Autogramm Kia Rio Jetzt wird's ernst

Frische Optik, umfangreiche Ausstattung: Mit dem neuen Rio will sich Kia auch in der Kleinwagenklasse endgültig vom Billigimage verabschieden. Das führt zu Überraschungen in der Preisliste.

Kia

Der erste Eindruck: Rundum gefälliges Design - das kannte man beim Rio so noch nicht.

Das sagt der Hersteller: In der Kia-internen Rangliste der weltweit bestverkauften Modelle streiten das SUV-Modell Sportage und der Kleinwagen Rio um die Führungsrolle. Hierzulande ist der Rio nicht ganz so begehrt, und natürlich möchte Steffen Cost, der Chef von Kia in Deutschland, das ändern.

Das ist uns aufgefallen: Die bequeme Sitzposition mit genügend Platz um die Schultern, die piekfeinen Materialien mit sauberer Verarbeitung und der frei stehende Bildschirm über der Mittelkonsole. Das erinnert ein bisschen an die Mercedes A-Klasse - allerdings ist der Bildschirm im Rio im Gegensatz zur Variante im kleinen Daimler auch noch berührungsempfindlich und funktioniert per Touchbedienung.

Im Vergleich zum Vorgänger bietet die neue Baureihe mehr Beinfreiheit im Fond, und der Kofferraum fasst jetzt mit 325 Litern (plus 37 Liter) beinahe so viel wie mancher Kompaktwagen. Dass man es beim Kia Rio mit einem Kleinwagen zu tun hat, merkt man allenfalls, wenn man den Zollstock anlegt. Dann erkennt man auch, dass der vorhandene Platz viel besser ausgenutzt wurde, denn das Auto ist beim Generationswechsel lediglich um 15 Millimeter länger geworden und misst jetzt 4,07 Meter. Das ist in etwa das Niveau eines Opel Corsa.

Aber vor allem in der ersten Reihe macht der Wagen einen so seriösen Eindruck wie viele Autos in der nächsthöheren Klasse. Das ist einerseits gut, weil man sich aufgehoben fühlt, es moderne Infotainment-Technologie gibt sowie jede Menge Assistenzsysteme von der Notbremse mit Fußgängererkennung bis zur Spurführungshilfe. Und es ist zugleich schade, weil der Wagen dadurch auch ein bisschen streberhaft und spaßfrei wirkt und nicht so recht in die bunte Lifestyle-Welt passen will, die uns das Marketing im Kleinwagensegment so gerne vorgaukelt.

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Autogramm Kia Rio: Plötzlich erwachsen

Seriös und erwachsen - das ist auch die beste Umschreibung für das Fahrverhalten des Rio. Dank präziser Lenkung und gründlicher Abstimmung wirkt er größer und souveräner, als man es von anderen Kleinwagen von Importmarken kennt. In unserem Testwagen steckte der neue Dreizylinder-Turbobenziner, der aus 1,0 Liter Hubraum stattliche 120 PS schöpft und einen für diese Zylinderzahl typisch pötternden Sound hat. Ungewöhnlich dagegen: Der Motor ist mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe gekoppelt - in diesem Segment bringt es die Konkurrenz meistens nur auf fünf Gänge. Die Maschine ist quirlig und bringt den Rio gut in Fahrt. In einem Kleinwagen in 10,2 Sekunden von 0 auf Tempo 100, dazu eine Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h - das ist eine klare Ansage.

Aber die Sache hat einen Haken: Jetzt kann man zwar entspannt auch lange Strecken zurücklegen, doch weder wirkt der Rio auf der Landstraße sonderlich agil, noch fühlt er sich im Stadtverkehr so richtig quicklebendig an. Ein bisschen Verwegenheit oder gar einen Hauch vom Go-Kart-Gefühl eines Mini sucht man vergebens. Immerhin, der Wendekreis wurde gegenüber dem Vorgängermodell kleiner, das Rangieren gelingt also noch einfacher.

Das muss man wissen: Das Design entstand in Frankfurt und in Kalifornien, gebaut wird das Auto in Südkorea und seit 11. Februar steht der neue Rio bei den Händlern in Deutschland. Der Grundpreis für den Wagen liegt bei 11.690 Euro. Vorerst wird ausschließlich die fünftürige Variante mit sechs verschiedenen Motorisierungen angeboten. Den neuen Dreizylinder-Benziner gibt es mit 100 und 120 PS, dazu zwei Vierzylinder mit 1,2 und 1,4 Liter Hubraum und 84 oder 99 PS, und schließlich sind auch zwei 1,4-Liter-Diesel mit 77 oder 90 PS verfügbar. Serienmäßig ist stets eine Start-Stopp-Automatik an Bord.

Wie immer bei koreanischen Autos protzt auch der Rio mit einer üppigen Ausstattung, zu der ab Werk unter anderem sechs Airbags, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber und ein Audio-System zählen. Schon das ist mehr als bei vielen europäischen Konkurrenten. Doch das wichtigste Argument ist die Gewährleistung: Als einziger Kleinwagen kommt der Rio mit sieben Jahren Garantie auf den Markt.

Das werden wir nicht vergessen. Die Überraschung beim Blick auf den Preis des Testwagens. Denn die 11.690 Euro Grundpreis sind lediglich ein Lockangebot. Mit 120-PS-Benziner und dem "Platinum-Edition"-Paket ist dann zwar wirklich alles an Extras inklusive, doch stehen dafür auch 21.290 Euro auf der Rechnung. Im Ernst jetzt?

Fahrzeugschein
Hersteller: Kia
Typ: Rio (2017)
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Dreizylinder-Turbobenziner
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 998 ccm
Leistung: 120 PS (88 kW)
Drehmoment: 172 Nm
Von 0 auf 100: 10,2 s
Höchstgeschw.: 190 km/h
Verbrauch (ECE): 4,7 Liter
CO2-Ausstoß: 107 g/km
Kofferraum: 325 Liter
umgebaut: 997 Liter
Gewicht: 1.160 kg
Maße: 4065 / 1725 / 1450
Preis: 19.290 EUR
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insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
Plasmabruzzler 17.02.2017
1.
Ich verstehe bis heute nicht, warum die Presse feiert, wenn ein Auto "erwachsen" (sprich: länger und ggf. breiter) wird. Schade, dass es wirkliche Kleinwagen nicht mehr gibt und die Verbliebenen "erwachsen" geworden sind. Wenn das so weiter geht, haben heutige Kleinwagen in 20 Jahren die Ausmaße eines Transporters. Bei dem Preis, der in der Tabelle genannt wird, fällt man ja fast vom Glauben ab (knapp 20.000 EUR). Bei der Basisversion für knapp 12.000 EUR darf man hoffentlich erwarten, Zentralverriegelung, Servolenkung und dergleichen zu haben?
frankfranic 17.02.2017
2. 21 290 Euro
Wow, ich habe Ende 2011 für meinen fabrikneuen Daihatsu Charade (Toyota Yaris) mit nahezu Komplettausstattung 9 990 Euro bezahlt. Der hatte allerdings auch keine geschäumte Armaturentafel und die Geräusche der Schalter sind grenzwertig ... :-)
MKAchter 17.02.2017
3. Kein Thema
Zitat: "....gebaut wird das Auto in Südkorea". Danke, damit ist für mich, als potenziellen Kompaktklasse-Kunden, das Thema bereits beendet. Ja, es gibt inzwischen viele Bereiche, wo Fernost-Produkte nahezu "alternativlos" geworden sind. Im Pkw-Bereich, zumal in der eng umkämpften Kompaktklasse, ist das aber definitiv nicht so. Europäische Hersteller bieten eine große Zahl an Wahlmöglichkeiten. Globalisierte Pkw-Industrie hin oder her - ich bin dafür, von der Kunden-/Nachfragerseite her die europäischen Fertigungsstandorte und die dort Arbeitenden zu unterstützen.
Der neoliberale Ökonom 17.02.2017
4. Spon, was soll die Lobhudelei
Die Fahrleistungen sind allenfallsdurchschnittlich. Bei 120 PS und ca. 1,1 t Gewicht sollten eigentlich 200 kmh und eine Beschleunigung von 0 auf 100 deutlich unter 10s möglich sein. Oder hat der Rio 120 Korea-PS? Nicht falsch verstehen, der Rio mag kein schlechter Kleinwagen sein, aber die Formulierungen machen ihn zu mehr als er eigentlich ist.
krypton8310 17.02.2017
5.
Zitat von MKAchterZitat: "....gebaut wird das Auto in Südkorea". Danke, damit ist für mich, als potenziellen Kompaktklasse-Kunden, das Thema bereits beendet. Ja, es gibt inzwischen viele Bereiche, wo Fernost-Produkte nahezu "alternativlos" geworden sind. Im Pkw-Bereich, zumal in der eng umkämpften Kompaktklasse, ist das aber definitiv nicht so. Europäische Hersteller bieten eine große Zahl an Wahlmöglichkeiten. Globalisierte Pkw-Industrie hin oder her - ich bin dafür, von der Kunden-/Nachfragerseite her die europäischen Fertigungsstandorte und die dort Arbeitenden zu unterstützen.
Sobald die Autokonzerne auch aus reinem Patriotismus entscheidungen treffen (und damit meine ich Deutschland, nicht Europa), mach ich's Ihnen nach. Bis dahin versuche ich möglichst rationale Kosten-Nutzen-Entscheidungen zu treffen. Wie die Verkäufer- bzw. Herstellerseite auch. Nennt sich Martwirtschaft. Dem stellen sich die deutschen Hersteller ja auch recht erfolgreich. Die brauchen weder Sie noch mich als Patrioten.
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