Autogramm Kia Picanto X-Line Modeopfer

Er ist klein - und hat die Ausstattung eines Großen. Mit Turbomotor und dem angesagten Auftreten eines Möchtegern-Geländewagens nimmt der Kia Picanto X-Line Abschied vom Image des sparsamen Kleinwagens.

Kia

Der erste Eindruck: Allzeit bereit! Mit dicken Stoßfängern, Plastikplanken um die Radläufe und einem angedeuteten Unterfahrschutz sieht der Picanto jetzt aus, als wolle er zu den Pfadfindern. Und ein bisschen größer wirkt der Winzling obendrein - schließlich wird er mit der Rüstung um sieben Zentimeter länger.

Das sagt der Hersteller: Die Zeiten, in denen Kleinwagen rollende Verzichtserklärungen waren, seien passé, sagt Kia-Deutschlandchef Steffen Cost. Nicht umsonst sei der im vergangenen Jahr erneuerte Kleinwagen Picanto mit fast so vielen Extras bestückt, wie die größeren Modelle Rio oder Ceed. "Und jetzt legen wir noch einen drauf", sagt Kia-Sprecherin Susanne Mickan. Denn in diesen Tagen geht die sogenannte X-Line an den Start. "Wir greifen den Trend zum SUV auf und machen den Kleinwagen zu einem pfiffigen Crossover-Modell."

Der neue Kia Picanto X-Line im Video:

Das ist uns aufgefallen: Wunder darf man von der optischen Abenteuer-Ausstattung nicht erwarten. Einen Rempler auf dem Parkplatz mag das neue Plastik-Beiwerk parieren, doch für die Wildnis ist die X-Line nicht geeignet. Selbst der Unterfahrschutz besteht aus Kunststoff und sieht nur aus, als wäre er aus robustem Metall. Aber für Matsch und Modder ist der Picanto X-Line auch nicht gemacht - selbst wenn die Ingenieure das Fahrwerk um 15 Millimeter aufgebockt haben. Dass es eher um die Mode geht, zeigt die Liebe zum Detail, mit der Kia den Innenraum veredelt hat. Beispielsweise korrespondieren die Ziernähte mit dem Dekor der Anbauteile.

Das Revier des Picanto X-Line ist der Dschungel der Großstadt. Und dort schlägt sich der Wagen wacker. Außen knapp, handlich und agil und innen überraschend geräumig - das war der Picanto seit dem Generationswechsel auch schon ohne den Zierrat. Doch mit den Anbauteilen und den zitronengelben Farbklecksen im Kühlergrill oder um die Nebelscheinwerfer wird er jetzt vollends zum Blickfang und hebt sich wohltuend ab von Langweilern wie dem Ford Ka, dem Opel Karl oder dem Konzernmodell Hyundai i10,.

Was noch auffällt am Picanto X-Line, ist die wirklich umfangreiche Ausstattung. Weil Kia bis auf das Navigationssystem und den Notbremsassistenten wirklich alles in Serie einbaut, was es sonst nur als Option gibt, ist der Kleinstwagen besser bestückt als mancher Kompaktwagen. Sitz- und Lenkradheizung, Touchscreen mit Digitalradio und Rückfahrkamera, Klimaanlage und schlüsselloses Zugangssystem - alles an Bord. So ist es kein Wunder, dass das Modell X-Line fast doppelt so viel kostet wie die Basisvariante.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Kia Picanto X-Line - mit unserem 360-Grad-Foto:

Unabhängig von der Modell- und der Motorvariante erweist sich das Auto einmal mehr als Kleinwagen, der für 3,60 Meter Länge überraschend viel Platz für Kind und Kegel bietet und sich auf der Straße angenehm erwachsen anfühlt. Deshalb kann man sich mit den Winzling auch mal auf eine weite Fahrt begeben und dann auch den neuen Motor schätzen lernen. Denn mit der X-Line führt Kia in der Picanto-Baureihe als neue Top-Motorisierung einen Dreizylinder-Turbomotor ein, der es bei einem Liter Hubraum auf 100 PS Leistung bringt und den X-Line entsprechend nachschärft. Von 0 auf 100 km/h in 10,1 Sekunden und bei Vollgas 180 km/h - für ein Auto dieser Klasse nicht schlecht.

Das muss man wissen: Der neue Picanto ist zwar schon seit dem letzten Sommer im Handel, doch X-Line und 1,0-Liter-Turbomotor werden erst in diesen Tagen ausgeliefert. Mit der Kombination aus üppiger Ausstattung und starkem Motor klettert der Preis für den Kleinstwagen auf 16.190 Euro. Dabei gibt es das Basismodell mit einem 67 PS starken Saug-Benziner bereits ab 9990 Euro. Wer den kleinen Turbo möchte, sich aber nicht für den SUV-Look erwärmen kann, für den gibt es das Kraftpaket zu Preisen ab 15.790 Euro in der etwas sportlicher getrimmten GT-Line.

Das werden wir nicht vergessen: Den Staub und Dreck, der sich nach ein paar Hundert Metern auf einer Baustellenstraße aufs Blech und in die zitronengelben Vertiefungen der Nebelscheinwerfer gelegt hat. Jedem echten Geländewagen würde das zur Ehre gereichen. Aber der X-Line sieht damit irgendwie traurig aus.

Fahrzeugschein
Hersteller: Kia
Typ: Picanto X-Line
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Dreizylinder-Turbobenziner
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 998 ccm
Leistung: 100 PS (74 kW)
Drehmoment: 172 Nm
Von 0 auf 100: 10,1 s
Höchstgeschw.: 180 km/h
Verbrauch (ECE): 4,5 Liter
CO2-Ausstoß: 104 g/km
Kofferraum: 255 Liter
Gewicht: 1.020 kg
Maße: 3670 / 1910 / 1500
Preis: 16.190 EUR
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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
zylinderkopf 26.03.2018
1.
Genau so stelle ich mir das vor, wenn Koreaner mit Botox rumexperimentieren. Da wird die Tuner-Szenen garantiert vor Neid erblassen. Welch ein überflüssiges Design für ein Kurzstreckenvehikel.
vogel.marc 26.03.2018
2. Viel wichtiger wäre zu Wissen...
welche Euro-Einstufung dieser Motor hat und vor allem ob er einen Partikelfilter hat? Ich vermute mal stark es handelt sich um nen Direkteinspritzer und wenn der keinen Partikelfilter eingebaut hat, würde ich mir dieses Auto in der jetzigen Situation auf keinen Fall kaufen (gilt im Moment für alle DI ohne Partikelfilter). Siehe hierzu auch den schon etwas älteren, aber in der Sache immer noch gültigen Beitrag: https://www1.wdr.de/wissen/technik/abwrack-irrsinn-100.html
fitzcarraldo 26.03.2018
3.
Schaut witzig aus, und wenn der auch noch die Verarbeitungsqualität meines KIA Soul hat, klare Kaufempfehlung. So wenig Probleme (eigentlich keine, läuft einfach) hatte ich mit noch keinem meiner Autos(incl.deutscher "Premiummarke").
kenterziege 26.03.2018
4. Ich kann die Beiträge @1 und @2 nur bestätigen...
Vornehmste Aufgabe eines Testers wäre angesichts der aktuellen Situation auf die Abgaseinstufung hinzuweisen. Das sollte noch vor Beschleunigungswerten kommen. Das Design ist einfach Käse. Und wenn es denn ein Stadtauto sein soll, dann fehlt ein Automatikgetriebe. Schade - Kia macht sonst viel richtig und hat einen guten Designchef (Aus Deutschland).
alexanderschulze 26.03.2018
5. Ich finde ihn sympathisch
Der grundsätzlich schon optisch ansprechende Picanto wird durch dieses Kit nochmals deutlich aufgewertet. Ich verstehe nur nicht, warum das Navi (bei Kia TomTom) im Gesamtumfang nicht integriert ist. Und für einen Kleinwagen brauche ich keine Automatik.
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