Autogramm Kia Picanto Kleiner Schmeichler

Kia renoviert den Kleinwagen Picanto: Die Variante GT überzeugt fahrerisch, das Interieur wirkt edel. Für etwas Glamour sorgt ein Detail in der Sonnenblende.

Kia

Der erste Eindruck: Nanu, ein Auto mit Nasenbluten? Die roten Einsätze in der tief gezogenen Frontschürze des neuen Kia Picanto GT sehen so aus, als bräuchte der Wagen rasch ein Taschentuch.

Das sagt der Hersteller: Der Picanto sei sehr erfolgreich, sagt Steffen Cost, Kia-Chef in Deutschland. Von der letzten Auflage wurden weltweit mehr als 1,4 Millionen Exemplare verkauft, in Deutschland seit 2004 gut 120.000 Exemplare von den ersten beiden Picanto-Generationen. Der Manager führt das auf das Design, die Unterhaltskosten, das Ausstattungsniveau und das Preis-Leistungs-Verhältnis zurück.

Das ist uns aufgefallen: Von außen wirkt der Picanto ziemlich klein und verliert sich mit 3,60 Meter Länge fast im Stadtgewühl. Drinnen fühlt sich das Auto ganz anders an. Vorne sitzt man sehr bequem, nur im Fond wird es enger. Dass das Kofferraumvolumen um immerhin 25 Prozent gewachsen ist, merkt man erst mal nicht. Es dauert eine Weile, bis man den üblichen Rollkoffer in das 255 Liter große Abteil gefädelt hat, ohne vorher den doppelten Ladeboden herauszunehmen oder die Hutablage aus der Führung zu schieben.

Dass der Picanto erwachsen geworden ist, hat weniger mit den Abmessungen zu tun, sondern mit Auftritt und Ambiente, vor allem in der Top-Version GT. Über der Mittelkonsole thront ein neuer Touchscreen-Navigationsbildschirm, der die Multimediazentralen mancher europäischer Kompaktautos alt aussehen lässt. Ansehnliche Zierelemente mit Klavierlack und Chrom überstrahlen das Hartplastik in den Türtafeln. Man sitzt in bequemen Sitzen mit vornehmen Lederpolstern, und zur Ausstattung gehören - neben funktionalen Novitäten wie der Rückfahrkamera oder der radargestützten Notbremse - auch Annehmlichkeiten wie eine Sitz- oder Lenkradheizung und ein schlüsselloses Zugangssystem.

Auch fahrerisch überzeugt der Picanto. Einerseits fühlt er sich kompakt und handlich an und vermittelt, weil der Wendekreis nochmals kleiner wurde, im Parkhaus Spaß wie bei einer Autoscooterfahrt auf dem Rummelplatz. Auf der anderen Seite ist der Wagen so souverän abgestimmt und der Motor so gut gedämmt, dass man sich in einem viel größeren Auto wähnt. Das alles hat aber eine Kehrseite: Die gepfefferten Preise. Das von uns gefahrene Testauto beispielsweise kostet 16.470 Euro. Eine große Summe für ein so kleines Auto.

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Autogramm Kia Picanto: Kleiner Star

Das muss man wissen: Die dritte Generation des Picanto steht bereits in den Autohäusern und die Preise beginnen - genau wie beim Vorgängermodell - bei 9990 Euro. Dafür gibt es den zunächst ausschließlich als Fünftürer lieferbaren Konkurrenten von VW Up, Citroën C1 oder Renault Twingo mit einem 1,0 Liter großen Dreizylinder-Benziner mit 67 PS, der maximal 161 km/h schnell ist und auf einen Normverbrauch von 4,4 Liter je 100 Kilometer kommt. Für 400 Euro mehr bietet Kia den auch im Testwagen installierten 1,2-Liter-Motor an, einen Vierzylinder mit 84 PS Leistung und einem Normverbrauch von 4,6 Liter. Wenn man die - leider aufpreispflichtige - Start-Stopp-Automatik dazu bestellt, kann man zumindest auf dem Papier bis zu 0,2 Liter sparen.

Damit es für die GT-Linie nicht nur bei der optischen Aufrüstung bleibt, hat Kia noch einen weiteren Motor avisiert: Ab Herbst gibt es für den Picanto erstmals eine Turbo-Version des Dreizylinder-Benziners, die den Knirps mit 100 PS Leistung zur Knallbüchse machen soll.

Das werden wir nicht vergessen: Den "Theaterspiegel" in der Sonnenblende. Statt von einer trüben Funzel wird der, wie in einer Hollywood-Garderobe, von einem LED-Kranz beleuchtet, und der Fahrer egostreichelnd ins Licht gerückt.

Fahrzeugschein
Hersteller: Kia
Typ: Picanto GT
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.248 ccm
Leistung: 84 PS (62 kW)
Drehmoment: 122 Nm
Von 0 auf 100: 12,0 s
Höchstgeschw.: 173 km/h
Verbrauch (ECE): 4,6 Liter
CO2-Ausstoß: 106 g/km
Kofferraum: 255 Liter
umgebaut: 1.010 Liter
Gewicht: 939 kg
Maße: 3595 / 1880 / 1485
Preis: 14.990 EUR
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insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
observerlbg 12.05.2017
1. Zumindest ein brauchbarer Motor
Aber aus einem 1,2 Liter Vierzylinder nur 122Nm Drehmoment? Nun gut, die Knutschkugel wiegt nur knapp ne Tonne. In der noch bezahlbaren Standardvariante ein brauchbarer Stadtwagen. Und ja, bei einem Crash mit SUV ist er hoffnungslos unterlegen. Das kommt ja bei allen Kleinwagenberichten hier als Kommentar....
mikaiser 12.05.2017
2. Richtige Richtung!
Die letzten drei Autotests hier bei SPON - Hyundai I10, Skoda Rapid, Kia Picanto - gehen in die richtige Richtung: Autos für Normalos. Dafür möchte ich mal Lob aussprechen. Was mir seit Dieselgate aber bei allen Tests fehlt, sind folgende relevante Punkte: 1. tatsächliche gemessene Emissionen. Zu jedem Autotests sollte der Tester mit einem mobilen Analysegerät anrücken. 2. Welche Garantie bietet der Hersteller, falls der Wagen im Brennpunkt der nächsten Skandale (z.B. Direkteinspritzergate) stehen sollte? Das katastrophale Verhalten des VW- Konzerns macht diese Frage zwingend. Ohne solche Infos werde ich mir kein neues Auto kaufen.
seikor 12.05.2017
3. Nun ja...
... auch hier: es ist mit Sicherheit kein "Klavierlack", den Kia da verwendet. Aber das Wort taucht ja jetzt fast in jedem Autoartikel auf. Wie wärs mit "Glanzlack"? Mir graut es vor allen glänzenden Flächen, da man auf ihnen jedes Miststäubchen und jeden Fingertappser sieht. Für mich ein klares NoGo. Und im Ernst: was hat ein "Rollkoffer" in diesem Stadt- und Pendlerwagen zu suchen? Völlig irrelevant. Es wäre eher interessant, ob hinten ein Biertragerl Platz hat, ohne die Rücksitzlehne umzukippen. Wieso hat das Auto auf den Fotos ein portugisisches Kennzeichen? War das das "Testauto"? Hmm.... Schade, dass es nicht einmal gereicht hat, einen Eindruck vom realen Verbrauch zu bekommen. Lässt auf "Trockentest" schließen. Fazit: auf einen für den normalen Autokäufer aussagekräftigen und indivudellen (heißt: keine Textbausteine) Artikel warte ich bis heute. So ist das halt nur weitergereichte Produktwerbung.
Leser161 12.05.2017
4. Schick
Ein schickes kleines Auto mit einem sparsamen Motor. Kia hat sich den Fiat 500 angeschaut und ein bisschen was verbessert. Sehr gut. Wermutstropfen ist der Preis.
scxy 12.05.2017
5. Wermutstrophen ist auch das Design!
Es muss ja nicht jeder Kleinwagen nach Kindchen-Schema entworfen werden, aber auch nicht als Kampfzwerg. So macht sich das eigentlich nicht unsympathische Fahrzeug in meinen Augen völlig lächerlich. Mit so einem Auto herumzufahren wäre mir einfach nur peinlich.
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