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02. Juni 2012, 08:13 Uhr

Kia Optima 2.0 Turbo

Es geht auch schneller

Von Tom Grünweg

Eleganter als ein Opel Insignia, verarbeitet wie ein VW Passat und besser ausgestattet als ein Ford Mondeo - was dem Kia Optima noch fehlt, ist ein kräftiger Motor. Zumindest in Europa. In den USA nämlich nimmt der Koreaner mit 274 PS sogar Audi & Co. aufs Korn.

Wrooam - ein so tiefes, forderndes Grollen hat man beim Anlassen eines Kia bislang noch nicht gehört. So sehr die Autos der koreanischen Marke zuletzt auch für ihr Design und das Finish im Innenraum gelobt wurden, für gut ausbalancierte Fahrwerke und die üppige Ausstattung zum vernünftigen Preis, so empfindlich fehlte ihnen bislang das entscheidende Quäntchen Temperament.

Sportlichkeit ist woanders zu Hause. Beispiele: Den VW Golf gibt es mit bis zu 270 PS, beim Kia C'eed ist bei maximal 128 PS Schluss. Und das einzige, was am europäischen Flaggschiff Optima bislang bemängelt wurde, waren die maximal 170 PS des Benziners.

Doch mit dem tiefen, vielversprechenden Sound zeigen die Koreaner, dass sie auch anders können. Denn er gehört nicht zu irgendeiner weiteren, sportlichen Studie, die es vermutlich nie zur Serienreife bringen wird. Sondern die sonore Mucke stammt von der Muskelversion der Limousine Optima, die seit ein paar Monaten in den USA verkauft wird.

Flott bei der Sache

Dort gibt es den Wagen im VW-Passat-Format mit einem zwei Liter großen Vierzylinder-Direkteinspritzer, den ein Turbolader ins Leistungsspektrum der V6-Motoren bläst: 274 PS machen das Auto zum zweitstärksten Pkw von Kia; einzig das viel größere und deutlich behäbigere SUV-Modell Sorento V6 bietet noch zwei PS mehr.

Entsprechend flott ist der Optima Turbo bei der Sache: 365 Nm und die schnellen Gangwechsel einer betont kurz abgestuften Sechsgangautomatik mit Schaltwippen am Lenkrad reichen beim Kavalierstart für peinlich quietschende Reifen und einen Sprint von 0 auf 100 in rund 6,5 Sekunden. Und dass bei 244 km/h Schluss ist, liegt nur an der Elektronik und der amerikanischen Straßenverkehrsordnung - so schnell darf man jenseits des Atlantiks ohnehin nirgends fahren.

Zu einem sportlichen Auto braucht es freilich mehr als einen starken Motor. Deshalb hat Kia auch das Fahrwerk überarbeitet. Die Federung der Limousine ist spürbar strammer und die Lenkung arbeitet jetzt so direkt, dass man den Wagen besser mit fester Hand führt. Auf einem schartigen und schnurgeraden Highway wünscht man sich fast die kommode Familienkutsche zurück, als die man den Optima bislang kennen gelernt hat. Doch auf einer hügeligen und kurvigen Landstraße weit weg vom nächsten Polizeirevier wird der Optima zur Sportlimousine mit Spaßgarantie.

Jetzt passen Auftritt und Antrieb endlich zusammen

Wäre da nicht der leidige Frontantrieb, der sich beim Lenken eben doch manchmal untersteuernd bemerkbar macht, könnte es der Kia sogar mit einem 3er BMW aufnehmen. Aber auch ohne Heckantrieb ist der Gewinn an Attraktivität enorm. Als Turbo erreicht der Wagen nahezu das Fahrspaß-Niveau eines Audi A4.

Das durch Designänderungen noch einmal zu unterstreichen, war gar nicht nötig. Da der Optima mit dem grimmigen Blick aus den schmalen Scheinwerfern, den Felgen im Trennscheiben-Design und den Kiemen an den Flanken bislang viel sportlicher aussah als er fuhr, passen Schein und Sein jetzt erst richtig zusammen.

Nur innen haben die Koreaner ein wenig nachgelegt: Die Sitze sind für mehr Seitenhalt in schnellen Kurven stärker konturiert und das Lenkrad ist ein wenig dicker aufgepolstert, damit man herzhafter zupacken kann. Und ja: Weil es ganz ohne Karbonimitat in einem sportlichen Auto offenbar nicht geht, sieht man nun an den Türen und auf dem Armaturenbrett zahlreiche fein verwobene Kohlenstofffäden - schöner geworden ist das Interieur dadurch nicht.

Starker Motor, knackiges Fahrwerk und attraktive Fahrleistungen - das würde dem Optima auch hierzulande wohl weiterhelfen. Zumal die Turbo-Variante in den USA lediglich zehn Prozent mehr kostet als der normale Vierzylinder und deshalb für einen Schnäppchenpreis von umgerechnet kaum mehr als 20.000 Euro angeboten wird. Doch Hoffnungen auf einen baldigen Export machen die Kia-Verantwortlichen nicht: "Wenn wir das Motorenportfolio des Optima für Europa erweitern, dann erst einmal mit einem zweiten Diesel."

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