Autogramm Kia Pro-Cee'd GT: Heiß und schnittig

Von

Autogramm Kia Pro Cee'd GT: Spaß beim Fahren und dennoch sparen Fotos
Kia

Der Cee'd ist Kias Antwort auf den Golf, und bei Design, Technik und Qualität hat der Koreaner mit dem Vorbild gleichgezogen. Nur bei der Sportlichkeit haperte es bislang. Jetzt rollt Kia mit dem Pro-Cee'd GT ein Auto an den Start, das es mit Wolfsburgs Kompakt-Kämpfer aufnehmen soll: dem Golf GTI.

Der erste Eindruck: Hat mal jemand eine Sonnenbrille zur Hand? Mit den je vier LED-Strahlern des Tagfahrlichts, die wie überdimensionale Legosteine in den Stoßfängern glühen, brennt sich der neue Kia Pro-Cee'd GT förmlich den Weg auf der Überholspur frei. Schließlich soll alle Welt sehen, dass Kia jetzt auch ein sportliches Auto baut. Oder ist der Wagen eher kein Blender?

Das sagt der Hersteller: Mitnichten, sagt Ingenieur Joachim Hahn aus dem Entwicklungszentrum in Rüsselsheim, das für den Golf-GTI-Gegner verantwortlich zeichnet. Das Team entwickelte eigens einen neuen Turbolader für den 1,6-Liter-Motor, dessen Leistung um 50 Prozent auf nun 204 PS gesteigert wurde. Hahn kennt den Wagen von vielen Nachtfahrten, in denen er den Dreitürer über deutsche Autobahnen prügelte, insgesamt 160.000 Kilometer mit einem Durchschnittstempo von 150 km/h. "Selten hatte ich bei den Testfahrten so einen Spaß", sagt der Entwickler.

Das ist uns aufgefallen: Dass mit diesem Auto bei Kia jetzt endlich der Antritt auch zum Auftritt passt. Der GT fährt so sportlich, wie der neue, deitürige Pro-Cee'd aussieht. Der 1,6-Liter-Motor giert förmlich nach Gas. Der Twinscroll-Lader mit den zwei getrennten Abgaskanälen zum Turbinenrad spricht so schnell an, dass man kaum mehr ein Turbolöchlein spürt; willig orgelt der Vierzylinder bis an die 6000 Touren.

Vor allem klingt die Maschine auch grandios - zumindest in den Ohren der Insassen, denn draußen wahrt das Auto den Frieden mit der Nachbarschaft. Der Grund: Kia entwickelte für einen kernigen Klang im Auto einen Soundchip und installierte im Cockpit ein paar Lautsprecher, die den Innenraum mit einem heiseren Röhren fluten. Das ist zwar nicht so sinnlich wie das Sprotzeln, Bratzeln und Röhren, das früher durch die Wahl der richtigen Komponenten sozusagen mechanisch erzeugt wurde, passt aber irgendwie ins digitale Zeitalter und ist der richtige Soundtrack für schnelle Sprints und Vollgasetappen auf der Autobahn.

Der koreanische Kompakt-Feger ist aber nicht nur auf der Geraden schnell. Mit tiefer gelegtem Fahrwerk, strammeren Federn und größeren Bremsen braust das Auto auch freudig über eine kurvige Landstraße. Endlich bekommt auch die auf Knopfdruck verstellbare Lenkung einen Sinn, denn sobald man den Sportknopf drückt, versteift sie sich derart, dass man den Pro-Cee'd GT richtig gut im Griff hat.

Doch bei allem Respekt für den Kraftmeier aus Korea und das Feintuning der Ingenieure auf der deutschen Autobahn - an den Golf GTI kommt das Auto dann doch noch nicht heran. Der Wolfsburger fühlt sich einfach präziser an, schneidet die Kurven mit Hilfe des elektronischen Differentials noch schärfer und hat einfach ein bisschen mehr Biss.

Der VW mag langweiliger aussehen, und natürlich sieht man den Wagen sehr viel häufiger im Straßenbild. Doch bei der Kurvenhatz zieht der Pro-Cee'd GT schon gegenüber dem aktuellen GTI-Modell den Kürzeren; und der neue GTI auf Basis des Golf VII wird bereits in wenigen Wochen an den Start gehen.

Das muss man wissen: Nicht nur auf der Landstraße fährt der Kia dem flotten VW ein wenig hinterher. Auch beim Autoquartett macht der Pro-Cee'd GT gegen den Golf GTI kaum einen Stich, erst recht nicht gegen die Neuauflage. Während Kia auf 1,6 Liter Hubraum und 204 PS setzt, punktet VW schon im Grundmodell mit 2,0 Liter Hubraum und 220 PS. Gegen Aufpreis gibt es sogar eine Power-Variante mit 230 PS. Der Kia mobilisiert maximal 265, der VW jedoch bis zu 350 Nm Drehmoment.

Beim Sprint auf Tempo 100 liegen zwischen den beiden Modellen 1,2 Sekunden und wenn dem Pro-Cee'd bei 230 km/h die Puste ausgeht, beschleunigt der Golf noch ein bisschen weiter: 246 km/h schafft die Standard- und sogar 250 Sachen die Sportversion.

Neben dem leidenschaftlicheren Design gibt es deshalb nur einen Punkt, bei dem das koreanische Modell - und zwar klar - die Nase vorn hat: beim Preis. Denn bei VW geht es mit der GTI-Fahrerei erst ab 28.350 Euro los, während der ab Juni und auf Wunsch auch als Fünftürer lieferbare Kia GT bereits ab 22.900 Euro verkauft wird. Da kann man schon ins Grübeln kommen.

Das werden wir nicht vergessen: Das etwas verschwitzte Hemd und die euphorisierte Grundstimmung am Ende der Testfahrt. Bislang war ein Kia eher was für Kopfmenschen, jetzt kribbelt's zum ersten Mal auch im Bauch.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 55 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ---------
brux 27.04.2013
Petrolhead Grünweg hat leider die Angaben zum Verbrauch vergessen. Man wüsste gerne die korrekten Werte, denn KIA und Hyundai sind ja mittlerweile bei dem Thema als grosse Fälscher bekannt.
2.
Hans Blafoo 27.04.2013
Zitat von sysopKiaDer Cee'd ist Kias Antwort auf den Golf, und bei Design, Technik und Qualität hat der Koreaner mit dem Vorbild gleichgezogen. Nur bei der Sportlichkeit haperte es bislang. Jetzt rollt Kia mit dem Pro-Cee'd GT ein Auto an den Start, das es mit Wolfsburgs Kompakt-Kämpfer aufnehmen soll: dem Golf GTI. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/kia-pro-cee-d-gt-rasanter-kompaktwagen-als-neuer-golf-gti-konkurrent-a-896499.html
Design ist ja bekanntlich eine Geschmacksfrage, aber wenn ich mir den Innenraum anschaue, frage ich mich wo Kia da mit dem Golf gleichgezogen haben soll? Den Golf 7 finde ich innen richtig schick und edel, alles wirkt wie aus einem Guss während es im Kia, gerade bei der Mittelkonsole doch irgendwie billig aussieht.
3. Versetzung in die Kindheit
seikor 27.04.2013
soll man nun ein Auto kaufen, weil es ein anderes im Kinderquartett sticht? Ansonsten glänzt der Artikel auch nicht gerade durch klare Daten: der Kia beschleunigt also um 1,2s langsamer als der Golf von 0 auf 100. Ja, wie schnell beschleunigt er denn nu? Auch seltsam, dieses Auto mit einem anderen Auto zu vergleichen, dass fast die Hälfte mehr kostet... Kein guter Vergleich.
4. @brux
digitus_medius 27.04.2013
soso, nur KIA und Hyundai. Und die anderen nicht? Wer's glaubt. Ausserdem interessiert bei einem sportlichen Fahrzeug der Verbrauch nicht.
5.
wakaba 27.04.2013
Kleinwagen, stuckerig, kein Platz, unübersichtlich, Säufer, Frontantrieb. Das ist eine fahrende Beleidigung und genauso langweilig und schlecht wie ein Golf. Zum Glück hab ich es nicht nötig mich nach unten orientieren zu müssen...Zuviele Prolle und dementsprechend werden auch viele Prolleratis vermietet und verschandeln das Landschaftsbild...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Tests
RSS
alles zum Thema Kia
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 55 Kommentare
Facebook

Fahrzeugschein
Hersteller: Kia
Typ: Pro Cee'd GT
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Turbobenziner
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.591 ccm
Leistung: 204 PS (150 kW)
Drehmoment: 265 Nm
Von 0 auf 100: 7,7 s
Höchstgeschw.: 230 km/h
Verbrauch (ECE): 7,4 Liter
CO2-Ausstoß: 171 g/km
Kofferraum: 380 Liter
umgebaut: 1.225 Liter
Gewicht: 1.359 kg
Maße: 4310 / 1780 / 1430
Preis: 22.900 EUR


Aktuelles zu