW M GmbH, wo Biermann zuvor stellvertretender Entwicklungschef war. Mit der jetzt vorgestellten GT-Linie des Cee'd will der 58-Jährige Kias Versprechen von Sportlichkeit einlösen.

Das ist uns aufgefallen: Die Erwartungen werden leider wieder enttäuscht. Zwar sind Federung und Dämpfung straffer und das sogenannte Torque Vectoring - das gezielte Abbremsen des kurveninneren Rades - sorgt für ein besseres Fahrverhalten in den Kurven. Aber in der GT-Linie debütiert ein neuer Dreizylinder-Turbomotor, der eher dem Sparen als dem Spurten verpflichtet ist.

Auf dem Papier ist das kleine Triebwerk ein großer Wurf: Mit der aufwendigen Eigenentwicklung reagiert Kia auf den Trend zum Downsizing und kitzelt aus lediglich einem Liter Hubraum 120 PS Leistung und imposante 171 Nm Drehmoment. Zugleich liegt der Verbrauch auf dem Prüfstand bei vernünftigen 4,9 Litern - das sind zehn Prozent weniger als beim bislang sparsamsten Benziner der Baureihe.

In der Praxis allerdings wecken die Kia-Leute aber vor allem durch den Einsatz in der sportlichen GT-Linie Erwartungen, die der Dreizylinder nicht erfüllen kann. Beim Anfahren fällt er erst einmal in ein Turbo-Loch und bei hohen Geschwindigkeiten geht ihm rasch die Luft aus. Das zwingt entweder zu einer zurückhaltend-gelassenen Fahrweise, oder man muss sehr fleißig schalten, was auch nicht immer Spaß macht und den Spritsparansatz konterkariert. Denn bei ambitionierter Fahrweise wird der Fünf-Liter-Verbrauch zur Illusion.

In jeder anderen Modellvariante des Cee'd wäre der Dreizylinder besser aufgehoben, und womöglich bietet Kia das Triebwerk ja auch zügig in anderen Versionen an. Doch ausgerechnet der Cee'd GT mit dem Dreizylinderaggregat wirkt wie ein zahnloser Tiger.

Das muss man wissen: Der Cee'd ist das meistverkaufte Modell von Kia in Deutschland. Es wurde hierzulande entwickelt und wird seit 2007 im slowakischen Zilina ausschließlich für den europäischen Markt gebaut. Seit 2012 ist die zweite Generation auf dem Markt. Die jetzt präsentierte Variante mit Facelift und neuem Motor kommt in diesen Tagen zu den Händlern. Die Preise beginnen bei 14.990 Euro für den Fünftürer, der dreitürige Pro Cee'd kostet mit stärkeren Motoren ab 22.390 Euro und der Kombi Sportswagon steht ab 16.190 Euro zum Verkauf.

Die neue GT-Linie wiederum ist für alle Karosserievarianten verfügbar, und der beschriebene Dreizylinder wird vorerst exklusiv in den GT-Modellen angeboten. Außerdem können zwei weitere Benziner mit 1,4 Liter Hubraum und 100 PS oder 1,6 Liter Hubraum und 135 PS sowie ein 1,6-Liter-Diesel mit 136 PS als GT-Motoren geordert werden. Und im Dreitürer Pro Cee'd steht der GT sogar mit 204 PS starkem Turboaggregat zur Wahl.

Das werden wir nicht vergessen: Wie sehr sich Kia beim Cee'd um den guten Ton bemüht. Zur Begrüßung und Verabschiedung klimpert das Auto eine Melodie und gegen Aufpreis gibt es den Wagen mit einem Subwoofer im Kofferraum, der so groß ist wie eine Sprudelkiste. Um so verwunderlicher, dass nicht auch am Motorsound noch ein wenig gefeilt wurde. Denn der neue Dreizylinder spielt sich beim Fahren ziemlich laut in den Vordergrund.

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insgesamt 85 Beiträge
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tommahawk 04.10.2015
1. Hä?
Da werden Autos als "zahnlose Tiger" bezeichnet und Rasen mit den Worten "ambitionierter Fahrweise" umschrieb. Hey - das ist ein billiger Kleinwagen auf dem Niveau eines Polos oder Fiestas. Die alberne, aggressive Frontgestaltung ist typischerweise durch einen BMW-Mann initiiert worden, dessen Karriere bei BMW nicht über die Stufe eines Zuarbeiters hinausgekommen ist. Und nun erwartet man einen kleinen Tiger auch unter der Motorhaube und reklamiert, dass dort nur ein kleines Kätzchen Platz gefunden hat? Also: Kirche im Dorf lassen und die "ambitionierte Fahrweise" den Rasern überlassen. Kia taugt dazu nicht.
pauschaltourist 04.10.2015
2.
Die wichtigste Info fehlt rein zufällig im Artikel: 7 Jahre Garantie.
bullet69 04.10.2015
3. 7 Jahr Garantie ja, ......
aber nur wenn die Wartungs- und sonstige Serviceintervalle beim Kia-Händler peinlichst genau eingehalten werden. Wenn nicht, dann ist die tolle 7 Jahresgarante perdu und zwar ohne lange Diskussion.
vinzenz 04.10.2015
4. Verbrauch
4,9l pro was?? Bratwurst?? Leberkässemmel?? Stunde?? hätte mein alter Dozent in Stöchiometrie erst mal rumgemotzt.. nicht ganz zu unrecht.. und über Prüfstandwerte (derzeit) zu schreiben.. selten so gelacht... Das Fahrzeug wurde doch gefahren - was wurde denn dann real verbraucht? oder gabs nen Maulkorb von KIA???
Sibylle1969 04.10.2015
5. Sportlich?
Autofahren hat im Alltag nichts mit Sport zu tun. Das Adjektiv sportlich im Zusammenhang mit Kompaktautos ist völlig fehl am Platz.
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