Kia Sorento: Dickschiff auf Kuschelkurs

Von Tom Grünweg

Der Sorento war für Kia ein Meilenstein, weil der SUV die koreanische Marke hierzulande weithin bekannt machte. Jetzt, nach sieben Jahren, wirkt der stattliche Allradler mit Leiterrahmen verstaubt, und so tritt die zweite Generation an - schlanker, sparsamer, moderner.

Kia Sorento: Nie wieder rustikal Fotos

Als Kia 2002 den Sorento auf den Markt brachte, war das Auto fast allein auf weiter Flur. In der Liga darüber, da gab es Allradler wie die Mercedes M-Klasse oder den BMW X5, und daneben hielten sich hart gesottene Offroader wie Mitsubishi Pajero oder Nissan Pathfinder. Doch bezahlbare SUV-Modelle waren Mangelware, und der große Kraxler aus dem fernen Osten wurde über Nacht zum Erfolgsmodell. Erstmals seit dem Europa-Debüt von Kia gab es damals sogar Lieferfristen für ein Modell.

Heute sieht die Lage ein wenig anders aus. Die Zahl der Konkurrenzmodelle ist eklatant gestiegen und die Diskussion um steigenden CO2-Ausstoß und schmelzende Anlagevermögen macht den Verkauf großer Geländewagen nicht eben leichter. Deshalb nutzen die Koreaner den bevorstehenden Generationswechsel jetzt zu einer Kurskorrektur für den Sorento und gehen mit den Kunden kuscheln: Die ab November lieferbare Neuauflage wird schöner und schlanker, sparsamer und schneller, komfortabler, kräftiger und obendrein noch billiger als bisher.

Auf den ersten Blick ist das freilich ein Widerspruch. Denn wie fast alle neuen Autos wächst auch der Sorento: Während der Radstand um einen Zentimeter schrumpft, streckt sich das Gesamtfahrzeug um zehn Zentimeter in die Länge und misst nun 4,69 Meter. Das schafft innen genug Raum auf allen Plätzen und führt zu 20 Prozent mehr Kofferraumvolumen. Zudem ist nun ausreichend Platz, um als Option eine dritte Sitzreihe anzubieten. Mit wenigen Handgriffen aus dem Boden gezaubert, ist sie zumindest für Teenager keine Strafbank. Schiebt man sie wieder ins Souterrain und legt auch die zweite Sitzreihe flach, schluckt der Sorento 1582 Liter.

Dass der Wagen trotz des neuen Formats schlanker wirkt und obendrein einen geringeren Luftwiderstand hat, liegt an dem um fünf Zentimeter tiefergezogenen Dach, dem schnittigen Familiengesicht aus der Feder von Kia-Designchef Peter Schreyer und den kessen Sicken in den Flanken. Und dass er je nach Variante um bis zu 200 Kilo abspeckt, verdankt er dem neuen Konstruktionsprinzip: Leiterrahmen und Starrachse haben die Koreaner endlich ausgemustert und den Sorento stattdessen gebaut wie einen modernen Pkw. Die Karosserie trägt sich selbst und die Räder sind einzeln aufgehängt.

Ein neues Fahrgefühl und zwei neue Motoren

Davon profitieren künftige Sorento-Fahrer in Hinsicht auf Verbrauch und mehr noch in Sachen Fahrkomfort. Jederzeit hat man ein gutes Gefühl für die Straße, auch auf schlechten Strecken wird die Reise nicht zur Zitterpartie und mit der neuen Lenkung hält man das große Auto sicher auf Kurs. Dabei helfen die breitere Spur bei flotter Landstraßenfahrt und in der Stadt der merklich kleinere Wendekreis.

Unter der Haube hat Kia beim Modellwechsel ebenfalls ausgemistet: Die Basisversion fährt mit einem überarbeiteten Benzinmotor mit 2,4 Litern Hubraum und 174 PS vor. Mit der Maschine erreicht der Sorento zwar irgendwann das Spitzentempo von 190 km/h und ist mit einem Normverbrauch von 8,5 Litern halbwegs sozialverträglich, doch wirkt der Vierzylinder mit mageren 225 Nm Drehmoment gerade beim Anfahren so behäbig, dass er die Sehnsucht nach dem alten V6-Motor weckt - der allerdings zwei Liter mehr schluckte.

Solche Überlegungen sind ziemlich realitätsfern, denn die Mehrzahl der Kunden bestellt Autos dieser Kategorie mit einem Dieselmotor. Prompt bietet Kia für den Sorento auch einen neuen Selbstzünder an. Er hat 2,2 Liter Hubraum, kommt auf 197 PS und geht mit bis zu 436 Nm zu Werke. Kräftig und ausgesprochen kultiviert bringt er die Fuhre in Fahrt, hat nach kaum zehn Sekunden Tempo 100 erreicht, kommt ebenfalls auf 190 Sachen und harmoniert gut mit dem ebenfalls neuen Automatikgetriebe. Außerdem benimmt sich der Motor überraschend sparsam: 6,5 Liter verbraucht der Vierzylinder, wenn man auf Allrad verzichtet und die Gänge von Hand wechselt.

Auch bei üppiger Ausstattung bleibt der Preis vergleichsweise moderat

Auf dem Papier beginnen die Preise für den Benziner bei 28.505 Euro und für den Diesel bei 30.770 Euro. Auch wenn ab Werkt bereits sechs Airbags und der Schleuderschutz ESP installiert sind, auf den Achsen Aluräder stecken und im Innenraum für Klimatisierung und adäquate Musikbeschallung gesorgt ist, wird sich damit in dieser Klasse kaum einer zufrieden geben. Also dürften die aufpreispflichtigen Extras eifrig geordert werden, etwa der elektronisch geregelte Allradantrieb für rund 2500 Euro, Lederpolster und Xenonleuchten oder die Rückfahrkamera mit einem in den Innenspiegel integrierten Monitor. Auch dann aber landet der Sorento preislich dort, wo die deutsche Konkurrenz erst anfängt.

Kia-Präsident Hyoung-Keun Lee weiß, dass sich die Zeiten im Vergleich zu jenen, als die erste Sorento-Generation debütierte, geändert haben und den großen SUV-Modellen der Wind entgegen weht. Doch mit fast einer Million bisheriger Sorento-Kunden im Rücken und dem neuen Modell vor Augen wirkt er recht zuversichtlich. "Trotz der momentanen wirtschaftlichen Unsicherheit sind wir überzeugt, dass der neue Sorento den Kia Marktanteil im SUV-Segment deutlich steigern wird", sagt der Chef. Es klingt aber doch eher wie Zweckoptimismus.

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Fahrzeugschein
Hersteller: Kia
Typ: Sorento 2.2 CRDI
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Vierzylinder-Diesel
Hubraum: 2.199 ccm
Leistung: 197 PS (145 kW)
Drehmoment: 436 Nm
Von 0 auf 100: 10,0 s
Höchstgeschw.: 190 km/h
Verbrauch (ECE): 7,4 Liter
CO2-Ausstoß: 194 g/km
Kofferraum: 528 Liter
umgebaut: 1.528 Liter
Preis: 33.415 EUR


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